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Fit für die Videokonferenz: Sicheres Auftreten vor der Kamera

Geschäftsleute in einer Webkonferenz, Blick über die Schulter einer Teilnehmerin in Online-Meeting mit geteiltem Bildschirm mit vier weiteren Personen

Ein selbstbewusstes und sicheres Auftreten in Videokonferenzen ist nicht selbstverständlich – doch diese Fähigkeit ist immer gefragter: Gerade im Kontakt mit GeschäftspartnerInnen sind Online-Meetings ein wichtiges Kommunikationsmittel. Wie dieses sichere Auftreten auch vor der Webcam gelingt, weiß Yvonne de Bark, Kommunikationstrainerin und Expertin für Körpersprache. Im Interview mit Oliver Foitzik erklärt sie, welche Effekte Videochats auf uns Menschen haben und auf welche Punkte Sie bei Videokonferenzen unbedingt achten sollten.

„Videokonferenzen, Onlinemeetings, Webkuscheln sind das digitale Kommunikationsgold“ – Körperspracheexpertin und Kommunikationstrainerin Yvonne de Bark im Interview

Frau de Bark, was ist Webkuscheln und warum digitales Kommunikationsgold?

Yvonne de Bark: Als Menschen brauchen wir menschlichen Kontakt. Kennen Sie den Film „Verschollen“ mit Tom Hanks, der sich aus lauter Einsamkeit mit einem Ball anfreundete, dem er den Namen Wilson gab? Wir Menschen haben ein psychologisches Grundbedürfnis nach Kontakt. Die meisten zumindest. Klar kann ich auch mal längere Zeit ohne Menschen um mich sein und dann genieße ich das sogar. Aber irgendwann ist Schluss, dann will ich reden, Interaktion, gemeinsam lachen, mich austauschen und einfach nur mal ein anderes Gesicht als meines sehen.

Über Videokonferenzen ist das möglich. Zwar fehlen hier zum Beispiel olfaktorische Informationen, auf gut Deutsch: „Wir riechen den anderen nicht“, aber das ist bei manchen vielleicht auch ganz gut so. Webkuscheln beschreibt für mich ideal das Bedürfnis nach menschlichem Kontakt über das Kommunikationsmedium Internet. Durch den Blickkontakt wird das Kuschel- und Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Durch gemeinsames Lachen auch. Und es kann nichts Geringeres als das Gold in der digitalen Kommunikation sein, weil wir durch kein Medium schneller Vertrauen aufbauen können als wenn wir die Körpersprache des anderen wahrnehmen, seine Reaktionen erkennen und emotionales Feedback sehen können.

Können wir bei einer Videokonferenz immer besseren Kontakt herstellen oder können wir diese Chance auch zunichtemachen?

Yvonne de Bark: Oh ja, man kann so eine Videokonferenz tatsächlich „versemmeln“. Das passiert, wenn der andere unser Gesicht nur als Schattenspiel sieht oder der Ton so schlecht ist, dass der andere sich auditiv belästigt fühlt. Dazu möchte ich einige Tipps nennen, wie Sie einen richtig guten und positiv bleibenden Eindruck bei Ihrem Gegenüber in einer Videokonferenz hinterlassen. Zunächst zum Setting:

  • Das Licht sollte weder von oben noch von hinten kommen, sondern von vorne. Es gibt für kleines Geld tolle LED-Panels oder Ringlichter, die schnell verstaut und ebenso schnell neben den Monitor gestellt sind. Diese lassen Sie in einem weichen und ansprechenden Licht erstrahlen.
  • Der Hintergrund erzählt viel über Sie (und Ihr Unternehmen). Der Blick schweift während einer Videokonferenz immer wieder auf den Hintergrund. Das können Sie sich zunutze machen und ihn so gestalten, wie Sie wahrgenommen werden möchten. Grundsätzlich gilt: Strukturiert wirkt besser als unordentlich. Weniger Gegenstände wirkt attraktiver als mehr. Weiter weg von der Wand wirkt großzügiger als schattenwerfend mit dem Rücken an die Wand gestellt.
  • Achten Sie darauf, dass keine Bilder oder Pflanzen hinter Ihnen positioniert sind, die aus dem Blickwinkel des Betrachters aus Ihrem Kopf zu wachsen scheinen.
  • Wählen Sie den Bildausschnitt so, dass in etwa eine Hand breit über Ihrem Kopf bis zum oberen Bildrand Luft ist. Wenn Sie zu viel leeren Raum über Ihrem Kopf haben, wirken Sie kleiner als Sie das vielleicht wollen.
  • Blicken Sie nicht von oben herab auf Ihren Gesprächspartner. Eine einfache Lösung ist, den Laptop auf ein paar Bücher oder einen Laptopständer zu stellen.
  • Sitzen Sie gerade. Die meisten Menschen sinken am Schreibtisch in sich zusammen. Das wirkt lasch und wenig kompetent. Dazu eine tolle Übung für Sie, mit der Sie eine aufrechte und präsente Ausstrahlung bekommen: Denken Sie sich einen Faden, der Sie in Ihrer Vorstellung aus der Verlängerung der Wirbelsäule durch den Scheitelpunkt des Kopfes nach oben zieht. Achten Sie dabei darauf, dass der Nacken schön lang wird und das Kinn unten bleibt.
  • Halten Sie Blickkontakt. Das ist das Schwerste an einer Videokonferenz, denn dafür ist es unabdingbar, in die Linse zu blicken und nicht auf den Monitor. Das kann anfangs irritieren, weil wir es gewohnt sind, in Augen zu blicken. Es lohnt sich für eine starke Verbindung zum Gesprächspartner aber, sich dazu zu zwingen.
  • Lächeln Sie nach der Verabschiedung bis zum Schluss. Es wäre doch schade, wenn der letzte Gesichtsausdruck, den der andere von Ihnen im Gedächtnis hat, eine ernste, konzentrierte Miene auf der Suche nach dem Ausknopf ist.

Vielen Dank für diese hilfreichen Tipps! Woher weiß ich denn, ob ich alles richtig eingestellt habe und wie ich mit meiner Körpersprache auf andere wirke?

Yvonne de Bark: Ich rate jedem, sich mit einem Freund oder guten Kollegen bei einer Videokonferenz auszutauschen, wie die eigene Wirkung auf den anderen ist. In meinem Onlinekurs „In Videokonferenzen souverän auftreten“ mit 22 Lektionen habe ich dafür eine Checkliste, an der sich auch der Feedbackgeber nur zu orientieren braucht. Ich biete den Teilnehmern des Kurses auch an, nach dem Genuss der kurzen Videosequenzen in ein 30-minütiges Online-Einzelcoaching mit mir zu gehen. Da gehe ich dann individuell mit den Leuten auf deren Bedürfnisse ein, setze online das Licht optimal und gebe schnell umsetzbare Tipps zur persönlichen körpersprachlichen Wirkung.

Liebe Frau de Bark, vielen Dank für das inhaltsstarke Interview. Ich bin mir sicher, dass es vielen hilft, vor der Webcam einen richtig guten Eindruck zu machen und vor allem die Videokonferenz als Kommunikationsgold für sich zu nutzen. Haben Sie noch einen abschließenden Tipp für die Leser?

Yvonne de Bark: Mein bester Tipp, mit dem Sie und Ihre Videokonferenz bei Ihrem Gegenüber positiv im Gedächtnis haften bleiben, ist: Lachen Sie – wenn es das Thema erlaubt – mindestens einmal während der Videokonferenz mit Ihrem Gesprächspartner. Denn ein Blick verbindet Menschen, und ein Lächeln verbindet Herzen.

Vielen herzlichen Dank für die hilfreichen Tipps, wie man sich richtig auf Webkonferenzen vorbereitet! Ihnen alles Gute für Ihren weiteren Weg!

Das Interview mit Yvonne de Bark führte Oliver Foitzik, Herausgeber des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO sowie Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

Anmerkung der Redaktion: Beim kostenfreien Online Kongress „Unter Druck entstehen Diamanten“ können Sie Yvonne de Bark live erleben. Der Kongress findet vom 20. bis 23. April 2020 statt. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung erhalten Sie hier:

 

Yvonne de Bark Portraitbild
Yvonne de Bark gehört zu den gefragtesten ExpertInnen in Sachen Körpersprache und nonverbale Kommunikation in Deutschland. (Bild: © Yvonne de Bark)

Über Yvonne de Bark

Yvonne de Bark gehört zu den Top-Experten zum Thema Körpersprache und Wirkung. Die studierte Schauspielerin und Hochschuldozentin ist eine der gefragtesten Spezialistinnen für nonverbale Kommunikation in Deutschland. Sie unterstützt Vorstände in DAX-Unternehmen, schult Politiker und hält Seminare für alle, die sicher auftreten und ihre Wirkung zielgerichtet einsetzen wollen. Sie ist internationale Top-Speakerin, erfolgreiche Autorin und leidenschaftliche Trainerin.

Mehr über Yvonne de Bark erfahren Sie unter www.yvonnedebark.de. Zum ihrem aktuell reduzierten Onlinekurs geht es hier entlang:

Souverän auftreten in einer Videokonferenz

Alle Onlinekurse von Yvonne de Bark aufrufen

Oliver Foitzik

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