Energiepolitik

Franz Alt: Atomstrom teurer als Solarstrom

… aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Franz Alt. Nach „Die Strompreis-Lüge“ folgt heute: „Atomstrom teurer als Solarstrom“.

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[Bild: Gerd Altmann / pixelio.de]

Seit Jahrzehnten wird uns das Märchen vom „billigen Atomstrom“ erzählt. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Soeben wurde in England das erste neue Atomkraftwerk (AKW) seit 1996 genehmigt. Allerdings: Die Anlage von Hinkley Point rechnet sich nur, wenn die Betreiber je Kilowattstunde Atomstrom 11 Cent Vergütung für 35 Jahre vom Steuerzahler garantiert bekommen. Außerdem bürgt der britische Staat für das Gros der Investition in das AKW, das von chinesischen und französischen Investoren gebaut wird.

Damit ist britischer Atomstrom teurer als Solar- und Windstrom in Deutschland. Denn außer den 11 Cent Vergütung je Kilowattstunde gibt es in Großbritannien noch Jahr für Jahr einen vollen Inflationsausgleich.

Hinzu kommt:

Die Einspeise-Vergütung für Erneuerbare Energien gibt es in Deutschland 20 Jahre, aber die Vergütung für den neuen Atomstrom in Großbritannien 35 Jahre.

Zurzeit gibt es hierzulande für PV-Großanlagen eine Vergütung von 9.88 Cent pro KWh. Wie gesagt 20 Jahre lang und ohne Inflationsausgleich. Windmüller erhalten zurzeit sechs bis neun Cent je KWh.

Vor etwa drei Jahren hatte die konservative britische Regierung noch angekündigt, zehn neue AKW bauen zu wollen. Davon sind jetzt noch zwei übrig geblieben.

Vor 20 Jahren waren weltweit noch 440 AKW in Betrieb, jetzt noch 390. In der EU wurden seit dem Jahr 2000 43 AKW stillgelegt und nur drei neue gebaut. So sieht die vielbeschworene „Renaissance der Atomkraft“ wirklich aus.

Weltweit müssen in den nächsten 20 Jahren mehr als die Hälfte aller AKW stillgelegt werden – aus Alters- und Sicherheitsgründen. Neue Anlagen werden zwar geplant, aber kaum noch gebaut. Überall gibt es Widerstand dagegen – hauptsächlich in Finnland und Südkorea, aber auch in Frankreich, Russland und China.

Atomstrom wird immer teurer, Solar- und Windsstrom immer preiswerter. Schon aus ökonomischen Gründen ist klar, wem die Zukunft gehört, aus sicherheits- und ökologischen Gründen sowieso. Deshalb ist heute, zweieinhalb Jahre nach Fukushima die Atomkraft in den meisten Ländern Europas geächtet.

Die Berliner TAZ schreibt zum Bau des neuen AKW in England zu Recht von einem „Reaktor als Bankrotterklärung

Quelle: © Franz Alt 2013


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Über Franz Alt:

Portrait von Dr. Franz Alt
Dr. Franz alt (© Bild: privat)

Dr. Franz Alt hat politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Er war zwanzig Jahre Leiter und Moderator von „Report Baden-Baden“, bis 2003 Leiter der Zukunftsredaktion des SWR sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins „Grenzenlos“. In den letzten Jahren hat er sich zudem als anerkannter und leidenschaftlicher Experte für die Bereiche Erneuerbare Energien sowie Energie- und Umweltpolitik etabliert. Er wurde von der EU-Kommission mit dem „Europäischen Solarpreis für Publizistik“ ausgezeichnet und hält jährlich hunderte Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wird er auch regelmäßig von ausländischen Regierungen gebeten, das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz vorzustellen, das international als Vorbild für eine regenerative Energiewende mit der Zielgröße der Energieautarkie gilt. Für weiterführende Informationen siehe seine Website www.sonnenseite.com.

Lesen Sie hier seinen Gastbeitrag von letzter Woche: „Die Strompreis-Lüge“.

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Sein aktuelles Buch:

Franz Alt

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Franz Alt: Auf der Sonnenseite

Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht
256 Seiten
€ 9,99 (D) / € 10,30 (A) / sFr 14,90
ISBN 978-3-492-30351-4 [WG 2985]

Bereits ein Viertel unseres Bedarfs wird durch Ökostrom gedeckt: Die Energiewende hat Deutschland zum Vorreiter alternativer Energiequellen gemacht. Doch warum sind wir immer noch von Öl, Gas, Kohle und Atomstrom abhängig? Warum stehen Lobbyisten weiter unter dem Schutz der Politik? Franz Alt deckt auf, wer die Energiewende bremst und warum sie dennoch alternativlos ist. Der langjährige Berater von Regierungen und Konzernen legt eine brisante Analyse vor, die Lobbyisten, Energiemultis und Politikern nicht gefallen wird. (Link)


Christoph Schroeder

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