Interviews

„Mit Design Thinking sieht man nicht das Problem – sondern die Lösung!“ – Katrin Polon-Schulz im Interview

Katrin Polon-Schulz ist Expertin für Blended-Learning bei der Integrata AG. Besonders haben es ihr Kreativitätstechniken angetan. Sie ist überzeugt: Mit den richtigen Methoden kann jeder das kreative Potenzial, das in ihm schlummert wecken und zum Wohle des Unternehmens einbringen. Eine dieser Methoden ist das Design Thinking.

Über Design Thinking hält Katrin Polon-Schulz auf der Zunkunft Personal 2015 am Mittwoch, 16. September, ab 9.30 Uhr einen Vortrag mit dem Titel „Design Thinking – Wie schaffe ich ein neues Arbeitsbewusstsein“.

Hinweis der Redaktion: Für unsere AGITANO-Leser haben wir Freikarten. Hier können Sie sich diese „abholen“: Zukunft Personal – Größte Personalfachmesse in Europa – 15.-17.09.2015  (siehe Anmeldeformular am Ende des Beitrages).

 

„Design Thinking fördert Autonomie und Flexibilität bei der Arbeit“

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Katrin Polon-Schulz ist Expertin für Blended Learning. (© Katrin Polon-Schulz)

Hallo Frau Polon-Schulz. Kann man Kreativität lernen?

Kreativität steckt in jedem Menschen, wir haben aber zum Teil verlernt, dieses Potenzial zu nutzen – oder trauen uns ganz einfach nicht, das „herauszulassen“!Wenn Sie sich mit den Menschen in Ihrem Umfeld darüber unterhalten, was sie in ihrer Freizeit tun, werden Sie schnell feststellen, dass hier unglaublich viel Kreativität vorhanden ist. Vom kochenden Informatiker bis zur musizierenden Buchhalterin werden sie eine bunte Vielfalt an kreativen Hobbys antreffen. Nur sieht man diese in ihrem beruflichen Wirken nicht.

Denken Designer anders als andere Menschen?

Sie haben zum Teil einen anderen, freieren Blick auf Themen. Gehen mitunter auch unvoreingenommener an Themen heran, sie denken unkomplizierter, lassen auch einmal einen Gedanken sich entfalten, auch wenn sie diesen am Ende eventuell verwerfen oder etwas vollkommen anderes daraus entsteht.

Design Thinking wurde ursprünglich für die Software-Entwicklung eingesetzt. Wie hat es den Sprung in andere Geschäftsbereiche geschafft?

Komplexe Problemstellungen und innovative Lösungen sind Fragestellungen, die nicht nur die IT-Welt betreffen. Es sind vielmehr Fragestellungen und Herausforderungen in jedem Unternehmen, welche sich in unserer heutigen schnellen Welt stellen. Daher denke ich, ist es nur folgerichtig, dass eine erfolgreiche Methode wie Design Thinking auf andere Bereiche übertragen wird.

Insbesondere, da in den IT-Feldern ja bereits auch auf andere Fachexperten zur Problemlösung zurückgegriffen wurde, war der Schritt kein großer.

Airbnb-Co-Founder Joe Gebbia hat in mehreren Interviews betont, dass Design Thinking das Unternehmen vor der Pleite gerettet habe. Wie ist es möglich, dass man mit Design Thinking den Profit eines Unternehmens so stark steigern kann?

Unternehmen, die sich in einer Schieflage befinden, erinnern manches Mal an einen Hühnerhaufen, alle laufen herum und wissen nicht so recht was zu tun ist. Diese Energie, das Herumlaufen, Hektik, sinnloser Aktionismus, Frustration, all das muss umgeleitet werden. Zum Beispiel indem man versucht, sich in Workshops in verschiedene Perspektiven zu versetzen, zu „spinnen“, Träume, Gedanken einmal zu äußern etc. So kann man diese Energie in Bahnen bringen, in denen etwas Neues entstehen kann. Wenn am Ende herauskommt, dass es eine kleine Prozessänderung ist, die zur Kundenzufriedenheit führt oder aus einem in die Jahre gekommenen Produkt durchaus noch etwas zu machen ist oder aus dem Knowhow im eigenen Unternehmen etwas Neues entsteht, kann Design Thinking tatsächlich Existenzen und Unternehmen retten. Ich glaube die meisten wären überrascht, wenn sie wüssten, welche Potenziale in ihren Mitarbeitern schlummern.

Ich hatte einmal eine Mathematikerin als Kollegin, sie war sehr strukturiert, sehr logisch. Wenn Sie mich kennen, dann wissen Sie, dass ich das auch sein kann, das aber nicht mein Naturell ist. Nur mit dieser Kollegin konnte ich aber so schnell kreativ denken – und das Spannendste dabei war, dass am Ende sie die verrückteren Ideen hatte.

Wenn nun ein Unternehmen seine Ressourcen aus verschiedenen Bereichen bündelt und Kreativität zulässt, kann eben auch genau das entstehen, dass Menschen schlummernde oder vermeintlich nicht gewünschte Potenziale frei werden lassen zum Wohl und Erfolg der Firma, der Kunden, etc.

Nehmen sie ein kleines Kind, Kinder kennen keine Probleme, sie suchen instinktiv nach Lösungen und lassen sich nicht entmutigen. Genau das müssen wir wieder lernen! Und genau das haben die Unternehmen, die sich durch Design Thinking gerettet haben, alle gemein: sie haben den Mut entwickelt. Sie haben sich nicht auf das Problem konzentriert, sondern auf die Lösung.

Sind Unternehmen, die Design Thinking als Methode anwenden, für Bewerber attraktiver?

Auf alle Fälle, wenn ein Bewerber weiß, dass er sich einbringen kann, Ideen entwickeln und dies nicht nur gestattet sondern gewünscht ist, dann spricht dies sicher Bewerber an. Nehmen sie die Generation Y, diese wünscht sich Autonomie und Flexibilität – Kompetenzen, die natürlich mit Design Thinking sehr stark angesprochen werden. Diese Kandidaten mögen flache Hierarchien und wollen sich einbringen, sie wollen etwas bewirken und an etwas Großem mitwirken. Das kann und wird durch Design Thinking gefördert und unterstützt.

Aber nicht nur die Generation Y, auch die älteren Kollegen können sich hier ganz neu entdecken und erfahren. Und so kann Erfahrungswissen mit Ideenreichtum und einem „Spritzer“ jugendlicher Naivität ganz neue Prozesse, Angebote, Produkte und Lösungen entstehen lassen. Natürlich möchte bei einem solchen Unternehmen, das Trends schafft und Probleme löst, „jeder“ gerne arbeiten.

Liebe Frau Polon-Schulz, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und neue Erkenntnisse auf der Zukunft Personal!

Das Interview führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

 

Hinweis der Redaktion

Die Zukunft Personal findet von 15. bis 17. September in der koelnmesse (Hallen 2.1, 2.2, 3.1 und 3.2) jeweils von 9 bis 17.30 Uhr statt. Auch unser AGITANO-Team ist vor Ort: Halle 2.1, Stand 34.B, bei FOMACO.

 

Über Katrin Polon-Schulz

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© Katrin Polon-Schulz

Katrin Polon-Schulz ist Leiterin Blended-und E-Learning der Integrata AG Cegos Group, zuvor war Sie Produktmanagerin für den Bereich Blended Learning und holte unter anderem mit dem Social Collaborative Learning Konzept Prisma in Zusammenarbeit mit Coaching Concepts im vergangenen Jahr den Sonderpreis der Jury, sowie Silber des Internationalen Deutschen Trainingspreises des BDVT.
Ihre ersten Erfahrungen in der Erwachsenenbildung konnte Sie bei Daimler Global Training im Bereich After Sales in der Konzept-Entwicklung sammeln. Bei der Skill:form AG arbeitete Sie als Senior Learning Consultant in der Implementierung und Entwicklung von E-Learning Lösungen. Außerdem entwickelte Polon-Schulz als freiberufliche Beraterin für die IPE Gmbh ein Blended Learning Konzept zum Thema Lean Management, welches in diesem Jahr ebenfalls im Finale des BDVT steht.

Katrin Polon-Schulz hat zusätzlich zu Ihrem Sozialpädagogik-Studium einen  berufsbegleitenden Master der Wirtschaftspsychologie mit Vertiefung Change Management gemacht, welcher ebenfalls den Blended Learning Gedanken zu 100 Prozent in den Vordergrund stellt.

Katja Heumader

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