Kolumnen

“Nein-Kollegen”: Nettsein lohnt sich

Ein nettes Wort zum “Nein-Kollegen”? – “Nein, danke!” Vorgefertigte Meinungen und Schubladendenken behindern uns im Arbeitsalltag und machen mehr Stress, als dass sie uns nützen. Es lohnt sich, die Haltung gegenüber dem unbeliebten “Nein-Kollegen” zu überdenken, meint Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator Ralf Schmitt. Lesen Sie in der heutigen Folge seiner wöchentlichen Kolumne “Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner”, wie Sie Ihre Vorurteile überwinden können.

Jeder hat einen Nein-Kollegen

Liebe Leser, ich lehne mich heute ein wenig aus dem Fenster mit dieser Behauptung: Jeder, der auch nur drei Arbeitskollegen hat, hat zumindest einen Nein-Kollegen. Ich bin ganz sicher, auch Sie kennen diesen Kollegen-Typus: Die Tür geht auf, er kommt herein und Sie denken: Nein – nicht der oder die schon wieder. Sie können nichts dagegen tun und, mal ehrlich, dieser Kollege hält regelmäßig, ohne es zu bemerken, den Betrieb auf. Er blockiert positive Entwicklungen und liefert miese Leistungen ab. Er nervt! Also schallt Ihr „Nein“ so laut aus Ihren Gedanken, dass von den Schallwellen die Tür eigentlich sofort wieder zugeschlagen werden müsste. Doch das wird sie nicht. Besagter Nein-Kollege betritt den Raum. Von nun an ist völlig egal, was er sagt. Ihre Antwort lautet „Nein“. Er fragt Sie, ob Sie einen Kaffee wollen. Sie sagen: „Nein!“. Er bittet Sie um eine Minute Ihrer Zeit. Ihre Antwort: „Nein“. Selbst wenn er eine tolle Idee hat, die Sie eigentlich richtig gut finden, und er Sie nach Ihrer Meinung fragt: „Nein!“ Falls Sie nicht ganz so offensiv sind, dann lächeln Sie einfach nur so unverbindlich wie möglich, nicht wahr?

Nein-Kollegen
“Betreten verboten” – das würde man dem Nein-Kollegen am liebsten entgegenschmettern, sobald er ins Büro kommt. (Bild: Sonja Mahr / pixelio.de)

Man muss miteinander zurecht kommen

Es bleibt Ihnen ja auch nichts anderes übrig. Unvorsichtigerweise hatten Sie ja bereits Ihrem Bürokollegen erzählt, wie sehr Sie dieser Kollege nervt. Und wenn Sie so unverbindlich drein schauen wie möglich, dann kann Ihnen hinterher keiner nachsagen, Sie seien falsch oder gar feige. Würden Sie nämlich aussprechen, was Sie denken, dann gäbe es womöglich Krieg an Ihrem Arbeitsplatz. Das ist kein erstrebenswertes Ziel. Was können Sie also tun, damit Sie so wenig wie möglich mit diesem Kollegen in Kontakt kommen? Sie können ihm natürlich aus dem Weg gehen. Vollständig lässt sich ein Zusammentreffen aber in den seltensten Fällen vermeiden.

Überdenken Sie Ihre Einstellung

Zäumen wir das Pferd also einmal von hinten auf. Haben Sie sich schon einmal überlegt, ob eventuell gar nicht der Nein-Kollege das Problem ist, sondern einfach nur Ihre Haltung, die ihn erst zum Nein-Kollegen macht? Sie machen sich selbst einen Haufen Stress durch Ihre negative Einstellung. Stellen Sie sich vor, er verkündet zum Beispiel in einem Meeting eine gute Idee, die Sie bereits im Vorfeld abgeschmettert haben, weil Sie sie aus Prinzip nicht gut finden können. Dann müssen Sie sich vielleicht dafür rechtfertigen. Sie stehen sich also quasi selbst im Weg, denken mal wieder in Schubladen. Fehlt eigentlich nur noch, dass Sie ein Schild mit dem Foto Ihres Nein-Kollegen und der Überschrift „Ich muss leider draußen bleiben“ an Ihrer Bürotür befestigen. Das käme in der Firma sicherlich nicht so gut an.

Wie entspannt sich die Lage zu Ihrem Vorteil ? Ich rate Ihnen, ändern Sie Ihre Haltung. Sagen Sie einfach mal „ja“ zu Ihrem Nein-Kollegen. Seien Sie doch mal ehrlich, „ja“ klingt doch auch viel schöner als „nein“. Und wenn Sie Glück haben, springt dabei sogar hin und wieder ein Kaffee für Sie raus. Aber Vorsicht, vielleicht wundert sich ihr Ex-Nein-Kollege über Ihre plötzliche Nettigkeit. Vielleicht fragt er Sie, warum Sie neuerdings so freundlich zu ihm sind. Ihre Antwort: „Wenn ich es schaffe, mit dir umzugehen, dann schaffe ich es auch mit allen anderen.“ Das sollte ein Ansporn sein.

Ihr Ralf Schmitt

 

Über Ralf Schmitt:

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Experte für Spontaneität, Improvisation und Interaktivität. (Foto: © Ralf Schmitt)

Ralf Schmitt arbeitet seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator. Er gilt als Experte für Spontaneität und Interaktivität, hat die Methode der Navituition® entwickelt und ist Mitglied der German Speakers Association. Schmitt ist branchenübergreifend tätig und kennt die deutsche Wirtschaftslandschaft aus dem Effeff. Seine inhaltliche Mitarbeit im Vorfeld und seine Auftritte bei unzähligen Tagungen und Kongressen geben ihm eine externe Sichtweise auf innerbetriebliches Geschehen und Veränderungsprozesse in Unternehmen verschiedener Größenordnungen. Darüber hinaus ist er Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“.

Mehr über Ralf Schmitt erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil und auf www.schmittralf.de.

Lesen Sie auch die vorangegangenen Beiträge zur Kolumne “Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner”:

Vom Fehler machen und besser werden

Mund zu, Ohren auf! – Vom Wahrnehmen und Zuhören

Von Wertschätzung gegenüber Kollegen

 

Katja Heumader

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