Gesundheit

Spiegeltheorie: „Tricksen“ Sie Ihr Hirn aus!

… aus der dreiteiligen Interviewreihe „Signale des Körpers“ mit der Vortragsrednerin, Trainerin und Werte-Coach, Claudia Kloihofer (www.mutmachinstitut.at). Nachdem wir mit Frau Kloihofer im ersten Teil “Lust auf unsere innere Stimme” unter anderem darüber gesprochen haben, wie entscheidend es für unseren beruflichen und privaten Erfolg sein kann, früher auf unsere innere Stimme zu hören, unterhalten wir uns heute unter anderem über die Spiegeltheorie und wie Unternehmen diese nutzbringend anwenden können.

 

AGITANO-Interview zur Spiegeltheorie

all jene, die bereit sind, die Chance im Scheitern zu suchen und die sich erlauben, Fehler einzugestehen. (Foto: © Claudia Kloihofer)
All jene, die bereit sind, die Chance im Scheitern zu suchen und die sich erlauben, Fehler einzugestehen. (Foto: © Claudia Kloihofer)

Frau Kloihofer, Sie haben anhand eigener Erfahrungen gelernt, dass derjenige, der sein Gehirn optimal nutzt, Verletzungen aber auch erlebte Situationen rascher heilen kann. Wie müssen wir uns das vorstellen?

Unser Gehirn ist ein Vergangenheitsorgan, es speichert Bilder und archiviert sie. Jede Beschäftigung mit Episoden der Vergangenheit lädt diese mit Energie auf, ob sie positiv oder negativ waren. Dadurch bleiben jene Ereignisse lange lebendig. Sie blockieren sogar eine glückliche Zukunft. Wie der indische Elefant, der als Baby an die Kette und heute bloß an einem Hanfseil angebunden ist. Die Erinnerung an die Zwecklosigkeit zu fliehen, hält ihn heute noch davon ab.

Wer Veränderungen gut bestehen will, sollte sich von allen alten Bildern und Erfahrungen im Gehirn verabschieden. Belastende Emotionen werden zu Energiefressern. Wo Neues geboren werden will, muss das Alte losgelassen werden. Doch genau das macht uns Schwierigkeiten. Wir wollen Erreichtes festhalten. Dabei sind wir selbst in der Lage, Glücksempfinden und Erfolg zu steuern. Indem wir alte Bilder und Erfahrungen quasi „überschreiben“ und damit eine vermehrte oder verringerte Ausscheidung von Glückshormonen beeinflussen.

Unser Erleben ist veränderbar, denn wir haben in unseren Köpfen Bilder, Begrenzungen und Bewertungen und erschaffen uns damit unsere Wirklichkeit. Das gilt für unsere körperlichen Befindlichkeiten und genauso für unser berufliches Leben.

Sie sagen, die Spiegeltherapie sei eine „Zauberkunst“ für die Praxis. Wie können wir dieses Wissen für uns einsetzen?

Die Methode der Spiegeltherapie ist ein besonderer Segen, in der medizinischen Therapie. Wir verdanken ihre Wirkung der Entdeckung der Spiegelneuronen. Durch Imaginationsarbeit mit einem Spiegel erzeugen wir eine perfekte Illusion. Wir „tricksen“ das Gehirn aus, indem wir eine positive Täuschung erzeugen und aktivieren damit die neuronalen Verschaltungen im Gehirn. Das positive Ergebnis wirkt bei Schmerzen, Lähmungen nach Schlaganfällen und schmerzlichen Veränderungen nach Unfällen.

In der therapeutischen Praxis legt der Patient den verletzen, kranken Körperteil hinter einen Spiegel und konzentriert sich mit dem gesunden, funktionierenden Körperteil auf Bewegungen, die mit oder ohne Anleitung durchgeführt werden. Durch den Blick in den Spiegel erzeugen wir ein neues Bild im Gehirn und regen die neuronalen Verschaltungen im Gehirn an. Verbesserungen stellen sich meist nach drei bis vier Wochen des Übens ein.

Wie können auch Unternehmen dieses Wissen um die Spiegeltherapie nutzbringend anwenden?

Die geniale positive Nachricht, die Arbeit an inneren Bildern, unterstützt in Krisenzeiten, Schritt für Schritt positive Zustände zu verankern. Innere Bilder, Imaginationen, Collagen gepaart mit einem inneren positiven Gefühl kann man trainieren. Das wirkt genauso im Gehirn wie in der Therapie. Der gesetzte Reiz innerer Bilder funktioniert und verhilft so zum Durchbruch für Glück.

Die Bilder, die wir uns vorstellen, besitzen Kräfte, die wir für uns nutzen können. Sie legen damit den Grundstein für Ihre Realität. Durch die Auseinandersetzung mit neuen Bildern, bilden Sie neue Verschaltungen im Gehirn aus. Das Gehirn und damit der Mensch wird so, wie man es benutzt, meint auch Gerald Hüther, Gehirnforscher aus der Uniklinik in Göttingen.

Während die einen es also als ganz schlimm empfinden und eher in eine Depression abgleiten, sind andere geradezu motiviert, neue Wege zu finden. Sie lassen die neuen Gedanken zu, reagieren positiv und nicht mit Angst. Ihre Interpretation von den Ereignissen bestimmt Ihre Handlungsmöglichkeit. Bester Nährboden für ein gutes Wachstum sind unsere Gedanken – Bilder.

Was sollen speziell Frauen in Führungspositionen betreffend die Signale ihres Körpers beachten?

Den Dialog zwischen Herz, Bauch und Intuition verstärkt in die Unternehmen einzubringen. Aufzuhören, Dinge zu tun, die andere von ihnen erwarten. Eine emotionale Herzenspflege und Zuversicht gegen Funktionieren und Ängste zu tauschen. Denn Herzensenergie ist stärker ansteckend als Verstandeskraft und wird in modernen Unternehmen dringend gebraucht. Daher trainieren Sie Ihre Intuition und vertrauen Sie den inneren Zeichen und Signalen. Offen und Neugierig für das Du zu werden und mit Entdeckerfreude das Herz wieder weit zu öffnen. Herzensweisheit zum Partner des Verstandes machen, bei Ihnen und Ihren MitarbeiterInnen, das ist der richtige Weg. Dadurch gelingt es, den Glanz der ICH-Persönlichkeit aufzugeben. Handlungsspielräume und der berühmte Blick über den „Tellerrand“ lassen sich entwickeln. Die Quellen für Neues und die Lust an Veränderungen kommen so wieder ins Sprudeln. Weiblicher Mut lässt wachsen und vertraut dem Prozess, der hinter jeder Idee anfangs noch unsichtbar ist.

Wer alles sollte ihr Buch lesen?

Es klingt vielleicht frech, aber dieses Buch ermutigt jeden Menschen, wieder mehr Zugang zu seinen inneren Impulsen zu finden und sich auf die Suche nach sich zu machen. Es wurde für jene geschrieben, die mutiges Denken und Handeln suchen, die mit dem Bestehenden unzufrieden sind, die „mehr“ wollen oder etwas Anderes, etwas Neues suchen. Menschen und Unternehmen, die in Veränderungen fest stecken oder die auf der Suche nach Neuem sind. Mitarbeiter und Führungskräfte, die einen Perspektivenwechsel benötigen.

Die Angst in Mut zu verwandeln macht frei und gibt Kraft. Dabei finden wir die Liebe und können entspannt und unbekümmert einen neuen Lebensweg gehen. Das Buch ist für Mutsucher und Entscheider, die etwas ändern wollen, sich aber nicht trauen, die Freiräume für Handeln zu suchen. Für all jene, die bereit sind, die Chance im Scheitern zu suchen und die sich erlauben, Fehler einzugestehen. Der Körper dient dazu als brillanter Lehrmeister. Mut braucht Inspiration, die Zukunft unserer Arbeit auch!

Frau Kloihofer, herzlichen Dank für das interessante Gespräch respektive Ihre Ausführungen bis dahin. Im dritten Teil unseres Gesprächs (am Freitag, den 11. Juli 2014) werden wir uns unter anderem darüber, welche Auswirkungen es haben kann, wenn wir nicht loslassen können. Wir sind schon gespannt.

Das Interview mit Claudia Kloihofer führte Oliver Foitzik, Herausgeber von AGITANO und HCC-Magazin.

Die anderen Interviews mit Claudia Kloihofer sind:
– Teil 1: Lust auf unsere innere Stimme
– Teil 3: Wer das Leben kontrollieren will, will das Leben nicht

Claudia Kloihofer, innere Stimme, Bauchgefühl
Ermutigt Unternehmen und Führungsmannschaften, wieder auf Vertrauen und Menschlichkeit zu bauen. (Foto: © Claudia Kloihofer)

Über Claudia Kloihofer:

Claudia Kloihofer ist Vortragsrednerin, Trainerin und Werte-Coach. Sie ist selbständige systemische Unternehmensberaterin, Mutmacherin und Lebensberaterin. Mit dem von ihr gegründeten Mutmachinstitut ermuntert sie Menschen, ihrer Intuition zu vertrauen. Die Expertin und Autorin berät Firmen und Organisationen bei der Entwicklung eines klaren Werteprofils, hilft neue Perspektiven bei Veränderungen zu finden und ermutigt  Unternehmen und Führungsmannschaften, wieder auf Vertrauen und Menschlichkeit zu bauen. Unternehmen wieder positiver, energiereicher und  wertvoller zu gestalten. Die Mitpreisträgerin des Constantinus Awards für den Bereich Personal&Training ist gefragte Referentin zu ihren Themen und publiziert in verschiedenen Fachzeitschriften.

Mehr über Claudia Kloihofer erfahren Sie auch im Internet unter: www.mutmachinstitut.at.

Christoph Schroeder

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