Interviews

Studie zur Frauenförderung in der IT- und Kommunikationsbranche

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind in der Arbeitswelt nach wie vor deutlich wahrnehmbar – und je technischer der Beruf oder je höher die Karrierestufe, desto seltener sind Frauen vertreten. Das hängt zum einen mit der weiterhin schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusammen, denn jede zweite Frau in Deutschland musste deswegen statistisch bereits auf eine Karriere verzichten. Andere Aspekte, wie die geringe Präsenz in den Führungsgremien (laut dem Managerinnen-Barometer 2013 waren die Vorstandspositionen der am Umsatz gemessen 200 größten deutschen Unternehmen Ende 2012 zu einem Anteil von gerade einmal vier Prozent mit Frauen besetzt, ein Anstieg von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr), oder auch die hohe Diskrepanz bei den Löhnen sind jedoch schwieriger zu erklären (Gender Pay Gap: die Lohnlücke für Frauen bei der gleichen Arbeit beträgt in Deutschland immer noch 25%, im EU-Durchschnitt sind es 16,4%, in einer Bandbreite von nur 2% in Polen bis 27% in Estland). Nicola Burger versucht nun aktuell speziell für die IT- und Kommunikationsbranche, mithilfe einer Studie die Schlüsselfaktoren und Rahmenbedingungen der Frauenförderung zu identifizieren. AGITANO hat mit Frau Burger ein Interview über ihr Projekt durchgeführt.

1. Schönen Guten Tag Frau Burger, Sie führen aktuell eine Studie zur Frauenförderung in der IT- und Kommunikationsbranche durch. Was war Ihre Motivation für dieses Thema?

Nicola Burger
Nicola Burger

Guten Morgen Herr Foitzik. Ich bin im Organisationsteam des Münchner Unternehmerkreis IT (MUK IT). Der MUK IT ist eine Initiative von Münchner IT Unternehmern, Inhabern, Vorständen und Geschäftsführern, die sich bei regelmäßig stattfindenden Roundtables austauschen. Mir fiel auf, dass Frauen im MUK IT „Exoten“ sind. Ich habe dann das Gespräch mit Top Managerinnen und Gründerinnen aus der ITK gesucht – die es ja de facto auch gibt! In den Gesprächen wurde sichtbar, dass Frauen sich weniger mit beruflichen Netzwerken beschäftigen als Männer. Zudem wurde deutlich, dass die Förderung von weiblichem Nachwuchs ein wichtiges Thema für die Managerinnen und Gründerinnen ist. Das Interesse an einem Arbeitskreis speziell für Frauen, der sich mit dem Thema Frauenförderung in der ITK beschäftigt, war groß. Daher haben wir in Zusammenarbeit mit der IHK für München und Oberbayern einen Arbeitskreis „Frauen in der ITK“ ins Leben gerufen, der sich nun speziell mit diesem Thema beschäftigt. Im Rahmen meiner Masterarbeit führe ich parallel eine bundesweite Studie zu diesem Thema durch.

2. Was ist das Ziel Ihrer bundesweiten Studie?

Ziel meiner Studie ist es, die individuellen Schlüsselfaktoren und Rahmenbedingungen zu analysieren, die für eine Karriere wichtig sind. Die Ergebnisse der Studie dienen dann dazu, Maßnahmen zur Förderung von Frauen zu entwickeln, die innerhalb des Arbeitskreises „Frauen in der ITK“ diskutiert und umgesetzt werden.

3. Wer kann an der Studie teilnehmen?

Teilnehmen können Führungskräfte innerhalb der ITK, die mindestens fünf direkt unterstellte Mitarbeiter/Innen haben und mindestens 3 Jahre Führungserfahrung vorweisen können.

4. Warum sprechen Sie hier weibliche und männliche Führungskräfte als Teilnehmer an? Was versprechen Sie sich daraus?

Mich interessiert, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt: Bewerten Frauen z.B. bestimme Rahmenbedingungen in Unternehmen anders als Männer? Legen Männer in ihrer Karriere Wert auf andere Aspekte als Frauen? Und, welche Empfehlungen und Maßnahmen lassen sich aus diesen Erkenntnissen ableiten? Die Männer werden im Rahmen der Untersuchung als Vergleichsgruppe befragt.
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen meiner Studie haben übrigens die Möglichkeit, die aggregierten Ergebnisse der Studie zu erhalten. Vielleicht können sie bestimmte Erkenntnisse für ihre eigene Arbeit nutzen oder Handlungsempfehlungen in ihren Unternehmen umsetzen.

5. Wie lange läuft die Studie noch?

Die Studie läuft noch bis zum 22.02.2013.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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