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Unvorhergesehene Situationen meistern statt Kaninchen-Prinzip

Unvorhergesehene Situationen bringen uns ins Schwitzen. Wie ein Kaninchen vor der Schlange (oder im Lichtkegel eines Porsches) starren wir vor uns hin. Aber trotz aller Vorbereitung: Sicherheit gibt es nicht. Was also tun? Wir müssen lernen, unvorhergesehene Situationen zu meistern, rät Ralf Schmitt, Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator, im heutigen Beitrag zu seiner Kolumne “Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner”.

Es gibt keine Sicherheit

Liebe Leser, ich habe es in meiner letzten Kolumne bereits erwähnt: Es gibt keine Sicherheit! Ich sag’s Ihnen heute aber gerne noch einmal: Es gibt keine Sicherheit! Und wenn ich ehrlich bin, sag ich das nicht nur zu Ihnen. Ich muss es mir auch immer und immer wieder selbst in Erinnerung rufen. Egal, wie gut wir geplant haben, wie perfekt wir vorbereitet sind, wie detailliert wir uns in ein Thema eingearbeitet haben … Wir wiegen uns nur in vermeintlicher Sicherheit. Es kann immer unvorhergesehene Situationen geben.

unvorhergesehene Situationen
Statt wie ein Kaninchen vor dem Porsche zu erstarren, sollten wir lernen, mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen. (Bild: Sabine Geißler / pixelio.de)

Kennen Sie das auch? Sie fühlen sich starr wie ein erschrockenes Kaninchen im Lichtkegel eines Porsches, der mit unverminderter Geschwindigkeit auf Sie zurast? So fühlen wir uns immer dann, wenn unvorhergesehene Situationen eintreten, plötzlich eine neue Aufgabe auf uns wartet oder wir uns auf einer Veranstaltung blamieren, während unzählige Augenpaare auf uns gerichtet sind. Aber was tun? An dieser Stelle können wir jetzt einfach weiterhin panisch in den Lichtkegel des Porsches starren oder wir hüpfen freudig aus dem Lichtkegel heraus, wir handeln, übernehmen Verantwortung für all das, was sich so in unserem Leben ereignet. Wir lassen uns auf unvorhergesehene Situationen ein.

Unvorhergesehene Situationen bedeuten Chaos

Hört sich zunächst einmal ganz leicht an. Doch das Problem ist, dass uns eins besonders schwerfällt: Veränderung. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Meine Eltern sind beide Beamte. Mein Vater ist Rektor, meine Mutter Lehrerin. Sie können sich also leicht vorstellen, wie wichtig mir Sicherheit ist. Oder? Ich bin aufgewachsen zwischen Lehrplänen, Verhaltensregeln und pädagogischen Weisheiten. Unvorhergesehene Situationen, alles, was von der Norm abwich, fiel mir schwer oder war nicht gut zu verdauen. In meinem tiefsten Inneren bin ich quasi ein Spießer erster Güte. Ich mache meine Mitarbeiterin regelmäßig wahnsinnig, wenn ich während einer Besprechung durch ihr Büro laufe und aufräume. Während wir brainstormen, teste ich mit meinem Finger, ob Staub auf Möbeln, Ordnern etc. liegt. Warum tue ich das? Weil Aufräumen mir Sicherheit gibt. Beim Aufräumen habe ich die Kontrolle.

Routinen geben Sicherheit

Der Volksmund sagt: Der Spießer braucht die Ordnung, das Genie beherrscht das Chaos. Da bin ich lieber Spießer. Ich brauche Routinen. Unvorhergesehene Situationen bringen mich aus der Fassung. Wie sehen Sie das? Ich bin schon zufrieden, wenn meine Unregelmäßigkeit die Regelmäßigkeit in meinem Leben ist. Sie sehen, Veränderungen lassen sich einfach nicht vollständig ausmerzen. Deshalb ist es besser für uns, wenn wir lernen, mit Ihnen umzugehen oder noch besser, auf sie zuzugehen. So schlecht sind sie meistens gar nicht.

Mein Tipp: Wenn Sie sich wieder einmal wie ein Kaninchen im Lichtkegel fühlen, wann immer unvorhergesehene Situationen Ihnen Angst machen, räumen Sie auf. Das beruhigt, gibt Kontrolle und versetzt Sie in eine Routinesituation. Und wenn Sie Führungskraft sind, dann legen Sie Ihr Augenmerk darauf, Ihren Mitarbeitern zu vermitteln „das wird schon“. Dann lernen diese einfacher mit ihrer Angst zu leben.

Ihr Ralf Schmitt

 

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Experte für Spontaneität, Improvisation und Interaktivität. (Foto: © Ralf Schmitt)

Über Ralf Schmitt

Ralf Schmitt arbeitet seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Speaker, Trainer, Impro-Comedian und Moderator. Er gilt als Experte für Spontaneität und Interaktivität, hat die Methode der Navituition® entwickelt und ist Mitglied der German Speakers Association. Schmitt ist branchenübergreifend tätig und kennt die deutsche Wirtschaftslandschaft aus dem Effeff. Seine inhaltliche Mitarbeit im Vorfeld und seine Auftritte bei unzähligen Tagungen und Kongressen geben ihm eine externe Sichtweise auf innerbetriebliches Geschehen und Veränderungsprozesse in Unternehmen verschiedener Größenordnungen. Darüber hinaus ist er Autor der Bücher „Ich bin total spontan, wenn man mir rechtzeitig Bescheid gibt“ und „Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner“.

Mehr über Ralf Schmitt erfahren Sie auf seinem AGITANO-Expertenprofil und auf www.schmittralf.de.

 

Lesen Sie auch die vorangegangenen Beiträge zur Kolumne “Ich bin total beliebt, es weiß nur keiner”:

Von Spontaneität und Tiernamen

“Nein-Kollegen”: Nettsein lohnt sich

Vom Fehler machen und besser werden

Mund zu, Ohren auf! – Vom Wahrnehmen und Zuhören

Von Wertschätzung gegenüber Kollegen

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