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Wie Nudging hilft, gute Entscheidungen zu treffen

Kennen Sie Nudging? Falls nicht, können Sie sich mit dem Gedanken beruhigen, dass Sie bei weitem nicht der einzige sind, dem der Begriff nichts sagt. Sollten Sie vorhaben, Ihrer Gesundheit, Ihrem Geldbeutel oder einfach sich selbst künftig etwas Gutes zu tun, dann empfiehlt es sich folgenden Beitrag genauer zu lesen. Denn in diesem zeigt Nicola Fritze auf, wie Nudging, ein relativ neuer Trend aus den Vereinigten Staaten uns allen dabei helfen kann, im Alltag künftig bessere Entscheidungen zu treffen.

Schweinebraten oder Gemüsebratling?

Nudging, Schweinebraten, Essen und Trinken
Und wieder hat man sich für den Schweinebraten entschieden! Vielleicht hätte Nudging, ein kleiner Stupser, uns geholfen, die gesündere Variante zu wählen?! (Bild: H. E. Balling / pixelio.de)

Sie stehen in der Kantine und überlegen sich, was Sie essen sollen. Der Schweinebraten in der Auslage lacht Sie an. Eigentlich sollten Sie weniger Fleisch essen, weshalb Sie auch darüber nachdenken, Gemüsebratlinge und Salat zu nehmen. Aber irgendwie sieht das vegetarische Gericht so freudlos aus neben dem saftigen Stück Fleisch … und die Kollegen nehmen auch alle Schwein.

Es ist in dieser Situation ziemlich wahrscheinlich, dass Sie die ungesunde Variante wählen und sich für den Schweinebraten entscheiden. Obwohl Sie wissen, dass es eigentlich besser für Sie wäre, vegetarisch zu essen. Besser für den Körper, besser für die Fitness nach dem Essen, und dazu auch noch besser für die Umwelt. Nicht zu sprechen vom Schwein. Es ist verflixt!

Kleine Impulse reichen oft aus

Es gibt viele solcher Momente im Alltag. Momente, in denen wir wider besseren Wissens etwas tun, das eigentlich zu unserem Nachteil ist. Essen ist dabei nur ein Beispiel. Denken Sie mal an Ihre Altersvorsorge. Ist es nicht viel spaßiger, das Geld für Urlaub und Essengehen auszugeben, als monatlich in einen Rentenfonds einzuzahlen? Oder der tägliche Weg zur Arbeit. Obwohl wir wissen, dass Treppensteigen gut für uns ist, fahren wir Aufzug. Komisch, oder?

Verhaltensökonomen denken seit langem über solche Beispiele von Unvernunft nach. Momentan macht in Deutschland ein Ansatz die Runde, der sich Nuding nennt. „Nudge“ bedeutet „Stupser“ oder „sanfter Stoß“. Zwei amerikanische Ökonomen bezeichnen damit Maßnahmen, die uns im entscheidenden Moment in die Richtung stupsen, die langfristig gut für uns ist. Die Logik dahinter: es bringt nichts, alles regeln zu wollen. Oft reichen schon kleine Impulse im richtigen Augenblick, um unser Handeln vernünftiger zu gestalten.

Beispiele gefällig? In der Kantine könnten Salate und Gemüsebratlinge beispielsweise zu einem sehr günstigen Preis angeboten und in der Auslage prominent ausgestellt werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die gesunde Variante wählen, rasant an. Oder nehmen Sie das Beispiel Sparen fürs Alter. Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen einen Brief schickt, in dem steht, dass zwei Drittel Ihrer Kollegen in eine private Altersvorsorge einzahlen – dann sind Sie auf einmal viel bereitwilliger, auch selbst zu sparen. Weil die anderen es ja auch tun. Und das Treppensteigen? Schauen Sie sich doch mal dieses Video an.

[Anmerkung der Redaktion: Das hier eingebettete Video wurde (vorübergehend) entfernt, ist jedoch weiterhin hier zu finden: Rolighetsteorin / YouTube.]

In Stockholm hat ein Projekt eine Treppe als riesiges Klavier ausgestattet. Das Kalkül: Wo es leuchtet und klingt, wenn man Treppe steigt, macht das Ganze einfach viel mehr Spaß! Und tatsächlich: auf einmal ist die Zahl derjenigen, die Treppe gestiegen statt Rolltreppe gefahren sind, stark gewachsen.

Warum Nudging transparent sein sollte

Nudging ist reizvoll, weil es die Handlungsfreiheit nicht einschränkt. Wer weiter Rolltreppe fahren will, kann das tun. Wenn Sie lieber Schweinebraten essen wollen: geht! Und wenn Sie Ihr Geld lieber an der Südsee ausgeben als fürs Alter anlegen, dann ist das auch OK. Nudging stupst Sie nur in die Richtung, die langfristig besser ist – ganz ohne Zwang und belehrenden Zeigefinger.

Wichtig ist: Wer Nudging im eigenen Unternehmen nutzen möchte, sollte die Stupser transparent machen. Denn wenn Mitarbeiter den Verdacht haben, unbewusst manipuliert zu werden, ist das keine gute Sache. Aber wenn klar ist, wo und warum Arbeitgeber kleine Stupser versuchen, kann Nudging eine gute Sache sein.

Über Nicola Fritze

SHEnote, Keynote-Speaker Fritze, Nicola
Deutschlands Motivationsfrau Nicola Fritze über Nudging, die kleinen Stupser, die uns helfen, im Alltag bessere Entscheidungen zu treffen. (© Foto: privat)

Seit 2001 ist Nicola Fritze vielgefragte Rednerin und Trainerin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Ihre erfolgreichen Audio-Podcasts „Abenteuer Motivation“ und „Fritze-Blitz“ inspirieren seit 2006 regelmäßig über 30.000 Abonnenten. Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Hörsendungen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Im Februar 2013 erschien ihr neues Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ (SüdWest, 16,99 €) Darin zeigt Nicola Fritze 50 praxisnahe und effektive Methoden auf, wie Lebensfreude und Motivation langfristig zu steigern sind. Weitere Informationen sowie ihre beiden erfolgreichen Hörsendungen finden Sie auf www.nicolafritze.de.

Lesen Sie hier auf AGITANO auch den vorangegangenen Beitrag aus Nicola Fritzes zweiwöchentlich erscheinender Kolumne „Anders denken“:

Christoph Schroeder

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