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Schluss mit Bullsh*it-Innovationen: Die Erfolgsfaktoren für echte Innovation – Interview mit Bianca Prommer

Bianca Prommer im Workshop

Gescheitert an Innovation – so geht es vielen Unternehmen. Die Hauptgründe dafür hat Bianca Prommer bereits im ersten Teil des Interviews erläutert. Auf die Frage, wie sie es besser machen können, geht sie im Folgenden Teil Zwei ein. Denn es gibt einige wichtige Elemente in der Haltung von Führungskräften und Mitarbeitern auf allen Unternehmensebenen, die sich grundlegend ändern müssen – ohne, dass es ihnen bewusst wäre. Dazu finden Sie im Folgenden einige konkrete Handlungsempfehlungen und Umsetzungshinweise. Zum Abschluss erläutert die Innovationsexpertin und Autorin ihre sieben besten Innovations-Tipps für Unternehmen – damit echte Innovationsfähigkeit tatsächlich Einzug erhalten kann.

Widerstand gegen Innovationen lässt sich vermeiden – Innovationsexpertin Bianca Prommer im Interview

Anmerkung der Redaktion: Aktuell verlost AGITANO drei Exemplare zum neuen Buch von Bianca Prommer. Nehmen Sie noch heute teil, hier kommen Sie direkt zur Buchverlosung: „Schluss mit Bullsh*it-Innovationen – So machen Sie echte Innovation zum Teil Ihrer Unternehmens-DNA“

Frau Prommer, wie gehen Sie in Ihrer täglichen Praxis mit Widerständlern und Bremsern in Unternehmen um, beziehungsweise wie beraten Sie Ihre Klienten diesbezüglich? Vermutlich sind ja nicht immer alle Mitarbeiter Feuer und Flamme für die geplanten innovativen Prozesse?

Das stimmt. Innovation bedeutet massive Veränderung im Unternehmen, indem Vorhandenes hinterfragt wird und man danach gezwungen ist, sich aus der Komfortzone hinauszubewegen. Das findet nicht bei allen Anklang und ruft unweigerlich Widerständler und Bremser auf den Plan. Oftmals erlebe ich es so, dass die Widerstände aufgrund von Unwissenheit und ungenügender Kommunikation ausbrechen. „Die da oben“ wollen plötzlich Innovation, die wollen, dass wir uns verändern. Doch dann fehlen konkrete Informationen. Schnell entstehen Gerüchte, niemand weiß wirklich, was geschehen wird. „Was wird sich verändern?“ oder „Brauchen die mich dann noch?“ sind Fragen, die die Mitarbeiter beschäftigen. Daher rate ich im Rahmen von Innovationsprozessen zur absoluten Transparenz. Die Führung sollte offen aussprechen, was die Erwartungen sind und auch erklären, warum man sich mit dem Thema Innovation auseinandersetzt. Ich arbeite in diesem Zusammenhang auch gerne mit sogenannten Innovations-Vertrauenspersonen. Das sind ein oder mehrere Personen, die als zentrale Anlaufstelle zur Verfügung stehen und helfen, Bedenken und Ängste aufzugreifen, zu diskutieren und Lösungswege zu finden.

Im Falle von revolutionären, demotivierenden Widerständlern jedoch muss ein Unternehmen auch die Konsequenzen ziehen und sich von diesen Innovations-Verhinderern trennen. Denn sie erzeugen nur Unruhe und können dadurch den gesamten innovativen Prozess gefährden.

Welche Rolle spielt die Haltung der Führungskräfte in Bezug auf die neu geplante Innovationsstärke?

Eine sehr große. Sie sind die wichtigsten Verfechter des Innovationsgedankens in einem Unternehmen und sollten eine Vorbildrolle und Vorreiterfunktion einnehmen. Dazu müssen sie das innovative Gedankengut nicht nur erkennen, sondern auch vollumfänglich leben. In meinem Buch zeigt sich das sehr eingängig an der persönlichen Entwicklung des Geschäftsführers des Unternehmens, um das es geht. Erst als Jens Ostermann Innovation – auch in seinem privaten Leben – zulässt und dies auch zeigt, beginnt der innovative Erfolgszug in seiner Firma zu rollen.

In einem echt innovativen Unternehmen wird sich auch die Rolle der Führungskräfte drastisch ändern müssen, um der Innovation nicht im Weg zu stehen. Innovation entsteht nun einmal nicht durch „Command and Control“, sondern durch Befähigung und Ermutigung. Daher bezeichne ich Führungskräfte auch als wichtige Innovationsermöglicher, die ihren Mitarbeitern mehr Freiräume einräumen, die erforderlichen Ressourcen beschaffen und ihnen vor allem den Rücken freihalten, um sich dem innovativen Tun entsprechend intensiv widmen zu können.

Die richtigen Fragen stellen, um Innovation zu fördern

Sehr oft ist zu hören, dass das intensive Tagesgeschäft jegliche Kreativitäts-Ansätze auffrisst. Was sind Ihre Empfehlungen, um beides zu stemmen beziehungsweise parallel laufen zu lassen?

„Dafür haben wir keine Zeit“ ist wohl einer der am häufigsten verwendeten Sätze in meinem Beratungsalltag. Ja, es schlagen zwei Herzen in der Brust von Unternehmen – jenes der Effizienz und kontinuierlichen Verbesserung und jenes der Kreativität und Innovation. Aber es ist schon lange mehr keine Frage von entweder/oder. Vielmehr geht es darum, Tagesgeschäft und Innovation unter einen Hut zu bringen. Und ja, das Tagesgeschäft bezahlt heute die Gehälter und Mieten. Doch wie lange wird es das Tagesgeschäft ohne Innovation noch geben?

Eines habe ich in den letzten Jahren gelernt: „Dafür haben wir keine Zeit“ bedeutet eigentlich „Das ist uns nicht wichtig genug.“ Daher sollten Unternehmen zunächst den eigenen Antrieb definieren – „Warum ist Innovation für uns wichtig?“ Oder auch: „Welche Auswirkungen hat es, wenn wir uns nicht mit Innovation beschäftigen?“ Nur wer seinen Antrieb kennt, wird auch in schwierigen Zeiten Möglichkeiten finden, für Innovation Freiräume zu schaffen. Eine konkrete Möglichkeit ist das Konzept der „Unantastbaren Stunde“. Führungskräfte und Mitarbeiter sollten sich dazu zumindest eine Stunde in der Woche als UNANTASTBAR im Kalender blockieren. Meist sind wir ja getrieben von unzähligen Besprechungen. Blockieren Sie diese Stunde jede Woche für vier Monate im Voraus und halten Sie Ihre Mitarbeiter dazu an, dasselbe zu tun. Und diese Zeiteinheit gehört dann ausschließlich der Innovation!

In Ihrem Buch meinen Sie, dass Neugier der Sauerstoff der Innovation sei. Was hat es damit auf sich? Und wie fördern Sie die Neugier der Kunden, die Ihnen ihre Innovationsprozesse anvertrauen?

Ich liebe die Neugier von Kindern. Kinder wollen alles wissen, und wir Erwachsenen können so viel daraus lernen. Innovation braucht meiner Erfahrung nach zwei Arten der Neugier. Erstens geht es um diese kindliche Freude des WARUM-Fragens. Damit lassen sich bestehende Produkte, Prozesse und Strukturen perfekt hinterfragen. Es geht darum, sich nicht mit dem Status quo zufrieden zu geben, sondern die wahren Beweggründe zu erfahren. „Warum machen wir das so, wie wir es machen?“ Darauf habe ich schon mal Antworten wie „Weil wir das schon immer so tun“ oder „Weil der Vorstand das so will“ gehört. Bohrt man tiefer, merkt man schnell, dass es diese „Regelung“ gar nicht gibt. Manches ist einfach historisch gewachsen und keiner weiß, warum es gewisse Abläufe gibt. Es gilt also, dieses WARUM zu erforschen, zu hinterfragen und dann neu zu denken. Gerade in Bezug auf Kundenbedürfnisse ist diese Neugier wesentlich, um echte Innovationspotentiale zu erkennen.

Ein weiterer Aspekt ist die generelle Offenheit für Neues und der Wunsch, sich auch mit fremden Inhalten zu beschäftigen. Unternehmen können diese Neugier ganz einfach fördern. Ich selbst binde in meinen Konsultationen immer wieder externe Querdenker in Ideenworkshops ein. Diese liefern neue Perspektiven und fördern die Kreativität. Gleichzeitig sollten Unternehmen für Vernetzungen zu Lieferanten, Kunden, Start-ups und vor allem zu anderen Abteilungen sorgen, um deren Wirkweise zu verstehen und daraus zu lernen. Auch das Prinzip der Jobrotation kann zur generellen Erweckung der Neugier der Mitarbeiter beitragen. Im Wesentlichen geht es um lebenslanges Lernen und Interesse an neuem Wissen und die zentrale Frage, was man daraus für den eigenen Bereich, das eigene Produkt lernen und optimieren kann.

7 Tipps für echte Innovation im Unternehmen

Können Sie uns zum Abschluss Ihre sieben wichtigsten Innovationstipps für Unternehmen nennen?

Das sind aus meiner Sicht:

  • Killen Sie Ihr Unternehmen oder Ihr Geschäftsmodell! Stellen Sie sich dazu die folgende Frage: Wenn wir unser aggressivster Mitbewerber wären, wie würden wir uns selbst aus dem Markt drängen?
  • Denken Sie Ihr Geschäftsmodell auf der grünen Wiese: Überlegen Sie, wie das dringendste Kundenbedürfnis gelöst werden könnte, wenn alles möglich wäre. Stellen Sie sich dabei vor, Sie hätten noch kein Unternehmen und auch kein Wissen über das, was möglich ist und was nicht.
  • Definieren Sie Innovation: Bevor Sie innovativ werden können, brauchen Sie eine klare Definition davon, was Innovation für Sie und das Unternehmen bedeutet.
  • Bedienen Sie alle Innovationsarten: Grundsätzlich unterscheidet man mindestens zehn Innovationsarten – von Produkt, Prozess, Marketing, Anwendung, Geschäftsmodell bis hin zu Sozialinnovationen. Meist bedienen wir lediglich zwei bis drei davon. Daher sollten sich Unternehmen auch mit den restlichen Innovationsarten befassen.
  • Involvieren Sie Ihre Kunden in den gesamten Innovationsprozess. Das beugt auch teuren Fehlern vor! Der Kunde weiß am besten, was er brauchen kann und was ihn glücklich macht.
  • Etablieren Sie Innovationsbotschafter: Machen Sie Mitarbeiter und Führungskräfte zu Botschaftern, indem Sie diese involvieren und überzeugen, ihnen die Vorteile von Innovation aufzeigen. Die Botschafter werden dann als Sprachrohr in Richtung ihrer Kollegen fungieren und diese mitreißen.
  • Setzen Sie auf agiles Vorgehen und vergessen Sie perfekte Prototypen. Je früher Sie Rückmeldungen zu Ihren Ideen erhalten, desto weniger Rückschläge und Verluste werden Sie später erleiden!

Mit diesen Tipps wünsche ich Ihren Leserinnen und Lesern vor allem eines: Viel Erfolg und Freude beim Innovieren!

Vielen Dank, Frau Prommer, für Ihre hilfreichen Tipps zum echten Innovieren in den Unternehmen und die Hinweise, wie sie die richtigen Grundlagen für nachhaltige Innovationsfähigkeit legen können. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit und sind schon gespannt auf die Lektüre Ihres Buches!

Das Interview mit Bianca Prommer führte Oliver Foitzik, Herausgeber AGITANO und Geschäftsführer der FOMACO GmbH. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in diesem Beitrag die generisch männliche Formulierungsform verwendet.

Anmerkung der Redaktion: Lesen Sie auch Teil Eins des Interviews mit Bianca Prommer, indem sie unter anderem die häufigsten Fehler von Unternehmen aufzeigt, weshalb Innovation so oft scheitert.

Nehmen Sie auch an der Buchverlosung teil: „Schluss mit Bullsh*it-Innovationen – So machen Sie echte Innovation zum Teil Ihrer Unternehmens-DNA“

Über Bianca Prommer

Innovationsexpertin Bianca Prommer von GrowthFact
Bianca Prommer ist Innovationsexpertin und Autorin des Buches „Schluss mit Bullsh*it-Innovationen – So machen Sie echte Innovation zum Teil Ihrer Unternehmens-DNA“. Sie begleitet Unternehmen unter anderem dabei, systematisches Innovationsmanagement erfolgreich zu implementieren. (Bild: © Sissi Furgler)

Bianca Prommer ist Beraterin, Trainerin, Coach und Vortragsrednerin. Sie gilt als führende Expertin zum Thema Innovation. Bianca Prommer hat neben ihrer Tätigkeit als Führungskraft in der Automobilindustrie eine Ausbildung zur Wirtschaftsingenieurin absolviert und danach ein Studium im Bereich „Innovation & Leadership“ abgeschlossen. Als Leiterin eines Fachhochschul-Instituts hat sie drei Jahre lang Start-ups und Gründer auf dem Weg von der Idee zum erfolgreichen Geschäftsmodell begleitet. Heute berät und trainiert sie Unternehmen in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz als Innovationsermöglicherin und zeigt auf, wie echte und nachhaltige Innovation funktioniert und in den Unternehmen langfristig wirksam implementiert werden kann. In ihren mitreißenden Keynotes bringt sie die zahlreichen Fallstricke im Bereich Innovation humorvoll auf den Punkt und liefert kraftvolle Lösungsimpulse. Mehr erfahren Sie unter www.growth-factory.at.

Oliver Foitzik

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