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Wertschöpfung nachhaltig sichern und optimieren – Interview mit Michael Mollenhauer

Digitalisierung, Innovation, Technologie, Wertschöpfung, Wertschöpfungsstrategie

Unsicherheiten bestimmen die wirtschaftliche Entwicklung: Wirtschaftssanktionen gegen Russland, das Atomabkommen mit Iran auf der Kippe, schwere Wirtschaftskrise in Italien und ein US-Präsident, der Handelsstreitigkeiten vom Zaun bricht. Wie können Unternehmen trotz dieser unsicheren Rahmenbedingungen ihre Wertschöpfung nachhaltig sichern und optimieren? Michael Mollenhauer, Partner der mmc AG, beantwortet diese Frage im Interview mit AGITANO.

Wertschöpfung braucht Innovationen

Wir haben bereits früher über zunehmende Komplexität und Unplanbarkeit gesprochen (Lesen Sie dazu „Auch unter den Bedingungen der Komplexität müssen Unternehmen Entscheidungen treffen“). Inwieweit setzen disruptive Veränderungen wie die Digitalisierung die Wertschöpfungsstrategien von Unternehmen unter Druck?

Nicht nur die Digitalisierung und die Globalisierung sorgen dafür, dass sich Märkte schnell und unvorhersehbar wandeln. Neue Technologien entstehen, neue Materialen werden entwickelt. Die Rechenleistung moderner Großrechner steigt und das Internet revolutioniert unser Kommunikationsverhalten. Das sind nur einige Entwicklungen, die die Geschäftsmodelle und die Wertschöpfungsstrategien etablierter Unternehmen unter Druck setzen. Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag auf dem mmc Magazin „Ist Ihre Wertschöpfungsstrategie zukunftsorientiert?

Was müssen Unternehmen tun, um auch in Zukunft die Wertschöpfung zu sichern?

Unternehmen müssen innovativ sein. Durch die Digitalisierung haben sich die Innovationszyklen stark beschleunigt. Ständig kommen neue, bessere Produkte auf den Markt. Denken wir an Nokia. Der finnische Konzern war einmal Markführer in der Handysparte. Dann kam das Smartphone und Nokia nahm diese Innovation nicht ernst, was das Unternehmen in eine schwere Krise führte.

Unternehmen müssen deshalb Innovationen und Veränderungen begrüßen und fördern. Das beinhaltet zum einen kulturelle Faktoren:

  • transparente Informationsstrukturen
  • Wissensaustausch durch Vernetzung
  • flache Hierarchien
  • offene Fehlerkultur

Zum anderen müssen Unternehmen auch die Mitarbeiterkompetenzen entsprechend entwickeln. Methodenschulungen in Bezug auf Innovationsmanagement, Ideengenerierung und Umsetzung sowie Problemlösungen können hier weiterhelfen. Auch die Schaffung entsprechender Positionen, Rollen und Aufgaben im Unternehmen sind ein wichtiger Teil.

Wie können Unternehmen sich von internationaler Konkurrenz, die zu niedrigeren Preisen anbietet, abheben?

Innovationen helfen gar nichts, wenn sie nicht ein Kundenbedürfnis adressieren bzw. eine Herausforderung oder ein echtes Problem lösen. Deshalb ist der zweite wichtige Aspekt einer nachhaltigen Wertschöpfung die Ausrichtung am Kunden. Das beinhaltet nicht nur die Produktentwicklung und den Vertrieb, sondern alle Touchpoints. Also alle Berührungspunkte zwischen Kunde und Unternehmen. Sie müssen so optimiert werden, dass sie dem Kunden ein ideales Erlebnis mit dem Unternehmen bieten. Hier liegt die Chance für Unternehmen, sich von Billigprodukten abzuheben.

Welche Rolle spielen Kostensenkungen bei der Wertschöpfung?

Kosteneffiziente Lösungen zu finden ist immer ein wichtiger Teil der Wertschöpfungsstrategie. Auch wenn Methoden wie Lean Management bereits angewandt wurden, können oft mit Innovations- und Kreativitätsmethoden noch weitere Verbesserungen erzielt werden.

Diese Prozesse sind häufig konfliktreich, denn sie stellen grundlegende Annahmen, Aufgaben- und Rollenverteilungen in Frage. Auch die Ressourcenverteilung steht auf dem Prüfstand. Aber das ist notwendig, um Produkte und Prozesse zu verbessern, die Qualität zu steigern und die Kosten zu senken.

Ambidextre Unternehmen sind erfolgreicher

Kann ich aus Ihren Ausführungen schließen, dass tradierte Produkte, Prozesse und Strukturen in etablierten Unternehmen über Bord geworfen werden sollten?

Nein! Das wäre fatal. Denn die tradierten Produkte und Prozesse sorgen für den Cashflow, der, salopp gesagt, den Laden am Laufen hält. Diese Prozesse sind es auch, die die Entwicklung von Innovationen erst ermöglichen, indem sie die notwendigen Ressourcen bereitstellen.

Unternehmen müssen deshalb beidhändig sein, dieses Organisationsprinzip nennt man Ambidextrie. Führungskräfte müssen dann dafür sorgen, für jede Sphäre die optimalen Rahmenbedingungen zu schaffen. Eine große Herausforderung ist auch die Vermeidung und Beilegung eventueller Konflikte, beispielsweise wenn es um Ressourcenverteilung geht. Allen muss klar sein: Sowohl Kerngeschäft als auch Innovationen sind wichtig für den unternehmerischen Erfolg. Daher verdienen auch beide Bereiche die gleiche Wertschätzung.

Lieber Herr Mollenhauer, herzlichen Dank für das Interview.

Das Interview mit Michael Mollenhauer, Partner der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

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Katja Heumader

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