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BGM Best Practice (Teil 1): Schoeller Spinning Group – Interview mit Birgit Florineth

Die Mails mit den Ausgleichsübungen waren vorerst nur für einen kurzen Zeitraum geplant. Aufgrund des großen Erfolgs haben wir die Serie ausgebaut. Seit April 2013 erhalten unsere Mitarbeiter alle zwei Tage die verschiedensten Übungen. Die Serie setzt sich vorerst bis Mitte Juli fort.

Wie veränderte sich das Unternehmen durch die Maßnahmen hinsichtlich beispielsweise der Fehltage, der Zufriedenheit der Mitarbeiter und der Wirtschaftlichkeit?

Es ist schwierig, die Maßnahmen an Fehltagen und Wirtschaftlichkeit direkt zu messen. Indirekt helfen uns diese Maßnahmen ein attraktiver Arbeitgeber zu sein mit Mitarbeitern, die stolz sind, bei Schoeller arbeiten zu dürfen und Bewerbern, die gerne bei Schoeller arbeiten würden. Es verbessert gleichzeitig das etwas angeschlagene Arbeitgeber-Image der Textilindustrie in Europa.
Wie steht es heute um die Unternehmensgesundheit und wie wollen Sie langfristig vorgehen?

Die Menschen werden in Zukunft immer länger im Arbeitsprozess sein. Daher ist es enorm wichtig, die gesundheitliche Konstitution auf einem hohen Niveau zu halten. In der Produktion werden Präventivmaßnahmen mit ergonomischen Arbeitsplätzen und Rückenschule ein Hauptaugenmerk sein. Gleichzeitig kommt der Personalarbeit durch Unterstützung in privaten Belangen immer mehr Bedeutung zu (Schulden, Scheidungen, Ämterverkehr usw.), das Leben wird für viele immer komplizierter.

In der Verwaltung setzen wir vermehrt auf Altersteilzeit, damit ältere Mitarbeiter einerseits ihr Knowhow langfristig weitergeben können und gleichzeitig einen gleitenden Übergang in die Pension vollziehen können. Auch flexible Arbeitszeiten sind ein Thema. Wir haben unsere Arbeitszeitmodelle in den letzten Jahren erweitert und unsere Blockzeiten (Anwesenheitspflicht) auf ein Minimum reduziert.

Ein weiterer Schwerpunkt sind junge Auszubildende, die einfach anders ticken bzw. oft mit psychischen Beeinträchtigungen kämpfen und viel mehr Betreuung und Aufmerksamkeit brauchen.

Haben Sie abschließend einige Tipps für Unternehmen, die darüber nachdenken, ebenfalls die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern?

Eine Förderung der Mitarbeiter-Gesundheit sollte ganz individuell auf das Unternehmen abgestimmt sein. Dazu braucht man das Ohr zum Mitarbeiter. Wo fehlt’s? Wo gibt es Probleme? Welche Themen spielen in unserem Unternehmen eine Rolle?

Wichtig dabei ist, das Bewusstsein der Mitarbeiter für ihre Gesundheit wachzurütteln. Gleichermaßen soll dem Mitarbeiter das Gefühl gegeben werden: Du bist uns wichtig, wir kümmern uns um Dich!

Vielen Dank für Ihre Antworten und Erfahrungen!

Das Interview führe Anja Gebhardt (freie Mitarbeiterin beim HCC-Magazin und AGITANO – Wirtschaftsforum Mittelstand)

Lesen Sie am Mittwoch, den 18. September 2013 Teil 2 mit Kornelius Knapp, Referent Personalentwicklung beim Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Württemberg.

Christoph Schroeder

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