Gründer/innen

Eigenes Start-up gründen trotz privater Schulden – geht das?

Junge Frau arbeitet an einem Laptop im Außenbereich eines Straßencafés

Viele Menschen sind auf der Suche nach der idealen Geschäftsidee, um ein erfolgreiches Unternehmen gründen zu können. Anderen scheinen gute Ideen einfach zuzufliegen – unabhängig davon, ob es bei ihnen finanziell gut läuft oder nicht. Doch vor allem diejenigen, die privat mit Schulden kämpfen, haben Zweifel daran, ein eigenes Start-up auf die Beine stellen zu können. Geht das denn überhaupt, wenn man verschuldet ist? Und wenn ja, wie sollte man sich Banken, Gläubiger*innen und Ämtern gegenüber verhalten, um tatsächlich ein Start-up gründen zu können?

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Firmengründung trotz Schulden

Wie sollen Banken oder Investor*innen einem vertrauen können, wenn man Schulden im privaten Bereich aufgebaut hat? Für viele Menschen mit Geschäftsidee ist es überraschend zu hören, dass einer Unternehmensgründung selbst dann nichts im Wege steht. Auch wer Schulden hat, kann eine gute Geschäftsidee haben. Und deren Umsetzung ist auch für verschuldete Menschen möglich.

Allerdings kann schon die Eröffnung eines Kontos für das Unternehmen eine kleine Herausforderung sein, denn Banken bevorzugen natürlich schuldenfreie Kund*innen. Ein schufafreies Firmenkonto zu eröffnen ist einer der ersten Schritte auf dem Weg zur Gründung. Doch auch im Weiteren sind ein paar Dinge zu beachten.

Das gibt es zu beachten…

Die meisten Menschen träumen davon, eine Geschäftsidee zu haben, die sich ohne große Investitionen umsetzen lässt. Doch in der Regel ist für die meisten Ideen irgendeine Form der Finanzierung notwendig. Verschuldete Personen tun sich jedoch meist schwerer, einen Kredit zu bekommen. Auch eine Privatinsolvenz oder Pfändung können die weiteren Schritte erschweren.

… bei Finanzierung beziehungsweise bei Krediten

Wer einen Kredit vergibt, will Sicherheiten, doch welche Sicherheit kann ein*e verschuldete*r Gründer*in bieten? Auch mit dieser Startvoraussetzung ist es nicht unmöglich, einen Bankkredit zu bekommen. Wichtig ist, dass man der Bank glaubhaft machen kann, dass die Geschäftsidee großes Potenzial hat. Ein guter Businessplan ist also Pflicht. Dieser sollte perfekt ausgearbeitet sein, bevor der Kreditantrag gestellt wird. Außerdem kann es sinnvoll sein, beim Thema Schulden die Initiative zu ergreifen und dem potenziellen Kreditgeber zu erklären, wie es dazu kam.

Gründer*innen mit Privatschulden sollten außerdem möglichst alle verfügbaren staatlichen Fördermöglichkeiten nutzen. Zugegeben, die Beantragung kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Doch der große Vorteil von Förderungen liegt darin, dass diese meist nicht zurückgezahlt werden müssen.

… bei Pfändungen

Wer gepfändet wurde, hat mit einer weiteren Herausforderung zu kämpfen: Es gilt, dem Kreditgeber zu versichern, dass das beantragte Geld nicht zur Schuldenbegleichung genutzt wird, sondern zu 100 Prozent in das Start-up fließen wird. Ein P-Konto ohne Schufa ist eine Möglichkeit, um das unternehmerische Geld vor einer Pfändung zu schützen.

Der Schritt in die Selbstständigkeit bietet zudem einen Vorteil für Gepfändete: Da für die Berechnung des Pfändungsfreibetrages ein durchschnittliches branchenübliches Einkommen verwendet wird, kann der Unternehmer oder die Unternehmerin durch Mehrverdienst den eigenen Selbstbehalt vergrößern.

… bei Privatinsolvenz

Ein Sonderfall ergibt sich, wenn der*die Gründer*in privatinsolvent ist. Mit dieser kommt es zu einer sogenannten Restschuldbefreiung. Dabei wird das Schuldverhältnis auf Eis gelegt. Die Schulden verfallen dabei zwar nicht, doch der*die Schuldner*in hat Zeit, sich Arbeit zu suchen, um diese zu begleichen.

Wer in Deutschland aus der Privatinsolvenz heraus ein Start-up gründen möchte, braucht ebenfalls einen guten Businessplan. Dieser dient als überzeugendes Argument für Insolvenzverwalter*innen, dass die Geschäftsidee in der Tat großes Potenzial hat. Gelingt das, steht der Gründung nichts im Weg. Kritik erweist sich dabei als Vorteil: Durch das Feedback des Treuhänders/der Treuhänderin erkennen die Unternehmer*innen in spe, ob beim Businessplan Verbesserungsbedarf besteht. Ist das der Fall, bietet sich die noch Möglichkeit, diesen überarbeiten.

Fazit: Kompliziert, aber machbar

Das Gründen eines eigenen Unternehmens ist immer mit Aufwand, Rückschlägen und viel Bürokratie verbunden. Personen mit Privatschulden müssen definitiv mit einem Plus an Aufwand rechnen, bevor ihr Traum wahr wird. Doch die Mühe lohnt sich. Wer zielstrebig genug ist, um Banken oder Treuhänder*innen vom Potenzial einer Geschäftsidee zu überzeugen, hat sicherlich auch hinterher Erfolg damit.

Die Gründung eines Start-ups aus der Verschuldung heraus ist eine Herausforderung – so viel steht fest. Wer jedoch weiß, mit welchen Fallstricken dabei zu rechnen ist, kann sich gezielt darauf vorbereiten – und den Traum vom eigenen Business realisieren.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag stellt keine rechtliche Beratung, Schuldenberatung oder Ähnliches dar.

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