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Wie das Husky-Prinzip die Mitarbeiterführung revolutioniert – Dr. Klaus Schirmer im Interview

Dr. Klaus Schirmer mit Huskys mit ihm selbst als Musher, der Führungsposition beim Schlittenhundgespann

Es gibt unzählige Ansätze zum Thema – mit dieser Metapher bringt Dr. Klaus Schirmer die Mitarbeiterführung auf einen vollkommen neuen Punkt: In „Das Husky-Prinzip – Von Leithunden, langen Leinen und Freundschaft in der Team-Führung“ berichtet der Trainer, Speaker und Autor von einem Führungsprinzip, das die Aufgaben im Gespann neu verteilt. Der Effekt: Alle Beteiligten ziehen an einem Strang und entfalten ungeahntes Potenzial! Der folgende erste Teil des Interviews gibt eine knackige Zusammenfassung zu dieser neuen Perspektive auf Mitarbeiterführung.

Hinweis der Redaktion: Wir verlosen auf AGITANO drei Exemplare von „Das Husky-Prinzip: Von Leithunden, langen Leinen und Freundschaft in der Team-Führung“ von Dr. Klaus Schirmer. Heute noch mitmachen und gewinnen!

Die Aufgaben bei der Führung von Schlittenhunden bieten großen Aufschluss über die Führung in Teams und Unternehmen – Dr. Klaus Schirmer im Interview

Schönen guten Tag Herr Dr. Schirmer, Ihr Buch bedient sich der Metapher eines Schlittenhund-Gespanns, auf deren Basis Sie das Thema Führung behandeln? Wie sind Sie auf diesen Ansatz gekommen?

Das entstand aus zwei Komponenten heraus. Erstens bin ich selbst ausgebildeter Musher, also Hundeschlittenführer, verbringe immer wieder Wochenenden mit den wunderbaren Huskys und durfte sie auf diese Weise intensiv kennen- und schätzen lernen. Daher ist mir neben den unzähligen bereits existierenden Metaphern zum Thema Führung (vom Kapitän bis zum Dirigenten) beim Hundeschlitten-Fahren aufgefallen, dass die Führung eines derart intrinsisch motivierten „Teams“ die ideale Firma am besten beschreibt: „Junge und auch im Geiste junge“, arbeitshungrige, hochmotivierte Mitarbeiter scharren geradezu mit den „Pfoten“, sind ungeduldig und kaum zu bremsen, weil sie endlich ihre PS ausfahren wollen, unbedingt zeigen wollen, was sie drauf haben und was sie alles können. Mitarbeiter, die bereit sind, zu laufen und zu tun, voller Freude und Motivation. Und zweitens erlebte ich kurz nach der Übernahme der Apotheke einen mitarbeitertechnischen Super-GAU, stand fast ohne Personal da und habe mir in diesem sehr schwierigen Moment vorgenommen, ein Team aufzubauen, das untereinander wie Freunde agiert, füreinander einsteht und sich nicht im Stich lässt. Und mit genau so einem Team habe ich heute die Freude, täglich zu arbeiten.

Freundschaft in der Führung, kann das tatsächlich funktionieren? Besteht dabei nicht die Gefahr, dass sich bei zu langen Leinen Respektlosigkeit einschleicht? Wie definieren Sie in diesem Kontext den Begriff Freundschaft?

Dieses Risiko würde tatsächlich bestehen, wenn Freundschaft im Führungskontext als Kumpanei oder Verbrüderung verstanden wird. Es muss allerdings bei dieser Führung nach der langen Leine für alle Beteiligten sehr klar sein, dass genau das nicht der Fall ist. Wir definieren das Husky-Prinzip und die ihm zugrunde liegende Freundschaft nämlich als ein freiwilliges Commitment, bei dem jeder Mitarbeiter, inklusive Chef, alles unternimmt, damit es den übrigen Kollegen, wieder inklusive Chef, gut geht, damit der andere die volle Unterstützung erhält, wenn es erforderlich ist, damit der andere wieder auf die Beine kommt, wenn er angeschlagen ist. Wir ziehen dann buchstäblich an einem Strang, können uns aufeinander verlassen und zeigen uns gegenseitig bei jeder Gelegenheit auch verbal Respekt. Und auf diese Weise funktioniert diese Philosophie der Freundschaft ganz hervorragend.

Sie beschreiben die Rolle des Mushers – also des Schlittenhundführers – so, dass dieser sein Gespann vertrauensvoll laufen lässt, jedoch beobachtend immer präsent ist und nur dann eingreift, wenn spezielle Situationen eintreten beziehungsweise Gefahren auftauchen. Wie lässt sich dieses Prinzip auf die Rolle der Führungskraft ummünzen?

Also, ganz ohne einzugreifen würde es nicht gehen – der Musher ist (wie ein Autofahrer oder Skifahrer) in Wirklichkeit immer „aware“, er hat permanent zu steuern, zu beobachten, zu korrigieren. Aber, und das ist das Besondere am Husky-Prinzip, er muss niemals als „Vorbild“ selber im Geschirr mitlaufen – außer in Krisensituationen – und mitziehen. Er muss keinen Hund dazu „motivieren“, dass dieser seinen Job macht: Kein Husky rennt schneller, weil ihm für nachher eine Wurst versprochen wird! Somit kann der Musher jene Aufgaben wahrnehmen, die auch nur er ausfüllen kann: Beobachtung der Wetterentwicklung, Aufmerksamkeit legen auf die Harmonie im Gespann, des Gesundheitszustandes der Huskys, Planung der Pausen, Organisation der Verpflegung, Reparaturen und so weiter. Denn genau das sind Musher-, also Führungsaufgaben. Das lässt sich eins zu eins umlegen auf die Führungskräfte in Unternehmen, die ja im Grunde auch primär diese übergeordneten Führungsaufgaben erledigen sollen und nur im Krisenfall „an der Front“ einspringen.

Sie erzählen im Buch sehr offen, dass Sie selbst zu Beginn Ihrer Laufbahn als Führungskraft und bei der Übernahme Ihrer Apotheke in den ersten Jahren Führungsfehler gemacht haben. Welche waren das und was haben Sie daraus gelernt?

In erster Linie war es wohl ein großer Fehler, immer der Beste sein zu wollen – aus diesem falschen Ideal des „Chefs als Vorbild“ heraus. Ich dachte, ich müsste alles vorgeben, alles vorzeigen, immer voranschreiten. Das ging so weit, dass ich bald nach der Übernahme der Apotheke ganze Nächte damit zubrachte, unser Regalsystem im Alleingang umzuräumen, zu „innovieren“, wie ich dachte. Das Resultat: Höchste Frustration bei meinen Kollegen, die am nächsten Morgen natürlich nichts mehr fanden. Ich hatte den großen Fehler begangen, sie nicht einzubinden und war als „Lonely Rider“ vorangestürmt. Das macht die Gestaltungsspielräume besonders für gute Leute sehr eng, die haben dann keinen Platz zum Entfalten mehr und suchen sich andere Wirkungsfelder.

Dazu kam vor allem zu Beginn meiner Führungsaufgabe, dass ich nie wirklich vertraut habe, dass meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Arbeit, ihre Projekte, ihre Vorhaben tatsächlich besser machen, als ich es ihnen zugetraut hätte. Und wenn dann der Chef zur Sicherheit bei jedem Klacks immer erst noch seinen Sanktus draufgeben muss, damit ein Vorhaben endlich umgesetzt werden darf, dann verlieren die „schnellen Huskys“ eben die Geduld und auch die Lust an dieser Arbeit und suchen sich ein anderes Gespann. Genau diese Art und Weise zu führen, hatte ja den Abgang des größten Teils meines Teams zur Folge und mich in meine große Krise gestützt, die aber Gott sei Dank in der neuen Führung nach dem Husky-Prinzip resultierte. Heute muss ich lachen, wenn ich an meine verqueren Anfänge zurückdenke.

Vielen Dank, Herr Dr. Schirmer, für diese offenen Worte und den ersten Einblick, wie die Metapher des Husky-Prinzips in der Führung konkret zu verstehen ist! Wir freuen uns auf Teil Zwei unseres Gesprächs!

Das Interview mit Dr. Klaus Schirmer führte Oliver Foitzik, Herausgeber des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO sowie Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

Anmerkung der Redaktion: Zu Teil Zwei des Interviews mit Dr. Klaus Schirmer geht es hier entlang: Teamgeist leben: Wie Unternehmen vom Husky-Prinzip profitieren.
Darin finden Sie hilfreiche Einblicke und konkrete Tipps, die Führungskräfte beachten sollten, um Mitarbeiter optimal in ihrer individuellen Arbeit und Leistung zu unterstützen.

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Über Dr. Klaus Schirmer

Dr. Klaus Schirmer, Autor des Buches Das Husky-Prinzip: Von Leithunden, langen Leinen und Freundschaft in der Team-Führung
Dr. Klaus Schirmer ist Trainer, Speaker und Apotheker. Als leidenschaftlicher Unternehmer hat er einen vollkommen neuen Führungsgedanken erschaffen, den er in „Das Husky-Prinzip – Von Leithunden, langen Leinen und Freundschaft in der Team-Führung“ zu Papier gebracht hat. (Bild: © Klaus Schirmer / Sissi Furgler)

Dr. Klaus Schirmer ist Trainer, Speaker und im Hauptberuf Unternehmer und Apotheker. Der gebürtige Innsbrucker studierte Pharmazie und Psychologie, machte sich nach Stationen in der Wissenschaft und Industrie als zunächst Miteigentümer, dann Eigentümer der Oberen Apotheke in Villach selbständig und gründete gemeinsam mit acht anderen Apothekern das erste Apotheken-Franchise-System Österreichs, team santé. Als erste Apotheke in Europa gewann er 2017 den great place to work-award. 2019 wurden die team santé-Apotheken zu den drei besten Arbeitgebern Österreichs gewählt.

Seiner Leidenschaft als Lehrender geht Klaus Schirmer in seiner Funktion als Trainer und Universitätslektor der Universität Innsbruck nach. Er betreut Teams, Firmen und Einzelpersonen im ganzen europäischen Raum und wird als Keynote-Speaker für zahlreiche Veranstaltungen gebucht. Er ist Mitglied der GSA, der German Speakers Association, und seit 2018 unter den Top 100 Speakern von Speakers Excellence.

Dr. Klaus Schirmer ist verheiratet und lebt in Villach.

Die Buchverlosung läuft noch bis Freitag, 11. Oktober 2019. Jetzt teilnehmen und gewinnen!

Oliver Foitzik

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