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Herausforderungen internationaler Team-Arbeit

Die vorangegangen Artikel von Barbara Wietasch befassten sich mit Themen wie „Das Ausland im Inland“ – wenn das Team überwiegend aus ausländischen Mitarbeitern besteht – mit den Herausforderungen virtueller Teamführung sowie mit den größten Irrtümern in der internationalen Teamarbeit: die „Ähnlichkeitsfalle“, „dem unterschiedlichen Umgang mit der Zeit“ oder „Wir können doch alle Englisch“.

Heute erscheint der letzte Beitrag zur Themenserie “Global Management – Der Tanz mit den Eisbergen” der zertifizierten Wirtschaftsmediatorin und Speakerin zu internationalen Führungsthemen Barbara Wietasch. Sie gibt noch einmal wichtige Tipps, wie es mit der internationalen Team-Arbeit klappt.

 

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Die Führung eines internationalen Teams ist immer eine Herausforderung. (Bild: Ryan Maguire / gratisography.com)

Heterogene Teams haben großes Potenzial!

In diesem, meinem letzten Beitrag zu dieser Serie ist es mir eine Herzensangelegenheit, Ihnen noch wichtige Tipps mit auf den Weg zu geben. Wir alle wissen es und erleben es täglich: internationale Teams mit verschiedenen Aufgaben und Zielen werden immer mehr zum normalen Arbeitsalltag. Wir finden Sie vor allem in der Projektarbeit, in Matrixorganisation, bei Grenzen übergreifenden Firmenübernahmen – und zwar von der Produktion bis zum Top-Management. Studien zufolge sind heterogene Teams (Diversity at its best) – wenn sie gut geführt werden – erfolgreicher und innovativer als homogene Teams. Doch bis dies funktioniert, ist es ein weiter Weg und es braucht klare Spielregeln für alle Beteiligten!

Tipp 1 – Willkommenskultur etablieren und leben

Eine gelebte Willkommenskultur in Deutschland aber auch in den Unternehmen und dort in den Teams bringt den Neuankömmlingen Wertschätzung und Interesse entgegen. Doch wie wird das Land, die Region, das Unternehmen für potenzielle Zuwanderer attraktiver, um langfristig ausländische Mitarbeiter für einen Zuzug zu gewinnen. Es ist nicht nur der rechtliche Rahmen, sondern es muss hierzulande eine Willkommenskultur etabliert werden. Unternehmen sollten ausländische Mitarbeiter bei den ersten Schritten in Deutschland unterstützen und im Arbeitsalltag deren kulturelle Besonderheiten berücksichtigen. Interessanterweise werden Deutschkurse für Ausländer nur vom Staat bezahlt, solange die Person arbeitssuchend ist. Eine Unterstützung für die Unternehmen durch Fördermaßnahmen könnte sehr viel bewegen und eine Willkommenskultur einfacher machen, da eine kleine Kommunikationsbasis geschaffen wird.

Tipp 2 – Mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu Beginn

Bei jedem „On-Boarding“ dient die Probezeit zum gemeinsamen Kennenlernen, Abtasten und zur definitiven Bestätigung: „Das ist unser neues Teammitglied.“ Dies gilt umso mehr in interkulturellen Teams. Ein Kick-Off, ein Mentor oder Pate sorgen für ein rascheres Kennenlernen. Auch sollte dem „Neuen“ eine Art Beraterstatus zugesprochen werden, da mögliche „blinde Flecken“ bei den langjährigen Mitarbeitern dadurch reflektiert werden können, und Raum und Gelegenheit bekommen, gesehen zu werden. Team-Mitglieder und auch die neuen internationalen Teamkollegen wissen dadurch, dass ein „internes Berater-Beobachter-Mandat“ vergeben wurde und somit rasch Beiträge zu möglichen Veränderungen erarbeitet werden können.

Tipp 3 – Team-Building – wie kann die Storming-Phase schnell umschifft werden?

Auch wenn im Vorfeld das Team bei der Auswahl des Kandidaten bereits eingebunden wurde, durchläuft jedes Teambuildung in der täglichen Zusammenarbeit die bekannten Team-Phasen nach Tuckmann. Diese Phasen sind

  • Forming
  • Storming
  • Norming
  • Performing

Legen Sie die Spielregeln im Vorfeld fest, erarbeiten Sie im Kick-Off die Grundwerte, das Verhalten der unterschiedlichen Kulturen, die bisherigen Teamerlebnisse, diskutieren Sie in einem geschützten Rahmen und vielleicht mit einem „liebevollen Blick“: das ist typisch deutsch, typisch spanisch, typisch chinesisch.
Schaffen Sie Möglichkeiten, diese verschiedenen Bedürfnisse – andere Feiertage, Ernährungsgewohnheiten, Umgang mit der Zeit, usw. – sichtbar zu machen und, soweit es geht, im täglichen Leben zu würdigen. Und betrachten Sie dies im Zuge der Team-Entwicklungsuhr. Das hilft, sich durch die Storming-Phase hin zur Performing-Phase mit kulturellen Unterschieden zu bewegen.

Tipp 4 – Jeder Mensch ist einzigartig mit seiner persönlichen und kulturellen Prägung – zu schnell schnappt die Ähnlichkeitsfalle zu!

Gleiche Smartphones, gleiche Laptops und gleiche Anzüge – zu schnell entsteht der Eindruck: wir sind doch alle gleich! Doch schlägt unter einem ähnlichen Outfit ein deutsches, chinesisches, amerikanisches oder russisches Herz, mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen, Werten und Gepflogenheiten. Wie ist die bisherige Erfahrung in einer anderen Unternehmenskultur gewesen, wie die persönliche Prägung, wie das Verhalten in Team, der Umgang mit gruppendynamischen Prozessen. Analysieren Sie, welche Verhalten, Werte und Prägungen aus den unterschiedlichen Kulturen hilft, rascher die Team-Ziele zu erreichen.

Tipp 5 – Beachten Sie die interkulturellen Prägungen und klären Sie die Erwartungen auf beiden Seiten

Laut Geert Hofstedde werden Menschen in Ihren Kulturkreisen geprägt. Der Umgang mit Hierarchien liegt in der religiösen Erziehung, den politischen Systemen, den familiären Gegebenheiten und spiegelt sich später in dem Team-Verhalten und in der Unternehmenskultur wider. Wie kann ein neues Team-Mitglied die Arbeit in einem Projekt-Team verstehen, wie die Berichtsebenen in der Matrixorganisation?
In Deutschland wird über die Gleichberechtigung der Geschlechter viel diskutiert, noch ist vieles im Argen. Wie können wir dies einem neuen Team-Mitglied z.B. aus Skandinavien, aus den USA, China oder Mexiko vermitteln, wo stehen wir selbst, wie können wir dies transparent machen und mit dem Team-Mitglied aus einem anderen Kulturkreis gemeinsame Vorgehensweisen vereinbaren? Ähnlich wichtig ist die Klärung für den Umgang mit der Zeit, mit der direkten bzw. indirekten Kommunikation, Verhalten in Meetings, Umgang mit Konflikten usw. Fast alle anderen Kulturen – im Vergleich zu der deutschen – legen mehr Wert auf den Beziehungsaufbau und auch darauf, dass in der zwischenmenschlichen Kommunikation niemand das Gesicht verliert. Für viele ausländische Kollegen sind wir dann einfach zu direkt, bzw. fallen in Meetings mit der Tür ins Haus.

Tipp 6 – Umgang mit der Zeit bzw. den Zeitzonen

Gerade in virtuellen Teams, die über den Globus verteilt sind, ist es wichtig, den Umgang mit der Zeit festzulegen. Wenn das Headquarter die Termine vereinbart, kann es leicht passieren, dass die Gesprächspartner sich in ihrem Land um drei Uhr in der Früh den Wecker stellen oder während des Abendessens mit der Familie sich in Telcos einwählen müssen. Nicht jeder ist pünktlich bzw. achtet auf den Zeitrahmen in der Agenda. Eine gute und straffe Moderation hilft, nachdem der notwendige Beziehungsaufbau virtuell erfolgt ist.

Achten Sie auch darauf, dass nicht jeder gutes Englisch spricht. Durch fehlende Sprachkenntnisse kann es sein, dass nicht jeder alles richtig versteht oder sich nicht traut, nachzufragen. Stellen Sie durch eine Fragerunde sicher, dass jeder den gleichen Anteil in der Diskussion hat und auch zu Wort kommt. Sonst hören Sie immer denselben Personenkreis, aus Ihrer eigenen Kultur.

Tipp 7 – Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation: der Kitt gute interkulturelle Team-Arbeit

Auch wenn Sie das Gefühl haben, gebetsmühlenartig die Inhalte wieder und wieder zu kommunizieren. Regelmäßig, wiederkehrende Gespräche und Telefonate sind wichtig. Kommunikation ist der Klebstoff in der internationalen Team-Arbeit. Da nicht alle internationalen Team-Mitglieder Ihrer Muttersprache mächtig sind, evtl. Englisch als Stützsprache genutzt wird, müssen Definitionen erklärt und für alle verständlich gemacht werden. Schriftliche Einladungen, Web-Konferenzen mit unterstützenden Powerpoint-Präsentationen sowie die schriftliche Zusammenfassung der Ergebnisse stellen sicher, dass möglichst alle Teammitglieder dasselbe verstehen.

Mit einem Zitat von Konrad Lorenz:

Gedacht ist nicht gesagt
Gesagt ist nicht gehört
Gehört ist nicht verstanden und
Verstanden ist nicht einverstanden…

wünsche ich Ihnen viel Erfolg in der internationalen Team-Arbeit, Freude und Spaß am Entdecken neuer Kulturen und viel Geduld in der interkulturellen Kommunikation.

Sie werden vieles Neues entdecken und für sich selbst ausprobieren können.

Ihre
Barbara Wietasch

 

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Speakerin zu internationalen Führungsthemen (Foto: © Barbara Wietasch)

Über Barbara Wietasch

Barbara Wietasch ist Sprachwissenschaftlerin, Organisationsentwicklerin (MAS), zertifizierte Wirtschaftsmediatorin und Speaker zu internationalen Führungsthemen sowie Lektorin an einer internationalen Business School in Wien. Von ihrer frühesten Jugend an haben andere Länder und andere Sitten sie begeistert, ebenso ihr Wissen an andere weiterzugeben. Profitieren Sie von ihrem großen Wissen als Praktikerin und Expertin und erschließen Sie für sich und Ihr Unternehmen die Schätze aus der internationalen beziehungsweis globalen Zusammenarbeit. Ihre Trainings- und Beratungssprachen sind deutsch, englisch und spanisch.

Mehr über Barbara Wietasch im AGITANO-Expertenprofil und im Internet auf www.internationaldynamics.de.

Katja Heumader

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