Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 12

Energiepolitik:
1. Netzausbaubeschleunigungsgesetz: 27-Mio.-Ausfall bei Brennstoffsteuer
2. BEE: Aktionsprogramm für schnelleren Umbau der Energieversorgung
3. Netzausbau vorantreiben und Strompreise wettbewerbsfähig halten

Erneuerbare Energien:

4. Erneuerbare Energien überholen erstmals Atomkraft
5. Bundesnetzagentur: neue Photovoltaik-Zahlen und EEG-Statistikbericht 2009

Atomkraft:

6. Merkel beauftragt Rat der Waisen mit neuem Atomgesetz
7. Brüderles Dolchstoß: „AKW-Moratorium sei nur Wahlkampftaktik“
8. Russland empfiehlt Japan Techniken aus der Tschernobyl-Bekämpfung
9. Atomkraft: Internationale Reaktionen
10. USA und Russland beschließen gemeinsame Urananreicherung
11. IAEA: internationale Richtlinien zur Nuklearsicherheit überarbeiten

Umwelt, Klima, Geologie:

12. Offshore- Lösung gegen Umweltprobleme bei Aquakulturen
13. Erdkruste in Japan noch immer unter gewaltigem Druck
14. Energieversorgung benötigt 59% des genutzten Frischwassers

 

Energiepolitik:

 

Netzausbaubeschleunigungsgesetz: 27-Mio.-Ausfall bei Brennstoffsteuer
Nach der Entscheidung der Bundesregierung, die sieben ältesten AKWs in Deutschland aufgrund von Sicherheitsbedenken drei Monate vom Netz zu nehmen, haben die Betreiber nun angekündigt, ein Aussetzen der von diesen AKWs geleisteten Brennstoffsteuer zu prüfen. Diese fließt seit dem 1. Januar 2011 zu Teilen in den Haushalt sowie in einen Fonds zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der Betrag für die nun betroffenen AKWs summiert sich in den drei Monaten auf 27 Mio. Euro. Bundeswirtschaftsminister Brüderle hat unterdessen mit dem so genannten „Netzausbaubeschleunigungsgesetz“ einen beschleunigten Netzausbau zur besseren Integration der Erneuerbaren Energien angekündigt. Dafür sollen auch Kompetenzen der Länder an den Bund übertragen werden. Mit einem einheitlichen Bundesnetzplan könnten dann bestimmte Trassen für den Bau von Höchstspannungsleitungen reserviert werden, um bisherige Verzögerungen bei den Projekten zu umgehen. Zum Ausgleich der Betroffenen schlägt das Wirtschaftsministerium finanzielle Leistungen für Beeinträchtigungen vor, „die Gemeinden beim Leitungsbau im Interesse des Gemeinwohls hinnehmen müssen“. Die Eckpunkte des „Netzausbaubeschleunigungsgesetz“ werden am heutigen Montag vorgestellt. Bundesumweltminister Röttgen hat bereits seine Zustimmung signalisiert. Die Deutsche Energieagentur hat kürzlich der Bedarf an neuen Hochspannungsleitungen zur Integration der dezentral erzeugten Erneuerbaren Energien auf 1.700 bis 3.600 km bis zum Jahr 2020 beziffert. Die Kosten liegen für 380-Volt-Freileitungen bei bis zu 10 Mrd. Euro, für erdverlegte Leitungen (Strahlung, Gesundheit, Landschaftsbild) bei 22 bis 29 Mrd. Euro. Eine Teilverkabelung unter der Erde in der Nähe von Siedlungen (20-30%) würde die Kosten entsprechend reduzieren. Die Investitionen in Erneuerbare Energien rechnen sich jedoch unter dem Strich: So hat kürzlich auch die Leitstudie 2010 des Bundesumweltministeriums „Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland bei Berücksichtigung der Entwicklung in Europa und Global“ angeführt, dass unterm Strich allein die deutsche Volkswirtschaft bis zur Jahrhundertmitte (2050) rund 670 Mrd. Euro gegenüber der Weiterführung der konventionellen, fossilen Energieversorgung einspart.

 

BEE: Aktionsprogramm für schnelleren Umbau der Energieversorgung
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat konkrete Vorschläge für den schnelleren Umbau der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien vorgelegt. BEE-Präsident Dietmar Schütz: „Wir schlagen mit unserem Aktionsprogramm eine Reihe von Maßnahmen vor, die für den Gesetzgeber schnell und einfach umzusetzen sind und dem Ausbau der Erneuerbaren deutliche Impulse auf allen Ebenen geben. Bis zum Jahr 2020 können die Erneuerbaren Energien den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland bereits vollständig kompensieren. Wir sind jedoch einer Meinung mit weiten Teilen der Bundesregierung und der Bevölkerung, dass es sinnvoller und möglich ist, die Nutzung der folgenschweren Hochrisikotechnologie Atomkraft noch schneller zu beenden.“ Erster Schritt müsse ein Erneuerbare-Energien-Ausbaubeschleunigungsgesetz sein, das alle relevanten Regelwerke auf den Prüfstand stellt, wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz, Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, Energiewirtschaftsgesetz, Raumordnungsgesetz, Naturschutzgesetz und Wasserhaushaltsgesetz. In diesen müsse das Ziel des Umstiegs auf Erneuerbare Energien aufgenommen werden. Da der Umbau der Energieversorgung vor Ort stattfindet müssen auch Baugesetzbuch und Baunutzungsverordnung novelliert werden, um bestehende Hemmnisse im Genehmigungsverfahren von Erneuerbare-Energien-Anlagen abzubauen. Beim Netzausbau sollte die Erdverkabelung auf der 110kV-Ebene zum Regefall werden, da ihre Akzeptanz höher ist als die von Freileitungen. Die Mehrkosten würden dabei durch vermiedenes Einspeisemanagement im EEG ausgeglichen, da bei einer hauptsächlich durch EEG-Einspeisungen genutzten Leitung keine zusätzlichen Kosten entstehen würden. Zudem soll ein Gewerbesteuersplitting bei Infrastrukturmaßnahmen die Akzeptanz von Netzausbauten bei den Kommunen erhöhen, indem sie an der Gewerbesteuer der Netzbetreiber beteiligt werden. Als wichtiger Punkt wird auch die Forderung nach einem Anreiz für Regenerative Kombikraftwerke genannt. Das Zusammenschalten verschiedener regenerativer Erzeugungsanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk mit Speichern und Maßnahmen zum Lastmanagement mobilisiert die vorhandenen Flexibilitätspotenziale der Biogasanlagen und ermöglicht Investitionen in verschiedene Speicheroptionen – Anreize würden diese Entwicklung beschleunigen. (Zum Download.)

 

Netzausbau vorantreiben und Strompreise wettbewerbsfähig halten
dena-BDI Roundtable: Energiekonzept und Verteilnetze der Zukunft? Pressemitteilung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) vom 24.03.2011:
„Der Ausbau und die Erneuerung der Stromnetze müssen jetzt absolute Priorität haben, um die Versorgungssicherheit in Deutschland mit Strom zu gewährleisten. Dafür sind intelligente Anreize für Investitionen sowie schnellere und schlankere Genehmigungsverfahren nötig.“ Das sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf anlässlich des von Deutscher Energie-Agentur GmbH (dena) und BDI organisierten Roundtable zum Thema „Energiekonzept und Verteilnetze der Zukunft“ am Donnerstag in Berlin. „Die Netze der Zukunft müssen intelligent werden, um die Nachfrage viel stärker an das fluktuierende Angebot von Photovoltaik und Windenergie anzupassen und neue Speichertechnologien zu integrieren. Hierfür sollten Innovationsfonds geschaffen werden, die die Netzbetreiber für Investitionen in innovative Netztechnik nutzen können“, betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der dena. „Die Netze auf allen Spannungsebenen sind die Achillesferse für den Ausbau der erneuerbaren Energien.“ Mit dem Eckpunktepapier für ein Netzausbaubeschleunigungsgesetz ist das Bundeswirtschaftsministerium in dieser Woche aus Sicht des BDI einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gegangen. „Der BDI unterstützt insbesondere den geplanten Bundesnetzplan, der die notwendigen Trassenkorridore bundesweit ausweist“, unterstrich Schnappauf. Flankierende Maßnahmen seien jedoch auch für die Verteilnetze notwendig, da hier aufgrund der Anbindung und Einspeisung der erneuerbaren Energien ein massiver Investitionsbedarf bestehe.

 

Erneuerbare Energien:

 

Erneuerbare Energien überholen erstmals Atomkraft
Aufgrund der vorübergehenden Abschaltung der sieben ältesten AKWs in Deutschland hat der installierte Solarstrom erstmals die AKW-Leistung übertroffen. Die Photovoltaik-Anlagen kommen auf eine Gesamtnennleistung von rund 17 GW, die deutschen Atomkraftwerke aufgrund des derzeitigen Moratoriums auf insgesamt etwa 15 GW. Allerdings erzeugen die PV-Anlagen nicht ununterbrochen Strom. Laut der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) betrug im Jahr 2010 der Anteil der Atomenergie am Primärenergieverbrauch 10,9 %, sämtliche erneuerbare Energien kamen demnach auf 9,4 %, bei der Stromerzeugung sogar schon auf rund 20%. Noch 1993 hatten die Stromkonzerne prognostiziert, dass auch langfristig mit den Erneuerbaren nicht mehr als 4% des deutschen Strombedarfs gedeckt werden könnten.

 

Bundesnetzagentur: neue Photovoltaik-Zahlen und EEG-Statistikbericht 2009
Pressemitteilung der Bundesnetzagentur vom 21.03.2011:
Die Bundesnetzagentur hat heute ihren Statistikbericht zur Jahresendabrechnung 2009 nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) veröffentlicht. Der Bericht enthält erstmals auch Zahlen zur Direktvermarktung, zum Grünstromprivileg und zum Eigenverbrauch von Solarstrom. Außerdem hat die Bundesnetzagentur heute die vorläufigen Zahlen der im Jahr 2010 neu installierten PV-Anlagen veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die installierte Leistung von PV-Anlagen im Jahr 2010 um knapp 75 Prozent auf rund 17.300 MW.
"Die Solarbranche erlebte mit einem Zubau von etwa 7.400 MW im vergangenen Jahr einen wahren Boom. Damit war der Zubau von Solaranlagen im Jahr 2010 fast doppelt so hoch wie 2009", sagte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur.
Der tatsächliche Zubau im Jahr 2010 liegt deutlich unter der Prognose von 9.500 MW. Auf der Grundlage der Prognose wird die EEG-Umlage von den Übertragungsnetzbetreibern jährlich zum 15. Oktober für das Folgejahr festgelegt. Für das Jahr 2011 beträgt die EEG-Umlage 3,53 Cent pro Kilowattstunde. Mit der EEG-Umlage wird die Differenz zwischen der an die Anlagenbetreiber gezahlten Einspeisevergütung für EEG-Strom und den Einnahmen aus seiner Vermarktung an der Börse finanziert.
"Der Zubau von Solaranlagen beruht auf den Investitionsentscheidungen vieler unterschiedlichster potenzieller Anlagenbetreiber und ist daher schwer zu prognostizieren. In der Vergangenheit wurde der Zubau regelmäßig unterschätzt. Inwieweit sich die für 2010 zu hohe Prognose auf die
EEG-Umlage auswirkt, lässt sich noch nicht absehen. Denn die Höhe der EEG-Umlage hängt von weiteren Einflussfaktoren ab. So bestimmen u. a. der Wetterverlauf und die Entwicklung der Börsenpreise die Höhe der EEG-Umlage. Sollte sich die EEG-Umlage 2011 als zu hoch erweisen, werden die Überschüsse auf dem EEG-Konto der Übertragungsnetzbetreiber verzinst und bei der Ermittlung der EEG-Umlage 2012 entsprechend verrechnet", erläuterte Kurth.
Die Endabrechung 2009 zeigt, dass die installierte Leistung der nach dem EEG vergüteten Anlagen zum 31. Dezember 2009 auf 41.355 MW angestiegen ist. Dies entspricht einer Zuwachsrate gegenüber 2008 von 19 Prozent. Bei der installierten Leistung dominierte als Energieträger weiterhin die Windkraft mit einem Anteil von 61 Prozent vor der Solarenergie mit 24 Prozent und der Biomasse mit zehn Prozent.
Die eingespeiste Strommenge lag bei gut 75.000 GWh und damit fünf Prozent über dem Wert von 2008. Auch hier dominierte der Wind mit 51 Prozent, gefolgt von Biomasse mit 31 Prozent und Solarenergie mit neun Prozent. Die nach dem EEG im Jahr 2009 gezahlten Vergütungen beliefen sich auf insgesamt knapp elf Milliarden Euro, wobei die Anteile von Windkraft, Solarenergie und Biomasse jeweils bei etwa 30 Prozent lagen. Im Jahr 2009 betrug die durchschnittliche Einspeisevergütung 14,36 Cent pro Kilowattstunde.
2009 wurde EEG-Strom von insgesamt 318 GWh direkt vermarktet, dies entspricht lediglich 0,4 Prozent der gesamten EEG-Strommenge. Den direkt vermarkteten Strom nahmen in erster Linie Stromlieferanten ab, um das sog. Grünstromprivileg zu nutzen. Das Grünstromprivileg setzt voraus, dass für mindestens 50 Prozent des gelieferten Stroms direkt vermarktete erneuerbare Energien eingesetzt werden. Diese Lieferanten sind von der Zahlung der EEG-Umlage ausgenommen. Bei der Direktvermarktung erhalten die Anlagenbetreiber keine Vergütung nach dem EEG.
Die Bundesnetzagentur überprüft jährlich die von Stromnetzbetreibern und Stromlieferanten übermittelten EEG-Daten und veröffentlicht die wesentlichen Ergebnisse im Statistikbericht in aggregierter Form. Der EEG-Statistikbericht 2009 sowie die aktuellen Zahlen zu der installierten PV-Leistung 2010 sind auf den Internetseiten der Bundesnetzagentur veröffentlicht.

 

Atomkraft:

 

Merkel beauftragt Rat der Waisen mit neuem Atomgesetz
Bundeskanzlerin Merkel hat zwei Experten-Gremien eingerichtet, die als so genannter „Rat der Weisen“ die Atomenergie in Deutschland vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe in Japan untersuchen sollen. Im Ergebnis wird mit einem neuen Atomgesetz gerechnet. Die eine Experten-Gruppe, die zum Umweltministerium gehörende Reaktor-Sicherheitskommission (RSK), soll die technischen Fragen klären. Die so genannte Ethik-Kommission wird sich mit der gesellschaftlichen Dimension der Kernkraft befassen. Der „Rat der Weisen“ setzt sich aus 14 Persönlichkeiten zusammen, an der Spitze stehen laut der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) und der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner. Dazu gehören auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, der international bekannte Soziologe und Risikoforscher Ulrich Beck sowie der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD). Erst am 15. April will sich die Kanzlerin dann mit allen 16 Ministerpräsidenten der Länder über das Thema beraten – reichlich spät monieren Kritiker. Den beiden Kommissionen wird für die Neubewertung des Restrisikos und der Sicherheit der deutschen AKWs ein Zeitraum von drei Monaten eingeräumt – dies ist die Dauer, für die die Bundesregierung die Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke in der vergangenen Woche ausgesetzt hat. Am 15. Juni wiederum wird die Reaktor-Sicherheitskommission die Ergebnisse ihrer AKW-Überprüfungen mitteilen. Umweltminister Röttgen betonte, bei dieser Überprüfung werde „der Sicherheitsbegriff selbst infrage gestellt“, also eine völlig neue Sicherheitsauslegung geprüft. Das schon von Rot-Grün ausgearbeitete neue verschärfte Kerntechnische Regelwerk, das möglicherweise teure Nachrüstanforderungen für die AKW-Betreiber zur Folge haben würde, lehnte Röttgen aber weiterhin als Grundlage ab.

 

Brüderles Dolchstoß: AKW-Moratorium sei nur Wahlkampftaktik
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat seine eigene schwarz-gelbe Regierung brüskiert. Vor der im Haus der deutschen Wirtschaft versammelten Spitze der Deutschen Industrie (BDI) erklärte er, das AKW-Moratorium der Bundeskanzlerin – womit die sieben ältesten AKWs vom Netz genommen wurden, um deren Sicherheit innert drei Monaten neu zu bewerten – sei lediglich reine Wahlkampftaktik aufgrund der anstehenden Landtagswahlen, also quasi ein Wahlkampfgag.  Vor Wahlen seien derartige Entscheidungen „nicht immer ganz rational“. Laut dem aufgezeichneten Protokoll hat Brüderle auf eine Frage zum Aussetzen der Laufzeitverlängerung geantwortet: „Der Minister bestätigte dies und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien.“ Brüderle bekräftigte auch, ein Befürworter der Kernenergie zu sein, besonders mit Rücksicht auf Branchen, die besonders viel Energie verbrauchen. „Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde.“ Die Kampfaussagen des Wirtschaftsministers sind ein herber Seitenhieb für die Kanzlerin und das schwarz-gelbe Bündnis, das aufgrund das Schlingerkurses bei der Atomkraft in der Kritik steht – die Laufzeit war im Sommer aus vorwiegend bis rein wirtschaftlichen Gründen beschlossen worden (Abschöpfung der Zusatzgewinne). Der für die Reaktorsicherheit verantwortliche Minister Röttgen war aufgrund seiner kritischen Haltung gar nicht erst zu den Verhandlungen um die Laufzeit zugeladen worden, auch kein Beamter seines für Reaktorsicherheit zuständigem Ministerium war anwesend.

 

Russland empfiehlt Japan Techniken aus der Tschernobyl-Bekämpfung
Russland empfiehlt Japan nach der Atomkatastrophe Techniken aus der damaligen Bekämpfung der Tschernobyl-Katastrophe (1986). Allem voran das Abregnen von Wolken (Manipulation der Strahlenwolken) und der Rekultivierung kontaminierter landwirtschaftlicher Flächen mittels Spezialdüngern und -pflanzen. Damals habe Moskau gezielt Wolken mit Reagenzien wie Silberjodid zum abregnen gebracht, um Millionenstädte (Moskau) vor dem radioaktiven Niederschlag zu schützen – auf Kosten des betroffenen, aber dünner besiedelten Umlands. Der russische Strahlenbiologe und frühere Umweltberater von Ex-Präsident Boris Jelzin, Alexej Jablokow: „Es war ein Geheimprogramm und ethisch fraglich.“ Es sei jedoch vor allem in der ersten Phase nach dem Atomunfall wichtig, dass die Ausbreitung radioaktiven Materials über die Atmosphäre kontrolliert werde. So könne sichergestellt werden, dass dieses nicht über großen Städten niedergehe, sondern sich über dem Meer abregne. Zudem haben Russland, die Ukraine und Weißrussland nach der Tschernobylkatastrophe Methoden entwickelt, um radioaktiv verseuchten Boden mittels bestimmten Düngemittel und Pflanzen wieder schneller zu kultivieren.

 

Atomkraft: Internationale Reaktionen

Derzeit sind weltweit 65 Reaktoren im Bau (Argentinien 1, Brasilien 1, Bulgarien 2, China 27, Finnland 1, Frankreich 1, Indien 5, Iran 1, Japan 2, Südkorea 5, Pakistan 1, Russland 11, Slowakei 2, Ukraine 2, USA 1, Taiwan 2).  In fortgeschrittenem Planungsstadium befinden sich darüber hinaus weltweit in 20 Ländern 102 Kernkraftwerksblöcke, weitere sind in der Vorplanung (Stand: 31. Dezember 2010).

China: China unterzieht seine 13 AKWs einer Sicherheitsüberprüfung und setzt alle Neubauprojekte vorübergehend aus.
Frankreich: Die französische Präsidentenpartei UMP votiert weiterhin für den Ausbau der Atomkraft. Die Kernenergie würde einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten, Frankreich unabhängiger von Energieimporten machen und billigen Strom erzeugen. Präsident Sarkozy hat im Zuge der japanischen Atomkatastrophe bereits die Überprüfung aller 58 Reaktoren angeordnet, die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. 
Italien: Italien war infolge der Tschernobylkatastrophe 1986 per Volksentscheid aus der Atomnutzung ausgestiegen. 2008 beschloss Ministerpräsident Silvio Berlusconi jedoch per Dekret den Wiedereinstieg in die Atomkraft. Geplant war der Bau von „mindestens“ vier Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR). Dieser geplante Wiedereinstieg wird nun für ein Jahr ausgesetzt. Die Atompläne waren jedoch bereits vor dem Atomunfall in Japan heftig umstritten, und werden im Juni in einem Referendum zur Abstimmung gestellt.
Polen: Polen hält an seinen Einstieg in die Atomkraft fest und will bis 2020 ein erstes AKW errichten.
Russland: Neben einem Sicherheitstest aller bestehender Anlagen sieht Russland als Hauptlehre aus der japanischen Katastrophe, Atomreaktoren einer neuen Generation zu entwickeln. Eine andere Lehre sei, dass es den japanischen Fachkräften, die im AKW Fukushima-1 tätig sind, an „fundamentalen, tiefen Kenntnissen“ gemangelt habe, wodurch das Problem zu Beginn fahrlässig unterschätzt worden sei.
Ukraine: Die Ukraine denkt angesichts der Atomkatastrophe im eigenen Land vor 25 Jahren (Tschernobyl) über eine Revidierung der Ausbaupläne für die Atomkraft nach. Bis 2030 waren ursprünglich neun neue Reaktoren angedacht.
Ungarn: Ungarn hält an seinen Ausbauplänen fest. Die vier Reaktorblöcke im AKW Paks (russische WWER-440) mit einer Gesamtleistung von 1,886 GW werden zurzeit modernisiert, um die Laufzeit zu verlängern. Zusätzlich erwägt Ungarn den Ausbau des AKW Paks durch zwei weitere Raktorblöcke mit je 1.000-1.600 Megawatt Leistung.
USA: Die US-Energiewirtschaft befürchtet aufgrund der Atomkatastrophe in Japan härtere Auflagen und Bauvorschriften. Daher ruhen derzeit mehrere AKW-Bau- und Planungsprojekte. Der heftig in die Kritik geratene japanische Skandal-Kraftwerksbetreiber Tepco steht seit 2006 als Berater bei einem AKW-Bau (insgesamt vier Reaktoren) in Texas zur Seite. Der Bau wurde vorläufig gestoppt. Die japanische Atomkatastrophe hat jedoch in den USA noch nicht zu einer generellen Kritik an der Kernenergie geführt. Zwar wurde ein Moratorium für den Bau neuer Kraftwerke gefordert, die Technologie steht jedoch nicht grundsätzlich infrage – die Laufzeiten Dutzender bestehender Kraftwerke wurden erst kürzlich verlängert. Bauanträge für 20 neue Reaktoren in den nächsten 20 Jahren liegen vor.
Weißrussland: Weißrussland hält an seinen Bauplänen für ein AKW, 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt, weiter fest.
Türkei: Die erdbebengefährdete Türkei will an dem Einstieg in die Atomkraft festhalten und zwei AKWs errichten. Derzeit halten sich zur Beratung Experten des japanischen Skandalbetreibers Tepco in Ankara auf.

 

USA und Russland beschließen gemeinsame Urananreicherung
Russland und die USA wollen ein Joint Venture für den Bau einer Urananreicherungsanlage in den USA gründen. Grundlage soll dabei russische Technologie sein. Vor dem Hintergrund der nuklearen Katastrophe im japanischen AKW Fukushima I sei die Vereinbarung zwischen den beiden „Spitzenreitern auf dem weltweiten nuklearen Markt“ laut dem Chef der russischen Atomholding Rosatom, Kirijenko, signifikant für die Atombranche weltweit. Dies sei „in gewissem Maße die Antwort auf die Frage danach, wie es mit der Entwicklung der Atomenergiewirtschaft weitergehen wird“.

 

IAEA: internationale Richtlinien zur Nuklearsicherheit überarbeiten
Die Internationalen Atomenergiebehörde IAEA fordert als Reaktion auf die Atomkatastrophe in Fukushima eine Überarbeitung der internationalen Richtlinien zur Nuklearsicherheit. IAEA-Chef Yukiya Amano reagierte auch auf die Kritik von Beobachtern und Diplomaten, zu spät und zu zögerlich auf die Geschehnisse in Japan reagiert zu haben und kündigte eine Prüfung der Rolle der IAEA an. Zudem kritisierte Amano die Informationspolitik der japanischen Regierung nach der Katastrophe im AKW Fukushima 1. In Zukunft sollen laut Amano die Informationen von den betroffenen Staaten schneller publiziert werden und auch die Zusammenarbeit von internationalen Experten soll schneller und koordinierter ablaufen. An einer Überarbeitung der Richtlinien zur Nuklearsicherheit arbeitet derzeit auch die EU: Letzten Dienstag hatte die EU auf Initiative Österreichs hin Stresstests bei allen europäischen AKWs beschlossen. Die gemeinsamen Kriterien für diese umfassende Sicherheitsprüfung werden zunächst erarbeitet – der Test wird dann für die zweite Jahreshälfte erwartet. Dabei gehe es laut EU-Energiekommissar Günther Oettinger „um eine Neubewertung aller Risiken durch und nach Japan“. Dies umfasse Erdbeben, Hochwasser- und Tsunamigefahren, Terrorangriffe und die Kühlsysteme. Auch China unterzieht seine 13 AKWs einer Sicherheitsüberprüfung und setzt alle Neubauprojekte vorübergehend aus.

 

Umwelt, Klima, Geologie:

 

Offshore- Lösung gegen Umweltprobleme bei Aquakulturen
Das Problem bei gängigen Aquqkulturen (Fischfarmen) in Küstennähe ist, dass das flache und strömungsarme küstennahe Wasser so stark mit Fischfäkalien, Futterresten und Medikamenten belastet wird, dass sich Algenblüten entwickeln oder gar das gesamte Ökosystem im Umkreis der Gehege zu ersticken droht. Eine Lösung könnten Offshore-Fischfarmen auf hoher See sein. Derzeit existieren weltweit bereits 20 Pionierbetriebe mit riesigen Fischkäfigen von der Größe einer Turnhalle. Sie befinden sich mehrere hundert Meter tief im offenen Meer, wo starke Strömungen die Abfälle sofort ins offene Meer wegspülen, wo sie schnell auf harmlose Konzentrationen verdünnt werden.

 

Erdkruste in Japan noch immer unter gewaltigem Druck
Das gewaltige Erdbeben der Stärke von 9,0 vom 11. März in Japan hat zwar Spannungen an der speziellen Bruchlinie abgebaut, dafür könnten sich jedoch die Spannungen an den angrenzenden Platten weiter erhöht haben – der Grund für Nachbeben. So hatte sich auch etwa drei Monate nach dem Beben und dem Tsunami 2004 vor Indonesien etwas weiter entlang der Verwerfung ein Nachbeben der Stärke 8,6 ereignet. Mit dem 9,0 Beben hat sich nach Einschätzung von Geologen daher die Wahrscheinlichkeit eines schweren Erdbebens für die Millionenmetropole Tokio erhöht. An einer Verwerfung in der Nähe der japanischen Hauptstadt habe sich der Druck erhöht. Aufgrund der unterschiedlichen Struktur der tektonischen Platten und Verwerfungen sei jedoch für Tokio ein Beben mit einer Stärke von 9.0 unwahrscheinlich. Allerdings könnte für die 39-Millionen-Metropole auch ein schwächeres Beben der Stärke 7,5 verheerend sein.

 

Energieversorgung benötigt 59% des genutzten Frischwassers
Im Juli 2010 haben die Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser und zur Sanitärversorgung als Menschenrecht anerkannt. Anlässlich des Weltwassertages am 22. März hat das Statistische Bundesamt (Destatis) nun Daten zur öffentlichen und nichtöffentlichen Wasserversorgung in Deutschland veröffentlicht. Demnach wurden 2007 (aktuellste Daten) in Deutschland mehr als 32 Milliarden Kubikmeter Frischwasser für die gesamte Wasserversorgung gewonnen. Davon verwenden die privaten Haushalte knapp 4 Milliarden Kubikmeter (11%) und die Industrie 27 Milliarden Kubikmeter (82%). Rund 19 Milliarden Kubikmeter und damit der überwiegende Anteil des industriell genutzten Frischwassers (72%) werden von Betrieben der Energieversorgung als Kühlwasser genutzt. Das industriell genutzte Wasser stammt zu 90% aus Flüssen, Seen oder Talsperren, das Wasser für die Versorgung der Bevölkerung hingegen zu 70% aus Grund- und Quellwasser. (Die detaillierten und kostenlosen Ergebnisse über die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung hier.)

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