Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 14

Atomkraft:
1. Die Lüge Deutschland sei nun auf Atomstromimporte angewiesen
2. Bulgarien hält an umstrittenem AKW-Bau fest
3. Russland finanziert Weißrussland sein erstes Atomkraftwerk
4. Atomkatastrophe kostet Betreiber Tepco bis zu 95 Mrd. Euro
5. RWE klagt gegen AKW-Moratorium
6. Energieriesen hätten von AKW-Abschaltung kaum Verluste
7. Großaktionär macht Weg für EnBW-Umbau frei

Erneuerbare Energien:
8. Windkraft kann in 2-3 Jahren Atomkraft ersetzen
9. Steuernachlass für energetische Sanierung gefordert

Öl und Gas:
10. Trancocean stellt mit größter Ölkatastrophe eigenen „Sicherheitsrekord“ auf
11. ADAC verklagt Mineralölkonzerne wegen E10
12. Libyens Rebellen benutzen Ölreserven als Zuckerbrot und Peitsche
13. BASF-Tochter Wintershall investiert über 1 Mrd. Euro in Russland
14. Französische Total steigt mit 12% in Russland ein
15. Lukoil hat alle Minen in seinen irakischen Ölfeldern geräumt
16. Russland erschließt riesige Gasreserven im bitterarmen Bangladesch

Sonstiges:
17. China kauft für 6,5 Mrd. Dollar Afrikas größte Kupfermine
18. Deutsche schmeißen jährlich 20 Mio. Tonnen Lebensmittel weg
19. Fleischkonsum ist Klimakiller Nummer eins – Kosten von 32 Bio. Dollar bis 2050

 

Atomkraft:

 

Die Lüge Deutschland sei nun auf Atomstromimporte angewiesen
Nach Angaben des Umweltbundesamtes sowie auch des Öko-Instituts sind nach Abzug der acht stillgelegten AKW noch mindestens 85 Gigawatt an installierter und gesicherter Leistung in größeren Kraftwerken verfügbar. Der Strombedarf hat in Deutschland dagegen in den vergangenen Wochen nur rund 52 GW an Leistung betragen. Hinzu kommen noch ungenutzte Kraftwerksreserven von 13,2 GW (eingemottete alte Gas- und Kohlekraftwerke). Die sieben ältesten AKW plus das Pannen-AKW Krümmel haben eine Maximalleistung von 8,4 GW. Insgesamt war Deutschland bislang aufgrund des zügigen Ausbaus der Erneuerbaren Energien mit jährlich bis zu 22 Milliarden Kilowattstunden exportierten Stroms einer der größten Stromexporteure Europas. Die fehlerhaften Aussagen bezüglich Atomstromimporten im Zuge des Laufzeitmoratoriums verschweigt, dass dies ein normaler Vorgang ist. Deutschland ist einerseits Stromtransitland von Frankreich und Dänemark in die Schweiz, nach Polen, Österreich oder in die Niederlande. Andererseits sucht sich der Strom rein physikalisch betrachtet dabei in dem Netz den kürzesten Weg, so dass selbstverständlich in Grenzregionen Strom aus dem Ausland verbraucht wird, was sich auch gemäß den Naturgesetzen kaum verhindern lässt. Wichtig ist nur, dass wir mehr Ausführen als Einführen. Ulrich Kelber, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion: „Meldungen über höheren Import von Atomstrom bei abgeschalteten Atomkraftwerken sollen die Menschen nur verunsichern. Es gibt aktuell keinen Engpass bei der Erzeugung. Hier zeigt sich nur, dass die Atomwirtschaft mit allen Mitteln gegen ihre eigene Abschaltung kämpft. Für derlei Angstmacherei gibt es keinerlei Anlass“ Deutschland produziert somit bereits seit Jahren einen Stromüberschuss, der exportiert wird. Und bis auf die Lobbyisten von den großen vier Atomstromproduzenten (Eon, RWE, EnBW und Vattenfall) stimmen fast alle Experten darüber ein, dass die Abschaltung der alten AKWs in Deutschland damit ohne Probleme kompensiert werden kann. Die aktuellen Stromimport- und Export Daten lassen sich beim European Network of Transmission System Operators for Electricity (ENTSO-E) einsehen, siehe www.entsoe.net. Hier eine Beispielstunde vom 04.04.2011 (11-12 Uhr Mittags):
Importe:
Aus Frankreich: 1.309 MW
Aus Dänemark: 45 MW
Aus Tschechien: 937 MW
Importe Gesamt: 2.291 MW
Exporte:
In die Schweiz: 2.536 MW
Nach Polen: 619 MW
Nach Schweden: 436 MW
Nach Dänemark: 101 MW
Nach Österreich: 291 MW
In die Niederlande: 1.405 MW
Exporte gesamt: 5.388 MW
Bilanz: Der Export übersteigt den Import zu diesem Zeitpunkt um 3.097 MW.

 

Bulgarien hält an umstrittenem AKW-Bau fest
Laut dem staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom wollen Russland und Bulgarien bis zum 1. Juni einen Festvertrag über den Bau des Atomkraftwerks Belene unterzeichnen. Bulgarien hatte bereits 2004 beschlossen, den 1991 unterbrochenen Bau des AKWs wieder aufzunehmen (zwei Reaktoren zu je 1.000 MW). Die Projektkosten explodierten jedoch von veranschlagten vier Milliarden Euro auf nun sechs Milliarden Euro. Damit würden sich die Investitionen in das wegen der Erdbebengefahr in Bulgarien äußerst umstrittene Projekt erst in 20 Jahren amortisieren. Zudem ist die Finanzierung aufgrund klammer Staatskassen nicht gesichert, daher schied bereits der deutsche Energiekonzern RWE im Oktober 2009 aus dem Projekt aus. Ein halbes Jahr zuvor war die Region um den AKW-Standort zudem von einem Erdbeben der Stärke 5,3 erschüttert worden. In der Nähe (östlicher Rand der Karparten) lag auch bereits das Epizentrum für das zerstörerische Beben der Stärke 7,2 von 1977. Das AKW ist vor allem wegen der Erdbebengefahr in stärkster Kritik.

 

Russland baut und finanziert Weißrussland sein erstes Atomkraftwerk
Die Vereinbarung zum Bau eines Atomkraftwerks zwischen Russland und Weißrussland geht in die entscheidende Phase. Demnach werde der Entwurf des Kreditvertrages noch Ende April vorliegen. Für die Errichtung des ersten weißrussischen AKWs wird Russland nicht nur die Bauarbeiten übernehmen, sondern Minsk auch die notwendigen neun Milliarden Dollar leihen. Minsk will dabei den Kredit für 25 Jahre aufnehmen, mit der Rückzahlung soll dann erst nach dem Fertigbau des Kraftwerks begonnen werden. Die pinzipielle Vereinbarung war bereits am 15.03.2011 unterzeichnet worden. Demnach wird die russische Rosatom-Tochter Atomstroiexport den ersten Reaktorblock für ein AKW des Typ AES-2006 schlüsselfertig bis zum Jahr 2016 errichten. Geplant sind zunächst zwei Reaktoren mit je 1.200 Megawatt Leistung (Baukosten 6-9 Mrd. Dollar für zwei Reaktoren). Als Standort ist die Stadt Ostrowez im Nordwesten Weißrusslands an der Grenze zu Polen und Litauen vorgesehen, rund 50 km von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt. Litauen hat bereits Bedenken geäußert.

 

Atomkatastrophe kostet Betreiber Tepco bislang bis zu 95 Mrd. Euro
Die Bank of America Merrill Lynch hat für den Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power) die Kosten für die Atomkatastrophe im japanischen AKW Fukushima berechnet. Demnach belaufen sich die Kosten nach gegenwärtigen Schätzungen auf bis zu 95 Mrd. Euro. Allerdings kann der Betreibergesellschaft die Kosten erlassen werden, sollte eine „schwere Naturkatastrophe von außergewöhnlichem Charakter“ die Ursache für die nukleare Verseuchung sein. Diese Entscheidung hängt von der japanischen Regierung und daher nicht zuletzt von den steuerzahlenden japanischen Wählern ab. Der Versorger Tepco dürfte jedoch nicht Pleite gehen, da er quasi ein Monopol für die Stromversorgung der 37-Mio.-Metropole Tokio besitzt und laut Analysten für die Aufrechterhaltung einer stabilen Stromversorgung benötigt werde. Das hieße, der Staat würde für den Großteil der Kosten einstehen. Vor diesem Hintergrund rätselt die Börse in Tokio über einen mysteriösen Kaufauftrag für Millionen Aktien des Atomkonzerns. Bereits letzte Woche stand ein eine Kauforder für 40 Millionen Tepco-Aktien im Hintergrund, die den Aktienkurs zeitweise um bis zu 8,6 Prozent stiegen ließen. Das entspricht etwa 2,5 Prozent von dem Versorger ausgegebenen Aktien.

 

RWE klagt gegen AKW-Moratorium
Der Essener Energieriese RWE will gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung klagen. Das Moratorium verlangt vor den Eindrücken der Atomkatastrophe in Japan eine dreimonatige Stilllegung der ältesten sieben Atomkraftwerke in Deutschland, bis eine umfassende Sicherheitsprüfung erfolgt ist. Das Moratorium beruft sich auf Paragraf 19, Absatz 3 des Atomgesetzes. Demnach kann die Stilllegung eines Kernkraftwerks verlangt werden, wenn Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sachgüter bestehen. Die alten Meiler sind erwiesenermaßen maximal gegen den Absturz eines kleinen Sportflugzeuges ausreichend geschützt. Dennoch behaupten Juristen aus dem Unternehmensumfeld, die Abschaltung sei juristisch auf wackligen Füßen. Der Konkurrent Eon hingegen hatte zuvor mitgeteilt, dass er nicht gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung klagen will. Laut Analysen von Greenpeace ist die Wanddicke der alten Reaktorgebäuden mit rund 60 cm Stahlbeton allenfalls ausreichend, um dem Absturz eines leichten, langsam fliegenden Flugzeugs (z.B. eines Sportflugzeugs mit maximal 10 t Masse und einer Geschwindigkeit unter 300 km/h) standzuhalten. Einige Altanlagen können mit einer Wandstärke von 80-100 ein kleineres, allerdings nicht mehr im Gebrauch befindliches Kampfflugzeug von der Größe eines Starfighters standhalten (Masse von ca. 10 t und einer Tieffluggeschwindigkeit von 650 km/h). Die zehn neuesten AKW in Deutschland sind gegen den Absturz eines Militärflugzeugs von der Größe eines Phantoms ausgelegt (Masse von 20 t und einer Tieffluggeschwindigkeit von 774 km/h) – nicht jedoch eines Tornados. Keines könnte indes den Absturz eines voll betankten Verkehrsflugzeuges standhalten (vergleiche Terroranschlag vom 11.09.2001). Eon-Chef Teyssen lehnt eine entsprechende Klage gegen das Moratorium ab: „Es reicht auch nicht, zu sagen, in Deutschland werden wir keine Tsunamis haben.“ Dies wäre „eine unsinnige, zu kurz greifende Einlassung“. Der Eon-Chef sprach sich dafür aus, Notstromsysteme und die Kühlung von Atomkraftwerken zu kontrollieren. Dazu würde auch die Frage gehören, wieviel die Unternehmen bereit wären, in zusätzliche Sicherheit zu investieren. Das Ergebnis könnte dann sein, so Teyssen, „bestimmte Anlagen nicht mehr zu betreiben“.

 

Energieriesen hätten von AKW-Abschaltung kaum Verluste
Laut Analysten würden die vier Energieriesen, Monopolisten und AKW-Betreiber in Deutschland (Eon, RWE, EnBW und Vattenfall, zusammen über 80% der deutschen Energieversorgung) kaum Verluste aus einer vorzeitigen Abschaltung ihrer Atomkraftwerke. Grund: ein leicht steigender Strompreis würde die Verluste nahezu ausgleichen. Aber auch unabhängig davon können die Oligopolmitglieder aufgrund ihrer hohen Gewinne das einer solchen Risikotechnologie innewohnende unternehmerische Risiko gut meistern und immer noch vernünftige Umsatzrenditen aufweisen. Matthias Heck von der Investmentbank Macquarie bestätigt dies: „Letztlich sind die Auswirkungen auf die Gewinnschätzung und den fairen Aktienwert minimal.“ Dies zeigen auch die jüngsten Preisentwicklungen an der Energiebörse EEX. Die Notierungen für Strom sind seit der Kehrtwende der Bundesregierung in der Atompolitik vor zwei Wochen um mehr als zehn Prozent auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen. Laut der Financial Times Deutschland rechnen auch die Stromkonzerne nicht mehr damit, dass die acht vorläufig stillgelegten Reaktoren wieder ans Netz gehen. (Unternehmenszahlen: Eon 2010: Umsatz 92,9 Mrd. Euro, Ebit 11,2 Mrd. Euro; RWE 2010: Umsatz 53,3 Mrd. Euro, Ebit 6,5 Mrd. Euro; EnBW 2010:  Umsatz 17,5 Mrd. Euro, Ebit 1,93 Mrd. Euro; Vattenfall Europe 2009: Umsatz 14,5 Mrd. Euro, operatives Ergebnis 1,5 Mrd. Euro). Der ehemalige Bundesumweltministers Klaus Töpfer (CDU), Vorsitzender der derzeitigen Kontrollgruppe für die AKW-Sicherheit, bekräftigte die gängige Expertenmeinung (einzig die Lobbyaussagen des alten Energieoligopols weichen davon ab), Deutschland könne aus der Atomenergie aussteigen, ohne negative Folgen für die Wirtschaft zu verursachen. „Wir werden es belegen, dass eine wirtschaftlich starke Nation wie Deutschland diese Stärke auch behalten kann.“ Teile der Wirtschaft hätten erkannt, welche riesigen Möglichkeiten eine grüne Technologiewelle böte. „Das sind große Chancen für zukunftsorientierte Arbeitsplätze.“ Dies zeigt auch gerade die weltgrößte Industriemesse in Hannover, deren Themenschwerpunkte die boomenden Branchen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind.

 

Großaktionär will Weg für EnBW-Umbau freimachen
Das Land Baden-Württemberg hält 45 Prozent an dem Energieriesen und Atomkraftwerksbetreiber EnBW. Genau so viel halten auch die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), die von CDU und konservativen Freien Wählern dominiert werden. Nach dem Sieg von Grün-Rot bei der Landtagswahl wird ein ökologischer Umbau des bislang auf Atomstrom setzenden Versorgers wahrscheinlich. Da es dabei übergangsweise zu einem Rückgang des Unternehmenswertes kommen könnte, wurde eine Intervention der OEW befürchtet, die ihre Anteile auf 50,1 Prozent ausbauen könnten, um die Grün-Roten Pläne zu durchkreuzen. Die OEW signalisierten nun jedoch, beim Konzernumbau nicht dazwischen grätschen zu wollen, sondern setzten stattdessen auf eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung. Baden-Württemberg hatte noch unter Mappus (CDU) im Dezember für knapp 5 Mrd. Euro den 45-prozentigen Anteil an EnBW von dem französischen Energiekonzern EdF übernommen. Der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte bereits angekündigt, den Versorger stärker auf erneuerbare Energien ausrichten zu wollen.

 

Erneuerbare Energien:

 

Windkraft kann in 2-3 Jahren Atomkraft ersetzen
Der Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Hermann Albers, hat auf der Hannover Messe bekräftigt, dass die Windenergie das Potential hat, die Atomkraftwerke in Deutschland in 2-3 Jahren zu ersetzen. Hierfür sei lediglich die Rückkehr zu einem Zubau von 3.500 Megawatt Windenergie pro Jahr nötig, um die abgängigen Kapazitäten der alten Kernkraftwerke auszugleichen. Eine Studie vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) hat erstmals die Fläche Deutschlands errechnet, auf der die Nutzung von Onshore Windenergie möglich wäre. Bislang war die Fläche auf 2 Prozent geschätzt worden. Den neuen Daten nach sind es unter Einbeziehung von Wäldern (neue Technologie durch höhere Masten) und Schutzgebieten auf bis zu 22 Prozent. Demnach sei das Potenzial in den Bundesländern am größten, in denen die Windenergie heute am schlechtesten ausgebaut ist: In Bayern sind bislang nur 520 MW an Windkraft installiert, möglich wären hingegen 41 GW, in Baden-Württemberg ist die Lage ähnlich. Daher fordern auch die Hersteller mehr Anlagen in Süddeutschland, um die Netze zu entlasten, da hier der Strombedarf wachsen wird, wenn die zahlreichen Atomkraftwerke in Süddeutschland abgeschaltet werden. Um die Effizienz der Anlagen voll ausschöpfen zu können, plädiert der BWE dafür, die derzeit existierenden Höhenbeschränkungen für Windenergieanlagen zu beseitigen. Dies würde sich mit dem Faktor 20 Prozent niederschlagen.

 

Steuernachlass für energetische Sanierung gefordert
Derzeit liegen die Fördermittel für die energetische Sanierung von Gebäuden bei 460 Millionen Euro. Der Investitionsbedarf in Deutschland ist jedoch riesig. Die gewonnene Energieeffizienz trägt zudem erheblich zur Erreichung der Klimaziele bei und entlastet zudem den Energieverbrauch enorm, was die Energiewende deutlich vereinfachen würde (der Gebäudebereich verbraucht 40 Prozent der Energie in Deutschland, dabei werden in privaten Haushalten rund 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs für Heizungen, Warmwasser und Beleuchtungen eingesetzt). Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hat außerdem in einer umfassenden Studie berechnet, dass jeder Euro, der in die Fortentwicklung des Gebäudebestands gesteckt wird, rund acht Euro an Folgeinvestitionen auslöst. Daher werden vehement eine Ausweitung der Fördermittel sowie eine weitere steuerliche Entlastung der Investitionen in energetische Sanierung gefordert.

 

Öl und Gas:

 

Trancocean stellt mit größter Ölkatastrophe eigenen „Sicherheitsrekord“ auf
Transocean war der Betreiber der im April 2010 harvarierten BP-Plattform "Deepwater Horizon". Durch Bedienungsfehler war es zu einem Blowout gekommen, der die Plattform und das zuvor bereits defekte Sicherheitsventil am Grund in der Tiefsee zerstörte und damit zur zweitschlimmsten Ölkatastrophe der Geschichte führte. Neun der elf getöteten Arbeiter auf der Plattform kamen von Trancocean. Nun hat das Unternehmen ernsthaft behauptet, 2010 statistisch gesehen einen eigenen Sicherheitsrekord aufgestellt zu haben – 2009 sei es nämlich gleich zu vier schweren Vorfällen gekommen, weswegen damals keine Boni ausgezahlt wurden. Zur Belohnung erhalten die Manager für 2010 diesmal wieder satte Bonuszahlungen. So soll allein Steve Newman, der Chef des Unternehmens, einen Bonus von 374.062 Dollar erhalten, als Teil einer Gesamtvergütung von 5,8 Millionen Dollar. „Das Jahr 2010 war das beste in unserer Unternehmensgeschichte. Jedenfalls gemessen an der Sicherheit unserer eigenen Anlagen.“ Daran ändern auch die neun bei der Explosion getöteten Angestellten nichts: „Abgesehen von diesen tragischen Todesfällen haben wir einen statistischen Sicherheitsrekord aufgestellt.“ Die britische Zeitung "Sunday Times" hatte hingegen unter Berufung auf eine interne BP-Untersuchung berichtet, dass auf der Ölplattform Deepwater Horizon geschlampt worden sei: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor dem Untergang nicht erledigt worden, darunter vor allem jene an dem wichtigen Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit zur Ölpest führte. Transocean betreibt 136 Plattformen, zahlreiche davon in der Tiefsee.

 

ADAC verklagt Mineralölkonzerne wegen E10
Der Automobilclub ADAC hat die Mineralölkonzerne Aral, BP, Jet, OMV und Shell angezeigt. Grund ist, dass die Ölkonzerne an vielen ihrer Tankstellen den Autofahrern neben dem neuen Biokraftstoff E10 vielerorts kein herkömmliches Super mehr als Alternative anbieten, sondern nur noch das teurere Super Plus, das rund acht Cent teurer ist als das E10. Damit würden die Konzerne gegen die gesetzlichen Regelungen zur E10-Einführung verstoßen: Anbieter von Super E10 müssen demnach gleichzeitig auch ein entsprechendes "klassisches" Superbenzin E5 mit niedrigerem Ethanol-Anteil vorhalten. Die Benzinpreise in Deutschland gehören mittlerweile zu den höchsten in Europa. Laut dem Hamburger Energie-Informationsdienst EID liegt Deutschland bei den Benzinpreisen sowohl mit als auch ohne Steuern auf Rang vier unter den 27 EU-Ländern. Bislang lag Deutschland bei den Benzinpreisen ohne Steuern im europäischen Vergleich im unteren Drittel, meistens zwischen Rang 20 und 25. Der ADAC unterstützt ausdrücklich die Einführung des Super E10, besteht aber darauf, dass den Verbrauchern die Wahlfreiheit zwischen den Kraftstoffarten erhalten bleiben müsse. Mineralölkonzerne, Tankstellen und der ADAC beklagen allerdings zusammen, dass sie bei dem Kampf um die Akzeptanz von E10 von der Politik im Stich gelassen werden und die mangelnde Bereitschaft der politischen Akteure, sich klar zum Biosprit zu äußern und die Zweifel an der Umweltverträglichkeit zu beseitigen.

 

Libyens Rebellen benutzen Ölreserven als Zuckerbrot und Peitsche
Die westlichen Unterstützer der libyschen Rebellion sollen sollen gut entlohnt werden, allen voran Frankreich und Italien, die als erste die Rebellenregierung in Libyen anerkannt haben, so der nach Malta geflohene Ex-Energieminister Omar Fati bin Schatwan. Russland und China allerdings hätten mit ihrer Weigerung, die Aufständischen in Libyen zu unterstützen, ihre Chancen durchkreuzt, beim Abbau libyscher Öl- und Gasfelder mitzumachen. „Russland und China sind Verlierer“, so der Ex-Minister – Deutschland wird er wohl indirekt dazu gezählt haben: Die beiden Staaten hatten sich ebenso wie Deutschland bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat enthalten und somit auf das Regime Gaddafi und gegen den Schutz der Menschenrechte entschieden (Responsibility to Protect & to React = UN-Initiative zur Weiterentwicklung des humanitären Völkerrechts in Reaktion auf das westliche Versagen beim Völkermord in Ruanda 1994 mit über eine Millionen Toten, also 10% der Bevölkerung / steht derzeit noch in einem ungelösten Konflikt mit der postulierten nationalstaatlichen Souveränität und der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten).

 

BASF-Tochter Wintershall investiert über 1 Mrd. Euro in Russland
Die Ludwigshafener BASF ist mit einem Gewinn von 4,6 Milliarden Euro in 2010 der weltweit größte Chemiekonzern (Umsatz: 63,9 Milliarden Euro). Die Öl- und Gastochter Wintershall arbeitet bereits gemeinsam mit dem staatlichen Gasmonopolisten Gazprom an dem großen westsibirischen Gasfeld Juschno-Russkoje und bei der Gaspipeline Nord Stream von Russland nach Deutschland zusammen. Wintershall hat nun angekündigt, über eine weitere Milliarde Euro in russische Projekte investieren zu wollen. Bis zu einer Milliarde Euro fließt in die Erschließung des riesigen Gasfeldes Urengoi in Westsibirien, in dem mehr als 200 Milliarden Kubikmeter Gas an förderbaren Reserven nachgewiesen sind. Diese Summe könnte laut der BASF-Tochter sogar noch höher ausfallen, sollten in Russland Projekte ausgebaut werden. Wintershall wird sich auch an der Pipeline South Stream durch das Schwarze Meer beteiligen, mit der Russland seine Abhängigkeit von den Haupttransitländern Ukraine und Türkei reduzieren will. Die South Stream ist ein Konkurrenzprodukt zu der Nabucco-Pipeline, mit der Europa wiederum seine Abhängigkeit von Russland reduzieren will.

 

Französische Total steigt mit 12% in Russland ein
Der französische Öl- und Gasriese Total ist mit 12,09 Prozent beim größten unabhängigen russischen Gasproduzenten NOVATEK eingestiegen. Für insgesamt vier Milliarden Dollar sollen in den nächsten drei Jahren weitere 7,4 Prozent erworben werden. Bereits 2004 wollte Total eine Sperrminorität an NOVATEK für eine Milliarde Dollar erwerben. NOVATEK hat seine Vorkommen und Förderlizenzen im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen, wo fast 20 Prozent der weltweiten Gasvorräte und mehr als 90 Prozent des gesamten russischen Gases lagern.

 

Lukoil hat alle Minen in seinen irakischen Ölfeldern geräumt
Das größte private russische Erdölunternehmen Lukoil hat das Räumen der irakischen Ölfelder Westkurna-2 in der südirakischen Provinz Basra von Minen abgeschlossen. Lukoil hatte im September 2010 mit dem Minenräumen auf dem 29 Quadratkilometer großen Gelände begonnen. Nun wurden die Vorbereitungen für die Bohrarbeiten eingeleitet, die ab 2013 beginnen sollen. In der ersten Etappe sollen 400.000 Barrel pro Tag gewonnen werden. Insgesamt sollen in die Erschließung dieses Ölvorkommens 30 Milliarden Dollar investiert werden.

 

Russland erschließt riesige Gasreserven im bitterarmen Bangladesch
Die russische Gazprom will Bangladesch bei der Hebung seiner fossilen Energieressourcen helfen. Dabei gehe es um die Beteiligung an der Erschließung von Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie an der Schaffung einer Gas-Infrastruktur in dem armen südostasiatischen Land. Die bestätigten Erdgasvorräte von Bangladesh belaufen sich auf rund 360 Milliarden Kubikmeter.

 

Sonstiges:

 

China kauft für 6,5 Mrd. Dollar Afrikas größte Kupfermine
Chinas größter Metallhändler Minmetals Resources will für 6,5 Milliarden Dollar den kanadischen Bergbaukonzern Equinox kaufen und sich dadurch den Zugang zu Kupferminen in Sambia (der größten Kupfermine Afrikas) und Saudi-Arabien verschaffen. China verbraucht 39 Prozent der weltweiten Kupferproduktion. Im Rahmen des Ausbaus der chinesischen Stromnetze wird weiterhin viel Kupfer benötigt. Recyceltes Kupfer macht derzeit nur rund ein Sechstel der weltweiten Produktion aus.

 

Deutsche schmeißen jährlich 20 Mio. Tonnen Lebensmittel weg
Jahr für Jahr werden in Deutschland 20 Mio. Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Studien aus Österreich, Schweden, den USA und Großbritannien belegen, dass von allen weggeworfenen Lebensmitteln jeweils etwa ein Drittel in der Landwirtschaft, beim Verbraucher und beim Handel vernichtet wird. Lebensmittel, die unter hohem Energieaufwand erzeugt wurden und damit (zum Teil erheblich wie beim Fleisch) zum Klimawandel beitragen. Für Deutschland liegen noch keine exakten Daten vor, da jedoch das Problembewusstsein wächst, hat die Bundesregierung eine Studie in Auftrag gegeben, die die genaue Menge, die in Deutschland an Lebensmitteln weggeworfen werden, ermitteln soll. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. (Trailer zum Dokumentarfilm „Frisch auf den Müll“ von Valentin Thurn.)

 

Fleischkonsum ist Klimakiller Nummer eins – Kosten von 32 Bio. Dollar bis 2050
Laut dem World Watch Institute ist die Tierproduktion für 51 Prozent des vom Menschen verursachten Klimaeffekts verantwortlich. Der Klimawandel könnte bis zum Jahr 2050 rund vierzig Billionen (40.000.000.000.000) Dollar kosten. Davon entfallen auf die mit der Produktion von Fleisch, Milch und Eiern zusammenhängenden Faktoren rund 80 Prozent dieser Kosten, also 32 Billionen Dollar. Außerdem entstammen rund 90 Prozent des Fleisches der ethisch höchst fragwürdigen Massentierhaltung.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.