Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 02.05.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Schweizer Forschungsunternehmen entlarvt Mindestlohn-Lüge
2. Erster Offshore-Windpark eingeweiht – Bahn bietet sein Stromnetz an
3. Rekordpreis von Silber eingestellt

Branchen und Unternehmen:

4. Ölkonzern Total steigt mit Milliardenzukauf groß in Sonnenkraft ein
5. Teilverstaatlichte Commerzbank will nach starkem Quartal Schulden tilgen
6. Microsoft steigert Quartalsgewinn auf 5,2 Mrd. Dollar
7. Daimlers Quartalsgewinn 1,2 Mrd. Euro – Rohstoffmehrkosten über 700 Mio. Euro
8. Buffets Holding mit 38,23 Milliarden Dollar Barreserven

 

Wirtschaftspolitik:

 

Schweizer Forschungsunternehmen entlarvt Mindestlohn-Lüge
Das renommierte Schweizer Forschungsunternehmen Prognos hat in einer Studie belegt, dass die deutsche Volkswirtschaft – entgegen zahlreicher arbeitgebernaher Äußerungen, die das Lohndumping propagieren – erheblich von einem moderaten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde profitieren würde. Allein das dadurch erzielte Plus von mehr als sieben Milliarden Euro für die staatlichen Haushalte wäre ein deutlicher Beitrag zur Reduzierung der öffentlichen Defizite. Der Kaufkraftzuwachs der betroffenen Arbeitnehmer hätte zudem weitere stimulierende Impulse für die Binnennachfrage und damit das Wirtschaftswachstum. Derzeit würden der Studie nach fünf Millionen (!) Arbeitnehmer davon profitieren, die bislang unterhalb dieser Grenze rangieren. In unseren westlichen Nachbarländern existiert bereits ein höherer Mindestlohn als dieser Berechnung zugrunde gelegt ist: In Belgien (8,58 Euro), den Niederlanden (8,74 Euro), Frankreich (9,00 Euro) und Luxemburg (10,16) Euro. Insgesamt gibt es in 20 der 27 EU-Staaten einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. In Deutschland gibt es hingegen nur branchenspezifische Lohnuntergrenzen, etwa beim Bau und der Pflege, die teilweise bei 6,50 Euro losgehen, für zahlreiche Branchen existiert kein Mindestlohn.

 

Erster Offshore-Windpark eingeweiht – Bahn bietet sein Stromnetz an
Die Offshore-Windkraft steckt in Deutschland bislang noch in den Kinderschuhen. Nun wurde mit Baltic 1 der erste rein kommerzielle Offshore-Windpark in Deutschland eröffnet. 16 Kilometer vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst (Ostsee) erzeugen die 21 Windkraftanlagen des Energieversorgers EnBW rund 50 MW Strom, das entspricht dem Verbrauch von 50.000 Haushalten. Ein zweiter Ostsee-Windpark von EnBW vor Rügen soll mit 80 Windkraftanlagen ab 2013 Strom für weitere rund 340.000 Haushalte erzeugen. Die Investitionen liegen zusammen bei 1,2 Milliarden Euro. Erst vor einem Jahr hatte Bundesumweltminister Norbert Röttgen das Offshore-Testgebiet „Alpha Ventus“ mit zwölf Windrädern in der Nordsee eingeweiht (60 MW). Beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) liegen insgesamt Anträge für weitere 56 Windparks in der Nordsee mit einer maximalen Gesamtleistung von mehr als 20 Gigawatt vor. Zur Lösung des Problems der fehlenden Stromtrassen hat sich nun erneut die Deutsche Bahn ins Spiel gebracht: Sie bietet die Nutzung ihres bisher exklusiv genutzten Stromnetzes aus 7.800 Kilometer Hochspannungsleitungen zum Transport von regenerativ erzeugter Energie an. Auf Einladung der Bundesnetzagentur fand hierzu ein weiteres Treffen der Vertreter des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, der Bahn, des Eisenbahn-Bundesamts und der Betreiber von Stromnetzen statt. Eine vollständige Integration des Bahnstromnetzes in die anderen Leitungsverbünde sei durchaus möglich. So heißt es aus Bahnkreisen: „Alles ist möglich, wenn für die Bahn keine zusätzlichen Kosten entstehen.“ Eine Machbarkeitsstudie soll dies nun erörtern. Laut einem internen Papier der Bahn vom Herbst 2010 würde sich die Kosten für einen Ausbau des bahneigenen Stromnetzes auf bis zu 2,5 Milliarden Euro belaufen. Das ist nur ein Bruchteil der bisher geschätzten Kosten für einen Ausbau des Stromnetzes um bis zu 3.600 Kilometer. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte den Investitionsbedarf für neue Stromnetze bislang auf bis zu 40 Milliarden Euro geschätzt.

 

31-jähriger Rekordpreis von Silber eingestellt: Ein Rückblick
Die vor allem von den USA befeuerte Geldschwemme und das zunehmend schwindende Vertrauen der Anleger in den fallenden Dollar-Kurs heizt schon seit längerem die Spekulation mit Rohstoffen an. Da Silber und Gold genauso wie Öl jedoch zudem international in der US-Währung gehandelt werden, sorgt ein schwacher Dollar für günstigere Preise für Länder außerhalb des Dollar-Raums und damit für steigenden Nachfrage. Dadurch hat nun auch das Silber seinen bisherigen langjährigen Rekordwert von 1980 geknackt. Das Allzeithoch aus dem Januar 1980 war seinerzeit nur aufgrund der legendären Spekulation am Silbermarkt durch die Brüder Herbert William und Nelson Bunker Hunt erreicht worden. Die Brüder hatten dabei zuvor von dem gigantischen an der Börse verdienten Vermögen des ersten prominenten Vertreters dieser Familie profitiert: Haroldson Lafayett Hunt (1889-1974). Dieser war in den 1920er Jahren in das Ölgeschäft eingestiegen und binnen weniger Jahre zum reichsten Mann der USA aufgestiegen. Nach seinem Tod wurde das Imperium unter seinen Kindern aufgeteilt, wodurch zwei neue Imperien entstanden. Eines davon leiteten die Brüder Bunker Nelson, Herbert und Lamar Hunt. Ende der 1970er wurden die Gebrüder dann durch die bislang größte Privatspekulation der Börsengeschichte berühmt. Durch ihre Spekulation (Spekulation ist keine Investition und hat bis auf die Spekulanten keine Gewinner, sondern viele Verlierer – die Börse sollte im übrigen kein Spielcasino sein und "Otto-Normal"-Spielsüchtigen außerhalb des Börsenbanketts wird zudem allgemein eine Psychotherapie verordnet) kletterte der Silberpreis auf Jahrzehnte nicht mehr erreichte 49,45 Dollar die Unze. Der neue Rekordkurs rangiert nun bei 49,51 Dollar pro Feinunze Silber. Seit Jahresbeginn hat sich Silber um gut 65 Prozent verteuert. Das Gold erreichte mit 1535,90 Dollar ebenfalls einen neuen Höchststand.


Branchen und Unternehmen:


Ölkonzern Total steigt mit Milliardenzukauf groß in Sonnenkraft ein
Der französische Ölkonzern Total (der größte Konzern Frankreichs, der viertgrößte Ölgigant weltweit und zugleich eines der größten Chemieunternehmen) will für 1,4 Milliarden Dollar 60 Prozent am US-Photovoltaik-Unternehmen Sunpower übernehmen und damit groß in den Solarmarkt einsteigen. Der Kurs der Sunpower-Aktie schoss darauf hin mit einem Plus von 40 Prozent durch die Decke. Die beiden Aufsichtsräte haben bereits ihre Zustimmung erteilt. Total-Manager Philippe Boisseau sprach in diesem Zusammenhang sogar von einem wichtigen Schritt, zu einem der größten Solarunternehmen der Welt zu werden. Das in Kalifornien ansässige Solarunternehmen hatte letztes Jahr einen Umsatz von 2,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet und soll auch nach der Transaktion mit dem bisherigen Managementteam weiterarbeiten. Total will der neuen Tochter zudem ein Kapitalvolumen von einer Milliarden Dollar über die nächsten fünf Jahre bereitstellen, um die Expansion der Solaraktivitäten weiter zu fördern. Zuvor hatte Total bereits angekündigt, das französische Solarunternehmen Tenesol eingliedern zu wollen.

 

Teilverstaatlichte Commerzbank will nach starkem Quartal Schulden tilgen
Die im Zuge der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank hat die Gewinnerwartungen für das erste Quartal deutlich übertroffen. Statt den erwarteten 890 Millionen Euro wurde ein operativer Gewinn von 1,1 Milliarden Euro erzielt (Vorjahreszeitraum 771 Millionen Euro). Unter dem Strich verblieben der Commerzbank rund eine Milliarde Euro. Nun sollen mit einer Reihe von Kapitalmaßnahmen bis Juni insgesamt 14,3 Milliarden der 16,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen des Bundes zurückgezahlt werden. Die harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) von Deutschlands zweitgrößtem Finanzinstitut lag Ende März bei rund elf Prozent.

 

Microsoft steigert Quartalsgewinn auf 5,2 Mrd. Dollar
Der US-Softwareriese Microsoft hat in seinem dritten Geschäftsquartal, den drei Monaten von Januar bis März, rund 5,2 Milliarden Dollar verdient. Der Das ist eine Gewinnsteigerung von fast einem Drittel gegenüber dem Vorjahreswert. Der Umsatz legte um 13 Prozent auf 16,4 Milliarden Dollar zu. Dabei war der PC-Absatz und damit der Absatz des Betriebssystems Windows rückläufig, allerdings stieg die Nachfrage nach Office-Anwendungen und der Spielekonsole Xbox. 

 

Daimlers Quartalsgewinn 1,2 Mrd. Euro – Rohstoffmehrkosten über 700 Mio. Euro
Daimler hat seinen Quartalsgewinn auf Netto 1,2 Milliarden Euro deutlich gesteigert. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro. Damit stieg die Netto-Liquidität des Unternehmens auf 12,4 Milliarden Euro. Als erstes Unternehmen hat Daimler zudem die eigenen Verluste durch die Naturkatastrophe in Japan beziffert. Für das zweite Quartal rechnet der Stuttgarter Edelautobauer mit 50 bis 100 Millionen Euro. Zudem würden die zuletzt mit 700 Millionen Euro (!) veranschlagten Mehrkosten für den Rohstoffeinkauf im laufenden Jahr nicht ausreichen. Grund sind die spekulativ enorm steigenden Rohstoffe, die die reale Volkswirtschaft in Mitleidenschaft ziehen („70 Prozent der Preisaufschläge sind den Spekulanten geschuldet“, so Klaus Josef Lutz, Chef des größten europäischen Agrarhändlers Baywa). Die Politik hat jedoch bislang außer leeren Worten noch nichts gegen die Spielsucht an den Börsen unternommen, obwohl sie der französische Präsident Sarkozy sogar zu einem der Hauptthemen seiner gegenwärtigen G-8 Ratspräsidentschaft erklärt hatte: Spekulation ist keine Investition und schadet durch die höheren Preise der realen Wirtschaft und entzieht zudem dem Bürger seinen Lohnzuwachs und damit der Volkswirtschaft zusätzliche Kaufkraft. Lediglich die wenigen Gewinner, also das Umfeld um die Spekulanten, versuchen ihr Geschäftsmodell aus Gründen der persönlichen Bereicherung schönzureden und preisen dies in den Medien als den Königsweg, um „Preisdifferenzen aufzudecken“ – aber man soll ja auch nicht die Frösche fragen, wenn man den Sumpf trocken legen will.

 

Buffets Holding mit 38,23 Milliarden Dollar Barreserven
Aufgrund der schweren Naturkatastrophen zu Jahresbeginn in Neuseeland und am 11. März in Japan hat das Firmenimperium von Amerikas zweitreichstem Mann, dem Starinvestor Warren Buffett, einen Gewinneinbruch um 58 Prozent im ersten Quartal auf 1,5 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Das erste Quartal war laut Buffett das zweitschlechteste Vierteljahr in der Geschichte der Versicherungsindustrie – Versicherungen machen knapp die Hälfte der Geschäfte Buffetts aus. Allerdings verfügt die Investmentfirma Berkshire Hathaway noch über enorme finanzielle Barreserven in Höhe von 38,23 Milliarden Dollar. Daher wird in kürze eine größere Einkaufstour erwartet.

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