Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 03.05.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Griechenland will Streckung der Rückzahlung
2. Entschädigung der Atomopfer kostet Japan 49 Mrd. Dollar
3. Spielsucht wird härter bekämpft – Börsenspekulanten die nächsten Therapiefälle?

Branchen und Unternehmen:
4. Auftragseingänge für den Maschinenbau legen kräftig zu
5. Chinesen retten schwedischen Autobauer Saab
6. ThyssenKrupps Autozulieferer geht an Spanien – Intervention gegen China
7. Chrysler von der Insolvenz über die Gewinnzone zu Fiat
8. Lokführerstreik streiken weiter für 2.831 Euro Brutto

 

Wirtschaftspolitik:

 

Griechenland will Streckung der Rückzahlung
In der gegenwärtigen kontroversen Diskussion um die Chancen und Risiken eines griechischen Schuldenschnitts will Athen nun einen dritten Weg einschlagen: Mehr Zeit für die Rückzahlung und günstigere Konditionen – also niedrigere Tilgungsraten und niedrigere Zinses. Die Schulden soll dann aber zur Gänze bedient werden. Damit will sich Griechenland mehr Zeit in der Schuldenkrise erkaufen. Der Vorschlag von Finanzminister Giorgos Papaconstantinou bezieht sich zunächst auf die 110 Milliarden Euro schweren Hilfskredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF): „Es wäre besser, wenn wir die Rückzahlung der 110 Mrd. Euro verlängern, die wir von unseren Partnern bekommen haben. Auf diese Weise könnten wir unsere anderen Zahlungsverpflichtungen erfüllen.“ Natürlich bietet sich das analog auch für die Schulden an private Investoren an. Anstatt per Schuldenschnitt auf einen Teil der Forderungen zu verzichten, ließen sich auch hier veränderte Rückzahlungsmodalitäten vereinbaren, die dann jedoch die volle Summe umfassen. Die gesamten Außenstände  Griechenlands summieren sich auf 340 Milliarden Euro. Papaconstantinou wartete indes auch mit einem optimistischen Ausblick auf: Die Vorzeichen für die griechische Wirtschaft dürften sich in der zweiten Jahreshälfte und im kommenden Jahr von Rezession auf Wachstum drehen. Papaconstantinou: „Wir befinden uns in der Mitte des Tunnels.“

 

Entschädigung der Atomopfer kostet Japan 49 Mrd. Dollar
Japans Regierung hat die Kosten für die Entschädigung der Opfer der Atom-Katastrophe in Fukushima I berechnet. Demnach müssen die japanischen Behörden gemeinsam mit dem AKW-Betreiber Tepco knapp 49 Milliarden Dollar bezahlen. Tepco soll dabei für die Hälfe der Kosten aufkommen. Die Gelder sollen bis spätestens 2015 ausgezahlt werden. Wie viele Japaner entschädigt werden sollen wurde indes noch nicht bekannt. Allerdings wurde gleichzeitig eingeräumt, dass sich die Gesamtsumme der Entschädigungszahlungen noch weiter erhöhen könnte.

 

Spielsucht wird härter bekämpft – Börsenspekulanten die nächsten Therapiefälle?
Es ist eine Reaktion auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Dieser hatte den deutschen Glücksspielstaatsvertrag im September 2010 für unzulässig erklärt, weil darin nicht das Ziel verfolgt werde, die mit dem Glücksspiel einhergehende Spielsuchtgefahr effektiv zu bekämpfen. Ein staatliches Wettmonopol sei aber nur zulässig, wenn damit auch die Spielsucht konsequent bekämpft werden würde. Dies soll nun mit neuen Auflagen für die mehr als 10.000 privaten Spielhallen erreicht werden: Die Bevölkerung müsse vor der Spielsucht geschützt und besonders der Jugendschutz gewährleistet werden. Denn Glücksspiel kann zur Spielsucht entarten und wird dann psychologisch therapiert. Wann jedoch der äquivalenten Spielsucht und Wettleidenschaft an den Börsen konsequent begegnet wird, ist bislang noch offen (Spielsüchtige gibt es in „schmuddeligen“ Spielhallen wie auch im Anzug auf dem Börsenparkett – während Erstere therapiert werden, streichen Letztere Millionen ein und bereichern sich auf Kosten der realen Wirtschaft und der Konsumenten). Den großen Ankündigungen von dem französischen Präsidenten Sarkozy, der im Rahmen seiner G-8 Präsidentschaft die Spekulation an den Rohstoffmärkten unterbinden will, sowie auch den gleich lautenden Bekundungen der Bundeskanzlerin Merkel, sind bislang noch keine Taten gefolgt. Die Rohstoffspekulation – Spekulation ist keine Investition – ufert jedoch derzeit in einem Umfang aus, dass auch hier dringend entsprechende Schritte angemahnt werden. Hier werden Regelungen benötigt, dass die Finanzdienstleister wieder produktiv mittel- und langfristig und damit nachhaltig investieren – also der realen Wirtschaft dienen – und nicht spekulativ die Preisbildung von Angebot und Nachfrage zu ihrem alleinigen Vorteil durcheinander bringen und damit auch noch die Inflation anheizen. Für die Spielhallen gestalten sich die neuen Regelungen wie folgt aus: Die meisten Betreiber werden nach einer Übergangszeit von fünf Jahren ihre Konzessionen verlieren, hinzukommen tägliche Sperrzeiten und das Verbot der Werbung an der Fassade, auch sollen bis zu 100.000 der derzeit 150.000 Spielautomaten abgeschaltet werden. Die Regelungen wurden vom EuGH angemahnt und werden auch gegen das Wehklagen des Glücksspielgewerbes durchgesetzt, das Schadenersatz in Milliardenhöhe fordert. Ähnlicher Widerstand ist auch von den mächtigen Investmentbankern und den anderen Spekulanten zu erwarten – kein Grund für Sarkozy, Merkel und Co., nicht auch hier die angemahnten Reglements endlich durchzusetzen.

 

Branchen und Unternehmen:


Auftragseingänge für den Maschinenbau legen kräftig zu
Laut dem Branchenverband VDMA legten die Auftragseingänge für den deutschen Maschinenbau im März um 18 Prozent zu. Dabei stiegen das Inlands- und das Auslandsgeschäft gleichermaßen um jeweils 18 Prozent. Damit ergibt sich für das erste Quartal von Januar bis März ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Dabei legten die Inlandsaufträge mit einem Plus von 35 Prozent stärker zu als die Auslandsaufträge mit einem Plus von 31 Prozent.  Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau gehört mit rund 5.900 Unternehmen und 862.000 Beschäftigten zu den fünf wichtigsten Branchen in der Bundesrepublik. Dabei dominieren mittelständische Betriebs- und Entscheidungsstrukturen: Rund 88 Prozent der Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter, zwei Drittel der Unternehmen sogar weniger als 100 Beschäftigte und nur 2 Prozent mehr als 1.000 Mitarbeiter. Viele der kleinen und mittleren Unternehmen sind jedoch auf ihren Spezialgebieten weltweit führend.

 

Chinesen retten schwedischen Autobauer Saab
China zeigt offenbar eine Vorliebe für schwedische Autos. Nachdem schon Volvo im März 2010 von dem chinesischen Autohersteller Geely gekauft worden war, kommt nun auch die schwedische Marke Saab unter chinesischen Einfluss. Der Autokonzern Hawtai (Produktionskapazität 200.000 Autos) gewährt dem schwedischen Traditionshersteller den dringend benötigten Millionenkredit. In der strategischen Allianz des niederländischen Saab-Eigners Skyper mit Hawtai wollen die Chinesen „mittelfristig“ 120 Millionen Euro bereitstellen. Um die wegen Geldmangels seit drei Wochen unterbrochenen Produktion wieder aufzunehmen bekommt Saab zudem einen kurzfristigen Kredit über 30 Millionen Euro. Zulieferer hatten aufgrund ausstehender Rechnungen die Belieferung mit wichtigen Komponenten vorübergehend gestoppt.

 

ThyssenKrupps Autozulieferer geht an Spanien – Intervention gegen China
ThyssenKrupp trennt sich von seinem Autozulieferer Metal Forming. Die Metall-Umformung, die für ThyssenKrupp in mehreren Ländern Europas und in China Fahrwerk- und Karosseriebauteile im Press- und im Umformverfahren herstellt, beschäftigt rund 5.700 Mitarbeiter und erwirtschaftet über einer Milliarde Euro Umsatz – zuletzt wieder mit Gewinn. Dabei hatte Thyssen-Krupp die Sparte Automobilzulieferung bereits vor Jahren aufgelöst und Metal Forming im Geschäftsfeld Stahl angesiedelt. Mit der spanischen Gestamp Automocion sei nun ein Käufer gefunden worden, der die Sparte technisch und wirtschaftlich weiter entwickeln könne. Der Verkaufspreis wird inoffiziell mit 200 Millionen Euro angegeben. Angeblich sollen die deutschen Autobauer darauf gedrängt haben, die Sparte nicht nach China zu verkaufen, um das Abfließen von Technologiewissen an ihre immer stärkere chinesische Konkurrenz zu verhindern.


Chrysler von der Insolvenz über die Gewinnzone zu Fiat
2009 war der US-Autobauer Chrysler während der Wirtschaftskrise in die Insolvenz geschlittert und wurde daraufhin mit Staatshilfen in Höhe von insgesamt 7,5 Milliarden Dollar von den Regierungen der USA und Kanadas gerettet. Nun hat der Konzern im ersten Quartal mit 116 Millionen Dollar erstmals wieder einen Gewinn realisiert. 2010 war noch ein Verlust von 652 Millionen Dollar zu Buche gestanden. Nun sollen die Milliardenschulden möglichst schnell innerhalb der nächsten Monate beglichen werden (Umschuldung) – der Zinssatz beläuft sich teilweise auf bis zu 20 Prozent. Dafür soll eine Anleihe über 2,5 Milliarden Dollar ausgegeben werden, sowie ein Bankkredit über 2,5 Milliarden zu günstigeren Konditionen aufgenommen werden und eine weitere Kreditlinie über 1,5 Milliarden Dollar vereinbart werden. Chrysler gehört derzeit zu 30 Prozent dem italienischen Autobauer Fiat, der demnächst eine Option auf weitere 16 Prozent einlösen will. Bis zum Ende des Jahres will der Turiner Autobauer dann den US-Konzern komplett übernehmen. Bislang hat Fiat kein Geld, sondern italienische Technik in Chrysler investiert. Die italienischen Pläne sehen dabei vor, dass Chrysler und Dodge als Marken aus Europa verschwinden und die ausgewählten Modelle dann mit einem Lancia Emblem versehen werden, um die dünne Modellpalette der Marke aufzupolstern. Allein das Jeep-Label soll auch in Europa als eigene Marke bestehen bleiben. Zugleich will Fiat die bestehende Infrastruktur von Chrysler nutzen, um sich nach rund 30 Jahren wieder als Marke in Nordamerika zu etablieren. Auch sollen Technologien, Motoren und Plattformen gemeinsam genutzt werden, um die typischen Synergie-Effekte zu erzielen.

 

Lokführerstreik streiken weiter für 2.831 Euro Brutto
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer GDL hat zu einem weiteren Strei,k gegen die privaten Bahnbetreiber aufgerufen. Der Ausstand soll 72 Stunden bis Freitagnachmittag 14.00 Uhr andauern. Gleichzeitig wurden die Bahnunternehmen zu weiteren Verhandlungen aufgefordert. Offenbar haben nun auch alle Unternehmen der Hessischen Landesbahn sowie ein Teil der Unternehmen von Netinera und Benex verhandlungsfähige Angebote über einen flächendeckenden Tarif unterbreitet, so dass diese von den aktuellen Streiks ausgenommen werden. Die GDL fordert einen flächendeckenden Tarifstandard für alle Lokführer auf dem hohen Niveau der Deutschen Bahn (Einstiegsgehalt von 2.341 Euro, Berufserfahrene Lokomotivführer erhalten 2.831 Euro). Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky: „Die Sturheit der Unternehmen ist nicht zu begreifen und offensichtlich geht es gar nicht mehr um Kompromissfindung und Konfliktbeilegung.“ Aktuell werden folgende Bahnunternehmen bestreikt: AKN Eisenbahn AG, Bayerische Regiobahn GmbH, Berchtesgadener Land Bahn GmbH, Hohenzollerische Landesbahn AG (HzL), Nord-Ostsee-Bahn GmbH (NOB), Ostseeland Verkehr GmbH (OLA), Prignitzer Eisenbahn (Betriebsteil NRW), Veolia Verkehr Regio Ost GmbH und Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt GmbH.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.