Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 04.04.2011

Wirtschaftspolitik, Internationales:
1. Unklarheit über Griechenlands Schuldenrückzahlung
2. Atomkatastrophe kostet Betreiber Tepco bis zu 95 Mrd. Euro
3. Großaktionär macht Weg für EnBW-Umbau frei
4. Argentinien besteht auf Tauschzwang von Porsche gegen Rotwein
5. RWE klagt gegen AKW-Moratorium
6. Boeing muss 5 Mrd. Dollar Subventionen zurückzahlen

Branchen und Unternehmen:
7. Deutscher Maschinenbau hebt Jahresprognose an
8. Deutsche Unternehmen schütten 29 Mrd. Euro aus
9. Deutsche schmeißen jährlich 20 Mio. Tonnen Lebensmittel weg
10. Aldi erobert New York City
11. Flughafen München erneut zum besten Europas gewählt

 

Wirtschaftspolitik, Internationales:

 

Unklarheit über Griechenlands Schuldenrückzahlung
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die derzeitige Position der griechischen Regierung unterstützt, die eine Umschuldung der Staatsschulden derzeit (noch) strikt ablehnt. Eine IWF-Sprecherin: „Wie wir beständig erklärt haben, der IWF unterstützt die Ablehnung Griechenlands einer Umschuldung und die Entschlossenheit der griechischen Regierung, ihren Verpflichtungen vollständig nachzukommen.“ Damit wurde Medienberichten widersprochen, laut denen der IWF die griechische Regierung zu einer baldigen Umschuldung dränge, damit die Schuldenquote von rund 150 Prozent des BIP zügig verringert und der Haushalt saniert werden kann. Griechenland wird von der derzeit außerordentlich hohen Zinslast quasi erdrückt (hoher Schuldenstand bei gleichzeitig hoher Zinsrate). Denkbar seien demnach ein Schuldenschnitt, eine Verlängerung der Anleihelaufzeiten oder niedrigere Zinsen. In allen drei Fällen müssten die Gläubiger auf einen Teil ihrer Rendite verzichten. Die Spekulationen kamen im Zuge der neuesten Zahlen aus Griechenland auf. Demnach hat das Etatdefizit 2010 voraussichtlich 10,6 statt den bisher angenommenen 9,4 Prozent des BIP betragen. Daher würde laut dem Magazin „Der Spiegel“ der IWF eine baldige Umschuldung Griechenlands fordern, schrecke allerdings noch davor zurück, seine Überlegungen öffentlich zu machen, weil sonst negative Konsequenzen für das ebenfalls angeschlagene Portugal befürchtet werden. Auch Portugal hat seine eigenen Sparpläne 2010 verfehlt: Anstatt einem Defizit von 7,3 Prozent betrug das Haushaltsdefizit 8,6 Prozent. Der Grund seien Hilfen an portugiesische Banken und Verbindlichkeiten von öffentlichen Unternehmen. Erfahrungen anderer Länder wie Argentinien zeigen allerdings, dass eine gut gemanagte Umschuldung die Nervosität an den Finanzmärkten beruhigen kann und somit neue, weitere Kredite nicht ausschließt. Im Gegenteil: Klarheit und Stabilität ziehen eher neue Investoren an als eine ungewisse Zukunft.

 

Atomkatastrophe kostet Betreiber Tepco bis zu 95 Mrd. Euro
Die Bank of America Merrill Lynch hat für den Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power) die Kosten für die Atomkatastrophe im japanischen AKW Fukushima berechnet. Demnach belaufen sich die Kosten nach gegenwärtigen Schätzungen auf bis zu 95 Mrd. Euro. Allerdings kann der Betreibergesellschaft die Kosten erlassen werden, sollte eine „schwere Naturkatastrophe von außergewöhnlichem Charakter“ die Ursache für die nukleare Verseuchung sein. Diese Entscheidung hängt von der japanischen Regierung und daher nicht zuletzt von den steuerzahlenden japanischen Wählern ab. Der Versorger Tepco dürfte jedoch nicht Pleite gehen, da er quasi ein Monopol für die Stromversorgung der 37-Mio.-Metropole Tokio besitzt und laut Analysten für die Aufrechterhaltung einer stabilen Stromversorgung benötigt werde. Das hieße, der Staat würde für den Großteil der Kosten einstehen. Vor diesem Hintergrund rätselt die Börse in Tokio über einen mysteriösen Kaufauftrag für Millionen Aktien des Atomkonzerns. Bereits am Donnerstag stand ein eine Kauforder für 40 Millionen Tepco-Aktien im Hintergrund, die den Aktienkurs zeitweise um bis zu 8,6 Prozent stiegen ließen. Das entspricht etwa 2,5 Prozent von dem Versorger ausgegebenen Aktien.

 

Großaktionär macht Weg für EnBW-Umbau frei
Das Land Baden-Württemberg hält 45 Prozent an dem Energieriesen und Atomkraftwerksbetreiber EnBW. Genau so viel halten auch die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), die von CDU und konservativen Freien Wählern dominiert werden. Nach dem Sieg von Grün-Rot bei der Landtagswahl wird ein ökologischer Umbau des bislang auf Atomstrom setzenden Versorgers wahrscheinlich. Da es dabei übergangsweise zu einem Rückgang des Unternehmenswertes kommen könnte, wurde eine Intervention der OEW befürchtet, die ihre Anteile auf 50,1 Prozent ausbauen könnten, um die Grün-Roten Pläne zu durchkreuzen. Die OEW signalisierten nun jedoch, beim Konzernumbau nicht dazwischen grätschen zu wollen, sondern setzten stattdessen auf eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung. Baden-Württemberg hatte noch unter Mappus (CDU) im Dezember für knapp 5 Mrd. Euro den 45-prozentigen Anteil an EnBW von dem französischen Energiekonzern EdF übernommen. Der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte bereits angekündigt, den Versorger stärker auf erneuerbare Energien ausrichten zu wollen.

 

Argentinien besteht auf Tauschzwang von Porsche gegen Rotwein
Argentinien hat eine unkonventionelle Methode eingeführt, um seine Handelsbilanz zu verbessern. Damit die Importe nicht überhand nehmen, müssen Import-Unternehmen verbindlich zusagen, Waren im gleichen Wert auch wieder auszuführen. Die Pulenta Group, die rund 100 Porsche Sportwagen importieren will, musste nun versichern, pro Sportwagen mehrere hundert Flaschen Rotwein auszuführen. VW kann diese Regelung umgehen, da es in Argentinien bereits den neuen Amarok-Pickup sowie Getriebe produziert. Auch Daimler produziert in Argentinien bereits den Sprinter. BMW geht es jedoch wie Porsche. Daher bleibt abzuwarten, ob nicht künftig mehr und mehr argentinische Spezialitäten auf den Weltmarkt drängen.

 

RWE klagt gegen AKW-Moratorium
Der Essener Energieriese RWE will gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung klagen. Das Moratorium verlangt vor den Eindrücken der Atomkatastrophe in Japan eine dreimonatige Stilllegung der ältesten sieben Atomkraftwerke in Deutschland, bis eine umfassende Sicherheitsprüfung erfolgt ist. Das Moratorium beruft sich auf Paragraf 19, Absatz 3 des Atomgesetzes. Demnach kann die Stilllegung eines Kernkraftwerks verlangt werden, wenn Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sachgüter bestehen. Die alten Meiler sind erwiesenermaßen maximal gegen den Absturz eines kleinen Sportflugzeuges ausreichend geschützt. Dennoch behaupten Juristen aus dem Unternehmensumfeld, die Abschaltung sei juristisch auf wackligen Füßen. Der Konkurrent Eon hingegen hatte zuvor mitgeteilt, dass er nicht gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung klagen will. Laut Analysen von Greenpeace ist die Wanddicke der alten Reaktorgebäuden mit rund 60 cm Stahlbeton allenfalls ausreichend, um dem Absturz eines leichten, langsam fliegenden Flugzeugs (z.B. eines Sportflugzeugs mit maximal 10 t Masse und einer Geschwindigkeit unter 300 km/h) standzuhalten. Einige Altanlagen können mit einer Wandstärke von 80-100 ein kleineres, allerdings nicht mehr im Gebrauch befindliches Kampfflugzeug von der Größe eines Starfighters standhalten (Masse von ca. 10 t und einer Tieffluggeschwindigkeit von 650 km/h). Die zehn neuesten AKW in Deutschland sind gegen den Absturz eines Militärflugzeugs von der Größe eines Phantoms ausgelegt (Masse von 20 t und einer Tieffluggeschwindigkeit von 774 km/h) – nicht jedoch eines Tornados. Keines könnte indes den Absturz eines voll betankten Verkehrsflugzeuges standhalten (vergleiche Terroranschlag vom 11.09.2001). Eon-Chef Teyssen lehnt eine entsprechende Klage gegen das Moratorium ab: „Es reicht auch nicht, zu sagen, in Deutschland werden wir keine Tsunamis haben.“ Dies wäre „eine unsinnige, zu kurz greifende Einlassung“. Der Eon-Chef sprach sich dafür aus, Notstromsysteme und die Kühlung von Atomkraftwerken zu kontrollieren. Dazu würde auch die Frage gehören, wieviel die Unternehmen bereit wären, in zusätzliche Sicherheit zu investieren. Das Ergebnis könnte dann sein, so Teyssen, „bestimmte Anlagen nicht mehr zu betreiben“.

 

Boeing muss 5 Mrd. Dollar Subventionen zurückzahlen
Die Welthandelsorganisation WTO hat im seit sechs Jahren andauernden Subventionsstreit zwischen Boeing und Airbus den Europäern Recht gegeben. Der US-Flugzeugbauer muss demnach mindestens 5 Mrd. Dollar an unzulässigen Staatsgeldern zurückzahlen. Airbus zeigte sich mit der Entscheidung zufrieden, die EU will hingegen eine noch höhere Entschädigung erreichen. Die illegalen Subventionen hätten für Airbus einen Umsatzverlust in Höhe von 45 Mrd. Dollar zur Folge gehabt. Daher wolle die EU weitere Rechtsmittel einlegen und das Verfahren so an die Berufungsinstanz der WTO verweisen.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Deutscher Maschinenbau hebt Jahresprognose an
Nach einem unerwartet starken Jahresauftakt haben die Maschinenbauer ihre Produktionsprognose erhöht. Demnach geht der Branchenverband VDMA nun von einem Produktionsplus in 2011 von 14 anstatt bislang zehn Prozent aus. Im Februar ist der Auftragseingang um 38 Prozent gestiegen. Dabei legte die Inlandsnachfrage mit plus 40 Prozent noch kräftiger zu als das traditionell starke Exportgeschäft mit plus 37 Prozent.

 

Deutsche Unternehmen schütten 29 Mrd. Euro aus
Die rund 1.100 börsennotierten deutschen Konzerne werden in diesem Jahr voraussichtlich
29 Milliarden Euro ausschütten
. Davon entfallen allein auf die 30 Dax-Konzerne 26 Milliarden Euro. Das ergibt insgesamt ein Plus von sechs Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr und liegt nur noch zwei Milliarden Euro unter dem Rekordjahr 2007. Gemessen an den Dax-Konzernen ergibt sich eine Dividendenrendite von durchschnittlich 3,5 Prozent – mehr als an fast allen anderen Börsenplätzen, wie beispielsweise in China, Japan und Großbritannien. An der Wall Street (USA) betrage die Dividendenrendite durchschnittlich 2,4 Prozent.

 

Deutsche schmeißen jährlich 20 Mio. Tonnen Lebensmittel weg
Jahr für Jahr werden in Deutschland 20 Mio. Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Studien aus Österreich, Schweden, den USA und Großbritannien belegen, dass von allen weggeworfenen Lebensmitteln jeweils etwa ein Drittel in der Landwirtschaft, beim Verbraucher und beim Handel vernichtet wird. Lebensmittel, die unter hohem Energieaufwand erzeugt wurden und damit (zum Teil erheblich wie beim Fleisch) zum Klimawandel beitragen. Für Deutschland liegen noch keine exakten Daten vor, da jedoch das Problembewusstsein wächst, hat die Bundesregierung eine Studie in Auftrag gegeben, die die genaue Menge, die in Deutschland an Lebensmitteln weggeworfen werden, ermitteln soll. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. (Trailer zum Dokumentarfilm „Frisch auf den Müll“ von Valentin Thurn.)

 

Aldi erobert New York City
Der weltgrößte Einzelhändler Wal Mart versucht seit Jahren bislang vergeblich, einen Fuß in die US-Metropole New York zu bekommen. Grund ist das negative Image des Konzerns, für das er durch fragwürdige Arbeitsbedingungen seiner Angestellten (Ausbeutung) selbst verantwortlich ist. Der Konzern muss sich immer wieder wegen der Behandlung seiner Mitarbeiter vor Gericht verantworten. Durch dieses Anti-CSR sperren sich viele der großen liberalen US-Städte gegen eine Ansiedelung von Wal Mart, Gewerkschaften rufen zu Protesten auf und Politiker stellen sich quer. Nun hat der deutsche Discounter-Konkurrent Aldi mitten in New York City (in Queens) seine erste Filiale eröffnet – platzsparend, ohne Musik und ohne Werbung. Dabei akzeptiert die Aldi-Filiale Bargeld und staatliche Lebensmittelmarken, mit denen die Armen in New York einkaufen können. Kreditkarten sind allerdings tabu, weil sie Gebühren verursachen und Zeit kosten. Die Einkaufswägen müssen wie in Deutschland mit einer Münze ausgelöst werden und als weiterer Unterschied zu der in den USA verbreiteten Praxis schließen die Aldi Filialen um 21.00 Uhr Abends. Aldi ist bislang mit rund 1.100 Filialen in 31 Staaten vertreten. Aldi ist damit der weltweit achtgrößte Einzelhändler. 2009 wurden 67,7 Milliarden Dollar erlöst, davon entfallen bislang 6,5 Milliarden auf den amerikanischen Markt.

 

Flughafen München erneut zum besten Europas gewählt
Elf Millionen Fluggäste aus über 100 Ländern haben den Flughafen München zum besten Airport Europas gewählt. München belegt in dem Skytrax-Ranking zum sechsten Mal den Platz eins in Europa – seit 2005 musste man sich nur 2009 Zürich geschlagen geben. Weltweit belegt München nach drei asiatischen Flughäfen (Hongkong, Singapur und Seoul) den vierten Rang. Ausschlaggebend sei laut einem Skytrax-Sprecher die Kombination aus Bequemlichkeit, Terminal-Komfort und bayerischer Gastfreundlichkeit. Insgesamt wurden 40 Kategorien bewertet.

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