Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 05.11.2010

1. 16 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen in 2010:
2. Logistikbranche erreicht beinahe das Niveau von 2008:
3. Deutsche Reeder weiterhin unter Druck:
4. China positioniert Yuan gegen den Dollar:
5. Managerumfrage | Banken und Politiker haben nichts aus der Finanzkrise gelernt:
6. Deutsche Bahn will 2 Mrd. Gewinn in 2010 erreichen:
7. Airbus erhält 10 Mrd. Euro Großauftrag aus China:
8. Zweistellige US-Zuwachsraten für deutsche Autobauer:
9. Toyota trotz Pannenserie mit 2,5 Mrd. Euro Gewinn:
10. General Motors mit staatlichen Tricks zu Milliardengewinnen:
11. Continental legt bei Umsatz und Gewinnmarge zu:
12. Studie | Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand verbessern:

 

16 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen in 2010:
Aufgrund des unerwartet starken Wirtschaftsaufschwungs in Deutschland kann der Staat mit 16 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen im laufenden Jahr rechnen. Auch die Erwartungen für 2011 und 2012 wurden deutlich nach oben korrigiert: Für 2011 werden 22,4 Mrd. Euro und für 2012 rund 23,4 Mrd. Euro Mehreinnahmen erwartet. Damit erhöht sich die Prognose für die Jahre 2010 bis 2012 insgesamt um 61 Mrd. Euro. Forderungen nach Steuersenkungen stehen einer notwendigen Konsolidierung der Finanzen gegenüber. Bundeskanzlerin Merkel sieht für die Jahre 2010 und 2011 keinen Spielraum für Steuerentlastungen. Auch die FPD räumt der Haushaltskonsolidierung Priorität ein fordert Steuerentlastungen erst ab 2012.

 

Logistikbranche erreicht beinahe das Niveau von 2008:
Die Logistikbranche wird 2010 mit 210 Mrd. Euro rund 10 Mrd. Euro mehr umsetzen als 2009. Das Auftragsniveau erreicht dabei beinahe wieder die Werte von 2008. Knapp die Hälfte des Umsatzes der derzeit rund 2,6 Millionen Beschäftigten entfällt auf externe Dienstleister, die andere Hälfte setzen unternehmenseigene Logistiker um. Die von vielen Experten erwartete Insolvenzwelle unter mittelständischen Logistikern ist indes ausgeblieben. Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sei das vor allem den Banken zu verdanken, die in der Krise nicht darauf bestanden hätten, dass Kredite pünktlich bedient werden, sondern sich flexibel gezeigt haben, da sie an eine Wiederbelebung des Geschäfts nach der Krise geglaubt haben. Damit seien die Existenzen von Unternehmen gerettet worden.

 

Deutsche Reeder weiterhin unter Druck:
Die deutschen Charter-Reeder sind weltweit führend in der Containerschifffahrt. Trotz einer Erholung auf den Containermärkten reichen die Charterraten mit rund 60% des Vorkrisenniveaus aber oftmals immer noch nicht aus, um die Kosten der großen Frachtschiffe zu decken. Da das Weihnachtsgeschäft zwischen Asien und Europa bereits abgewickelt ist, wird frühestens im Februar 2011 mit einem Anziehen des Transportvolumens und der Frachtraten gerechnet.

 

China positioniert Yuan gegen den Dollar:
Das Volumen der in der chinesischen Währung Yuan abgewickelten internationalen Handelsgeschäfte hat sich im zurückliegenden Quartal um 160% mehr als verdoppelt und stieg damit zehn Mal so schnell wie das gesamte Außenhandelsaufkommen. Zwar werden weiterhin 97% der Ein- und Ausfuhren in Dollar abgewickelt, allerdings war die Abwicklung grenzüberschreitender Handelsgeschäfte auch bis Juli 2009 explizit nur in Dollar möglich. Die Etablierung der chinesischen Währung als internationale Abrechnungswährung (zulasten des Dollars) gewinnt somit weiter an Fahrt.

 

Managerumfrage | Banken und Politiker haben nichts aus der Finanzkrise gelernt:
Eine Umfrage der Personalberatung LAB & Company unter 418 deutschen Managern in Bezug auf die Aufarbeitung der Finanzkrise ergab, dass 80% der Führungskräfte der Ansicht sind, dass die Finanzwirtschaft zwei Jahre nach der Finanzkrise deren Ursachen immer noch nicht erkannt und noch keine wesentlichen Schritte eingeleitet habe, um eine Wiederholung des Desasters zu vermeiden. Das gleiche Negativurteil fällten 70% der Manager für die deutschen Politiker. Ziel der Politik müsse es sein, die Finanzwirtschaft als Dienstleister der Realwirtschaft zu positionieren – die Finanzwirtschaft selbst habe keine Anreize, freiwillig ihr lukratives Spekulationsgeschäftsmodell („Casinokapitalismus“) aufzugeben. Für die Rückeroberung des Primats durch die Politik wäre jedoch eine adäquate Ausbildung nötig, um die Komplexität des Problems zu erkennen und Lobbyisten effektiv widerstehen zu können.
Gleichzeitig ergab die Studie, dass viele Unternehmen durch die Erfahrungen der Krise ihr Risikomanagement verbessert haben. 31% der Manager gaben zudem an, dass die Krise ihre persönliche Berufseinstellung geändert habe – die Sinnhaftigkeit habe gegenüber den klassischen Karriereparametern wie Geld, Status oder Titeln mehr Gewicht gewonnen.

 

Deutsche Bahn will 2 Mrd. Gewinn in 2010 erreichen:
In den ersten drei Quartalen 2010 ist der Gewinn der Deutschen Bahn um 17% auf 1,3 Mrd. Euro gestiegen. Der Umsatz stieg um 13,5% auf 24,6 Mrd. Euro. Ursächlich sei die Erholung der weltweiten Logistiksparte sowie des Schienengüterverkehrs, deren Umsätze schon nach den ersten neun Monaten um fast ein Viertel über dem Vorjahr lagen.

 

Airbus erhält 10 Mrd. Euro Großauftrag aus China:
Beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Paris wurde eine Vereinbarung über die Lieferung von 100 Airbusflugzeugen (A320, A330 und A350) im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro getroffen. Mit dem französischen Atomkonzern Areva wurde zudem ein Großauftrag für eine langfristige Uranlieferung (20.000 Tonnen für 2,5 Mrd. Euro) gezeichnet.

 

Zweistellige US-Zuwachsraten für deutsche Autobauer:
Der US-Absatz von Porsche (Cayenne, Panamera) legte im Oktober um 61% zu, der von VW (Jetta, Golf, Tiguan, Minivan Routan) um 18%, Audi legte um 11% zu – hingegen fielen Mini, Smart, Touareg, New Beetle und Mercedes in der Käufergunst.

 

Toyota trotz Pannenserie mit 2,5 Mrd. Euro Gewinn:
Der weltgrößte Autobauer Toyota konnte trotz der größten Rückrufaktion in seiner Geschichte (insgesamt mehr als 8,5 Mio. Autos) seinen Umsatz um 15,5% steigern. Anstatt der prognostizierten 7,38 Mio. Fahrzeuge werden 2010 vermutlich 7,41 Mio. verkauft. Der Gewinn steigt auf 2,5 Mrd. Euro an. Ausschlaggebend sind eine hohe Nachfrage und eine strikte Kostensenkung.

 

General Motors mit staatlichen Tricks zu Milliardengewinnen:
Seit dem Insolvenzverfahren infolge der Finanzkrise hält die Regierung 60% an dem US-Autobauer General Motors, womit sie das Unternehmen definitiv vor dem Zusammenbruch gerettet hat. GM legte nun glänzende Zahlen für das dritte Quartal vor: Ein Überschuss von 1,9 bis 2,1 Mrd. Dollar, bei einem Umsatz von 34 Mrd. Dollar. Dabei kommt dem Konzern ein juristisch fragwürdiger Kniff des Weißen Hauses entgegen. Eigentlich ist die Verrechnung aktueller Gewinne mit früheren Verlusten nach einer Insolvenz, wie sie GM erlebt hat, nicht möglich. GM darf es dank eines Ausnahmegesetzes trotzdem. Und spart sich damit in den nächsten Jahren rund 45,5 Mrd. Dollar.

 

Continental legt bei Umsatz und Gewinnmarge zu:
Der Autozulieferer Continental zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose angehoben: Der Umsatz soll mit nun 25 Mrd. Euro rund 2 Mrd. Euro höher ausfallen als bislang erwartet. Die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) soll auf neun Prozent steigen. Zuletzt war von acht bis 8,5 Prozent ausgegangen worden. Auch für 2011 werde von einer positiven Marktentwicklung ausgegangen. Continental war vor knapp zwei Jahren von dem hoch verschuldeten Großaktionär Schaeffler übernommen worden. Analysten gehen daher davon aus, dass Schaeffler bei einem anziehenden Aktienkurs von Continental größere Aktienverkäufe plane.

 

Studie | Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand verbessern:
Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger konstatiert, dass die deutschen mittelständischen Unternehmen besser durch die Krise gekommen sind, als zunächst befürchtet. Allerdings hapere es bei vielen Unternehmen an adäquaten Finanzierungsmöglichkeiten. Der Zugang zu Bankkrediten sei immer noch schwieriger, Börsengänge und Kapitalerhöhungen wegen der anhaltenden Unsicherheit problematisch. 43 Prozent der befragten Unternehmen erwarten für 2011 einen höheren oder sogar sehr viel höheren Netto-Finanzierungsbedarf als noch in 2009. Sascha Haghani von Roland Berger Strategy Consultants: "Die deutschen Mittelständler sollten jetzt ihren Finanzierungsbedarf kritisch überprüfen und bei überschaubaren Widerständen auch vor einer tief greifenden Umstrukturierung nicht zurückschrecken." Am wichtigsten sei eine langfristige Finanzierungsstrategie, sowie die Nutzung alternativer Finanzierungsinstrumente. Dies ist vorrangig die staatliche Förderbank KfW. Mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums wurde zudem kürzlich der Kreditmediator eingerichtet, der Mitelständler bei dem Thema Finanzierung unterstützen soll.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.