Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 08.06.2011

Wirtschaftspolitik und Internationales:
1. Deutsche Exporte gehen nach Rekordwerten wieder etwas zurück
2. Griechenland: Nicht nur Bürger sondern auch Banken an Schuldenkrise beteiligen

Branchen und Unternehmen:
3. MAN lehnt Übernahmeangebot von VW als zu billig ab
4. Commerzbank sammelt 11 Mrd. und kauft sich Stück für Stück vom Staat frei
5. Toshiba und Sony wollen gemeinsame Marktführer bei mobilen LCD-Panels werden
6. Top-Siemens-Manager Umlauft wechselt in MAN-Vorstand

Sonstiges:
7. Nanometall wechselt auf Knopfdruck zwischen hart und weich
8. Extrem robuster Baustoff Holz durch Nano-Infiltrations-Verfahren
9. Ladendiebstahl geht um 4,8% auf 3,7 Mrd. Euro zurück

 

Wirtschaftspolitik und Internationales:

Deutsche Exporte gehen nach Rekordwerten wieder etwas zurück
Die Deutschen Exporte sind im April im Vergleich zu den Rekordwerten des Vormonats um 5,5 Prozent leicht zurückgegangen. Insgesamt haben die deutschen Unternehmen im April Waren im Wert von 84,3 Milliarden Euro ausgeführt. Im März hatte es zuvor allerdings auch einen außergewöhnlich starken Exportzuwachs von 7,2 Prozent gegeben.
Die Importe gingen ebenfalls leicht um 2,5 Prozent auf 73,4 Milliarden Euro zurück. Gegenüber den Vorjahreswerten von 2010 steht immer noch ein sattes Plus von 13,4 Prozent bei den Exporten und 20,1 Prozent bei den Importen.

Das Exportwachstum von 13,4 Prozent im Jahresvergleich wurde vor allem von Ausfuhren in die EU-Länder getragen (+15,1 Prozent auf 51 Milliarden Euro), die Exporte in Drittländer wuchsen um elf Prozent auf 33,3 Milliarden Euro.
 

Griechenland: Nicht nur Bürger sondern auch Banken an Schuldenkrise beteiligen
Die Befürworter einer Umschuldung Griechenlands, wodurch nicht nur die griechischen Bürger und die Steuerzahler der Euro-Zone die Lasten tragen müssen, sondern auch die Finanzinstitute in moderater Form daran beteiligt werden, erhalten zunehmend prominenten Zulauf. So will nun auch Finanzminister Schäuble die privaten Banken moderat an der Rettung Griechenlands beteiligen. Demnach sollen die privaten Investoren (vor allem Banken und Versicherer) alle Papiere, die sie derzeit halten, in neue Schuldverschreibungen mit einer um sieben Jahre verlängerten Laufzeit umtauschen (= weiche Umschuldung), was die Zinslast Griechenlands und auch den aktuellen Kapitalbedarf zur Refinanzierung erheblich absenken würde. Dies hat der Finanzminister in einem Brief an den Internationalen Währungsfonds IWF, seine Kollegen in der Eurozone und an die Europäische Zentralbank EZB gefordert (die EZB ist der härteste Widersacher einer Beteiligung der Finanzindustrie an den Griechenlandkosten – dies könnte die Banken „überfordern“ und daher die Milliardenrenditen der Branche gefährden). In dem Schreiben fordert Schäuble, dass jede weitere Hilfe für Griechenland ein klares Mandat enthalten müsse, mit dem Griechenland gemeinsam mit dem IWF eine Umschuldung mit den Gläubigern aushandeln könne. Jede zusätzliche Unterstützung für Griechenland müsse demnach eine faire Lastenteilung zwischen Steuerzahlern und privaten Investoren enthalten – auch um zu gewährleisten, dass das Land in der Lage versetzt werde, seine Schulden dauerhaft zu tragen. Ohne weitere Hilfen bis Mitte Juli sieht Schäuble zudem die „reale Gefahr des ersten ungeordneten Staatsbankrotts in der Eurozone“. Der weitere Finanzbedarf Griechenlands bis 2014 über das bisher beschlossene 110-Milliarde-Hilfspaket hinaus wird auf bis zu 100 Milliarden Euro geschätzt. Auch der Chefvolkswirt der britischen Großbank HSBC, Stephen King, hält eine Umschuldung Griechenlands für unausweichlich: „Klar ist, dass irgendeine Art von Umschuldung notwendig sein wird, an der die Privatinvestoren beteiligt werden. (…) Die Griechen können noch so viel sparen, mit Sparprogrammen allein kommen sie nicht aus der Krise heraus.“ Laut Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, hätten diejenigen, die sich gegen jegliche Art von Umschuldung sträubten, bislang auch noch keinerlei tragfähiges Konzept für Griechenland präsentiert. Eine Alternative zu einer Umschuldung wären demnach allenfalls von den Euro-Ländern gemeinsam garantierte Eurobonds mit weitaus geringeren Zinsen für die Schuldenländer, allerdings etwas höheren Zinsen für die Best-Performer. Laut Informationen des „Wall Street Journal“ sollen sich die 17 Regierungen der Euro-Länder bereits in einer „vorläufigen Vereinbarung“ auf eine Beteiligung des Finanzsektors in Form von längeren Rückzahlungsfristen und niedrigeren Zinsen in Höhe von insgesamt 30 Milliarden Euro geeinigt haben. Laut der US-Investmentbank Goldman Sachs sind die französischen und die deutschen Banken am stärksten in Griechenland engagiert: Größter Gläubiger Athens sei hierbei die französische BNP Paribas mit 5 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen, gefolgt von der belgischen Dexia mit 3,5 Milliarden, der Commerzbank mit 3 Milliarden und der Deutschen Bank mit 1,6 Milliarden Euro.

 

Branchen und Unternehmen:

MAN lehnt Übernahmeangebot von VW als zu billig ab
Der Lkw-Bauer MAN hat im Rahmen einer Pressemitteilung das Pflichtangebot zur Übernahme durch den Automobilkonzern Volkswagen abgelehnt. Grund ist das Angebot von VW über 95 Euro je Stammaktie, das sich gegenwärtig leicht unterhalb des Marktwertes von zuletzt 95,29 Euro je MAN-Aktie bewegte. Die Analysten von Independent Research sehen als Kursziel für die MAN-Aktie bei 108 Euro. VW hatte am 31. Mai das Pflichtangebot abgeben müssen, da die Wolfsburger ihren Anteil an MAN über die relevante 30-Prozent-Schwelle gehievt hatten. Parallel dazu wurde auch die kartellrechtliche Prüfung der möglichen Fusion eingeleitet, die im zweiten Halbjahr abgeschlossen sein dürfte. Der MAN-Vorstand und -Aufsichtsrat zeigten sich jedoch nach wie vor von den Vorteilen einer engeren Zusammenarbeit zwischen MAN, VW und dem schwedischen Lkw-Konkurrenten Scania überzeugt. Die Synergien werden in den Bereichen Beschaffung, Entwicklung und Produktion erwartet.

VW hatte zudem bereits zugesichert, die markenspezifischen Eigenschaften von MAN und alle Geschäftsfelder fortbestehen zu lassen, sowie den Firmensitz (München), alle Standorte und alle Stellen zu erhalten. Den Grund des niedrigen VW-Angebots sehen Beobachter in der Absicht der Wolfsburger, ihren MAN-Anteil zunächst nur auf 35 bis 40 Prozent aufstocken zu wollen.

Ende Mai hatte VW bereits seine Präsenz im MAN-Aufsichtsrat von drei auf fünf der acht Posten ausgebaut und auch erstmals einen Posten im Vorstand übernommen: Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen wechselte auf den neu geschaffenen Posten des Einkaufschefs in dem MAN-Vorstand.

Commerzbank sammelt 11 Mrd. und kauft sich Stück für Stück vom Staat frei
Die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut hat mit einer weiteren Kapitalerhöhung 5,3 Milliarden Euro erlöst. Die Kapitalerhöhung war notwendig, um die Stille Einlage des Bankenrettungsfonds SoFFin in Höhe von 16,2 Milliarden Euro aus der Zeit der Finanzkrise weitestgehend zurückzufahren. Die Rückzahlung in Höhe von insgesamt 14,3 Milliarden Euro setzt sich aus den 5,7 Milliarden Euro einer Wandelanleihe im Mai, 4,0 Milliarden aus der jetzigen Kapitalerhöhung und 3,3 Milliarden Euro aus freiem Kapital zusammen. Die verbleibenden 1,9 Milliarden Euro sollen spätestens 2014 abgelöst werden. Das Management der Bank strebt eine schnelle Loslösung vom Staat an, da während dieser Stützung die Vorstandsgehälter auf 500.000 Euro pro Jahr gedeckelt sind. Da der Bund die Kapitalerhöhung mitgemacht hat, bleibt der Staatsanteil zunächst bei 25 Prozent plus einer Aktie, was einer Sperrminorität entspricht.

Toshiba und Sony wollen gemeinsame Marktführer bei mobilen LCD-Panels werden
Die beiden japanischen Elektronikkonzerne Toshiba und Sony wollen ihre Produktion der LCD-Panels für Tablet-Computer, Smartphones und weitere mobile Geräte in ein Gemeinschaftsunternehmen zusammenlegen und damit den bisherigen Weltmarktführer Sharp überholen. Der teilstaatliche Investmentfonds Innovation Network Corporation soll Medieninformationen zufolge für bis zu 1,2 Milliarden Euro einen Anteil von bis zu 80 Prozent an dem Unternehmen erhalten. Mit staatlicher Unterstützung und Investitionen soll demnach die Stellung der Japaner auf dem Gebiet der kleinen LC-Displays gegen die südkoreanische und taiwanische Konkurrenz behauptet werden. Eine Einigung soll noch bis zum Ende des laufenden Monats erzielt werden.

Der bisherige Marktführer bei LCD-Bildschirmen Sharp hatte wenige Tage zuvor einen Strategiewechsel angekündigt. Demnach will sich Sharp künftig vor allem auf die kleinen Touch-Screens konzentrieren sowie auf Mega-Bildschirme ab einer Größe von 60 Inch. Das hart umkämpfte Mittelsegment von 20 bis 40 Inch mit geringeren Margen will Sharp nun vor allem chinesischen oder taiwanesischen Unternehmen überlassen. In diesem Bereich sind auch die sehr starken koreanischen Anbieter wie Samsung und LG mit einem Nachfrageschwund konfrontiert.

Top-Siemens-Manager Umlauft wechselt in MAN-Vorstand
René Umlauft (46), angesehener Siemens-Chef für Erneuerbare Energien, zieht in den MAN-Vorstand ein und wird künftig die MAN-Sparte Diesel & Turbo führen. Er folgt damit Klaus Stahlmann, der im Februar wegen einer möglichen Verstrickung in Schmiergeldzahlungen unerwartet zurücktreten musste. Laut Insider-Informationen habe Stahlmann kurz nach seinem Amtsantritt 2007 die Zahlung der letzten Rate in einem Bestechungsvorgang genehmigt, den sein Vorgänger bereits einige Jahre zuvor vereinbart hatte. Siemens bewertet den Weggang Umlaufts als großen Verlust.

 

Sonstiges:

Nanometall wechselt auf Knopfdruck zwischen hart und weich
Wissenschaftler der TU Hamburg, des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und des Metallforschungsinstituts in Shenyang, China, haben einen revolutionären Werkstoff entwickelt: Metallische Konstruktionswerkstoffe, die auf Knopfdruck in Sekundenschnelle ihre Festigkeit zwischen hart und weich, also formbar, ändern können. Durch das Einbringen in eine säurehaltige Lösung bilden sich nanostrukturierte Gänge und Löcher im Metall, in die dann eine leitfähige Flüssigkeit eingebracht wird. Durch ein elektrisches Signal wird dann in dem Hybridmaterial aus Metall und Flüssigkeit per Knopfdruck ein Wechsel der Materialeigenschaften ermöglicht, indem eine Stärkung oder Schwächung der atomaren Bindungen in der Oberfläche des Metalls als Folge des Einbaus zusätzlicher Elektronen erfolgt. So lässt sich nach Bedarf die Festigkeit des Materials verdoppeln oder aber ein weniger fester, dafür aber plastisch formbarer Zustand einstellen. Dies sei laut den beteiligten Wissenschaftlern ein „Durchbruch in den Materialwissenschaften“ für die vielfältigsten Anwendungsbereiche und dürfte ein bedeutender Beitrag zu der Entwicklung sogenannter smart materials, also intelligenter Materialien darstellen.
 

Extrem robuster Baustoff Holz durch Nano-Infiltrations-Verfahren
Wissenschaftler der Universität Innsbruck haben nach dem Vorbild von versteinertem Holz ein „Nano-Infiltrationsverfahren“ für den Baustoff Holz entwickelt. Der Baustoff Holz wird dafür in eine spezielle Imprägnierlösung aus Wasserglas und Kieselsol mit siliziumoxidischen Solen getaucht, wodurch sich in den oberflächennahen Bereichen Siliziumoxid-Nanopartikel in die Holzmatrix einlagert. Das Holz wird dadurch nicht brennbar, noch fester sowie wasser-, öl- und schmutzabweisend und ist auch gegen Pilze und Insekten geschützt. Dadurch erlangt billiges, heimisches Holz ähnliche Eigenschaften wie vergleichsweise teures Hartholz – was den Einschlag in den Tropen reduziert und dem Einsatz toxischer Holzschutzmittel entgegengewirkt. Das Material ist ungiftig und gilt als ökologisch unbedenklich. Der Baustoff Holz hat eine hohe Lebensdauer und ist, bezogen auf das Volumen, relativ leicht. Gleichzeitig ist es aber sehr steif und fest und hält hohen Belastungen stand ohne sich zu verformen oder zu brechen. Da Holz von Natur aus gut isoliert, lässt sich auch die energieeffiziente Bauweise mit diesem Baustoff besonders effizient realisieren.
 

Ladendiebstahl geht um 4,8% auf 3,7 Mrd. Euro zurück
Dem Einzelhandel wurden 2010 Waren im Wert von 3,7 Milliarden Euro geklaut. Das ist ein Rückgang von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser bislang deutlichste Rückgang sei auf bessere Sicherheitstechniken und Schulungen der Mitarbeiter zurückzuführen.

51,6 Prozent der Schadenssumme, oder 1,9 Milliarden Euro, wurden laut dem Handelsforschungsinstitut EHI in Köln demnach durch Ladendiebe verursacht (387.662 Delikte bei einer extrem hohe Dunkelziffer von 98 Prozent, also rund 30 Millionen unentdeckten Ladendiebstählen), 800 Millionen Euro bzw. 22,4 Prozent entfallen auf den „Mitnahmeeffekt“ durch die eigenen Mitarbeiter, der Rest entfalle auf Diebstähle bei Lieferanten und Reinigungspersonal (9,3 Prozent) oder durch organisatorische Fehler wie Falschauszeichnungen von Waren und Buchungsfehler (16,7 Prozent). Im Lebensmittelhandel sind die begehrtesten Diebesgüter kleine und teure Waren wie Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren. In Bekleidungsbranche sind vor allem Jeans, Jacken, Accessoires, Markenartikel sowie Dessous betroffen. Im Elektronikhandel werden am meisten Konsolenspiele, CDs, DVDs, Speicherkarten und Druckerpatronen an der Kasse vorbei geschmuggelt.  

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