Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 08.12.2010

1. EU-Kommission will härter gegen kriminelle Finanzmanager vorgehen:
2. EU-Kommission will Manipulationen am Strommarkt endlich Einhalt gebieten:
3. Ungarn konsolidiert unkonventionell den Haushalt und wird dafür herabgestuft:
4. Lidl schließt in der Schweiz Gesamtarbeitsvertrag ab:
5. Washington verkauft letzte Citigroup-Anteile mit Milliardengewinn:
6. Insolvenzverwalter des 65-Mrd.-Dollar-Betrügers Madoff klagt weiter gegen Banken:
7. USA verhaften Hunderte „kleiner Madoffs“ mit Schadenssumme über 10 Mrd. Dollar:
8. Deutscher Export geht um 1,1% leicht zurück:
9. Bundeskartellamt verhängt Bußgelder gegen zwölf Chemiegroßhändler:
10. Baden-Württemberg übernimmt 45% an EnBW:
11. Eon Ruhrgas droht Milliardenverlust:
12. Linienreederei Hapag-Lloyd prüft Börsengang:
13. Demag Cranes will sich durch Wachstum vor Übernahme schützen:
14. DB verkauft Arriva Deutschland an italienische Trenitalia:
15. Siemens darf eigene Bank gründen:
16. Siemens wechselt bei Bezahlung des Aufsichtsrats auf Pauschale:
17. Pilotenstreik bei Tuifly und Germania:

 

EU-Kommission will härter gegen kriminelle Finanzmanager vorgehen:
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat nun angekündigt, die Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen. Im nächsten Jahr sollen alle bestehenden Vorschriften für Finanzdienstleister in Europa überprüft, angleichen – und falls nötig – verschärft werden. Die hohe Kriminalität auf dem Markt für Finanzdienstleistungen müsse „mit Sanktionen und Geldstrafen bekämpft werden“. Die Verstöße sollten künftig sowohl strafrechtlich als auch zivilrechtlich verfolgt werden. Dies betreffe sowohl Hedgefonds, Börsenhändler als auch Bankmanager, die gegen europäische Regeln verstoßen.

 

EU-Kommission will Manipulationen am Strommarkt endlich Einhalt gebieten:
EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat angekündigt, die EU-Kommission wolle künftig
Manipulationen am europäischen Strommarkt verhindern
. Bereits 2009 wurden wegen Behinderung des freien Wettbewerbs und illegaler Absprachen auf Kosten der Verbraucher eine Kartellstrafe in Milliardenhöhe gegen Eon, das Tochterunternehmen Eon Ruhrgas und Gaz de France (GDF) ausgesprochen. Nun muss offenbar nochmals nachgelegt werden: Eine strengere Aufsicht soll den Insiderhandel und Marktmissbrauch auf dem Gas- und Strommarkt unterbinden. Die Regeln sollen dafür sorgen, dass die Energiepreise für den Verbraucher niedrig bleiben.

 

Ungarn konsolidiert unkonventionell den Haushalt und wird dafür herabgestuft:
Die Ratingagentur Moody’s und der IWF kritisieren Ungarns Erfolg bei der Haushaltskonsolidierung: Die Bonität des Landes wurde auf Baa3, eine Stufe über Ramschniveau herabgestuft. Hintergrund: Ungarn hält sich nicht an die IWF-Vorgaben (Streit im Juli 2010), ist aber dennoch sehr erfolgreich. Vermutlich wird es sogar die Maastrichtkriterien von 3% einhalten können. Dazu dient eine Bankenabgabe genauso, wie eine Rentenreform, die Privatrenten in das staatliche Rentensystem überführt. Genau das ist jedoch der vorgetragene Kritikpunkt. Die Konsolidierungsstrategie der konservativen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban beinhalte kaum Vorschläge für eine nachhaltige Sanierung. Die beiden Institutionen reiben sich vor allem an dem Ansatz Ungarns, per Bankenabgabe die Finanzbranche zu beteiligen, anstatt wie der Nachbar Rumänien die Mehrwertsteuer um 5% anzuheben, was vor allem die Bürger belastet. IWF-Musterknabe Rumänien kann jedoch statt Erfolge wie in Ungarn lediglich das scharenweise Abwandern der Industrie und ausländischer Unternehmen vorweisen.

 

Lidl schließt in der Schweiz Gesamtarbeitsvertrag ab:
Als erster Discounter hat Lidl in der Schweiz einen Gesamtarbeitsvertrag abgeschlossen. Die Gewerkschaften hatten seit Markteintritt von Lidl in der Schweiz im März 2009 darum gekämpft. Nun hat Lidl eingelenkt und bietet den Angestellten ab 1. März 2011 einen solchen Vertrag. Der GAV erstreckt sich auch auf Teilzeitangestellte und enthält eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 42 auf 41 Stunden und verbindliche Mindestlöhne. Demnach beträgt der Mindestlohn für eine 20-jährige, ungelernte Arbeitskraft 3.800 Franken ohne Zulagen, der 13 mal pro Jahr ausbezahlt wird. Alle Mitarbeitenden erhalten zudem fünf Wochen Ferien, Lernende und Angestellte über 50 Jahre sechs Wochen.

 

Washington verkauft letzte Citigroup-Anteile mit Milliardengewinn:
Die letzten 7 der anfangs 36% Anteile an der Citigroup will Washington noch bis Ende 2010 verkaufen. Die US-Großbank Citigroup hatte während der Finanzkrise teilverstaatlicht werden müssen. Der US-Steuerzahler schoss 45 Mrd. Dollar zu und wurde im Gegenzug größter Anteilseigner. Weil sich das Geldinstitut inzwischen gefangen hat und damit auch der Aktienkurs gestiegen ist, Dividenden auf Vorzugsaktien sowie Gebühren für Garantien gezahlt wurden, könnte die Rettung am Ende sogar ein deutliches Plus von rund 12 Mrd. Dollar ergeben.

 

Insolvenzverwalter des 65-Mrd.-Dollar-Betrügers Madoff klagt weiter gegen Banken:
Der Insolvenzverwalter im Betrugsfall Madoff, Irving Picard, hatte bereits am 24. November die Schweizer Großbank UBS auf zwei Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt. Nun hat er eine zweite Klage über 555 Mio. Dollar hinterher gelegt. Auch weitere Banken wie die britische HSBC sind in seinem Visier, da sie seiner Meinung nach dem Betrüger weitreichende Kompetenzen zugeteilt hätten, obwohl sie das betrügerische Vorgehen Madoffs gekannt hätten oder zumindest hätten kennen müssen. Daher müssten sie nun für Teile der Verluste der Madoff-Investoren aufkommen. Die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) hat derweil als erste größere Bank in einen bis zu 500 Mio. Dollar großen Vergleich eingewilligt. Die UBP bestreitet jede Verantwortung, will aber im Interessen ihrer Kunden das Kapitel für immer schließen. Madoff war 2008 wegen seines 65 Mrd. Dollar Betrugs (Schneeballsystem) zu 150 Jahren Haft verurteilt worden.

 

USA verhaften Hunderte „kleiner Madoffs“ mit Schadenssumme über 10 Mrd. Dollar:
Nach dreieinhalb Monaten Ermittlungen hat die US-Justiz Hunderte von mutmaßlichen Anlagebetrügern festgenommen. Durch Schneeballsysteme und andere illegale Tricks sollen sie mehr als 120.000 Personen um über 10 Milliarden Dollar geprellt haben. FBI-Vizedirektor Shawn Henry: „Die Operation unterstreicht die Ausmaße des Problems und die Folgen für Menschen aus allen Lebensbereichen.“

 

Deutscher Export geht um 1,1% leicht zurück:
Der Export deutscher Unternehmen hat im Oktober gegenüber dem Vormonat leicht um 1,1% auf 86,8 Mrd. Euro abgenommen (+19,8% im Vergleich zum Vorjahr). Im September hatte das Umsatzplus noch 3,0% betragen. Die Importe stiegen auf den bisherigen Rekordwert von 72,6 Mrd. Euro. Hochgerechnet auf den Zeitraum Januar bis Oktober liegt das Umsatzplus insgesamt bei 19,1%. Für das gesamte Jahr 2010 rechnet der Exportverband BGA mit einem Wachstum von 16% auf 937 Mrd. Euro, der stärkste Zuwachs seit zehn Jahren. Im kommenden Jahr 2011 soll dann erstmals die Billionengrenze geknackt werden. Die Auslandsaufträge der exportabhängigen Industrie legten im Oktober um 0,8% zu. Die Inlandsaufträge legten drei Mal so stark zu, womit sich die wichtige Binnenkonjunktur zu konsolidieren scheint. Dies ist wichtig, um die extrem exportabhängige Industrie unabhängiger und damit widerstandsfähiger gegen exogene Schocks zu machen.

 

Bundeskartellamt verhängt Bußgelder gegen zwölf Chemiegroßhändler:
Wegen Absprache der Preise und Lieferquoten für standardisierte Chemikalien hat das Bundeskartellamt Bußgelder in Höhe von 15,11 Millionen Euro gegen zwölf Chemiegroßhändler ausgesprochen (umfassende Kooperation der Unternehmen hat sich Vorteilhaft auf die Höhe der Strafe ausgewirkt). Die Absprachen hätten teilweise über mehrere Jahrzehnte hinweg den Wettbewerb beeinträchtigt. Nach der Aufdeckung des „weitverzweigten Netz regionaler Kartelle“ hoffen die Wettbewerbshüter nun auf positive Effekte für den Wettbewerb. Gegen 16 weitere Unternehmen werde noch ermittelt. Laut dem Handelsblatt fielen die Bußgelder jedoch weniger drastisch aus als möglich, da alle Firmen "umfassend" mit den Kartellwächtern kooperiert hätten.

 

Baden-Württemberg übernimmt 45% an EnBW:
Baden Württemberg kauft für 4,7 Milliarden Euro die 45% Anteile an dem deutschen Energieriesen EnBW von dem staatlichen französischen Energiekonzern EDF zurück (Verkauf: 2001). Das Land plant, den drittgrößten deutschen Energiekonzern komplett zu übernehmen. Der Löwenanteil der restlichen Aktien liegt mit ebenfalls 45% bei einem Zusammenschluss kommunaler Energieversorger im südlichen Baden-Württemberg, dem Zweckverband der oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW). OEW will keine Aktien an das Land verkaufen, die restlichen freien Aktionäre erhalten ein Übernahmeangebot. Mittelfristig soll der Versorger einen Platz im Dax finden.

 

Eon Ruhrgas droht Milliardenverlust:
Das Geschäftsmodell von Eon Ruhrgas ist zusammengebrochen: Im vierten Quartal wird erstmals in der Unternehmensgeschichte ein Verlust im Gashandel eingefahren. 2011 drohe sogar ein Minus von bis zu einer Milliarde Euro. Hintergrund ist, dass der Spotmarktpreis aufgrund einer zunehmenden Gasschwemme (unkonventionelles Gas aus den USA, Flüssiggasimporte) immer weiter unter den Preis fällt, den Eon Ruhrgas langfristig dem russischen Geschäftspartner garantiert hat. Dieser hängt wiederum an der unsäglichen Ölpreisbindung ab: Um angeblich Spekulationen mit Erdgas vorzubeugen haben sich Förderländer wie Russland und Norwegen auf die Bindung an den Ölpreis verständigt. Bislang warf das auch für die großen deutschen Gasimporteure außerordentliche Gewinne ab, nun hat sich jedoch der Spieß umgedreht. Eon Ruhrgas drängt darher seine Gaslieferanten zu mehr Flexibilität, die langfristigen Lieferverträge sollen aufgeweicht werden. Die Stellschrauben in den Verträgen müssten neu justiert und die Preise an die Entwicklungen in den Märkten angepasst werden.

 

Linienreederei Hapag-Lloyd prüft Börsengang:
Deutschlands größte und die fünftgrößte Container-Linienreederei der Welt, Hapag-Lloyd, sucht strategische Investoren und prüft als Alternative einen Börsengang. Die Hamburger Holding Albert Ballin (Konsortium aus der Stadt Hamburg, dem Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, den Banken M.M. Warburg und HSH Nordbank sowie den Versicherungen Signal Iduna und HanseMerkur) ist derzeit mit rund 57% Mehrheitseigner – allerdings fehlen bei den einen der Wille, bei den anderen die Mittel, die Anteile weiter aufzustocken. Die derzeitige Nummer zwei und bis 2008 Mehrheitseigner ist TUI. TUI kann seine Anteile bis Jahresende sogar wieder auf 49,8% ausbauen, wenn es seine Darlehen in Eigenkapital umwandelt, allerdings wollte TUI den Reeder bereits 2008 vollständig verkaufen. Daher bleiben wohl nur die beiden Möglichkeiten des Eintritts strategischer Investoren oder der Börsengang.

 

Demag Cranes will sich durch Wachstum vor Übernahme schützen:
Der deutsche Kranhersteller Demag Cranes hat für die kommenden drei Jahre ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 10% angekündigt, der Gewinn soll noch stärker zulegen. Grund der Expansionsstrategie ist das vorerst abgewehrte Übernahmeangebot seitens der skandinavischen Konecranes und der US-amerikanischen Terex vom Herbst dieses Jahres. Die Demag-Aktie hatte daraufhin um rund ein Drittel zugelegt, woraufhin den beiden Kontrahenten die Übernahme zu teuer wurde, sie behalten sich jedoch weiterhin eine Offerte offen. Daher muss Demag Cranes den Aktienkurs stabil halten. Die nun angekündigte Expansionsstrategie mit dem Ausbau der Kapazitäten in den Schwellenländern soll das sicherstellen.

 

DB verkauft Arriva Deutschland an italienische Trenitalia:
Die Deutsche Bahn hat mit dem Konsortium aus der italienischen Trenitalia und dem luxemburgischen Infrastrukturfonds „Cube“ den Vertrag über den Kauf der Arriva Deutschland gezeichnet. Die Entscheidung für die Italiener und gegen die französische Veolia mit dem Fonds Antin ist dabei offenbar aus strategischen Erwägungen getroffen worden: Veolia ist bereits ein Konkurrent der Bahn AG in Deutschland. Die DB hatte sich aus wettbewerbsrechtlichen Gründen von Arriva Deutschland trennen müssen. Nach Informationen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats zahlt die italienische Staatsbahn knapp 170 Millionen Euro für das Zug- und Busgeschäft. Das Unternehmen sei zwar mit rund 340 Millionen Euro bewertet worden, der Preis habe sich aber wegen einer Reihe von Sonderregelungen und Haftungsübernahmen reduziert.

 

Siemens darf eigene Bank gründen:
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat dem Münchner Elektronikriesen Siemens die Gründung einer eigenen Bank genehmigt. Mit der Bank will der Konzern unabhängiger von Kreditinstituten werden. Sie soll Kredite im Rahmen von Projekt- und Investitionsfinanzierungen anbieten und damit die Absatzfinanzierung nachhaltig unterstützen. Speziell bei den Autoherstellern (VW, Daimler, BMW) sind eigene Kreditinstitute gängig, um Autokäufe verhältnismäßig günstig zu finanzieren. Das Geldhaus mit Sitz in München werde mit einem Eigenkapital von 250 Mio. Euro ausgestattet, so dass es 2 Mrd. Euro an Krediten vergeben kann. Zunächst wird das Institut nur in Deutschland vertreten sein, die Aufnahme grenzüberschreitender Geschäfte sei jedoch geplant. Auch der Einstieg ins Privatkundengeschäft sei nicht vorgesehen, es sollen also keine allgemeinen Finanzdienstleistungen angeboten werden. Bevorzugte Kunden seien Unternehmen, die öffentliche Hand und Projektgesellschaften, die bei konventionellen Kreditinstituten keine adäquate Finanzierung bekämen. Diese Siemens-Kunden sollen künftig Siemens-Geld für den Kauf von Siemens-Produkten erhalten.

 

Siemens wechselt bei Bezahlung des Aufsichtsrats auf Pauschale:
Siemens streicht seinen Aufsichtsräten die Gewinnbeteiligung und stellt auf reine Pauschalen um. Begründung: da sich „der Umfang der Arbeitsbelastung und das Haftungsrisiko der Aufsichtsratsmitglieder sich in aller Regel nicht parallel zum geschäftlichen Erfolg entwickelt“. Gerade in schwierigen Zeiten und unter Umständen rückläufigen Ergebnissen sei das Gremium besonders stark gefordert. 23 der 30 DAX-Firmen bezahlen ihre Aufseher noch erfolgsabhängig, wobei in den meisten Fällen die Tantieme das Festgehalt übersteigt.

 

Pilotenstreik bei Tuifly und Germania:
Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hat knapp 700 Piloten der beiden Fluggesellschaften Tuifly und Germania zu Warnstreiks aufgerufen. Bei Tuifly geht es um bessere Arbeitsbedingungen (Manteltarifvertrag zu Verbesserung der Arbeitsbedingungen), bei Germania die Gründung eines Piloten-Betriebsrates. Die Geschäftsführung von Germania habe sich mehrmals geweigert, in Verhandlungen zu treten.

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