Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 09.02.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Euro- und EU-Gipfeltreffen Mitte und Ende März:
2. Obama fordert US-Unternehmen zum Billionen-Patriotismus auf:
3. Russland trotzt mit Exportverbot für Getreide der weltweiten Preisexplosion:

Infrastrukturprojekte:

4. Russland, Aserbaidschan und Iran mit gemeinsamen Eisenbahnprojekt:
5. Jordanien will noch im Februar über AKW-Bau entscheiden:

Branchen und Unternehmen:
6. Privatinsolvenzen nehmen EU-weit zu, bei Unternehmen rückläufig:
7. Börsen von London und Toronto erwägen Zusammenschluss:
8. Toyota erhält durch NASA-Studie Aufwind in größter Pannenserie:
9. Fiat erwägt Verlegung des Hauptsitzes nach Detroit – Berlusconi alamiert:
10. Deutsche Bank übertreibt angesichts drohender Niederlage vorm BGH:
11. Russische Fusion erzeugt zweitgrößten Kalidüngerhersteller der Welt:
12. US-Erdölriese ConocoPhillips aus der russischen Nr.2 LUKoil ausgestiegen:

 

Wirtschaftspolitik:

 

Euro- und EU-Gipfeltreffen Mitte und Ende März:
Voraussichtlich am 13. März sowie am 24./25. März werden richtungsweisende Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs stattfinden. Mitte März werden sich zunächst die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten treffen, Ende März folgen die EU-27. Im Fokus werden die Erörterung ökonomischer und finanzieller Probleme der EU-Länder stehen, die Erfüllung der Programme zur Sanierung der Haushalte in der Euro-Zone, sowie auch die weitere Ausgestaltung des Euro-Rettungsfonds und die Fortschritte bei Ländern wie Griechenland und Irland.

 

Obama fordert US-Unternehmen zum Billionen-Patriotismus auf:
Der US-Präsident Obama hat vor der einflussreichen Handelskammer in Washington die US-Unternehmer zu massiven Investitionen im eigenen Land aufgerufen. Diese verfügen über rund 2 Bio. Dollar an Bargeldreserven. Erwartet werden immense Zukäufe im Ausland. Allerdings schwor Obama die Wirtschaftselite auf die US-Wirtschaft ein: Mit dem Geld könnten Arbeitsplätze in den USA geschaffen und so die Nachfrage und damit die Konjunktur angekurbelt werden, „wir können einen positiven Kreislauf schaffen“. Die Unternehmen trügen letztlich ebenso viel Verantwortung für die wirtschaftliche Erholung wie die Regierung, die Profite sollten stärker für das Allgemeinwohl eingesetzt werden, anstatt in hohe Boni oder ins Ausland zu fließen.

 

Russland trotzt mit Exportverbot für Getreide der weltweiten Preisexplosion:
Vergangenen Sommer hatte Russland ein Exportverbot für Getreide verhängt. Hintergrund waren die Ernteausfälle aufgrund des ungewöhnlich heißen Sommers und der verheerenden Waldbrände auf nahezu dem gesamten Territorium. Laut ersten Analysen hat das Exportverbot die Inlandspreise von den exorbitanten spekulationsgetriebenen Preissteigerungen auf dem Weltmarkt geschützt. Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) stieg der Nahrungsmittelpreisindex den siebten Monat in Folge und hat derzeit seinen absoluten Höchststand erreicht. Derzeit bunkern viele unverantwortliche Investoren virtuell riesige Mengen Lebensmittel in ihren „Kellern“, um es dann mit Gewinn an die ärmsten und hungrigsten weltweit zu verkaufen. Da diese meist über keinerlei finanziellen Spielraum verfügen, wird international schon vor erneuten Hungerrevolten wie 2008 gewarnt. Rund 50 der ärmsten Länder sind bedroht, das Verbot von Spekulationsgeschäften auf Lebensmittel wird vehement gefordert. Russland hat nun begonnen, aus staatlichen Vorräten am heimischen Markt zu intervenieren und will bis zum 1. Juli jeden Monat bis zu 500.000 Tonnen Getreide verkaufen, um den Preisanstieg zu drücken. Russland forderte die Welt auf, die positiven Erfahrungen dieser Getreide-Interventionen zu nutzen. Vorrangig dürfte jedoch das absolute Verbot von Spekulationen auf Lebensmittel sein.

 

Infrastrukturprojekte:

 

Russland, Aserbaidschan und Iran mit gemeinsamen Eisenbahnprojekt:
Die drei Anrainer des Kaspischen Meeres, Russland, Aserbaidschan und der Iran haben eine Kooperation zum gemeinsamen Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Rasht (Iran / größte Stadt des südkaspischen Tieflands) und Astara (Aserbaidschan / auf dem Weg zur wichtigen Erdölstadt Baku) vereinbart. Der russische Bahnchef Wladimir Jakunin: „Mit dem Projekt zum Bau der Strecke Rasht-Astara wollen die Eisenbahnen der drei Länder ihre Kooperation festigen.“ Eisenbahnen gelten als strategische Investition in die Infrastruktur und als Voraussetzung für die Anbindung von industriellen Zentren.

 

Jordanien will noch im Februar über AKW-Bau entscheiden:
Jordanien plant ein erstes Atomkraftwerk. Bereits 2009 wurde mit Russland ein Abkommen über die Kooperation bei der friedlichen Nutzung von Atomkraft unterschrieben. Über den letztendlichen Partner des 4-5 Mrd. Dollar Projekts, dessen Bauphase auf 2014-2019 datiert ist, soll noch diesen Monat entschieden werden. Dem strategische Investor werde 50-70% der Anteile an dem Projekt angeboten.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Privatinsolvenzen nehmen EU-weit zu, bei Unternehmen rückläufig:
Die Anzahl der Privatinsolvenzen stieg 2010 europaweit um 5,2%, in Deutschland sogar um 7,6% auf fast 140.000 Personen (+19.000). Bei einigen Ländern wird dieser Wert übertroffen: So meldeten in Großbritannien 160.000 Menschen Privatinsolvenz an. Bereits seit 2005 wird ein kontinuierlicher Anstieg der Privatinsolvenzen verzeichnet. Auch 2011 dürfte wieder annähernd den Stand von 2010 erreichen. Unternehmensinsolvenz hingegen waren rückläufig: Europaweit um 1,4%, in Deutschland um 2,5% (auf 32.100 Unternehmen). Dennoch wurde nach dem Rekordwert 2009 in 2010 der zweithöchste Wert seit zehn Jahren erreicht, der rund 1,4 Mio. Menschen den Arbeitsplatz gekostet haben dürfte.

 

Börsen von London und Toronto erwägen Zusammenschluss:
Die Börsen von Toronto und London planen eine Fusion „unter Gleichen“. Demnach hätte die neue Börse dann einen doppelten Sitz in der britischen Hauptstadt und der kanadischen Metropole und käme auf einen Börsenwert von rund 5,5 Mrd. Pfund (6,5 Mrd. Euro). Beide Staaten könnten über ihre Aufsichtsbehörden dann die neue Börse überwachen. In London und Toronto sind derzeit unter anderem die größten Bergbaukonzerne der Welt gelistet. Der Zusammenschluss zur größte Handelsplattform für Aktien von Bergwerk-Unternehmen würde somit in den Zeiten galoppierender Rohstoffpreise ein neues Schwergewicht erzeugen.

 

Toyota erhält durch NASA-Studie Aufwind in größter Pannenserie:
Toyota hatte zur Jahreswende 2009/2010 weltweit mehr als acht Millionen Wagen wegen „ungewollter Beschleunigung“ zurückrufen müssen, was das Image des japanischen Weltmarktführers schwer beschädigt hatte – der Schaden ging in die Milliarden. Der US-Kongress hatte daraufhin eine Studie angestrengt, die u.a. von NASA-Experten durchgeführt wurde. Diese Studie entlastet nun Toyota: Die Elektronik (elektromagnetische Störungen) treffe keine Schuld, vielmehr waren die Probleme mechanischer Natur und auch viele Fahrer machten Fehler (verwechselten Bremse und Gas). US-Verkehrsminister Ray LaHood: Es habe nur zwei Gründe gegeben, weswegen die Autos von Toyota ohne das Zutun der Fahrer beschleunigt hätten, rutschende Fußmatten und klemmende Gaspedale, die zu langsam in die Ausgangsposition zurückkamen. Für Toyota ist das Ergebnis dieser Studie, dass keine ungewollte Beschleunigung stattgefunden habe, bei den laufenden Gerichtsverhandlungen über Schadenersatz für die Unfallopfer und Hinterbliebenen „Gold“ wert. Die Aktie stieg nach dem Bekannt werden der Studie um 4%.

 

Fiat erwägt Verlegung des Hauptsitzes nach Detroit – Berlusconi alamiert:
Der italienische Autobauer Fiat hat Überlegungen geäußert, nach einer Fusion mit Chrysler den Firmensitz in den USA zu verlegen. Fiat plant innerhalb der nächsten Jahre die Mehrheit an Chrysler zu erwerben und kann sich dann anschließend eine Fusion mit Sitz in Detroit vorstellen. Regierungschef Berlusconi und die Gewerkschaften verlangen eine Konkretisierung der Pläne. Detailliert werden soll auch der 2010 verkündete Fiat-Plan „Fabbrica Italia“, der Investitionen in Höhe von 20 Mrd. Euro in Italien und eine Verdopplung der jährlichen Autoproduktion auf 1,4 Mio. Fahrzeuge bis 2014 vorsieht.

 

Deutsche Bank übertreibt angesichts drohender Niederlage vorm BGH deutlich:
Der Bundesgerichtshof BGH urteilt derzeit über eine Klage des mittelständischen Hygienebedarfsherstellers Ille gegen die Deutsche Bank. Hintergrund sind riskante Zinswetten („Spread Ladder Swap“), mit denen eigentlich Zinsen gespart werden sollten, Ille aber schließlich 540.000 Euro Verlust einbrachten. Rund 200 Mittelständlern und Kommunen hatten bei der Deutschen Bank Zinsswaps gekauft, die sich im Verlauf der Finanzkrise negativ entwickelten. Die Verfahren, die daraufhin folgten, hat die Bank in erster und zweiter Instanz gewonnen. Die letzte Berufungsinstanz BGH ließ jedoch durchblicken, dass eine Entscheidung zugunsten des klagenden Mittelständlers wahrscheinlich ist, da dass die Deutsche Bank ihre Fürsorgepflicht verletzt habe und Ille nicht über die für das Unternehmen ungünstige Struktur des Zinsswaps aufgeklärt habe. Die Urteilverkündung wurde jedoch auf den 22. März verschoben. Kritik erntete die Aussage einer der Anwälte der Bank, der im Falle einer Entscheidung gegen die Bank eine „zweite Finanzkrise“ aufziehen sieht. Dies sei angesichts der finanziellen Dimension allerdings stark übertrieben, kommentiert „Die Welt“. Offenbar befürchtet die Bank engere Leitplanken für ihre Geschäfte.

 

Russische Fusion erzeugt zweitgrößten Kalidüngerhersteller der Welt:
Kali ist ein wichtiger Bestandteil von Kunstdünger und erfährt aufgrund des weltweiten Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Notwendigkeit der Ausweitung der Landwirtschaft (Ernährungssicherung) eine exponential steigende Bedeutung. Branchenführer ist der kanadische Konzern Potash. Durch die Fusion der russischen Chemiekonzerne Uralkali und Silvinit entsteht nun eine neue Nummer zwei auf dem Weltmarkt. Uralkali wird an der Moskauer RTS-Börse mit 16,4 Mrd. Dollar, Silvinit mit 7,6 Mrd. Dollar bewertet (zusammen 24 Mrd. Dollar). Branchenführer Potash hat einen Marktwert von rund 42 Mrd. Dollar. Potash produziert im Schnitt 12,8 Mio. Tonnen Kaliumchlorid im Jahr, die beiden russischen Konzerne etwa 10,6 Mio. Tonnen.

 

US-Erdölriese ConocoPhillips aus der russischen Nr.2 LUKoil ausgestiegen:
Der US-Ölkonzern ConocoPhillips ist aus dem Kapital von Russlands zweitgrößtem und zugleich größtem privaten Ölförderer LUKoil ausgestiegen und hat den Verkauf der restlichen Anteile auf dem freien Markt abgeschlossen. Der Beginn des Ausstiegs begann 03-2010 und sollte sich ursprünglich über drei Jahre hinziehen. Bis dahin war ConocoPhillips mit rund 20% der Anteile Großaktionär bei LUKoil gewesen (rund 8,6 Mrd. Dollar).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.