Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 10.06.2011

Wirtschaftspolitik und Internationales:
1. Wüstenstrom-Projekt Desertec mit erstem Referenzprojekt in Marokko
2. OPEC: Wie man mit Erdöl den Markt täuschen und extra Geld verdienen kann
3. OPEC-Chef wettert gegen Spekulanten – 35-mal mehr Öl gehandelt als gefördert
4. China überholt offiziell USA als größten Energieverbraucher
5. Die afrikanischen Best-Performer im Wirtschaftswachstum
6. Wegen ungeklärter Kostenfrage vorerst kein Baustopp bei Stuttgart 21

Wirtschaft und Unternehmen:
7. Europäische Konzerne steigern Umsatzrendite auf 7,3 Prozent
8. Opel weist Verkaufsgerüchte Seitens GM als Spekulation zurück
9. Rechte Hand Winterkorns wechselt in Audi-Vorstand

Sonstiges:
10. Intelligenter Wundverband zeigt Heilungsfortschritt an
11. Australien überlegt CO2-Zertifikate für getötete Kamele
12. Penthouse für 240 Mio. Euro – die teuersten Städte Europas

 

Wirtschaftspolitik und Internationales:

 

Wüstenstrom-Projekt Desertec mit erstem Referenzprojekt in Marokko
Die Desertec-Planungsgesellschaft Dii hat am Donnerstag mitgeteilt, eine Absichtserklärung mit der marokkanischen Regierung über ein erstes Referenzprojekt für ein Solarkraftwerk vereinbart zu haben. Die Wahl von Marokko liege dabei vor allem daran, dass zwischen dem Königreich und Spanien bereits eine moderne Stromverbindung existiert, sowie dass Marokko selbst über keine nennenswerten Energieressourcen verfügt und daher ein großes Interesse an der Solarenergie habe, um seine Abhängigkeit von Stromimporten zu reduzieren. Mit Tunesien wird derzeit ebenfalls eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Bis 2012 sollen konkretere Pläne für das Projekt vorliegen. Nach bisherigen Angaben sollen bis 2050 insgesamt 400 Milliarden Euro investiert werden, um die Energieversorgung in den Erzeugerländern (Nordafrika) zu erheblichen Teilen, sowie 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs zu decken.

 

OPEC: Wie man mit Erdöl den Markt täuschen und extra Geld verdienen kann
Die Organisation Erdöl exportierender Staaten OPEC hatte am Mittwoch eine Erhöhung der Förderquote des Schwarzen Goldes abgelehnt. Dies war international gefordert worden, um ein drohendes Abschwächen der weltwirtschaftlichen Dynamik entgegenzuwirken. Hintergrund: Je teurer das Öl, desto geringer das Wachstum in den Verbraucherländern, desto geringer dann in der Folge die Nachfrage nach Öl und desto geringer schließlich dann auch die Erlöse der Produzenten. Die Ölförderer versuchen daher, den Preis weder zu hoch noch zu niedrig zu halten. Die Stellschraube ist dabei die Fördermenge. Und diese ist seit Ende 2008 auf dem tiefsten Niveau seit 2004. Denn während der Krise war die Nachfrage gering und während des gegenwärtigen Booms freuen sich die OPEC-Staaten über den Höhenflug des Ölpreises und das Klingeln im Staatssäckchen. Pikant ist allerdings, dass die Fördermenge offiziell auf dem niedrigen Stand verharrt, um den Ölpreis und damit die Einnahmen hoch zu halten. Allerdings wird von den Produzenten nebenher soviel Öl an den Markt geschleust wie lange nicht mehr. Ziel: Offiziell wenig angeben, Preis hochhalten und dann nebenher den Markt zu dem teuren Preis bedienen. Der von diversen Quellen gemessene reale Output übersteigt die erlaubte Fördermenge so stark wie schon lange nicht mehr. Der größte Produzent Saudi-Arabien beispielsweise fördert rund 9 Millionen Barrel pro Tag, das sind eine Millionen Barrel (!) mehr als seine OPEC-Vorgabe (ein Fass Öl hat einen Gegenwert von derzeit rund 120 Dollar, die Differenz allein für Saudi-Arabien beträgt also 120 Millionen Dollar pro Tag, das macht 43,8 Milliarden Dollar aufs Jahr gerechnet). Iran fördert rund 300.000 Barrel mehr als vorgesehen – pro Tag. Laut der Neuen Züricher Zeitung trifft das auf alle OPEC-Mitglieder bis auf Libyen zu.

 

OPEC-Chef wettert gegen Spekulanten – 35-mal mehr Öl gehandelt als gefördert
Der OPEC-Generalsekretär Abdullah El-Badri hat am Rande des World Economic Forums (WEF) in Wien die Entscheidung, die Ölfördermengen vorerst nicht zu erhöhen, verteidigt und stattdessen die Spekulanten im Ölgeschäft hart attackiert: „Es gibt genug Öl auf dem Markt und die Lager sind gut gefüllt.“ Es werde allerdings täglich 35-mal so viel Öl gehandelt wie verbraucht. So solle laut El-Badri niemand den Tatbestand von sich weisen, es würde keine Spekulation geben. Falls der reale Ölbedarf tatsächlich steigen sollte, würde es auch genug Kapazitäten geben, um die Produktion anzuheben. Es liege nun daher an den Regierungen der USA und der EU-Länder, Maßnahmen gegen die spekulationsbedingten Preisschwankungen zu ergreifen.

 

China überholt offiziell USA als größten Energieverbraucher
Die Meldung ging schon im Juli 2010 um die Welt: China habe im Gesamtjahr 2009 erstmals mehr Energie verbraucht als die USA (noch im Jahr 2000 hatten die USA dreimal so viel Energie verbraucht wie das Reich der Mitte). Allein Peking dementierte: Die Zahlen seinen falsch und zu hoch angegeben. Die aktuellen Zahlen von BP für das Gesamtjahr 2010 lassen jedoch keinen Zweifel mehr an dem zweifelhaften Ruhm des größten Energieverbrauchers. China steht für 20,3 Prozent der weltweit verbrauchten Energie (+11,2 Prozent) – die USA für 19 Prozent (+3,7 Prozent). China hat zudem 48 Prozent der weltweit verbrauchten Kohle konsumiert. Die USA hingegen sind noch der weltweit größte Ölkonsument mit 21 Prozent der Gesamtmenge. Die gesamte weltweite Nachfrage nach Energie ist angesichts der überwundenen Krise und des damit zusammenhängenden Einbruchs 2009 wieder um 5,6 Prozent gestiegen – so stark wie seit 1973 nicht mehr.

 

Die afrikanischen Best-Performer im Wirtschaftswachstum
Die OECD hat in einer Studie die wachstumsstärksten afrikanischen Länder aufgelistet. Der Rangfolge nach: Ghana dürfte aufgrund der jüngst entdeckten Ölreserven vor der Küste und als einer der führenden Kakaoerzeuger der Welt in diesem Jahr um 12 Prozent wachsen, 2010 waren es 5,9 Prozent. Das ölreiche Angola erwartet dieses Jahr 7,5 Prozent, 2010 waren es 3,4 Prozent. Äthiopien weist keine Bodenschätze auf, wächst aber Dank Landwirtschaft und wachsendem Dienstleistungssektor (Schuhproduktion) mit 10 Prozent, 2010 waren es 8,8 Prozent. Das Uranland Niger erwartet 4,9 Prozent in diesem Jahr, im letzten waren es 5,5 Prozent. Das um die Jahrtausendwende von einem furchtbaren Bürgerkrieg geplagte Liberia erwartet aufgrund der Palmölindustrie, Eisenerz und Diamanten 7,3 Prozent in 2011, nach 6,1 Prozent in 2010. Finanzdienstleistungen, Industrie- und Konsumprodukte lassen das von dem Genozid Mitte der 1990er Jahre heimgesuchte Ruanda um 6,5 Prozent in 2011, nach 7,4 Prozent in 2010 wachsen. Das Schwellenland Südafrika wächst konstant weiter, dieses Jahr um 3,6 Prozent (2010: 2,8 Prozent).

 

Wegen ungeklärter Kostenfrage vorerst kein Baustopp bei Stuttgart 21
Die grün-rote Landesregierung hat auf einen förmlichen Antrag für einen weiteren Baustopp für das zur Disposition stehende Bahnprojekt Stuttgart 21 verzichtet. Grund ist die ungeklärte Frage der Kostenübernahme. Bis zum Ende des gegenwärtigen Stresstests Mitte Juli belaufen sich diese auf geschätzte 50-60 Millionen Euro, bis zu einer möglichen Volksabstimmung im Oktober auf ca. 410 Millionen Euro. Hätte die Landesregierung den Antrag gestellt, hätte sie sich auch an den Kosten beteiligen müssen. Stattdessen hat sie nun die Erwartung geäußert, dass der Baustopp bis zur Veröffentlichung des Stresstests verlängert wird. Ob an dem unterirdischen Bahnhof weitergebaut werde, liege nun an der Bahn. Die Deutsche Bahn ihrerseits forderte eine Kostenübernahme des Landes, wenn die Bauarbeiten weiter ausgesetzt werden. Das Projekt hat insgesamt ein Volumen von 4,1 Milliarden Euro.

 

Wirtschaft und Unternehmen:

 

Europäische Konzerne steigern Umsatzrendite auf 7,3 Prozent
Ein Vergleich der 500 größten börsennotierten Handels-, Dienstleistungs- und Industrieunternehmen in Europa und den USA für das Geschäftsjahr 2010 ergab, dass die europäischen Konzerne erstmals seit vier Jahren – und überhaupt erst zum zweiten mal –profitabler als ihre US-Konkurrenz waren. In Europa stiegen die Nettoumsatzrenditen um rund 50 Prozent von 4,8 auf 7,3 Prozent. Die Marge in den USA stieg hingegen nur von 6,1 auf 7,2 Prozent. Die Nettoumsatzrendite gibt den Gewinn an, der nach Abzug aller Kosten und Steuern vom Umsatz verbleibt. Die 500 größten europäischen Konzerne steigerten ihr Ergebnis insgesamt um 74 Prozent auf 501 Milliarden Euro – nur noch 7 Prozent unterhalb des Rekordwerts von 2007. Mit Infineon, SAP, ProSiebenSat.1 und Wacker Chemie haben vier börsennotierte deutsche Unternehmen Umsatzrenditen von mehr als zehn Prozent erzielt. Das europaweite Top-Ranking bei den Umsatzrenditen führt Portugal Telecom an (Umsatzrendite 154,1% bei einem Nettoergebnis von 5.672 Mio. Euro), vor dem Hotelkonzern Accor (F / 60,5% / 3,600 Mrd. Euro) und dem Bergbaukonzern Kazakhmys (GB / 44,8% / 1,097 Mrd. Euro). Das höchste Nettoergebnis realisierte hingegen der Lebensmittelriese Nestlé (CH / 32,7% / 27,378 Milliarden Euro).

 

Opel weist Verkaufsgerüchte Seitens GM als Spekulation zurück
Die deutsche Tochter Opel ist das Innovationsherz der US-Mutter General Motors. Hier finden bedeutende Entwicklung bei der Elektromobilität und der Verbrauchssenkung statt. Allerdings geht den US-Amerikanern die Sanierung des Rüsselsheimer Autobauers angeblich nicht schnell genug voran. Die jüngst aufkeimenden Verkaufsgerüchte weist Opel-Chef Stracke jedoch zurück. Bereits 2009 wollte die Konzernzentrale von GM in Detroit Opel verkaufen – der Deal wurde damals in letzter Sekunde wieder abgeblasen und entschieden, Opel doch selbst zu sanieren. Laut Stracke habe Opel die Gewinnschwelle im ersten Quartal bereits wieder erreicht. Mittlerweile hat auch der Mutterkonzern GM die Meldungen dementiert.

 

Rechte Hand Winterkorns wechselt in Audi-Vorstand
Wendelin Göbel, Generalsekretär des Autokonzerns VW, gilt als einer der engsten Vertrauten und als „rechte Hand“ des VW-Chefs Martin Winterkorn. Göbel soll nun laut unbestätigten Medienmeldungen als Einkaufschef in den Vorstand der VW-Tochter Audi nach Ingolstadt wechseln. Er würde damit Ulf Berkenhagen nachfolgen, der als Beschaffungsvorstand in den MAN-Vorstand wechselt. Göbel, gelernter Verlagskaufmann und Wirtschaftsingenieur, kennt Audi bereits aus der Innenansicht: Er hat dort während des Studiums seine Diplomarbeit geschrieben und dann anschließend Ende der 1980er Jahre als Sachbearbeiter in der Abteilung Technische Betriebswirtschaft, später im Einkauf und als Verantwortlicher für China gearbeitet. Eine große Herausforderung als Einkaufschef dürfte die hohe Votalität bei Rohstoffen sein. So ist der Preis für Stahl binnen zwölf Monaten um rund 14 Prozent gestiegen. Hierzu der Berater Sven Marlinghaus von Brainnet: „Rund 70 bis 80 Prozent der Rohstoffpreise sind spekulationsbasiert. (…) Im Bereich Einkauf müssen die Manager derzeit mehr zum Risikomanager werden.“

 

Sonstiges:

 

Intelligenter Wundverband zeigt Heilungsfortschritt an
Australische Forscher haben einen intelligenten Verband entwickelt, der durch einen Farbwechsel anzeigt, wie sich die Wunde entwickelt und dadurch eine bessere Wundversorgung ermöglichen soll. Je nach Temperatur der Wunde wechselt er die Farbe von Rot zu Blau. Wenn sich die Wunde entzündet, wird sie wärmer, was durch die Farbe Rot angezeigt wird. Blau zeigt ein Abkühlen an, was der Fall ist wenn die Blutzufuhr beeinträchtigt ist. Dies wird durch spezielle Flüssigkristalle ermöglicht, die in das Material eingearbeitet sind und Veränderungen von weniger als einem halben Grad Celsius messen können. Veränderungen an einer Wunde sind nicht immer offensichtlich, daher ist dies ein bedeutender Beitrag zu einer verbesserten Wundversorgung.

 

Australien überlegt CO2-Zertifikate für getötete Kamele
Australien will Hunderttausende Kamele für den Klimaschutz töten und entsprechende CO2-Zertifikate im In- und Ausland an Firmen verkaufen, die Verschmutzungsrechte benötigen. Demnach könnte ein getötetes Tier rund 50 Euro einbringen. Kamele stoßen vorne und hinten rund 45 Tonnen Methan im Jahr aus, das Gas ist 21-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Die rülpsenden Kamele wurden vor über 150 Jahren als Transporttiere nach Australien gebracht und haben sich mittlerweile auf mehr als 1,2 Millionen Exemplare vermehrt – zum Leidwesen der Aussies, da die wilden Kamele die karge Vegetation abfressen und die wenigen Wasserstellen leersaufen. Der Vorschlag soll kommende Woche ins Parlament eingebracht werden und hat bereits im Vorfeld Zuspruch aus allen Parteien erhalten. Zusammen seien die australischen Kamele so klimaschädlich wie 300.000 Autos.

 

Penthouse für 240 Mio. Euro – die teuersten Städte Europas
Mit einem Quadratmeterpreis von 148.000 Euro ist Monaco das teuerste Immobilienfleckchen Europas. Diesen Preis hat ein Investor aus dem nahen Osten im September 2010 für ein Penthouse in der Avenue d’Ostende mit direktem Blick auf den Yachthafen hingeblättert: insgesamt 240 Millionen Euro. Nach dem Ranking des Maklerunternehmens Engel & Völkers folgen in der Top Ten die Romazzino Bucht in Sardinien (Quadratmeterpreise bis zu 100.000 Euro), die Londoner Knightsbridge (Quadratmeter bis zu 76.000 Euro), drei Orte in Frankreich (Cap Ferrat, Cannes, Paris) und zwei in der Schweiz (St. Moritz, Genf). Auf Platz neun rangiert die deutsche Promiinsel Sylt (bis zu 35.000 Euro pro Quadratmeter) noch vor Wien, das Platz 10 belegt.

 

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