Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 13.10.2010

1. Wirtschafts-Nobelpreis für Arbeiten zu Suchfriktionen und Matching-Problemen:
2. China wertet Währung zögerlich auf:
3. Bundeswirtschaftsminister Brüderle warnt vor Währungskrieg:
4. Arbeitslosenquote in der OECD auf 8,4% zurückgegangen:
5. Industrieproduktion in der Euro-Zone weiter gestiegen:
6. Commerzbank als international systemrelevant eingestuft worden:
7. HRE gibt 23 Milliarden an Garantien zurück:
8. 144 Mrd. Dollar Rekordboni bei den Wall Street Banken:
9. Hochtief verschärft den Abwehrkampf gegen Übernahme:
10. ACS will Hochtief nach Übernahme nicht zerschlagen:
11. Google will seinen Energiebedarf selbst decken:
12. Red Bull steigt in den Handymarkt ein:
13. Intel erzielt im dritten Quartal einen Gewinn von beinahe drei Mrd. Dollar:
14. Weltgrößter Pharmahersteller Pfizer kauft weiteren Konkurrenten:
15. Russisch-britischer Ölkonzern TNK-BP plant Rekord-Dividende:
16. Zahl der deutschen Milliardäre 2010 auf 103 erhöht:

 

Wirtschafts-Nobelpreis für Arbeiten zu Suchfriktionen und Matching-Problemen:
Die beiden US-Wissenschaftler Peter Diamond und Dale Mortensen sowie der britisch-zypriotische Christopher Pissarides haben für ihre Arbeiten zu Suchfriktionen und Matching-Problemen in Märkten den diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreis erhalten. Ihr daraus entwickeltes DMP-Modell über die Komplexität der Arbeitsmärkte und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit habe die Grenzen der klassischen Wirtschaftstheorie aufgezeigt. Das DMP-Modell gibt unter anderem Antworten darauf, warum es trotz hoher Arbeitslosigkeit oft eine große Zahl offener Stellen gibt, sowie warum Arbeitslosigkeit sich oft noch hält, obwohl der wirtschaftliche Aufschwung bereits eingesetzt hat.

 

China wertet Währung zögerlich auf:
Der chinesische Yuan hat den höchsten Stand seit Beginn der Wechselkursreform vor fünf Jahren erreicht. Seit Mitte Juni hat er rund 2,3 Prozent zugelegt. Internationale Forderungen nach einer schnelleren Aufwertung wies die Zentralbank als Schocktherapie zurück. Man verfolge eine langsame, schrittweise Anhebung. Die USA werfen China vor, den Yuan künstlich unterbewertet zu halten, um dadurch seine Exporte zu verbilligen. Die USA sehen den Yuan um mindestens 40% unterbewertet, der IWF um rund 27%. Derweil hat China die Eigenkapitalvorschriften für sechs Grossbanken um 0,5 Punkte auf 17,5% verschärft. Hintergrund ist es, Barmittel aus der Wirtschaft abzuziehen, um eine drohende Überhitzung der Konjunktur zu vermeiden. Die neuen Basel III Regeln sehen zum Vergleich eine Erhöhung der Eigenkapitalquote auf 7% vor. Die Schweiz will diese Regelung für die eigenen Großbanken laut den Empfehlungen der Expertenkommission "too big to fail" weiter verschärfen (nahezu verdoppeln).

 

Bundeswirtschaftsminister Brüderle warnt vor Währungskrieg:
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat vor einem internationalen Handelskrieg mit Hilfe von Wechselkursmanipulationen und Strafmaßnahmen gewarnt. Dabei trage vor allem China viel Verantwortung, dass es nicht zur Eskalation komme. Allgemein seien aber laut Brüderle „Schuldzuweisungen, protektionistische Schnellschüsse und einseitige Sanktionen Irrwege“. Die von den USA derzeit geplanten Strafzölle als Reaktion auf Währungsmanipulationen würden nur zu Gegenmaßnahmen führen, bei denen alle nur verlieren würden. Brüderle sieht die Lösung in flexiblen Wechselkursen und einem freien Kapitalverkehr. Neue globale Institutionen zur Aufsicht über Wechselkursbewegungen, eine Art Weltzentralbank, würden nicht benötigt, der bestehende Rahmen reiche völlig aus. Hingegen dürfte es in den nächsten Jahren eine Änderung beim US-Dollar als Weltreservewährung geben: Brüderle erwartet einen Wechsel von dem unipolaren hin zu einem multipolaren Währungssystem, mit einem größeren Gewicht des Euros und des Yuans.

 

Arbeitslosenquote in der OECD auf 8,4% zurückgegangen:
In den 33 Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist die standardisierte Arbeitslosenquote im August im Monatsvergleich von 8,6 auf 8,5% zurückgegangen. In der Euro-Zone blieb die Quote mit 9,6% konstant. Die höchsten Arbeitslosenquoten besitzen Spanien 20,5%, die Slowakei 14,6% und Irland 13,9%. Die niedrigsten Quoten haben Korea mit 3,4% und Österreich mit 4,3%. Deutschland verzeichnete eine Quote von 6,8%.

 

Industrieproduktion in der Euro-Zone weiter gestiegen:
Die Industrieproduktion in der Eurozone ist im August gegenüber dem Vormonat erneut um 1% gestiegen. Im vergleich zum Vorquartal stieg die Produktion um 0,9%, im Vorjahresvergleich um 7,9%. Die einzelnen Euro-Mitgliedsstaaten verzeichnen dabei fast ausschließlich Anstiege. Der Ausblick auf die kommenden Monate ist aufgrund positiver Einkaufsmanagerindizes weiterhin freundlich.

 

Commerzbank als international systemrelevant eingestuft worden:
Die teilverstaatlichte Commerzbank ist als drittes deutsches Institut – neben dem Vericherer Allianz und der Deutschen Bank – auf einer Liste der internationalen Finanzaufseher des Financial Stability Boards aufgenommen worden, auf der die weltweit systemrelevanten Banken und Versicherer verzeichnet sind. Dies hat Folgen für das Eigenkapital in Milliardenhöhe. Über die endgültige Liste sowie weitere Deatails wird derzeit noch verhandelt. Um sich gegen Krisen besser zu wappnen wird von den besonders systemrelevanten Instituten ein zusätzlicher Risikopuffer beim harten Eigenkapital – zusätzlich zu den neuen Basel III Kriterien – von zwei bis drei Prozentpunkten erwartet. Für die Commerzbank bedeutete dies zwei bis drei Mrd. Euro höhere Rücklagen.

 

HRE gibt 23 Milliarden an Garantien zurück:
Die verstaatlichte Hypo Real Estate will Staatsgarantien im Volumen von 23,5 Milliarden Euro zurückgeben, da diese Hilfen durch die Abspaltung der „Bad Bank“ FMS Wertmanagement überflüssig geworden sind. Damit schrumpft der Garantierahmen, der noch im September um 40 Milliarden auf 140 Milliarden Euro aufgestockt worden war, wieder auf 100 Milliarden Euro.

 

144-Mrd.-Rekordboni bei den Wall Street Banken:
Die Erträge der Wall Street Banken werden dieses Jahr voraussichtlich um 3% auf total 448 Milliarden Dollar anwachsen. 32% dieser Einkünfte sollen per Boni an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden (2007 noch 36%): insgesamt 144 Milliarden Dollar für 2010. Im Vorkrisenjahr 2007 waren 135 Milliarden Dollar an Boni gezahlt worden, im Krisenjahr 2008 122 Milliarden Dollar und 2009 bereits wieder 139 Milliarden Dollar. Für das profitabelste Wall-Street-Haus Goldman Sachs heißt das konkret: eine Reduzierung des Umsatzes in diesem Jahr um 13,5% auf 39,1 Milliarden Dollar, aber gleichzeitig einen Anstieg der Vergütungen um 3,7% auf 16,8 Milliarden Dollar.

 

ACS will Hochtief nach Übernahme nicht zerschlagen:
Der spanische Baukonzern ACS plant nach eigenen Angaben Hochtief nach der Übernahme als Ganzes zu erhalten. Verkäufe wären gegen die strategische Logik. Dies soll auch im offiziellen Übernahmeangebot an die Hochtief-Aktionäre festgeschrieben werden, das ACS am Donnerstag bei der deutschen Wertpapieraufsicht Bafin abgeben will.

 

Hochtief verschärft den Abwehrkampf gegen Übernahme:
Am vergangenen Dienstag hatte Hochtief bei der australischen Börsenaufsicht ASIC beantragt, dass ACS im Falle einer Hochtief-Übernahme auch ein Komplettübernahmeangebot für die zu 55% im Hochtiefbesitz befindliche australische Leighton abgeben muss. Mit einem Börsenwert von 7,4 Mrd. Euro ist Leighton rund doppelt soviel Wert wie Hochtief. Als weitere Abwehrstrategie plant Hochtief offenbar eine Kapitalerhöhung, die den Anteil der spanischen ACS (29,98%) schmälern und damit eine Übernahme verteuern würde. Eine Erhöhung des Barkapitals um zehn Prozent und des Sachkapitals um 20 Prozent sei ohne erneute Genehmigung der Aktionärsversammlung möglich.

 

Google will eigenen Energiebedarf selbst decken:
Der Internet-Konzern Google investiert in einen riesigen 6.000 MW Offshore-Windpark vor der US-Ostküste, der rund 1,9 Millionen Haushalte versorgen könnte. Die Anlagen sollen rund 15-25 km vor der Küste entstehen und sich über rund 350 km hinziehen. Google beteiligt sich zunächst mit 37,5% an der Atlantic Wind Connection (AWC), weitere Partnern sind Good Energies und Marubeni. Hintergrund ist der enorme Stromverbrauch der riesigen Daten- und Rechenzentren des Internetkonzerns. Die Gesamtinvestitionen betragen rund sechs Mrd. Dollar. Zur Jahresmitte lagen die flüssigen Reserven des Konzerns bei 30,6 Mrd. Dollar. Allein im zweiten Quartal wurde ein Gewinn von 1,8 Mrd. Dollar erzielt, bei einem Umsatz von 6,8 Mrd. Dollar. 

 

Red Bull steigt in den Handymarkt ein:
Der Salzburger Getränkehersteller Red Bull will weltweit in das Mobilfunkgeschäft einsteigen. Nach dem erfolgten Einstieg in den Märkten Österreich, Ungarn und der Schweiz, soll künftig in allen 140 Ländern, in denen Red Bull Getränke erhältlich sind, auch Mobilfunkdienste angeboten werden. Dabei werden Partnerschaften mit etablierten Handynetzbetreibern eingegangen: In Österreich mit Telekom Austria, in Deutschland mit O2. Red Bull verfügt mit dem Red Bull Media House bereits über einen Handy-TV-Kanal für Videos der vielzähligen Red-Bull-Eventshows, Interviews und Nachrichten. Zudem wolle Red Bull Mobile auch Partner des Netzwerkbetreibers Mobile Virtuell Network Operator (MVNO) werden.

 

Intel erzielt im dritten Quartal einen Gewinn von beinahe drei Mrd. Dollar:
Der weltweit größte Chiphersteller Intel hat im dritten Quartal einen Gewinn von knapp drei Milliarden und einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 18%, der Gewinn um 59%. Konzernchef Paul Otellini verwies auf eine solide Nachfrage von Seiten der Unternehmenskunden sowie Zuwächse in Wachstumsmärkten. Intel produziert 80% der weltweit verkauften Prozessoren. Der Konzern gilt daher als Konjunktur-Barometer für die IT-Branche.

Weltgrößter Pharmahersteller Pfizer kauft weiteren Konkurrenten:
Der weltgrößte Pharmahersteller Pfizer übernimmt für 3,6 Milliarden Dollar den US-Schmerzmittelproduzenten King Pharmaceuticals. Pfizer zahlt einen Aufschlag von 40 Prozent auf den Schlusskurs der Aktie vom Montag. Im Jahr 2000 hatte Pfizer bereits für rund 88 Milliarden Dollar den US-Rivalen Warner-Lambert übernommen, 2003 folgte für 60 Milliarden Dollar der US-Konzern Pharmacia, 2009 dann für 68 Milliarden Dollar den Impfstoff-Spezialisten Wyeth.

 

Russisch-britischer Ölkonzern TNK-BP plant Rekord-Dividende:
Der britische Ölkonzern BP, wegen der Ölkatastrophe in den USA finanziell angeschlagen, ist zur Hälfte an TNK-BP beteiligt, der nun eine Rekorddividende ausschüttet. TNK-BP hat angekündigt, für die ersten neun Monate des Jahres beinahe drei Milliarden US-Dollar an Rendite auszuschütten. Die andere Hälfte von TNK-BP gehört vier Milliardären (Oligarchen).

 

Zahl der deutschen Milliardäre 2010 auf 103 erhöht:
Die Zahl der deutschen Milliardäre hat sich im Vergleich zum Vorjahr um vier auf 103 erhöht. Den größten Sprung machte Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, der sein Vermögen in den vergangenen zwölf Monaten um 900 Millionen auf vier Milliarden Euro steigern konnte. Die reichsten 100 Menschen in Deutschland besitzen zusammen geschätzte 287,35 Milliarden Euro (+0,6% gegenüber 2009), die Top 500 rund 455 Milliarden Euro.

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