Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 17.11.2010

1. IWF beurteilt Basel III Eigenkapitalregeln für Großbanken als machbar:
2. G20 vertagen Vorschriften für systemrelevante Banken auf Ende 2011:
3. Weltweite Jagd nach Steuersündern setzt sich fort – USA vs. UBS:
4. Rechnungshof beziffert staatliche Verschwendung auf 25 Mrd. Euro:
5. OECD stärkt Australien den Rücken gegen seine eigenen Bergbaugiganten:
6. Inflation zwingt China zu staatlichen Eingriffen in der Preispolitik:
7. General Motors erhöht vor Rekordbörsengang Aktienvolumen um 31%:
8. China baut Konkurrenzflugzeug zu Airbus und Boing:
9. Containerreederei Hapag-Lloyd vor bestem Jahr der Firmengeschichte:
10. Infineon kehrt mit 660 Mio. Euro in die Gewinnzone zurück:
11. Schiesser will mit Börsengang 2011 Insolvenz hinter sich lassen:
12. Caterpillar schluckt Bucyrus in einer Rekordübernahme für 8,6 Milliarden Dollar:
13. Procter & Gamble zieht Forschung von Darmstadt in den Taunus ab:

 

IWF beurteilt Basel III Eigenkapitalregeln für Großbanken als machbar:
Laut Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), werden 52 der 62 internationalen Großbanken die neuen Eigenkapitalvorschriften von 7% bis 2018 (das Bankenland Schweiz will für seine beiden Großbanken 19%) ohne Sonderkapitalerhöhung für machbar. Der Einschätzung liegt die Annahme von 50% des Gewinnniveaus der Boomjahre 2004 bis 2007 und einer Rückhaltequote von 60% der Gewinne zu Grunde. Ohne Gewinnrückbehaltung benötigten dagegen rund drei Viertel der untersuchten Institute Zusatzkapital von insgesamt 360 Mrd. Dollar.

 

G20 vertagen Vorschriften für systemrelevante Banken auf Ende 2011:
Die G20-Mitgliedsländer wollen die neuen Vorschriften für systemische Banken und Versicherer nun erst Ende 2011 festgelegen. Ursprünglich war Mitte 2011 anvisiert worden. Für nur in einzelnen Staaten oder Regionen relevante Institute sollen die Regeln bis Ende 2012 folgen. Für die großen Institute werden allgemein strengere Auflagen verlangt, als in Basel III vorgesehen, da im Falle extremer Schieflagen andernfalls ein Eingreifen der Staaten wie während der Finanzkrise nicht auszuschließen sei („to obig to fail“). Strengere Regeln sollen dies künftig verhindern.

 

Weltweite Jagd nach Steuersündern setzt sich fort – USA vs. UBS:

Um die durch die Finanzkrise klammen Kassen der Staaten aufzufüllen, besinnen sich viele Regierungen ihrer den Fiskus hintergehenden Bürger. Begann es vor ein paar Jahren mit dem Kampf gegen die Finanzierung des Terrorismus und gegen die Geldwäsche der organisierten Kriminalität (allein 614 Mrd. Dollar Umsatz in den 20 OECD-Staaten in 2006, Schätzungen gehen bis zu 20% des Weltbruttosozialproduktes), hat sich nun das Haushaltsparadigma als ungleich wirkungsmächtiger herausgestellt. Die „Freiräume“ der Steuerbetrüger auf der Schattenseite des Gesetzes werden somit – zu Recht – zunehmend kleiner. In dem Streitfall USA vs. UBS hat die Schweizer Großbank nun eine Klage abgewendet, indem sie 4.450 Kontodaten von amerikanischen Steuersündern lieferte. Im Februar 2009 hatte die UBS bereits 780 Mio. Dollar an die amerikanische Justiz bezahlt, um den Steuerstreit zu beenden. Die US-Behörden hatten ursprünglich 52.000 UBS-Kundendaten gefordert, nach einem Staatsabkommen wurde jedoch der momentane Vergleich erzielt. Die USA diktieren zudem einseitig strenge Vorschriften für ausländische Banken, um Steuerhinterziehung künftig unmöglich zu machen und weisen damit anderen Staaten(Bündnissen) den Weg: Das ab 2013 geltende Steuergesetz „Foreign Account Tax Compliance Act“ (FATCA) sieht umfangreiche Meldepflichten für Versicherer, Banken und Fonds vor, die in den USA aktiv sind. Demnach sollen Daten von US-Kunden künftig automatisch bei der Steuerbehörde gemeldet werden – Ziel ist eine härtere Umsetzung der US-Steuergesetze und eine Erschwerung der Steuerhinterziehung. Sämtliche Finanzinstitute müssen demnach mit der US-Steuerbehörde IRS einen Vertrag schließen und die Konten, die von ihnen für US-Personen geführt werden, automatisch melden. Liegt kein Vertrag vor, muss pauschal 30% Bruttosteuer auf die Zahlungen entrichtet werden.

 

Rechnungshof beziffert staatliche Verschwendung auf 25 Mrd. Euro:

Aufgrund von unzureichender Kostenkontrolle bei staatlichen Bauprojekten, Mängeln in der Steuererhebung sowie Pannen und Schlampereien bei der Vergabe von Aufträgen seien laut Bundesrechnungshof letztes Jahr rund 25 Mrd. Euro an Steuergeldern unnütz ausgegeben worden. Besonders harsche Kritik wurde an den Ressorts Verkehr und Verteidigung geübt: Allein das Verkehrsressort habe unnötige Kosten in Höhe von weit über einer Milliarde Euro produziert, weil es Schienen- und Straßenprojekte viel zu nachlässig beaufsichtigt habe. So habe beispielsweise die Deutsche Bahn Mittel aus einem Programm zur Verbesserung des Services und der Pünktlichkeit ihrer Züge zweckentfremdet, ohne dass das Ministerium eingeschritten sei. Auch auf Verzögerungen und Kostensteigerungen habe man nicht rechtzeitig reagiert. Deutliche Kritik gab es auch an den Finanzämtern, die beim Eintreiben von Steuern immer wieder zu nachsichtig seien. Ein Zwei-Jahres-Rhythmus bei der Einkommensteuererklärung könne in diesem Zusammenhang bei den Steuerprüfungen zu dem positiven Effekt einer „Steigerung der Intensität“ führen und damit das Steueraufkommen erhöhen. Wie bereits in früheren Jahren empfahl der Rechnungshof, alle Steuervergünstigungen und Subventionen auf den Prüfstand zu stellen, darunter auch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz.

 

OECD stärkt Australien den Rücken gegen seine eigenen Bergbaugiganten:
Australien reitet mit seinen 22 Mio. Einwohnern auf einem gigantischen Rohstoffboom. 55,5% des Exportvolumens des ressourcenreichen Landes werden von Rohstoffen erwirtschaftet. Die Nummer Zwei und Nummer Drei der Branche stammen von dem Kontinent. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostiziert Australien nicht zuletzt wegen der großen Rohstoffreserven eine rosige Zukunft mit Wachstumsraten von 3,5% bis 4% pro Jahr. Allerdings solle laut OECD ein Stabilitäts-/Reservefonds gebildet werden, der sich aus den verstärkt abgeschöpften Gewinnen der Branche speisen soll – das Land müsse von dem künftigen Rohstoff-Geldsegen nachhaltig profitieren. Die Politiker in Canberra dürfte das erfreuen. Erst im Juli mussten sie eine empfindliche Niederlage gegen die mächtigen Bergbaugiganten hinnehmen. Hintergrund war eben eine geplante höhere Besteuerung des Bergbaus. Damals war die Regierung aufgrund der mobilisierten Gegenmacht eingeknickt und hatte eine geplante Zusatzsteuer über 8 Mrd. Dollar auf 1 Mrd. Dollar abgeschwächt.

 

Inflation zwingt China zu staatlichen Eingriffen in der Preispolitik:
Die Preise für Nahrungsmittel haben sich in China innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 10,1 Prozent verteuert, alle anderen Waren und Dienstleistungen dagegen im Schnitt nur um 1,6 Prozent. Zur Eindämmung der Inflation plant die Regierung daher Eingriffe in die Preispolitik der Unternehmen. Neben Preiskontrollen sollen auch Spekulationsgeschäfte mit Mais und Baumwolle bestraft werden. Details wurden indes noch nicht bekannt. Außerdem dürfte eine weitere Zinserhöhung anstehen, um eine Überhitzung der Konjunktur zu vermeiden.

 

General Motors erhöht vor Rekordbörsengang Aktienvolumen um 31%:
General Motors Börsengang am Donnerstag könnte zum größten der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte werden. Insgesamt dürfte das Volumen rund 22 Milliarden Dollar betragen. GM will nun aufgrund der Nachfrage deutlich mehr Stammaktien ausgeben als ursprünglich geplant. Demnach soll es 113 Mo. Stammaktien zu einem Ausgabepreis von 33 Dollar pro Aktie geben, 31% mehr Aktien als zunächst angekündigt und zu einem höheren Preis als zunächst beabsichtigt. Zudem sollen nun 80 Millionen Vorzugsaktien statt bisher 60 Millionen Stück herausgegeben werden.  Der bisher größte Börsengang in den USA war der von Visa im Jahr 2008 mit 19,7 Milliarden Dollar. Von den 50 Milliarden Dollar, mit denen GM in der Krise vom US-Staat gerettet wurde, hat der Konzern inzwischen fast 10 Mrd. Dollar zurückgezahlt. Der Staat hatte im Gegenzug 61% der GM-Aktien erhalten, der Anteil könnte sich nun auf 26% verringern.

 

China baut Konkurrenzflugzeug zu Airbus und Boing:
Der staatliche Flugzeugbauer Commercial Aircraft of China (COMAC) hat den Prototyp des C919 Jets vorgestellt, der mit den Maschinen von Airbus und Boeing konkurrieren soll. Nach Angaben des Herstellers sollen bereits rund 100 Bestellungen für die Maschinen mit 168-190 Sitzplätzen vorliegen. Der Testflug soll 2014 stattfinden, 2016 soll die Auslieferung beginnen. Die Triebwerke werden zunächst von General Electric (USA) geliefert.

 

Containerreederei Hapag-Lloyd vor bestem Jahr der Firmengeschichte:
Der boomende Welthandel mit kräftig gestiegenen Frachtraten und größeren Transportmengen sowie Kosteneinsparungen im Zuge eines erfolgreichen Sanierungskonzepts bescheren der wichtigsten deutschen Containerreederei Hapag-Lloyd voraussichtlich das beste Jahr der Firmengeschichte: In den ersten neun Monaten setzte Hapag-Lloyd mit seinen 120 Schiffen rund 4,67 Mrd. Euro um, der operative Gewinn belief sich auf 506 Mio. Euro. Hapag-Lloyd nutzte die hohen Einnahmen, um rund 500 Mio. Euro Schulden abzubauen.

 

Infineon kehrt mit 660 Mio. Euro in die Gewinnzone zurück:
Infineon ist nach einem Verlust von 674 Mio. Euro in 2009 kräftig in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der Umsatz stieg um rund die Hälfte auf 4,59 Mrd. Euro, der Gewinn beträgt 660 Mio. Euro. Auch für 2011 wird mit einem Umsatzplus von zehn Prozent gerechnet. Binnen fünf Jahren will der Konzern die Erlöse auf fünf Mrd. Euro steigern und dabei schneller wachsen als der Markt. Erstmals seit einem Jahrzehnt will der Halbleiterkonzern nun wieder ene Dividende von zehn Cent je Aktie ausschütten. Infineon hatte zuletzt im Geschäftsjahr 2000/2001 eine Dividende von damals noch 65 Cent bezahlt.

 

Schiesser will mit Börsengang 2011 Insolvenz hinter sich lassen:
Der insolvente Wäschehersteller Schiesser will sich 2011 mit einem Börsengang das benötigte Geld verschaffen und so aus der Insolvenz herauskommen. Dem Insolvenzplan soll noch im Dezember zugestimmt werden. Eine Stundung der Forderungen bis zum Börsengang ist vorgesehen. Insolvenzverwalter Volker Grub: „Das Unternehmen kommt gestärkt aus der Insolvenz und wird durch den Börsengang mit genügend Finanzkraft ausgestattet sein.“ Modedesigner Wolfgang Joop wird voraussichtlich als kreativer Berater hinzugezogen. Schiesser war 2009 durch verlustreiche Lizenzfertigung in Turbulenzen geraten und hatte Insolvenz anmelden müssen.

 

Caterpillar schluckt Bucyrus in einer Rekordübernahme für 8,6 Milliarden Dollar:
Der weltgrößte Baumaschinen-Hersteller Caterpillar will mit dem teuersten Zukauf seiner Firmengeschichte den Grubenanlagen-Spezialisten Bucyrus International (Mineralien und Kohle) für 8,6 Milliarden Dollar übernehmen (Aufschlag von 32% auf den Aktienkurs). Der Zukauf soll sich positiv auf die Geschäfte von Caterpillar in den prosperierenden Schwellenländern wie China oder Indien auswirken, in denen Bucyrus ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet.

 

Procter & Gamble zieht Darmstadt in den Taunus ab:
Der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble konzentriert die Forschung seiner deutschen Marken künftig in den P & G-Standorten Schwalbach und Kronberg im Taunus. Damit müssen die rund 1.000 Beschäftigten bei der Haarpflegefirma Wella in Darmstadt (fast ausschließlich Forschung) bis spätestens 2014 umziehen. P & G hatte Wella 2003 übernommen. In Kronberg hat P & G durch die Übernahme der Traditionsmarke Braun einen Forschungsstandort. Schwalbach ist der Sitz von Procter & Gamble Deutschland.

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