Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 22.12.2010

International:
1. China verspricht europäischen Schuldenländern Hilfe:
2. China garantiert der EU Seltene Erden Metalle:
3. Deutsche Bank zahlt in den USA 500 Mio. Dollar Strafe:
4. Volkswagen startet Fahrzeugproduktion in Malaysia:
Deutschland:
5. Mittelständische Unternehmen zufrieden wie lange nicht mehr:
6. Unternehmen wollen mehr Geld in Innovationen investieren:
7. Lidl will flächendeckenden Mindestlohn von 10 Euro:
8. Continental will Fusion mit Schaeffler verhindern:
9. Ernst & Young wegen Betruges angeklagt:
10. Insolvenzplan von Modellbahnhersteller Märklin zugestimmt:

 

International:

 

China verspricht europäischen Schuldenländern Hilfe:
Vizepremier Wang hat den finanziell angeschlagenen Euro-Staaten Unterstützung versprochen. Ein Grund ist, dass China den europäischen Markt für sein Wachstum benötigt. Demnach will die chinesische Regierung konkrete Schritte unternehme, um einigen EU-Mitgliedern bei der Bewältigung der Schuldenkrise zu helfen. Details wurden allerdings noch nicht genannt. China verfügt über Währungsreserven in Höhe von rund 2,6 Billionen Dollar, schätzungsweise 70% davon sind US-Dollars, die sich aufgrund der Gelddruckmanie Washingtons rapide entwerten. Anlagen in Euro sind daher für China auch ein Mittel der Diversifizierung. Das Handelsvolumen zwischen China und der EU lag in den ersten elf Monaten 2010 um ein Drittel über dem Vorjahresniveau bei 330 Milliarden Euro. Das Defizit Europas betrug dabei 2009 133 Milliarden Euro. Chinas Handelsminister Chen Deming: “Wir verfolgen genau, ob Europas Schuldenkrise sich kontrollieren lässt und werden dabei vor allem darauf achten, was im ersten Quartal des nächsten Jahres passiert.”

 

China garantiert der EU Seltene Erden Metalle:
China hat der EU die Versorgung mit den High-Tech-Metallen Seltene Erden garantiert. Nach zweitägigen Verhandlungen in Peking hätten laut EU-Handelskommissar Karel De Gucht die Chinesen zugesichert, dass Europa weiter mit Seltenen Erden versorgt werden würde. Rund 97 Prozent der weltweiten Versorgung stammen aus China.

 

Deutsche Bank zahlt in den USA 500 Mio. Dollar Strafe:
554 Millionen Dollar (421 Millionen Euro), das ist die Summe, die die Deutsche Bank den US-Behörden überweisen muss, um die weiteren Ermittlungen zu stoppen und damit einer Strafverfolgung im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung zu entgehen. Die Deutsche Bank habe ein kriminelles Fehlverhalten eingestanden, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft und der Steuerbehörde IRS. Die illegalen Steuersparmodelle für Kunden, in die das Kreditinstitut zwischen 1996 und 2002 verwickelt gewesen sei, hätten zu milliardenschweren Ausfällen für den US-Staat beigetragen.

 

Volkswagen startet Fahrzeugproduktion in Malaysia:
Der Autobauer VW kann mit der seit Jahren geplanten Fahrzeugproduktion in Malaysia beginnen. Dafür wurde eine Partnerschaft mit dem malaysischen Pkw- und Nutzfahrzeughersteller DRB-Hicom eingegangen. Ab Ende 2011 soll dann zunächst das Modell Passat produziert werden, Ende 2012 soll dann der Jetta hinzukommen. DRB-Hicom verfüge über den größten Auto-Fertigungsverbund in Malaysia und ein landesweit ausgebautes Vertriebsnetz. Die Kapazität der gemeinsamen Fertigung solle zunächst bei einigen tausend Fahrzeugen jährlich liegen und schrittweise gesteigert werden. Malaysia gilt als Zukunftsmarkt. Die Investitionen von umgerechnet 241 Millionen Euro trägt zu 70 Prozent DRB-Hicom. VW ist in der Region Südostasien mit einem Absatz von nur 14.000 Stück im Jahr 2009 schwach vertreten. Bis 2015 plant der Konzern auf 40.000 bis 50.000 Stück zu kommen. Länder wie Indonesien, Malaysia oder Vietnam sind Wachstumsländer und gelten als Zukunftsmärkte mit mehr als 500 Millionen Bürgern.

 

Deutschland:

 

Mittelständische Unternehmen zufrieden wie lange nicht mehr:
Nach einer Umfrage der Union Mittelständischer Unternehmen (UMU) bezeichnen knapp 53 Prozent der Unternehmen die aktuelle Situation als gut. 58 Prozent der Unternehmen erwarten keine Änderung der guten Lage in den kommenden neun Monaten, ein Drittel erwartet sogar noch eine Verbesserung. Knapp drei Viertel der befragten Unternehmen wollen 2011 investieren, mehr als ein Drittel ihr Unternehmen ausbauen und ein weiteres Drittel neue Mitarbeiter einstellen.

 

Unternehmen wollen mehr Geld in Innovationen investieren:
Fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen (59%) wollen laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im kommenden Jahr ihre Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen erhöhen. DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann: „Diese rekordverdächtige Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als die Unternehmen bereits in der zurückliegenden Krise ihre Innovationsbudgets im Schnitt zumindest konstant gehalten hatten.“ Für 61 Prozent der Unternehmen habe der Ausbau ihres Fachpersonals höchste Priorität für Forschung und Entwicklung, gefolgt von einer Vereinfachung des Steuerrechts (50 Prozent) und dem Bürokratieabbau (49 Prozent).

 

Lidl will flächendeckenden Mindestlohn von 10 Euro:
Der Discounter Lidl fordert einen bundesweiten und branchenübergreifenden Mindestlohn von zehn Euro. Schwarz-gelb solle ihre Blockadehaltung bei einer gesetzlichen Lohnuntergrenze aufgeben. Hintergrund ist die Furcht vor einer Spirale des Lohndumpings aufgrund des Wegfalls der Arbeitsbeschränkungen für Bürger aus acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten ab Mai 2011. Nur mit einem verbindlichen Mindestlohn lasse sich Lohndumping wirksam unterbinden, so Lidl-Chef Jürgen Kisseberth. SPD-Chef Gabriel: Immer mehr Unternehmen würden erkennen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn „nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit, sondern auch ökonomisch unverzichtbar ist. Denn heute muss der Staat mit Milliardenbeträgen Armutslöhne aufstocken.“ Der Einzelhandelsverband HDE hält die Forderung nach dem Mindestlohn von zehn Euro als unrealisitisch und zu hoch. Regional unterschiedliche Mindestlöhne von 7 bis 8,80 Euro pro Stunde seien dagegen angebracht. Lidl kämpft um sein Image und zeigt sich dabei von einer verantwortlichen Seite. Als erster Discounter hat Lidl in der Schweiz Anfang Dezember einen Gesamtarbeitsvertrag abgeschlossen. Der GAV erstreckt sich auch auf Teilzeitangestellte und enthält eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 42 auf 41 Stunden und verbindliche Mindestlöhne. Demnach beträgt der Mindestlohn für eine 20-jährige, ungelernte Arbeitskraft 3.800 Franken ohne Zulagen (etwa 3.000 Euro), der 13 mal pro Jahr ausbezahlt wird. Alle Mitarbeitenden erhalten zudem fünf Wochen Ferien, Lernende und Angestellte über 50 Jahre sechs Wochen. Für den zweitgrößten Discounter Deutschlands hätte ein Mindestlohn von zehn Euro außerdem den angenehmen Effekt, dass er nichts ändern müsste. Da Lidl im Schnitt 13 Euro pro Stunde und selbst Minijobbern rund 10 Euro die Stund zahlt, würden seine Mitarbeiter also nicht mehr Geld bekommen – die Konkurrenz hingegen, die häufig nicht zum überleben reichende Hungerlöhne zahlt, wäre deutlich getroffen.

 

Continental will Fusion mit Schaeffler verhindern:
Der Autozulieferer Continental betrachtet den Zusammenschluss mit dem kleineren Rivalen Schaeffler als wirtschaftlich nicht sinnvoll – und entwickelt einen eigenen Plan. Demnach soll Schaeffler sein Automobilgeschäft in Conti einbringen und die Familie Schaeffler langfristig 35 Prozent an Conti halten. Das mit 11 Milliarden verschuldete Unternehmen Schaeffler könnte mit einem Verkauf von Conti-Aktien (75% der Anteile an Conti) seinen Schuldenberg verringern. 2008 wollte Schaeffler mit einer feindlichen Übernahmeofferte ursprünglich nur 50 Prozent der Conti-Papiere einsammeln, war aber im Zuge der Finanzkrise mit 90 Prozent der Anteile überschüttet worden.

 

Ernst & Young wegen Betruges angeklagt:
Die Staatsanwaltschaft des Gliedstaates New York hat eine Zivilklage wegen Betrugs gegen Ernst & Young, der langjährigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von Lehman Brothers, erhoben. Ernst & Young wird vorgeworfen, die in den Strudel der Immobilienkrise geratene Investmentbank aktiv dabei unterstützt zu haben, den Grad ihrer Verschuldung mit Bilanztricks und sogenannten Repo-105-Geschäften zu vertuschen, und somit Investoren und Anleger über den Zustand der Investmentbank getäuscht zu haben. Deren Zusammenbruch hat letztendlich die Finanzkrise 2008 nachhaltig befeuert.

 

Insolvenzplan von Modellbahnhersteller Märklin zugestimmt:
Vor beinahe zwei Jahren hat der Modelleisenbahn-Hersteller Märklin Insolvenz beantragt. Nun haben die Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt: Demnach kommt das Unternehmen zum Jahreswechsel raus aus der Insolvenz und stellt in den nächsten drei bis vier Jahren neu auf. Die rund 1350 Gläubiger bleiben Eigentümer und bekommen rund ein Drittel ihrer Schulden zurück. Den größten Anteil davon erhalten drei Banken mit 27 Millionen Euro. Die restlichen Gläubiger, unter ihnen viele Mitarbeiter der Firma, beziehen rund 10 Prozent ihrer Forderungen, die sich insgesamt auf 24,8 Millionen Euro belaufen. Mittels einer Rosskur und dem Wegfall von 400 der 1.400 Arbeitsplätzen war es gelungen, das Konzernergebnis vom Minus ins Plus zu drehen. Vor Steuern und Zinsen wurde im ersten Halbjahr 2010 ein Gewinn von 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet.
 

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