Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 26.04.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Portugals Defizit auf 9,1% nach oben korrigiert
2. Ukraine will Westanbindung an die EU nicht aufs Spiel setzen
3. 12 AKWs vom Netz, nur noch 5 übrig – und immer noch kein Problem
4. Erstmals Schweizer Finanzinstitut wegen Geldwäsche verurteilt
5. Malaysia kurz vor Erschließung seiner „Seltenen Erden“
6. Japan gibt 33 Mrd. Euro für Wiederaufbau – Schäden auf 212 Mrd. Euro geschätzt

Branchen und Unternehmen:
7. DAX-Unternehmen erwirtschaften 75% ihres Umsatzes im Ausland
8. JPMorgan zahlt Lehmann-Opfern 800 Mio. Dollar Entschädigung
9. Nissan ruft 200.000 Fahrzeuge wegen Rostgefahr zurück
10. Ford schließt drei Werke wegen Nachschubproblemen

 

Wirtschaftspolitik:

 

Portugals Defizit auf 9,1% nach oben korrigiert
Finanzexperten der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds haben das portugiesische Haushaltsdefizit für 2010 neu berechnet und um 0,5 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent nach oben korrigiert. Das ursprüngliche Ziel war 7,3 Prozent, noch im März war von 8,6 Prozent ausgegangen worden. Damit wuchsen die Gesamtschulden auf 93 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für das laufende Jahr 2011 ist ein Defizit von 4,6 Prozent angesetzt. Für den 5. Juni sind Neuwahlen geplant.

 

Ukraine will Westanbindung an die EU nicht aufs Spiel setzen
Die Ukraine will eine künftige EU-Mitgliedschaft nun doch nicht durch einen Beitritt zur Dreier-Zollunion Russland-Weißrussland-Kasachstan aufs Spiel setzen. Das osteuropäische Land ist das wichtigste Gastransitland für die Europäische Union und daher von strategischer Bedeutung im Sinne der Energiesicherheit. Rund 80% des russischen Gases für die europäische Gemeinschaft fließen derzeit (noch) durch das Leitungssystem der Ukraine. Russland versucht sich jedoch genauso von der dem Transitland Ukraine zu diversifizieren (Nord Stream, South Stream, Blue Stream), wie die EU von dem Erzeuger Russland (Nabucco). Zudem lagern auf dem Territorium des osteuropäischen Landes fossile Rohstoffe in Billionen Höhe. Anfang April wurde nun bekannt, dass Kiew noch im laufenden Jahr das Assoziierungsabkommen für eine künftige EU-Mitgliedschaft mit der Europäischen Union festlegen will. Das Assoziierungsabkommen beinhaltet auch ein Abkommen über die Bildung einer Freihandelszone, die noch in 2011 in Kraft treten könnte. Allerdings flirtet Präsident Janukowitsch auch mit der Zollunion Russland-Weißrussland-Kasachstan im postsowjetischen Raum. Ein Beitritt zur Zollunion, so hieß es aus Kiew, würde eine gleichzeitige Schaffung einer Freihandelszone mit der Europäischen Union keinesfalls behindern. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hatte dem jedoch eine Absage erteilt und eine solche Doppelmitgliedschaft für unmöglich erklärt – die Ukraine solle sich für eine Richtung entscheiden. Nun hat der ukrainische Außenminister Konstantin Grischtschenko erklärt, dass doch nicht über den Betritt zur Zollunion mit Russland, Kasachstan und Weißrussland verhandelt werde. „Die Teilnahme der Ukraine an der Zollunion kommt nicht in Frage.“ Grischtschenko versicherte zudem, Kiew würde unter keinen Umständen einen EU-Beitritt verzichten. Der europäische Markt habe für Kiew einen höheren Wert als der russische, kasachische und weißrussische Markt, weil Europas Konsumpotenzial größer sei.

 

12 AKWs vom Netz, nur noch 5 übrig – und immer noch kein Problem
Deutschland kann auf seine Atomkraftwerke leichter und schneller verzichten, als von den AKW-Betreibern zuletzt oftmals behauptet. Das zeigt auch das eigene betriebswirtschaftliche Denken der „großen Vier“. So hatte auch der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Wochenende erneut vor einer Panikmache durch die Energie-Industrie gewarnt: Die Debatte um einen möglichen Strommangel werde „oft oberflächlich und interessengeleitet“ geführt. Derzeit sind die sieben ältesten Atomkraftwerke aufgrund des Laufzeit-Moratoriums vorübergehend stillgelegt. Weitere fünf Reaktoren gehen im Mai wegen schon länger geplanten Revisionen (Wartungsarbeiten) vorübergehend vom Netz. Damit bleiben nur noch fünf laufende Anlagen am Netz. Kein Problem, wie das Verhalten der Betreiber offenlegt. Entgegen mancher Versuche der Panikmache rechnen die Betreiber intern offenbar selbst nicht mit Engpässen. Es besteht noch nicht einmal die Notwendigkeit, die eingemottete „Kaltreserve“ an stillgelegten konventionellen Gas- und Kohlekraftwerken zu reaktivieren (sechs Kraftwerksblöcke mit insgesamt 1.700 MW Leistung). Dies ist einerseits ein Zeichen dafür, dass die Großhandelspreise noch nicht hoch genug seien, um diese älteren Kraftwerke anzufahren und da es zugleich auch keine entsprechenden Vorbereitungen gibt, wird offenbar auch von Seiten der Betreiber intern nicht mit einem entsprechenden Engpass gerechnet. Thorsten Lenck vom Analysedienst Energy Brainpool: „Auch in naher Zukunft rechnen die Versorger nicht mit dauerhafter Stromknappheit und hohen Erlösen für ihre Kraftwerke.“ Greenpeace hatte bereits in der vorletzten Woche die Zahlen konkret durchgerechnet und hält dementsprechend einen Atomausstieg bis 2015 und ein Kohleaus bis 2030 für machbar und zugleich für wirtschaftlich sinnvoll: Unter dem Strich ergibt ein solcher Zeithorizont einen Gewinn von 35 Milliarden Euro. Grund seien vor allem die positiven Kosteneffekte der vielen neuen Arbeitsplätze, die Dezentralisierung der Energieversorgung, bei der sich die Bürger gegenseitig Strom abkaufen und davon profitieren (besonders einkommensschwache Regionen) und das Zurückfahren der jährlichen Milliardenabflüsse etwa bei den Ausgaben für Brennstoffe.

 

Erstmals Schweizer Finanzinstitut wegen Geldwäsche verurteilt
In der Schweiz ist die „Postfinance“ der Schweizerischen Post als erstes Finanzunternehmen wegen Geldwäscherei zu einer Busse von 250.000 Franken verurteilt worden. Im Detail geht es um eine Auszahlung in Höhe von 4,6 Millionen Franken aus dem Jahr 2005. Die Richter begründeten ihr Urteil, die Post habe über Herkunft und Verwendung des Geldes sowie die Anlagefirma vor der Auszahlung keine Nachforschungen angestellt. Das Urteil bedeutet somit, dass Institute haftbar gemacht werden können, wenn sie über kein entsprechendes Regelwerk verfügen. Somit wertet der Direktor des Basel Institute on Governance und Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf, dass das Urteil auch eine Breitenwirkung auf den Finanzplatz Schweiz haben wird. Die Schweizer Post hat Berufung angekündigt.

 

Malaysia kurz vor Erschließung seiner „Seltenen Erden“
Der australische Bergbaukonzern Lynas plant, auf der südostasiatischen Halbinsel Malaysia die raren Hightech-Metalle „Seltene Erden“ abzubauen. In dem letzten Jahrzehnt haben die hohen Umweltverschmutzungen im Zuge des Abbaus dieser Metalle dazu geführt, dass sich der Abbau zu über 90 Prozent auf China konzentrierte. Aufgrund von Ausfuhrbeschränkungen aus dem Reich der Mitte im Laufe des Jahres 2010 und einem steigenden Eigenverbrauch der chinesischen Hightech-Industrie kam es im vergangenen Jahr zunehmend zu Engpässen auf dem internationalen Markt und damit zu rasant steigenden Preisen (Vervierfachung des Preises seit 2001). Daher werden nunmehr weltweit neue Vorkommen erschlossen, alte Minen wieder geöffnet und Alternativen entwickelt. Eine malaysische Kommission soll nun binnen eines Monats die Raffineriesicherheit des australischen Projekts überprüfen. Dabei gilt die Hauptsorge einer möglichen Freisetzung von radioaktivem Material während des Raffinerieprozesses. Lynas kündigte unterdessen die Verwendung modernster Umweltschutzsysteme an.


Japan gibt 33 Mrd. Euro für Wiederaufbau – Schäden auf 212 Mrd. Euro geschätzt
Die japanische Regierung hat mit einem Sonderhaushalt ein Notbudget über 33 Milliarden Euro für den Wiederaufbau freigegeben. Die Schäden in Folge des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März – ohne die Atomkatastrophe – belaufen sich nach aktuellen Schätzungen indes auf 212 Milliarden Euro. Als vorrangiges Ziel für den Wiederaufbau gilt die Instandsetzung der öffentlichen Infrastruktur und der Schulen, der Bau von Übergangswohnungen sowie die Beseitigung der Trümmerberge. Aufgrund der im Industrieländervergleich weltweit höchsten Staatsschulden (200 Prozent des BIP) will Tokio die Finanzierung des Notbudgets nicht über neue Staatsanleihen stemmen, sondern stattdessen bislang geplante Ausgaben wie die Erhöhung des Kindergeldes streichen. Japan verfügt allerdings neben dem höchsten prozentualen Schuldenberg auch mit 1,093 Billionen Dollar über die nach China zweithöchsten Währungsreserven der Welt. Der Staatshaushalt 2011 (ab 01.04.2011) sah bislang Ausgaben von 92,3 Billionen Yen (803 Milliarden Euro) mit 44,3 Billionen Yen an neuen Schulden vor. Laut Bankenminister Shizuka Kamei sei Japan zwar der weltgrößte Schuldner, habe aber auch die höchsten Bankeinlagen: Den Schulden der öffentlichen Hand von insgesamt 7,7 Billionen Euro stehen private Ersparnisse von 12,7 Billionen Euro gegenüber. Auch ist die Mehrwertsteuer mit bislang 5 Prozent ausgesprochen niedrig. (Zum Vergleich: Der gesamte Schuldenstand Deutschlands beläuft sich laut dem Bund der Steuerzahler auf 2,070 Billionen Euro, das entspricht 75,7 Prozent des BIP, das sich 2010 auf 2,4976 Billionen Euro belaufen hat. Von den Schulden entfallen 64 Prozent auf den Bund, 30 Prozent auf die Länder und 6 Prozent auf die Gemeinden. Alleine der Bund musste in 2010 rund 36,8 Milliarden Euro an Zinsen ausgeben, das ist nach den zusammengefassten Posten Arbeit und Soziales der zweitgrößte Etatposten im Bundeshaushalt, noch vor Verteidigung und Bildung.)

 

Branchen und Unternehmen:

 

DAX-Unternehmen erwirtschaften 75% ihres Umsatzes im Ausland
Laut der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young erwirtschaften die 30 im Dax gelisteten Unternehmen nur noch 25 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. 2006 lag der Wert sogar noch bei 34 Prozent. Den größten Auslandsanteil weisen dabei Adidas mit 95 Prozent und Linde mit 91 Prozent auf. Im Heimatland sind dabei zumeist noch die zentralen Funktionen wie Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie Marketing beheimatet. Am meisten im Inland erwirtschaften die Unternehmen Metro, Deutsche Telekom und RWE mit knapp 40 Prozent ihres Umsatzes sowie die Deutsche Post, der Rückversicherer Munich Re und ThyssenKrupp mit jeweils gut 30 Prozent. 41,6 Prozent der Mitarbeiter der 30 Dax-Unternehmen werden in Deutschland beschäftigt (2009: 42,1 Prozent). Dabei wuchs die Mitarbeiterzahl in Deutschland um 0,5 Prozent, im Ausland um 2,5 Prozent, auf insgesamt 3,72 Millionen Menschen. Der Gesamtumsatz stieg um zwölf Prozent auf 1.163 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern um 97 Prozent auf 87,3 Milliarden Euro. Spitzenreiter beim Umsatz war Volkswagen mit 127 Milliarden Euro, gefolgt von Daimler und dem Energieversorger Eon mit Werten über je 90 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite stieg 2010 auf im Schnitt beinahe sieben Prozent. Im Rekordjahr 2007 lag dieser Wert der Dax-Konzerne bei beinahe zehn Prozent, im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt von 5,2 Prozent. Der Export der deutschen Volkswirtschaft insgesamt kann in 2011 erstmals die Marke von einer Billion Euro Umsatz knacken, womit der Weltmarktanteil von gut 9 auf 9,5 Prozent ausgebaut werden könnte. Der Außenhandelsüberschuss dürfte im laufenden Jahr voraussichtlich 143 Milliarden Euro betragen.

 

JPMorgan zahlt Lehmann-Opfern 800 Mio. Dollar Entschädigung
Die US-amerikanische Großbank JPMorgan Chase zahlt ehemaligen Kunden der im September 2008 Pleite gegangenen Investmentbank Lehman Brothers rund 800 Millionen Dollar als Entschädigung. JPMorgan Chase war einer der engsten Geschäftspartnern von Lehman Brothers. Der Betrag wird dem zuständigen Treuhänder übergeben. Die Pleite von Lehman Brothers gilt als Katalysator der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Forderungen der Anleger weltweit belaufen sich auf rund 875 Milliarden Dollar.

 

Nissan ruft 200.000 Fahrzeuge wegen Rostgefahr zurück
Der japanische Autobauer Nissan hat in den USA 200.000 Geländewagen wegen Rostgefahr zurückgerufen. Im schlimmsten Falle drohe ein Ausfall der Lenkung – dies gelte allerdings nur für Bundesstaaten mit hartem Winter. Betroffen sind der Nissan Pathfinder (1996 bis 2004) sowie der QX4 der hauseigenen Nobelmarke Infiniti.

 

Ford schließt drei Werke wegen Nachschubproblemen
Wegen fehlender Zulieferteile aus Japan muss der US-Autobauer Ford an weltweit drei verschiedenen Standorten Fabriken vorübergehend schließen. Betroffen sind die Werke im südafrikanischen Pretoria, im chinesischen Nanjing und in Taiwan. Die drei Werke werden gemeinsam mit Mazda betrieben und hätten so wie so im laufe des Jahres nachfragebedingt für eine Woche geschlossen werden sollen. Diese Auszeit habe man nun jedoch vorgezogen.

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