Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 28.02.2011

Wirtschaft und Politik:
1. Ölindustrie und Finanzjongleure nutzen Libyenkrise zur Abzocke
2. Kartellamt will gegen Benzinoligopol vorgehen
3. Kartellamt nimmt auch Lebensmittelbranche ins Visier
4. Merkel holt sich viel kritisierten SPD-ler als Finanzberater
5. Weißrussland wirbt eigentümlich um Auslandsinvestitionen
6. Iranische Oppositionsführer Mussawi und Karrubi verschwunden

Branchen und Unternehmen:

7. BMW nennt Elektro-Ziele und hat Ärger mit dem Modellnamen
8. BMW und Peugeot konkretisieren Zusammenarbeit
9. Weltgrößter Bierkonzern will in Deutschland zu kaufen

 

Wirtschaft und Politik:

 

Ölindustrie und Finanzjongleure nutzen Libyenkrise zur Abzocke
Libyen produzierte bis vor kurzem noch 1,6 Mio. Barrel Öl pro Tag. Aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Unruhen sind die Exporte jedoch nahezu auf null zurückgegangen. Sowohl Saudi-Arabien als Einzelstaat als auch die Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) haben angekündigt, etwaige Lieferausfälle durch eine erhöhte Produktion zu ersetzen – Kapazitäten sind genügend vorhanden. Dies war auch der Tenor eines Aufrufs der Internationalen Energieagentur (IEA) an die OPEC vom Donnerstag. Die IEA verfügt ihrerseits über Reservevorräte von insgesamt 1,6 Mrd. Barrel Öl. Aus der Pressemitteilung heißt es: „Sowohl die Konsumenten als auch die Produzenten verfügen über Mechanismen, die adäquate Öllieferungen auf den Markt ermöglichen.“ Als Krisengewinner gerieren sich wieder einmal die großen Ölmultis und vor allem die Spekulanten und Zwischenhändler an den Spotmärkten: Allen voran verkündet diesmal die Investmentfirma Nomura Holdings, der Ölpreis könnte von real 80 Dollar pro Barrel, über derzeit krisenbedingte 113,98 Dollar (Montagmorgen) auf über 220 Dollar ansteigen – die Förderkosten erhöhen sich dabei um keinen Cent, die Gewinne verbleiben zu 100% bei den die Situation ausnützenden Förderern und Groß- wie Zwischenhändlern. Der Vorsitzende des Verbandes der russischen Erdöl- und Erdgasproduzenten, Gennadi Schmal: „Nach meiner Ansicht haben die wichtigsten Marktakteure die Möglichkeit, die Preise zu halten. Die OPEC hat große Reserven (beispielsweise Saudi-Arabien). Niemand außer den Spekulanten ist interessiert an hohen Preisen. Falls der Ölpreis jedoch auf über 200 US-Dollar steigt, wird er nicht lange auf diesem Niveau bleiben – höchstens anderthalb Monate. Koordinierte Schritte der OPEC- und anderer Länder werden helfen, den Preis auf dem notwendigen Niveau zu halten.“ Jedoch sollten diese Aussagen und Vorgänge zum Nachdenken der Politik und der Verbraucher über den Missbrauch der Marktmacht der hierfür verantwortlich Zeichnenden anregen. Staatliche Preiskontrollen ähnlich einer Preisgrenze wie bei unserem marktwirtschaftlichen Musternachbarn Luxemburg (gegen jegliche Vorwürfe des „Sozialismus“ erhaben), sowie eine jüngst auch auf dem G8-Gipfel von Sarkozy und Merkel geforderte Eingrenzung der Spekulation ist dringend erforderlich.

 

Kartellamt will gegen Benzinoligopol vorgehen
Aufgrund hartnäckiger Zweifel an der Effizienz des Preiswettbewerbs an den Tankstellen ermittelt nun das Bundeskartellamt. Kartellamtspräsident Mundt gab einen ersten Zwischen bericht: Demnach vermutet das Kartellamt, dass im deutschen Benzinmarkt wenige Anbieter das Preisgeschehen zum Schaden der Verbraucher diktieren. „Wir gehen davon aus, dass die Sektoruntersuchung am Ende unsere Schlussfolgerungen zu einem marktbeherrschenden Oligopol für die Branche untermauert.“ Die Untersuchungen laufen bereits seit zwei Jahren und wurden in den letzten Monaten intensiviert. Mundt ist „guter Hoffnung“, im Sinne der Verbraucher etwas gegen den Machtmissbrauch zu unternehmen. „Wir sind noch nie so in die Tiefe gegangen wie diesmal.“ Zum Vergleich: Der Spritpreis liegt auf dem Niveau von 2008, als der Ölpreis spekulationsgetrieben auf 150 Dollar hochschnellte, obwohl der Ölpreis derzeit jedoch "lediglich" bei 110-115 Dollar liegt.

 

Kartellamt nimmt auch Lebensmittelbranche ins Visier
Ein weiterer Schwerpunkt, mit dem sich das Bundeskartellamt derzeit beschäftigt ist die Lebensmittelbranche. Es gebe „Indikatoren dafür, dass der Wettbewerb nicht generell so lebhaft ist wie wir das bislang alle glaubten.“ Es gebe einen starken, medial inszenierten Wettbewerb um Produkte wie Milch, Joghurt und Butter, der jedoch das Geschehen verzerre. Bei anderen Produkten hegt die Behörde allerdings „erhebliche Zweifel“. Ein weiterer Konzentrationsprozess in der Branche soll zum Wohle des Verbrauchers verhindert werden: Zur Jahrtausendwende hatten sich noch sieben Handelsunternehmen 70% des Marktes geteilt. Jetzt teilen sich die vier großen Handelskonzerne Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi zusammen 85% des Lebensmitteleinzelhandels. Kartellamtschef Mundt: „Irgendwann ist es mit den schönen niedrigen Preisen vorbei. Marktmacht kehrt sich ins Gegenteil um.“

 

Merkel holt sich viel kritisierten SPD-ler als Finanzberater
„Vom Verursacher zum Reparateur der Finanzkrise?“ Der SPD-ler Jörg Asmussen, von März 2003 bis Juni 2008 Leiter der Abteilung VII Finanzmarktpolitik, danach Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, spielte für die Finanzkrise eine zentrale und sehr zweifelhafte Rolle. Er war einer der Vorkämpfer der Deregulierung des Finanzmarktes in Deutschland und Gesellschaftsbeirat der 2004 gegründeten Lobby-Organisation True Sale International GmbH (TSI), die sich für die Förderung von Verbriefungsgeschäften einsetzte, die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten. Auch für die Deregulierung von Hedge-Fonds hat sich „der Wolf im Schafspelz?“ stark gemacht. Nun hat die Bundeskanzlerin Merkel (CDU) in ihrer schwarz-gelb geführten Koalition den roten Jörg Asmussen (SPD) zu ihrem Berater bei globalen Finanzfragen gemacht. Der immer noch als roter Finanzstaatssekretär in dem schwarz-gelben Finanzministerium fungierende Jörg Asmussen soll demnach nun neuer Verhandlungsführer Merkels in der Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) werden. Bislang übte die Funktion ihr Vertrauter Jens Weidmann aus, der an die Spitze der Bundesbank wechselt.

 

Weißrussland wirbt eigentümlich um Auslandsinvestitionen
Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat auf recht eigentümliche Weise um Auslandsinvestitionen geworben. Ziel sei es, „globale Geldsäcke“ anzulocken. Es müssten „solide und einflussreiche Krösusse von Weltniveau und mit Gewicht in Regierungskreisen“ als Investoren ins Land geholt werden. „Ihr müsst sie buchstäblich an der Hand herführen. Wir haben ja vieles anzubieten“, heißt es vornehmlich in Richtung Außenministerium und Industrieministerium. Dies soll Technologien anlocken und den Absatz der weißrussischen Exporteure fördern.

 

Iranische Oppositionsführer Mussawi und Karrubi verschwunden
In Libyen lässt Gaddafi auf die Demonstranten mit Kampfflugzeugen und Scharfschützen schießen, in Bahrain fordert die milliardenschwere sunnitische Minderheitenmonarchie ebenfalls einen Blutzoll. Gleiches in Jemen, Oman, Jordanien, Algerien, bald wohl auch in dem Pulverfass Palästina  – und ängstlich beäugt auch China die separatistischen Tendenzen im eigenen Land und lässt die Sicherheitskräfte aufmarschieren. Die Tage des Zorns hatten im Prinzip bereits Mitte 2009 im Iran mit wochenlangen Demonstrationen und Dutzenden Toten einen vorläufigen Höhepunkt erreicht, waren aber von den Revolutionären Garden um Präsident Achmadinedschad niedergeknüppelt worden. Nun sind nach Angaben der International Campaign for Human Rights (ICHR) und dem arabischen Nachrichtensender al-Jazeera die beiden bedeutenden Oppositionsführer Mussawi und Karrubi nach zweiwöchigem Hausarrest an einen unbekannten Ort außerhalb Teherans verschleppt worden. Auch deren Frauen sind „verschwunden“.

 

Branchen und Unternehmen:

 

BMW nennt Elektro-Ziele und hat Ärger mit dem Modellnamen
BMW hatte letzte Woche seine neue Markentochter „BMW i“ vorgestellt, unter der die Elektro-Aktivitäten der Münchner Autoschmiede gebündelt werden sollen. Nun hat der Konzern seine Absatzziele konkretisiert: Der i3 genannte Elektro-Bayer soll über 40.000 Euro kosten und einen höheren Absatz als Rolls Royce erzielen, vergleichbar mit jenen des Mini-Derivats. Das Elektro-Auto „i3“ von BMW war bislang „Megacity Vehicle“ genannt worden. Gegen die neue Bezeichnung mit der Voranstellung des Buchstaben „i“ wehrt sich nun Hyundai, das seine Modellreihen traditionell mit einem vorangestellten „i“ bezeichnet. Ob gleiches auch für Apple mit seinem „i“ in allen Produkten gilt, ist unbekannt.

 

BMW und Peugeot konkretisieren Zusammenarbeit
BMW und Peugeot planen durch einen Zusammenschluss bei zentralen Themen der Elektromobilität zur „BMW Peugeot Citroën Electrification“ Synergieeffekte vor allem bei Batterien und Elektromotoren. Nun wurde entschieden, die Entwicklung am Standort München anzusiedeln, die Produktion hingegen in einem nicht näher genannten Ort im Ausland, voraussichtlich in Frankreich. Weitere Details der Kooperation werden im Zuge des Genfer Automobilsalons diese Woche von den beiden Partnern vorgestellt.

 

Weltgrößter Bierkonzern will in Deutschland zu kaufen
Der weltgrößte Bierkonzern Anheuser-Busch InBev plant offenbar Zukäufe in Deutschland. Man wolle „wachsen und aktiv an der Konsolidierung der Branche teilnehmen“. In dem Konzern mit rund 300 Biermarken sind neben berühmten Marken wie Budweiser bereits auch die deutschen Traditionsmarken, Beck’s, Franziskaner und Löwenbräu eingegliedert. Auch soll in Deutschland kräftig in Marketing und neue Produkte investiert werden. Der belgische Konzern InBev hatte 2008 seinen US-Konkurrenten Anheuser-Busch übernommen, die Synergieeffekte würden dabei mit 2,25 Mrd. Dollar sogar höher ausfallen als erhofft.

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