Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 30.05.2011

Wirtschaftspolitik, Internationales:
1. Atomausstieg bis 2021 beschlossen
2. Hackerangriff auf größten US-Rüstungskonzern erfolgreich
3. Japan und EU kurz vor Freihandelsabkommen
4. Arabien benötigt 160 Mrd. Euro in drei Jahren
5. Schottland will bis 2020 zu 100% erneuerbar sein

Branchen und Unternehmen:
6. BASF baut weltgrößte TDI-Fabrik in Europa
7. VW besetzt nun auch den Vorstand von MAN
8. Bayer und Lanxess durch überzogene Rechnungen und korrupte Mitarbeiter betrogen

 

Wirtschaftspolitik, Internationales:

 

Atomausstieg bis 2021 beschlossen
Nach langen Verhandlungen hat sich die Regierungskoalition auf einen Fahrplan für den Atomausstieg verständigt und damit die erst im vergangenen Herbst beschlossene und umstrittene Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke wieder kassiert. Die im Zuge des Atommoratoriums vom Netz genommenen sieben ältesten AKW plus dem Pannenmeiler Krümmel sollen dauerhaft stillgelegt werden, die Brennelementesteuer wird nicht abgeschafft (bislang 2,3 Milliarden Euro pro Jahr bis 2016) und die sechs nächst ältesten Atomkraftwerk sollen bis spätestens 2021, die drei neuesten dann spätestens 2022 abgeschaltet werden – je nach Fortschritt der Energiewende. Eines der sieben ältesten AKWs, die ab sofort dauerhaft stillgelegt werden, soll aber während der nächsten beiden Winter bis 2013 als kalte Reserve für mögliche Energieengpässe zur Verfügung stehen. Welches AKW das sein, soll wird die Bundesnetzagentur noch festlegen. Der für die Reaktorsicherheit zuständige Bundesumweltminister Röttgen betonte, dieser Ausstiegsfahrplan sei unumkehrbar: „Es wird keine Revisionsklausel geben.“ Vorgesehen ist nun, dass ein Monitoringprozess die Fortschritte bei dem angestrebten Umstieg auf erneuerbare Energien kontrollieren soll. Kriterien sollen dabei Bezahlbarkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit sein. Das Statistische Bundesamt, die Bundesnetzagentur, das Bundesumweltamt und das Bundeskartellamt sollen nun gemeinsam in einem Monitoringprozess den Fortschritt überwachen und einen jährlichen Bericht vorlegen. Die Kriterien werden Bezahlbarkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit sein.
Nach dem früheren rot-grünen Atomausstiegsbeschluss wäre der letzte der gegenwärtig 17 Atomreaktoren etwa gegen 2022/23 vom Netz gegangen. Die Laufzeitverlängerung der schwarzgelben Koalition hatte die Betriebsdauer im Herbst 2010 um im Schnitt zwölf Jahre verlängert. Erst die Atomkatastrophe von Fukushima brachte die Regierungsparteien zum Umdenken.

 

Hackerangriff auf größten US-Rüstungskonzern erfolgreich
Das US-Unternehmen Lockheed Martin ist der größte Rüstungsproduzent für das US-Militär und damit einer der größten weltweit. In seinen Werken werden – teilweise in größeren Kooperationen – unter anderem folgende sensible Rüstungsgüter produziert: Die modernsten Kampfflugzeuge Stealth-Fighter F-22 und F-35, die beiden älteren Kampfjets F-117 und F-16, das Spionageflugzeug U-2, die RQ-170 Sentinel Stealth-Aufklärungsdrohne, verschiedene Radar- und Sonar-Systeme, darunter das komplette AEGIS-Waffenleitsystem, die panzerbrechenden Hellfire und Javelin Raketen, den modernen JASSM Marschflugkörper, das Raketenabwehrsystem und Patriot-Nachfolger MEADS, die atomarbestückte Interkontinentalrakete Trident für U-Boote, sowie auch seinerzeit das Hubble-Teleskop und derzeit die Entwicklung der neuen Orion-Raumkapsel. Lockheed-Martin hat nun letzte Woche die Regierungsbehörden über einen Cyber-Angriff auf seine Daten verständigt. Es liegt zwar keine offizielle Bestätigung vor, ob und welche Daten entwendet wurden, allerdings berichten US-Medien von einem gelungenen Diebstahl. Demnach sei der erfolgreiche Hack auf einen Datendiebstahl zuvor bei EMC/RSA zurückzuführen, dem Hersteller der von Lockheed verwendeten SecurID-Tokens. Damit konnten die Angreifer dann das Sicherheitssystem des Rüstungskonzerns überwinden. Lockheed war bereits vor zwei Jahren im Visier von Hackern. Damals hatten sich die Datendiebe Zugang zu Rechnern verschafft, auf denen Informationen zum 380 Milliarden Dollar schweren F-35-Kampfjet-Programm („Joint Strike Fighter“) abgelegt waren. Laut der Zeitung „Die Welt“ wirft der Vorfall auch ein Schlaglicht auf die Probleme, die Cloud-Lösungen für Unternehmen zwangsläufig mit sich bringt. Sobald den Mitarbeiter über das Internet Zugriff auf sensible Daten eingeräumt wird, beispielsweise durch eine Cloud, kann dieser Zugriff auch gehackt werden. Eine absolut sichere Lösung sei nicht möglich.

 

Japan und EU kurz vor Freihandelsabkommen
Die Handelsstreitigkeiten zwischen Japan und der EU wurden beigelegt. Damit ist der Weg für die Verhandlungen über ein geplantes Freihandelsabkommen frei. Derzeit erhebt die EU einen Zoll von zehn Prozent auf Waren aus Japan, während Japan keinerlei Zölle für Güter aus Europa berechnet. Den Verhandlungen soll zunächst eine Testphase vorangehen, in der beide Seiten ihre Zielsetzungen und Kooperationsbereitschaft prüfen sollen. Als weitere Themen werde eine engere Zusammenarbeiten bei der Sicherheit von Atomkraftwerken und eine gemeinsame Führungsrolle beim Klimawandel angestrebt. Beide Seiten verständigten sich auch darauf, die Unruheherde vom Nahen Osten und Nordafrika bis Nordkorea gemeinsam zu begegnen. Ein Freihandelsabkommen hat Japan mit der Schweiz bereits vor zwei Jahren beschlossen. Die EU hatte bislang den japanischen Wunsch nach einem weitreichenden Freihandelsabkommen gebremst. Gründe waren zahlreiche nicht-tarifäre Handelshindernisse, wie Normen, Unbedenklichkeitszeugnisse und weitere bürokratische Vorschriften. Japan müsse zudem ermöglichen, dass EU-Firmen auch den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen erhalten. Im Jahr 2010 belief sich der Handel zwischen der EU und Japan auf 109 Milliarden Euro. Die EU exportierte Waren und Dienstleistungen für 44 Milliarden Euro (davon Deutschland 13 Milliarden Euro) und importierte im Gegenzug rund 65 Milliarden Euro von seinem sechstwichtigsten Handelspartner.

 

Arabien benötigt 160 Mrd. Euro in drei Jahren
Der IWF warnt, dass die Staaten des arabischen Frühlings, der jüngsten Aufstände und Revolutionen, über 160 Milliarden Euro innerhalb der nächsten drei Jahre benötigen würden. Hintergrund sind die so genannten Brot-Revolten: Demnach hat nicht nur allein der Wille nach demokratischen Reformen zu den Protesten geführt, sondern auch die wirtschaftliche Not und die gestiegenen Preise, vor allem von Rohstoffen, Lebensmitteln und eben auch Brot. Das Phänomen der Lebensmittelunruhen war schon im Jahr 2008 aufgetreten, als im Vorfeld der Finanzkrise die Spekulanten in Rohstoffe flüchteten und damit massive Preisaufschlägen verursachten, in deren Zuge es in vielen ärmeren Staaten der Welt zu Unruhen mit Dutzenden Toten kam. Der IWF hat nun die G8 und die reichen arabischen Länder aufgefordert, die Länder finanziell zu unterstützen: „Die Region muss sich auf einen grundlegenden Wandel seines Wirtschaftsmodells vorbereiten“, heißt es zur Begründung. Aufgrund der Unsicherheit an den Finanzmärkten über die politische und wirtschaftliche Entwicklung müsse nun die internationale Gemeinschaft einspringen. Der IWF selbst will 35 Milliarden Dollar bereitstellen. Der britische Premierminister Cameron warnte, dass ein Versagen der internationalen Gemeinschaft angesichts des Umbruchs in der arabischen Welt das Risiko von „Instabilität vor der Tür Europas, Rückfall in autoritäre Staatsformen, Konflikt und Terrorismus“ bedeuten könne.

 

Schottland will bis 2020 zu 100% erneuerbar sein
Schottland weist eine der höchsten Windgeschwindigkeiten Europas auf. Allein die Leistung des Offshore-Potentials wird auf 206 GW geschätzt. Insgesamt könnte rund ein Viertel der europaweit erzeugten Wind- und Gezeitenenergie von Wind und Wellen vor der schottischen Küste erzeugt werden. Für die Offshorewindnutzung soll die Infrastruktur von nicht mehr genutzten Öl- und Gasvorkommen vor der Küste genutzt werden. Damit plant das fünf Millionen Einwohner Land, bis 2020 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen. Bislang war von 80 Prozent bis 2020 gesprochen worden. Als positiver Begeleiteffekt dürften rund 130.000 Arbeitsplätze neu entstehen. 2009 lag der Anteil der regenerativen Energieträger bei 27,4 Prozent, dieses Jahr werden vermutlich 31 Prozent erreicht. Allerdings sollen die konventionellen Kraftwerke auch über 2020 hinaus weiter produzieren. Der Plan sieht vor, ab dieser Marke insgesamt doppelt soviel Strom zu produzieren, wie Schottland selber verbraucht. Der Überschuss soll dann verkauft werden. Die regierende Mitte-Links-Partei SNP hatte ihren Wahlkampf im April/Mai 2011 nicht nur mit dem Versprechen eines Referendums über die schottische Unabhängigkeit bestritten, sondern auch mit dem einer 100-Prozent-Versorgung mit Erneuerbaren Energien bis 2020.

 

Branchen und Unternehmen:

 

BASF baut weltgrößte TDI-Fabrik in Europa
Der Deutsche Chemieriese BASF, der weltweit führende Chemiekonzern, hat eine Multimillioneninvestition für Europa angekündigt. Für den Kunststoff TDI (Toluoldiisocyanat) soll eines der weltweit größten Werke errichtet werden. Als Standort ist entweder der Stammsitz in Ludwigshafen oder im belgischen Antwerpen vorgesehen. Der Kunststoff TDI wird in Sitzpolstern, Matratzen und Innenverkleidungen vor allem in der Möbel- und Autoindustrie eingesetzt. Das geplante Werk soll ab 2014 rund 300.000 Tonnen pro Jahr produzieren. Die genaue Investitionssumme will BASF dann gemeinsam mit der Wahl des endgültigen Standorts bekanntgeben.Dr. Martin Brudermüller, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BASF SE: „Diese neue Investition unterstützt die Wachstumsstrategie der BASF, unterstreicht unsere führende Position als weltweit größter TDI-Produzent und untermauert unser starkes Engagement im TDI-Markt. BASF wird in der Lage sein, die Nachfrage der Kunden durch lokale Produktionen im Weltmaßstab in den wichtigsten Märkten Nordamerika, Europa und Asien, vor allem in China, zu bedienen. Wir haben eine ausgezeichnete Technologie und herausragende Sicherheitsstandards. Darüber hinaus ermöglicht unser einzigartiges Verbund-Konzept unserem Unternehmen exzellente Kostenstrukturen.“ Der Chemiekonzern hatte 2010 bei einem Jahresumsatz von 63,873 Milliarden Euro ein Nettergebnis von 5,074 Milliarden Euro realisiert.

 

VW besetzt nun auch den Vorstand von MAN
Erst Mitte Mai hatte der VW-Konzern die 30-Prozent-Schwelle der Anteile bei MAN überschritten und seine Aufsichtsratsposten bei dem Lkw-Bauer von drei auf fünf der insgesamt acht Posten aufgestockt. Aufsichtsratschef ist VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Daneben sind in dem Gremium VW-Chef Martin Winterkorn, Finanzchef Hans Dieter Pötsch, Nutzfahrzeugvorstand Jochem Heizmann und Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler vertreten. Nun greift VW erstmals in das operative Geschäft von MAN ein. Dafür soll Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen auf den neu geschaffenen Posten des Einkaufschefs in den MAN-Vorstand wechseln. Im Ergebnis dürfte dadurch der MAN-Vorstand künftig noch enger von Volkswagen kontrolliert werden. Die beiden Unternehmen wollten sich zu der Personalie nicht äußern. Der neue Finanzvorstand soll vor allem dafür sorgen, dass die Synergien im Einkauf zwischen MAN und Scania besser genutzt werden. Laut Schätzungen von VW liegen die Einsparungen in einer Größenordnung von 200 Millionen Euro.
 

Bayer und Lanxess durch überzogene Rechnungen und korrupte Mitarbeiter betrogen
Der Bayer-Konzern und die Leverkusener Lanxess AG wurden offenbar um Millionen betrogen. Ein Netzwerk aus Dutzenden Firmen aus dem Bereich Informations- und Nachrichtentechnik soll den Großkonzernen überzogene Rechnungen gestellt haben und wurden dabei angeblich durch korrupte Mitarbeiter gegen die Zahlung üppiger Schmiergelder gedeckt. Dem Netzwerk sei man bereits seit zwei Jahren auf der Schliche, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegenwärtig gegen 43 Verdächtige. Weitere Opfer sollen die Post AG und Netcologne sein. Ein Bayer-Sprecher bestätigte den Vorfall, wollte sich aber nicht zu der Schadenshöhe oder eigenen Mitarbeitern innerhalb des Netzwerkes äußern. Ein Post-Manager hat bereits gestanden, von IT-Dienstleistern mehr als eine halbe Million Euro Bestechungsgelder erhalten zu haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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