Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 31.03.2011

Wirtschaftspolitik, Internationales:
1. Weiterhin freiwillige Selbstverpflichtung bei Frauenquote
2. BayernLB wird doch nicht privatisiert
3. Bankenstreit um Systemrelevanz und Lehren aus der Finanzkrise
4. Deutsche Wirtschaft verdoppelt Wachstum im ersten Quartal
5. Libyeneinsatz der USA hat bereits 550 Millionen Dollar gekostet

Branchen und Unternehmen:

6. Erste Privatbahn gibt Forderungen der Lokführer nach
7. Media-Saturn kauft Online-Händler
8. Kronprinz des Milliardärs Buffetts mit Vorwurf des Insiderhandels

 

Wirtschaftspolitik, Internationales:

 

Weiterhin freiwillige Selbstverpflichtung bei Frauenquote
Die Bundesregierung hat mit einer gesetzlichen Regelung gedroht, falls der Anteil von Frauen in den Chefetagen deutscher Konzerne nicht steigt. Daraufhin haben die 30 großen deutschen DAX-Konzerne jetzt eine freiwillige Frauenquote versprochen und sich zu Zielvorgaben und Transparenz beim Erreichen einer jeweils selbst definierten Frauenquote in ihren Führungsgremien verpflichtet. Damit konnte sich Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit einer gesetzlichen Frauenquote von 30 Prozent bis 2018 nicht durchsetzen. Sie bemängelte die Ergebnisse als "nicht konkret genug". Es fehle an konkrete Zahlen, Zeitleisten und Strategien. Auch SPD und Gründe fordern eine gesetzliche Regelung. Während mittelgroße Unternehmen bis zu 20 Prozent Frauen in Führungspositionen haben, halbiert sich diese Quote bei den großen Unternehmen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lehnt eine gesetzliche Regelung weiterhin ab. BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: „Einheitlich vorschreiben oder definieren kann man diese Ziele nicht, dafür sind die Umstände und die erforderlichen Profile für Führungspositionen in den einzelnen Unternehmen zu unterschiedlich.“

 

BayernLB wird doch nicht privatisiert
Ursprünglich war geplant, die staatliche Landesbank BayernLB noch in der Legislaturperiode bis 2013 für Verkauf, Fusion oder Börsengang fit zu machen. Hintergrund war die Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes der EU-Kommission, die stark auf Privatisierungen gesetzt hatte und das Beihilfeverfahren eröffnet hatte. Ihr Nachfolger als Wettbewerbskommissar, Joaquín Almunia, verfolgt hingegen einen umsichtigeren Kurs und legt ein größeres Gewicht auf die Restrukturierung und Zukunftsfähigkeit der staatlich gestützten Banken, wodurch ein höherer Verkaufspreis erzielt werden kann. Laut Landesbankchef Häusler pocht die EU-Kommission daher nun nicht mehr auf einen unmittelbaren Verkauf. Wenn die Bank überzeugend darlegen könne, dass sie überlebensfähig ist, müsste sie auch gar nicht verkauft werden. Allerdings war aus dem bayerischen Finanzministerium eine Bekräftigung der Ausstiegspläne zu hören, man könne sich jetzt jedoch mehr Zeit lassen. Die BayernLB musste nach 5,2 Milliarden Euro Spekulationsverlusten mit verbrieften US-Immobilienkrediten 2008 vom Freistaat Bayern mit 10 Milliarden Euro gerettet worden. Wegen der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria (HGAA) wurden dann weitere 2,6 Milliarden Euro Verlust gemacht. Landesbankchef Häusler betonte, dass die Landesbank nun kein eigenes Finanzmarktgeschäft mehr mache: "Sie zockt nicht. Sie macht Kundengeschäft." Die Kernkapitalquote sei mit 11,2 Prozent sehr gut und der bevorstehende Bankenstresstest daher kein Problem. Im vergangenen Jahr machte die Bank unterm Strich 590 Millionen Euro Gewinn, nach einem Verlust von 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2009.

 

Bankenstreit um Systemrelevanz und Lehren aus der Finanzkrise
Die britische HSBC, das größte Geldhaus Europas fordert eine Verlängerung der Liste systemrelevanter Finanzinstitute von 30 auf 80 Institute. Da die systemrelevanten Banken („too big to fail“) künftig mit einem noch auszugestaltenden Aufschlag auf die Eigenkapitalvorschriften bedacht werden, um die Volkswirtschaften vor neuen Krisen und eventuellen Bankzusammenbrüchen diesmal schützen zu können, fühlt sich die HSBC benachteiligt, falls die Liste nur 30 Banken betreffen würde. Derzeit stehen nur zwei deutsche Finanzinstitute auf dieser Liste: Die Deutsche Bank und die Allianz. Fraglich ist der Status der Commerzbank. Derweil hat der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erneut über die „Ertragsschwäche der deutschen Kreditwirtschaft“ geklagt. Die von der Bundesregierung geplante Bankenabgabe würde dieses Problem noch weiter verschärfen. Auch der Lobby-Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, warnte: „Wenn alle geplanten Maßnahmen greifen, werden Gewinne nicht nur erschwert, sondern zum Großteil aufgezehrt.“ Wenn auch eine europaweite Finanzmarktsteuer eingeführt werden sollte, dann müssten die deutschen Banken voraussichtlich „bis zu 70 Prozent“ ihrer Gewinne abgeben. Von Ertragsschwäche kann jedoch gerade in dem Hause Ackermann keine Rede sein: Seine im volkswirtschaftlichen Unternehmensvergleich sehr hohe Renditevorstellung von 25% auf das Eigenkapital und der von ihm angepeilte Rekordgewinn von 10 Milliarden Euro in 2011 sprechen seiner Aussage von der „Ertragsschwäche der deutschen Kreditwirtschaft“ Hohn. Laut Berechnungen der Commerzbank hat die vor allem im überbezahlten Zocker- und Casinobereich des Investmentbankings mit ausgelöste Finanzkrise insgesamt 10 Billionen Dollar Schaden angerichtet. Staaten wie Irland, Spanien und Großbritannien haben immer noch mit den Folgen zu kämpfen. Die Finanzmarktsteuer soll daher nicht nur die Finanzmärkte weg von der Casinomentalität und wieder zurück zu ihrer genuinen Aufgabe führen (Sand ins Getriebe der Spekulation), sondern auch Teile der entstandenen Verluste für die Gesellschaft wieder ausgleichen. So meinte schon Frank-Walter Steinmeier (SPD) 2009: „Die Kosten der Krise dürfen am Ende nicht allein bei kleinen und mittleren Steuerzahlern hängen bleiben.“

 

Deutsche Wirtschaft verdoppelt Wachstum im ersten Quartal
Der Aufschwung hat laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)  im ersten Quartal trotz Japan-Katastrophe, Libyen-Krieg und steigenden Rohstoffpreisen weiter angehalten. Im Vergleich zum Vorquartal werde das Wachstum voraussichtlich 0,9 Prozent betragen. Noch im Februar hatten die Ökonomen lediglich ein Plus von 0,6 Prozent vorausgesagt. Am Jahresende 2010 waren es nur 0,4 Prozent gewesen. Dabei werde die Dynamik von starken Nachholeffekten in der Baubranche dominiert. Das Bauhauptgewerbe konnte im Januar um 36 Prozent gegenüber dem Vormonat zulegen und damit den starken, wetterbedingten Einbruch zu Winterbeginn mehr als ausgleichen. Auch die Bestellungen aus dem Innland hätten weiter zugelegt und so der Industrie kräftige Impulse geliefert. Allerdings seien auch die Risiken für die Konjunktur in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Dazu gehören ein möglicher Super-GAU in gleich drei Reaktoren auf einmal in Japan, die anhaltenden gesellschaftlichen Umwälzungen in den ölreichen Staaten des Nahen Ostens sowie eine höhere Inflation. Experten erwarten für das laufende Jahr dennoch ein Wachstum von bis zu 3 Prozent.

 

Libyeneinsatz der USA hat bereits 550 Millionen Dollar gekostet
Laut dem US-Verteidigungsministerium hat die Beteiligung am Militäreinsatz in Libyen den USA bisher Kosten in Höhe von 550 Millionen Dollar verursacht. Allerdings seien einige Kostenpunkte wie beispielsweise Soldatengehälter darin nicht einkalkuliert. 60 Prozent der Summe wurden dabei für Munition sowie für die Verlegung der Truppen ins Kampfgebiet aufgewendet. Die USA hatten innerhalb von zehn Tagen 192 Tomahawk-Marschflugkörper auf Libyen abgefeuert. Der Stückpreis beträgt rund eine Million Dollar. Für die künftigen Kosten des Einsatzes geht das Pentagon von 40 Millionen Dollar in den kommenden drei Wochen aus. Für einen eventuellen Zeitraum danach würden die Kosten bei 40 Millionen Dollar monatlich liegen.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Erste Privatbahn gibt Forderungen der Lokführer nach
Der private Regionalzugbetreiber Keolis, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF,  ist offenbar bereit, auf die Forderungen der Lokführergewerkschaft GDL einzugehen. Zur Begründung wurden die hohen Kosten angeführt, die Keolis durch weitere Streiktage drohen würden. Der Schaden allein durch den Streik am Montag habe sich auf 110.000 Euro belaufen, bei einem Jahresumsatz von 100 Mio. Euro. Die GDL fordert einen gemeinsamen Tarifvertrag für alle 26.000 Lokführer auf 105% des DB-Niveaus. Die Privatbahnen entlohnen ihre Lokführer zum Teil bis zu 30% darunter. Da die nun mehr konstruktiven Gespräche zwischen GDL und DB auf eine Einigung hinauslaufen, bestreikt die GDL seit Montag erstmals nur noch die Privatbahnen, die Deutsche Bahn ist nicht mehr betroffen. Gegen die verbleibenden Privatbahnen soll von diesem Donnerstag, 3 Uhr, bis Samstag, 2 Uhr gestreikt werden.

 

Media-Saturn kauft Online-Händler
Europas größte Elektrohandelskette Media-Saturn (Umsatz 20,8 Mrd. Euro) hat den Online-Elektrohändler Redcoon gekauft, um sein Onlinegeschäft zu stärken. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt. Intern hatte es um das Online-Geschäft in der Gruppe lange Streit gegeben. Erst hatten sich die lokalen Geschäftsführer dagegen gewehrt, anschließend gab es technische Probleme bei der Umsetzung, die den Auftritt weiter verzögerten. Redcoon war 2003 von einem ehemaligen Media-Saturn-Angestellten in Aschaffenburg gegründet worden. Mit dem Verkauf von Elektrogeräten und anderem setzte das Unternehmen, das in zehn europäischen Ländern aktiv ist, im Geschäftsjahr 2009/2010 354 Mio. Euro um.

 

Kronprinz des Milliardärs Buffetts mit Vorwurf des Insiderhandels
David Sokol, Chairman bei mehreren Sparten der Holding Berkshire Hathaway des US-Starinvestors und Multimilliardärs Warren Buffetts (der viert reichste Mann der Welt hat einen gerade mal halb so hohen Steuersatz wie seine Empfangsdame), galt lange Zeit als dessen möglicher Kronprinz. Nun wurde gegen Sokol der Vorwurf des Insiderhandels erhoben, woraufhin dieser seine Kündigung einreichte. Laut Buffett habe David Sokol Aktien des Chemie-Konzerns Lubrizol gekauft und ihm anschließend eine Übernahme der Firma empfohlen. Buffett hatte Lubrizol Mitte des Monats für 9 Mrd. Dollar gekauft. Er habe Sokol jedoch nicht entlassen und Sokol habe seiner Meinung nach auch nicht gegen Gesetze verstoßen. Sokol will sich nun in der Zukunft verstärkt um die Investments seines Privat- und Familienvermögens kümmern.

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