Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 31.05.2011

Wirtschaftspolitik:
1. Mittelstandskonjunkturbaromter weiterhin auf hohem Niveau
2. Arbeitsgemeinschaft Mittelstand stellt Jahresmittelstandsbericht 2011 vor
3. Firmenpleiten sinken auf Vorkrisenniveau
4. 2,9 Mio. Arbeitslose – Rückgang auf 2,4 Mio. im Herbst möglich
5. Energetische Sanierung als Schlüssel der Energiewende
6. Stand der Forschung bei Lithiumionen-Batterien online abrufbar

Branchen und Unternehmen:
7. Japanische Autoindustrie mit massiven Einbrüchen
8. Chinesischer Automarkt kühlt sich ab – Wachstum geht von 34% auf 7,4% zurück
9. VW legt offizielles Übernahmeangebot für MAN vor
10. Weltgrößter Chemikalienhändler aus Berlin kauft in den USA zu

 

Wirtschaftspolitik:

 

Mittelstandskonjunkturbaromter weiterhin auf hohem Niveau

Die KfW-Bankengruppe und das ifo Institut haben erneut ihr

monatliches Mittelstandsbaromter

 durchgeführt. Demnach kühlte sich im Mai zum dritten Mal in Folge seit Februar 2011 die Zuversicht des Mittelstands leicht ab – allerdings liegen die Erwartungen immer noch auf dem sehr hohen Niveau von November 2010, das abgesehen von den folgenden drei Monaten bis Februar in keinem der früheren Konjunkturzyklen bislang erreicht worden war. Insofern spricht KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch auch von einer Normalisierung: „Das Mai-Ergebnis bestätigt die von uns erwartete konjunkturelle Normalisierung, nachdem die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2011 im Vorjahresvergleich um rund 5 Prozent und damit so stark wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland gewachsen ist. (…) Dieses hohe konjunkturelle Tempo kann nicht dauerhaft durchgehalten werden.“ Der leichte Rückgang von dem Rekordwert betrifft dabei sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen für das kommende Halbjahr. Der Stimmungsindex aus Erwartungen und Lage fiel

um insgesamt 0,4 Punkte auf 13,2 Zähler

. Die noch immer sehr hohen Niveaus von Geschäftsklima und Beschäftigungsplänen in allen Sektoren würden jedoch auf eine weiterhin deutlich steigende Wirtschaftsaktivität schließen lassen. „Auch wenn sich das Quartalswachstum im weiteren Jahresverlauf merklich abflachen dürfte, wird die Wirtschaftsaktivität deutlich aufwärtsgerichtet bleiben. (…)

Daher gehen wir weiterhin von einem sehr starken Aufschwung in Deutschland aus

, der mindestens bis ins nächste Jahr trägt.“

 

Arbeitsgemeinschaft Mittelstand stellt Jahresmittelstandsbericht 2011 vor
(Pressemitteilung) Der deutsche Mittelstand als Herzstück der Wirtschaft ist seit dem vergangenen Jahr auf Wachstumskurs. Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand geht im Jahr 2011 von einem Umsatzzuwachs bei den mittelständischen Unternehmen in Höhe von fast 3 Prozent aus. Der Zuwachs liegt damit ähnlich hoch wie im vergangenen Jahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten im Mittelstand um 0,5 Prozent auf 32,4 Millionen an. Der Mittelstand glich die leichten Beschäftigungsverluste des vergangenen Jahres damit mehr als aus. (Zur vollständigen Pressemitteilung.)

 

Firmenpleiten sinken auf Vorkrisenniveau
Auch bei der Zahl der Firmenpleiten ist das Negativjahr 2009 mit insgesamt 33.700 insolventen Betrieben überwunden. Im ersten Quartal 2011 sank die Zahl der Firmeninsolvenzen gegenüber dem Vorjahresquartal um 8,7 Prozent auf 7.423 Fälle. Die Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel rechnet nun in ihrer vierteljährigen Studie für das Gesamtjahr 2011 mit unter 30.000 Firmenpleiten und damit mit einer Normalisierung auf das Vorkrisenniveau. Am wenigsten Insolvenzen gab es regional gesehen in Bayern (16 Pleiten je 10.000 Unternehmen), gefolgt von Baden-Württemberg (18) und Hessen (21). Am hinteren Ende der Skala rangieren Sachsen (34), Sachsen-Anhalt (42) und Bremen (50). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 23 Pleiten je 10.000 Unternehmen. Von den betroffenen Betrieben entfällt fast die Hälfte auf Kleinstunternehmen wie Gewerbetreibende und Einzelunternehmen.

 

2,9 Mio. Arbeitslose – Rückgang auf 2,4 Mio. im Herbst möglich
Die Zahl der Erwerbslosen sank im Mai erstmals in diesem Jahr unter die Marke von drei Millionen (2,96 Millionen). Das sind 276.000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank dadurch im Vormonatsvergleich von 7,3 auf 7,0 Prozent. BA-Chef Frank-Jürgen Weise: „Der Arbeitsmarkt profitiert vom stabilen Aufschwung der deutschen Wirtschaft.“ Die Nachfrage nach Arbeitskräften schwäche sich zwar leicht ab, liege aber weiterhin auf hohem Niveau und noch immer seien über eine Million Stellen unbesetzt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet im Jahresmittel mit einem Rückgang auf 2,8 Millionen Erwerbslose –der niedrigste Stand seit 1991. Für den Herbst wäre sogar eine Arbeitslosenzahl um 2,4 Millionen möglich. Die Zahl der Beschäftigten stieg gleichzeitig auf 40,79 Millionen Menschen an, den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung.

 

Energetische Sanierung als Schlüssel der Energiewende
Rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude. Angesichts dieser Dimension erwartet der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) durch die Energiewende einen „Riesenschub“ für das deutsche Handwerk und den Bereich der Gebäudesanierung. Deshalb sollen auch die bereitgestellten Fördermittel von 1,5 Milliarden Euro ab 2012 auf mindestens zwei Milliarden Euro angehoben werden. Laut ZDH-Chef Holger Schwannecke sind Einsparungen die nachhaltigste Energiequelle und die Sanierung veralterter Heizungsanlagen und der Gebäude seien ein bedeutender „Schlüssel für die Energiewende“. Die energetische Sanierung müsse daher auch verstärkt im gewerblichen Bereich und bei öffentlichen Gebäuden gefördert und umgesetzt werden. Da die energetische Sanierung im Mietbestand regelmäßig zu Unstimmigkeiten zwischen Vermieter und Mieter führt, hat der Deutsche Mieterbund eine 30 Seiten starke Mustervereinbarung erarbeitet, die beiden Seiten helfen soll, mögliche Streitpunkte im Vorfeld zu klären.

 

Stand der Forschung bei Lithiumionen-Batterien online abrufbar
Die Elektromobilität ist auf leistungsstarke Akku-Batterien angewiesen. Die Lithiumionen-Technologie weist dabei derzeit eine höhere Energiedichte auf als andere Batterien, ist aber selbst noch nicht ausgereizt. Im Fokus der Forschungsbemühungen stehen eine Erhöhung der Reichweite, höhere Sicherheit und kürzere Ladezeiten. Dabei wird auch versucht, umweltschädliche Materialien wie das Kobalt (für die positive Elektrode) zu ersetzen. Der Chemiker Wolfgang Märkle gibt nun bei der Zeitschrift „Gesellschaft Deutscher Chemiker“ einen umfassenden Überblick über den Stand der Forschung bei Lithiumionen-Batterien. Die entsprechende PDF-Datei gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie“ unter nachrichten@gdch.de.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Japanische Autoindustrie mit massiven Einbrüchen
Der weltgrößte Autobauer Toyota ist von den Nachfolgen der Naturkatastrophe vom 11. März noch schwer getroffen. Die heimische Produktion in Japan sank im April um 78,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf 53.823 Autos. Der Produktionsrückgang weltweit betrug 47,8 Prozent auf 308.555 Einheiten. Toyota rechnet damit, dass die Produktion in Japan erst im November, Dezember wieder die volle Auslastung erreicht. Grund sind Schäden an den eigenen Werken sowie schadensbedingte Ausfälle in der Zulieferkette. Ab Juni 2011 könne jedoch voraussichtlich in Japan und auch in den USA wieder mit 70 Prozent Auslastung produziert werden. Toyota Motor Europe wird hingegen schneller als erwartet auf das volle Produktionsniveau zurückkehren. Bereits zum 1. Juni 2011 sollen die europäischen Konzerntöchter wieder ihre volle Produktion aufnehmen. Toyotas Führungsposition ist jedoch auch auf anderem Gebiet gefährdet: Laut der Studie „Automotive Innovations 2011“ des Center of Automotive Managements in Bergisch Gladbach stürzte der Branchenprimus bei den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in 2010 von Platz zwei auf Rang acht ab. Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft folgert: „Toyota droht den Wettbewerbsvorteil zu verschenken.“ Der japanische Konkurrent Honda hat ebenfalls unter den Auswirkungen der Erdbebenkatastrophe mit einem massiven Produktionsrückgang zu kämpfen: Die heimische Produktion sank um 81 Prozent auf 14.168 Autos. Weltweit ging die Zahl um 52,9 Prozent auf 138.498 Einheiten zurück. Nissan wurde etwas weniger hart getroffen: Die Produktion in Japan ging um 48,7 Prozent auf 44 193 Wagen zurück, weltweit um 22,4 Prozent auf 248.024 Autos.

 

Chinesischer Automarkt kühlt sich ab – Wachstum geht von 34% auf 7,4% zurück
Der weltweite Automarkt wuchs 2010 um zwölf Prozent auf 61,7 Millionen neue Pkw. Am stärksten legte dabei der chinesische Markt zu, der um 34 Prozent auf 11,3 Millionen Einheiten wuchs und sich damit allein in den letzten beiden Jahren beinahe verdoppelt hat. Damit rangiert China nur noch knapp hinter dem größten Automarkt, den USA mit 11,6 Millionen verkauften Kfz. Chinas größter Autobauer Saic erwartet nun allerdings ein Ende des Booms. Das Umfeld für die chinesische Autoindustrie habe sich von positiv zu neutral gewendet, das Wachstum gehe daher auf den einstelligen Wert von vermutlich 7,4 Prozent zurück. Grund seien die stark ansteigende Inflation, der hohe Ölpreis und ein sich abschwächendes Konsumklima. Auch laufen eine Reihe staatlicher Anreize zum Kauf von Autos aus.

 

VW legt offizielles Übernahmeangebot für MAN vor
Anfang Mai hatte VW die 30-Prozent-Schwelle bei dem Lkw-Bauer MAN überschritten und dann in der Folge den Anteil an den Aufsichtsratsposten von drei auf fünf der acht Sitze ausgebaut. Letzte Woche wurde auch erstmals in das operative Geschäft von MAN eingegriffen, indem der Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen auf den neu geschaffenen Posten des Einkaufschefs in den MAN-Vorstand wechselt. Im Ergebnis dürfte dadurch der MAN-Vorstand künftig noch enger von Volkswagen kontrolliert werden. Der neue Finanzvorstand soll vor allem dafür sorgen, dass die Synergien im Einkauf zwischen MAN und Scania besser genutzt werden – laut VW liegen die Einsparungen in einer Größenordnung von 200 Millionen Euro. Das nun vorgelegte Übernahmeangebot von 95 Euro je Stammaktie liegt allerdings unter dem gegenwärtigen MAN-Kurs von rund 96,70 Euro je Stammaktie. VW beabsichtig zunächst, seine Beteiligung an MAN auf 35 bis 40 Prozent auszubauen. 

 

Weltgrößter Chemikalienhändler aus Berlin kauft in den USA zu
Der 1874 in Berlin gegründete Konzern Brenntag ist der weltgrößte Chemikalienhändler. Das Kerngeschäft liegt in Massen- und Spezialchemikalien und in der Übernahme von Logistik-Aufgaben, die die großen Chemiekonzerne inzwischen abgegeben haben. 2010 setzte Brenntag 7,65 Milliarden Euro um. Mit der Übernahme des US-Familienunternehmens G.S. Robins & Company soll nun das US-Geschäft weiter ausgebaut werden. Das Unternehmen hat seinen Sitz in St. Louis, Missouri, und setzte 2010 rund 96 Millionen Dollar um. Der Kaufpreis wurde hingegen nicht genannt. Brenntag hatte bereits Anfang Mai angekündigt, durch Übernahmen weiter wachsen zu wollen. Dabei seien vor allem die Bereiche Wasseraufbereitung, Oberflächenbehandlung, Nahrungsmittel und Körperpflege im Fokus. Da der Markt stark fragmentiert ist, sollen vor allem kleinere Konkurrenten übernommen und dann schnell integriert werden.

 

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