Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen vom 11.10.2010

1. Wechselkurskonflikt dominiert IWF-Jahrestagung:
2. Türkei und China verzichten künftig auf US-Dollar:
3. IWF fordert eine weltweite Stärkung der Binnenmärkte:
4. EU will Auswüchse bei Banken-Boni künftig unterbinden:
5. IWF-Jahrestagung | Banker warnen vor zuviel Regulierung:
6. Asiens Devisenreserven massiv gewachsen:
7. China versucht eine gigantische Immobilienblase zu verhindern:
8. Internationaler Schutz des geistigen Eigentums wird gestärkt:
9. Deutsche Wirtschaftsdelegation will 25-Milliardenaufträge in Brasilien:
10. Wirtschaftspotential | Berlin erstmals vor München:
11. Staatliche Förderbank KfW rechnet mit Milliardengewinn:

 

Wechselkurskonflikt dominiert IWF-Jahrestagung:
Die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington am Wochenende war von den beiden Themen Währungsturbulenzen und Wechselkurskonflikte dominiert worden. US-Finanzminister Geithner wollte dabei offenbar Chinas Währungspolitik als alleinige Ursache für die globalen Ungleichgewichte und Wechselkursturbulenzen darstellen, um von den Problemen des US-Dollars als Weltwährung abzulenken. In der Tat will China seine Währung bei weitem nicht so stark aufwerten wie nötig, andererseits verliert der US-Dollar gegenüber allen anderen Währungen der Welt weiter an Wert. Als Überbewertet gelten derzeit der japanische Yen, der Euro und besonders auch der brasilianische Real.

 

Türkei und China verzichten künftig auf US-Dollar:
Bei einem türkisch-chinesischen Gipfeltreffen haben die beiden Länder vereinbart, künftig bei ihren Handelsbeziehungen auf den US-Dollar zu verzichten. Gleiches hat die Türkei bereits mit Russland und dem Iran getroffen. Zudem soll der Handel zwischen der Türkei und China von derzeit 17 Milliarden Dollar auf 50 Milliarden im Jahr 2015 und auf 100 Milliarden Dollar 2020 anwachsen.

 

IWF fordert eine weltweite Stärkung der Binnenmärkte:
IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard hat im jüngsten Wirtschaftsausblick gemahnt, bestehende Ungleichgewichte möglichst schnell auszugleichen. "Erst einmal geht es darum, dass die Staaten zu ihrem inneren Gleichgewicht finden. Als in der Krise die private Nachfrage einbrach, da halfen Konjunkturprogramme, das Schlimmste zu verhindern. Das war nötig und richtig. Doch nun muss die private Nachfrage zum Antreiber der Erholung werden, weil die meisten Konjunkturprogramme auslaufen." Private Nachfrage und Investitionen müssten gefördert werden. Zudem müssten die riesigen externen Ungleichgewichte gemildert werden: Defizitländer wie die USA müssen ihre Exportanstrengungen verstärken, Länder mit einem notorischen Exportüberschuss, wie Asien und Deutschland hingegen, sollten die heimische Nachfrage stärken, um mehr Unabhängigkeit von den Exporten und somit eine höhere Stabilität zu erreichen.

 

EU will Auswüchse bei Banken-Boni künftig unterbinden:
Das Komitee der europäischen Bankenregulierer (CEBS) hat angekündigt, die Vergabe der oft unverhältnismäßig hohen Bonuszahlungen bei Banken stärker zu reglementieren. Die Boni sollten künftig in einem „angemessenen Verhältnis“ zu ihren Fixgehältern stehen. Die Richtlinien der Bankenregulierer für Aufsichtsbehörden und Banken präzisieren die von der EU im Juli angekündigten strengeren Regelungen zu Bonuszahlungen und sollen europaweit ab nächstem Jahr gelten. Demnach sollen die Manager künftig 40-60% der Boni erst nach drei bis fünf Jahren bekommen, da die Ausrichtung der Prämien an kurzfristigen Zielen mit als eine der großen Ursachen für die Finanzkrise gilt. Auch unverhältnismäßig hohe Abfindungszahlungen sollen verhindert werden und die Abfindung künftig der Leistung eines Bankers entsprechend ausfallen.

 

IWF-Jahrestagung | Banker warnen vor zuviel Regulierung:
Die Bankbranche hat anlässlich der Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Washington vor zuviel Regulierung des Sektors gewarnt. Offenbar fürchten sich die Banker vor weniger Gewinnen. Die Branche hat sich an stark steigende Gewinne gewöhnt und warnt nun, dass zuviel staatliche Regulierungen das Bankgeschäft verteuern würde. Zwischen 2002 und 2006 waren die Gewinne der 1.000 größten Geldinstitute um jeweils 20% auf den aggregierten Gewinn von 780,8 Mrd. US-Dollar gewachsen. Banker warnten nun, dass die Institute die lukrativen Märkte in den Ländern verlassen würden, in denen das Bankgeschäft verteuert werden würde – es wandere dann in weniger regulierte Teile des Systems und an andere Finanzplätze ab. Eine Warnung, der aufgrund der in den hiesigen Märkten zu verdienenden Milliarden niemand so recht Glauben schenkt.

 

Asiens Devisenreserven massiv gewachsen:
Die Devisenreserven Asiens steigen deutlich schneller als jemals zuvor. Laut der Bank DBS Group Holdings strömen seit April 2009 täglich rund 2 Milliarden US-Dollar in die asiatischen Länder. Deren Devisenreserven sind daurch in diesem Zeitraum um weitere 926 Milliarden US-Dollar angewachsen und entsprechen nun rund 13% des regionalen Bruttoinlandprodukts (BIP). Dabei verfügt China mit 2,45 Bio. $ (Stand Juni) über die höchsten Devisenreserven der Welt. Japan folgt mit 1,05 Bio. $ auf Platz zwei.

 

China versucht eine gigantische Immobilienblase zu verhindern:
Der anerkannte US-Anleger James Chanos warnt vor einer großen spekulativen Blase in China. Er hatte seiner Zeit als Erster den Niedergang des US-Energiekonzerns Enron vorhergesagt und kräftig an der Milliardenpleite verdient. Nun wettet er mit Leerverkäufen gegen die chinesischen Immobilienmärkte und Rohstoffe. Weitere Spekulanten dürften es ihm gleich tun. Viele branchenfremde Unternehmen steigen derzeit in den chinesischen Immobilienmarkt ein, da sie dort höhere Verdienste erhoffen, als in ihrem eigentlichen Kerngeschäft. Takumi Shibata, operativer Chef der japanischen Grossbank Nomura, ist der Ansicht, die chinesische Wirtschaft habe „etwa 20% auf dem Weg in eine Blasensituation hinter sich“. Chinas Regierung versucht seit Jahresbeginn dagegen zu steuern. Den Banken wurden bereits höhere Eigenkapitalregeln auferlegt – ohne jahrelange Übergangsfristen wie bei „Basel III“. Im Sommer folgte ein Stresstest mit äußerst pessimistischen Szenarien (Einbrechen der Häuserpreise um bis zu 60%). Seit dem 30. September müssen nun auch 30% des Immobilienwertes sofort angezahlt werden, wenn man eine Hypothek haben möchte. Zugleich wird in mehreren Metropolen eine Immobiliensteuer getestet. Die Regierung dürfte insgesamt einen langsamen Preisverfall von 10 bis 15% anpeilen, um die Luft aus der Blase zu lassen. Ob China jedoch ein sanftes Abfedern der Booms gelingt, bleibt vorerst fraglich.

 

Internationaler Schutz des geistigen Eigentums wird gestärkt:
2006 haben die EU, USA, Japan und die Schweiz mit einer Reihe von Schwellenländern mit der Arbeit an dem Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Acta) begonnen. Das Regelwerk soll als Ergänzung zum WTO-Abkommen Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights (Trips) das Fälschungsproblem eindämmen. Anfang Oktober haben die verhandelnden Länder einen Gesetzestext lanciert, der einer Endfassung recht nahe zu kommen scheint. Die Details dürften indes noch intensiv nachverhandelt werden. Neben den Initiatoren haben sich auch Australien, Neuseeland, Kanada sowie auch Jordanien, Mexiko, Marokko, Singapur, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate dem Vorhaben angeschlossen. Die internationale Vereinbarung Acta enthält eine Vereinbarung zum verstärkten Schutz des geistigen Eigentums und detaillierte Copyright-Bestimmungen. Ein institutioneller Rahmen soll helfen, leichter gegen Verstöße vorzugehen.

 

Deutsche Wirtschaftsdelegation will 25-Milliardenaufträge in Brasilien:
Am 17. Oktober reist eine Unternehmensdelegation gemeinsam mit Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba in das boomende Schwellenland Brasilien. Den teilnehmenden Unternehmen geht es um Beteiligungen an den groß angelegten Infrastrukturprojekten. Der Hafen in Santos soll für rund 10 Mrd. Euro ausgebaut werden (der erste CO2-neutrale Hafen der Welt), zwischen Rio de Janeiro über São Paulo nach Campinas soll für 15 Mrd. Euro eine Schnellbahnstrecke entstehen – unter Umständen die Magnetschwebebahn Transrapid. Insgesamt habe Brasilien 44 große Seehäfen, die modernisierungsbedürftig seien. 2014 findet in Brasilien die Fussball WM statt, 2016 gastieren die Olympischen Spiele.

 

Wirtschaftspotential | Berlin erstmals vor München:
Bei einer groß angelegten Befragung von 500 internationalern Managern über das Wirtschaftspotential der europäischen Großstädte hat die Wirtschaftsmetropole Berlin erstmals München in der Rangliste überholt. Die deutsche Hauptstadt verbesserte sich von Platz neun auf Platz sieben. München bleibt unter den Top 10 (Platz neun). Spitzenreiter unter den deutschen Städten ist Frankfurt a.M. (Platz drei). Düsseldorf rangiert auf Platz zehn, Hamburg auf Platz 15. Die Spitzenplätze belegen London vor Paris.

 

Staatliche Förderbank KfW rechnet mit Milliardengewinn:
2009 hatte die Kreditanstalt für Wiederaufbau und Entwicklung (KfW) 1,1 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Im ersten Halbjahr 2010 wurden bereits 980 Millionen Euro verdient. Die Summe der vergebenen Förderkredite wächst von rund 63 Milliarden Euro vermutlich auf den Rekordwert von 70 Milliarden im laufenden Jahr.

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