Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft vom 08.10.2010: International

1. Währungsstreit zwischen IWF und China im Vorfeld des G7-Gipfels:
2. EU-Kommission lehnt einseitige EU-Finanztransaktionssteuer vorerst ab:
3. Satelliten-Navigationssystem Galileo wird immer teurer:
4. Japan legt erneut ein 44 Milliarden schweres Konjunkturpaket auf:
5. Schweizer Arbeitslosenrate sinkt auf 3,5% ab:
6. Übergewichtige kosten US-Wirtschaft 73 Milliarden Dollar jährlich:
7. Renault verkauft Volvo-Aktien für drei Milliarden Euro:

 

Währungsstreit zwischen IWF und China im Vorfeld des G7-Gipfels:
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat im Vorfeld des am heutigen Freitag beginnenden G7-Gipfels China gewarnt, dass wenn die Volksrepublik ihre Währung nicht stärker aufwerten würde, könnte es zu einer neuen Krise kommen. Die Unterbewertung des Yuan sei eine Quelle von Spannungen in der Weltwirtschaft und könnte zu einer Bedrohung werden. Die USA und die EU-Kommission werfen China seit Jahren vor, den Wechselkurs des Yuan künstlich niedrig zu halten, um sich damit unfaire Vorteile im Außenhandel zu verschaffen. Der Währungsstreit reicht mit unterschiedlichen Besetzungen schon Jahrzehnte zurück. Waren es nach dem zweiten Weltkrieg Japan, Taiwan und Südkorea, die sich mit unterbewerteten Währungen einen Vorteil auf dem Weltmarkt verschafften, ist es nun vor allem China. Ein chinesischer Monatslohn von rund 200 US-Dollar entsprach 2007 einer Kaufkraft von 800 US-Dollar in den USA, also einem Jahreseinkommen von rund 10.000 US-Dollar. Kürzlich hat der brasilianische Finanzminister sogar vor einem Währungskrieg zwischen Industrie- und Schwellenländern gewarnt.

 

EU-Kommission lehnt einseitige EU-Finanztransaktionssteuer vorerst ab:
EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta hat sich gegen einen europäischen Alleingang bei der Einführung einer Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. Zu groß wird angeblich das Risiko bewertet, dass die Branche den lukrativen heimischen EU-Markt verlassen und ins EU-Ausland abwandern könnte. Diese Bewertung wird indes äußerst kontrovers diskutiert. Allerdings will sich die EU-Kommission bei dem im November stattfindenden Gipfel der wichtigsten Industriestaaten und Schwellenländern (G-20) weiterhin für eine koordinierte globale Einführung der Finanztransaktionssteuer einsetzen. Anstelle der Finanztransaktionssteuer favorisiert die EU-Kommission hingegen die Finanzaktivitätssteuer, die statt der Umsätze nur die Erlöse von Finanzinstituten mit einem Abschlag belegt. Dies würde allerdings nur einen Bruchteil der Einnahmen erbringen. Einerseits soll die Branche durch die Abgaben an den Kosten durch die Rettung während der Finanzkrise beteiligt werden, andererseits wird dies auch als geeignetes Mittel angesehen, reine Spekulationsgeschäfte unlukrativer zu machen, so dass längerfristige Anlagen wieder reizvoller werden. Bis Mitte nächsten Jahres will die Kommission beide Instrumente intensiv prüfen.

 

Satelliten-Navigationssystem Galileo wird immer teurer:
Das europäische Prestige-Projekt verzögert sich weiter und wird zudem immer teurer. Die Entwicklungsphase hat sich von 1,1 auf rund 1,8 Mrd. Euro verteuert, die Kosten der Errichtungsphase in Höhe von 3,4 Mrd. Euro steigen um weitere 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro. Der Start der ersten zwei Galileo-Satelliten ist für das dritte Quartal 2011 vorgesehen, der Endausbau dann bis 2017/18. Damit dürfte Galileo zehn Jahre später als ursprünglich geplant fertig werden. Insgesamt kosten Entwicklung, Aufbau und Betrieb die europäischen Steuerzahler in den kommenden 20 Jahren rund 20 Mrd. Euro. Wegen der verwendeten Radiofrequenzen hatte es zudem Streit mit China gegeben, das für sein System zum Teil die gleichen Frequenzen verwendet. Zwar waren die europäischen Planungen um Jahre älter, aber was bei der Belegung der Frequenzen zählt sind die physischen Ergebnisse: Wer die Frequenz zuerst nutzt, gelangt in ihren Besitz – und da hat China Europa mit derzeit drei geostationären Satelliten mittlerweile weit überholt.

 

Japan legt erneut ein 44 Milliarden schweres Konjunkturpaket auf:
Im Kampf gegen die seit Jahren anhaltende Krise hat Japan ein weiteres Konjunkturpaket über rund 44 Milliarden Euro aufgelegt. Damit sollen Beschäftigungs- und Sozialprogramme, Hilfen für kleinere Unternehmen und Investitionen in die Infrastruktur bezahlt sowie ein erneuter Kursanstieg des Yen verhindert werden. Bereits am Dienstag war der Leitzins für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf null gesenkt worden, um die Deflation zu bekämpfen. Die Zentralbank will nun zudem Wertpapiere im Gesamtvolumen von 44 Milliarden Euro aufkaufen, damit die Kreditwirtschaft wieder Spielraum zur Vergabe von Darlehen an die Wirtschaft bekomme. Probleme bereiten dem Land vor allem auch der stark überbewertete Yen, wodurch Importe aus dem Ausland günstiger, jedoch die Exporte japanischer Güter teurer werden, sowie ein verhältnismäßig zurückhaltender Binnenkonsum.

 

Schweizer Arbeitslosenrate sinkt auf 3,5% ab:
Die Zahl der Arbeitslosen ist in der Schweiz im September weiter um 0,1% auf 3,5% zurückgegangen (140.040). Damit fiel die Quote wieder auf das Niveau vom Frühsommer 2009. Im Herbst 2009 hatte sie einen Wert von 4,5% erreicht.

 

Übergewichtige kosten US-Wirtschaft 73 Milliarden Dollar jährlich:
Übergewichtige Beschäftigte kosten der US-Wirtschaft einer Studie zufolge jährlich rund 73,1 Milliarden Dollar. Grund sind geringere Produktivität und häufigere Abwesenheit wegen Krankheit. Damit könnten 1,8 Millionen Arbeiter zu einem Lohn von 42.000 Dollar beschäftigt werden. Die Studie spricht ab einem Body-Mass-Index von 40 von Übergewicht.

 

Renault verkauft Volvo-Aktien für drei Milliarden Euro:
Der französische Automobilkonzern Renault hat B-Aktien am schwedischen Hersteller Volvo für rund drei Milliarden Euro verkauft. Das entspricht 4,9 Prozent des Aktienkapitals und 3,8 Prozent der Stimmrechte. An den A-Aktien (6,8 Prozent des Aktienkapitals) will Renault jedoch weiter festhalten. Mit dem Erlös sollen die Unternehmensschulden verringert werden.

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