Technologie

Informationsdienst Technologie und Innovation: KW 48

1. Süddeutschland will Windkraft über Nutzwäldern nutzen:
2. Hochwirksame Methode zur Anregung der körpereigenen Selbstheilung:
3. Fraunhofer entwickeln Echtzeitsimulationswerkzeug für die Industrie:
4. Verständnisdurchbruch bei nanokristallinen Massivmetallen:
5. Neuartige Technik ermöglicht Hochleistungs-Chips und UV-Laserlicht:
6. Fraunhofer-Plattform für Elektromobilität online:
7. Muscheln weisen weg zu Erzvorkommen am Meeresboden:
8. Australien investiert 26,2 Mrd. Euro in Breitbandversorgung:
9. Kühlmittelpumpe mit Innovationspreis ausgezeichnet:
10. O2 auf Saturnmond nachgewiesen:
11. Urteil zu Musikdownload-Seite in zweiter Instanz bestätigt:

 

Süddeutschland will Windkraft über Nutzwäldern nutzen:
Rund 30% der Fläche der Bundesrepublik ist mit Wald bedeckt und daher für die Windkraft bislang nicht nutzbar. Die Schlusslichter in Sachen Windenergie, Baden Württemberg und Bayern, die sich bislang häufig gegen eine „Verspargelung“ ihrer Landschaft gewehrt hatten, prüfen nun, ungenutzte Waldgebiete (Nutzwälder) für die Windkraft zu erschließen. Dies bietet auch den Vorteil, dass die WEA weiter von bewohntem Gebiet entfernt liegen würden. Onshore-WEA haben zudem den Vorteil, dass sie leichter und kostengünstiger an das Stromnetz anzuschließen sind als Offshore-Anlagen. Am 8. Dezember wollen die beiden südlichen Bundesländer nun den „Windatlas für Bayern und Baden-Württemberg“ als Grundlage für die Erschließung der süddeutschen Wälder herausgeben. In den Bayerischen Staatsforsten prüfen bereits Experten des TÜV-Süd 100 Standorte auf ihre Eignung als Windparks. Bislang galten Wälder als ungeeignete Standorte, weil der Wind über den Wipfeln zu schwach und gleichzeitig zu turbulent weht. Mit über 100 Meter Turmhöhe erreichen die neuen Anlagen jedoch Höhen, in denen der Wind stark und gleichmäßig genug weht. Im fränkischen Gattendorf entsteht derzeit mit fünf Zwei-Megawatt Anlagen der erste oberfränkische Wald-Windpark, der ab Ende 2010 Strom für 7.500 Haushalte liefern und jährlich rund 17.500 Tonnen CO2 einsparen soll.

 

Hochwirksame Methode zur Anregung der körpereigenen Selbstheilung:
Zwei deutsche Mediziner haben sich eine revolutionäre Heilmethode und Gel unter dem Namen „Sanamander“ schützen lassen. Das Verfahren beruht auf der Heilung des Gewebes nach dem „Bionischen Prinzip“, das mit Hilfe von adulten Stammzellen die körpereigene Selbstheilung anregt. Wunden (auch Verbrühungen) können so narbenfrei heilen und riskante operative Eingriffe und Implantate zum Teil überflüssig werden oder bessere, narbenfreie Resultate erzielen. Für die Heilung muss weder zeitaufwendig Gewebe im Reagenzglas gezüchtet oder implantiert werden. Die adulten Stammzellen werden aus Blut, Fettgewebe oder Knochenmark des Patienten gefiltert und regen bei äußerlicher Anwendung in Kombination mit Proteinhormonen, körpereigenen Botenstoffen und einem künstlich erzeugten Sauerstoffmangel die Wundheilung an. Anfang nächsten Jahres beginnt nun eine europaweite klinische Studie mit insgesamt 1.000 Patienten, die die Vorschusslorbeeren belegen soll.

 

Fraunhofer entwickeln Echtzeitsimulationswerkzeug für die Industrie:
Das Fraunhofer IGD, die weltweit führende Forschungseinrichtung für angewandtes Visual Computing, entwickelten ein Verfahren, das erstmals eine Simulation in Echtzeit ermöglicht. Die meisten Baupläne werden zunächst einmal am Computer getestet. Die Berechnung einer exakten Simulation nimmt allerdings viel Zeit in Anspruch, erst danach können weitere Verbesserungen vorgenommen werden. Daher entwickelten Forscher des Fraunhofer IGD ein Verfahren, das erste Simulationsergebnisse in Echtzeit liefern kann und damit Zeit einspart und zu einer Steigerung der Produktivität beiträgt. Grundlegend sind moderne leistungsfähige Graphikkarten für die notwendigen Berechnungen. Die Wissenschaftler verknüpften dann Simulation und Darstellung direkt auf der Graphikhardware miteinander. Dadurch kann der Benutzer dann interaktiv das Simulationsergebnis durch Konstruktionsänderungen beeinflussen, wodurch die Entwicklungszeit erheblich beschleunigt wird.

 

Verständnisdurchbruch bei nanokristallinen Massivmetallen:
Die neuartigen nanokristallinen Massivmetalle sind gleichzeitig sehr hart und trotzdem gut verformbar. Defekte in ihrer Kristallstruktur auf atomarer Ebene tragen zu ihren außergewöhnlichen Eigenschaften bei, waren bislang aber nur sehr schwer zu untersuchen. Forschern der TU Graz gelang nun ein Durchbruch. Bei der aufwendigen Herstellung der Metalle (Beispiel Hochdruck-Torsion) schleichen sich atomare Defekte ein, die die normale Ordnung brechen. So liegen beispielsweise bestimmte Schichten nicht direkt übereinander bzw. einige Atome fehlen oder Reihen sind gegeneinander versetzt, wodurch die speziellen physikalischen Eigenschaften der Materialien entstehen. Das Verständnis der Grundlagen dieser Vorgänge bietet erst die Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung dieser neuartigen Materialien.

 

Neuartige Technik ermöglicht Hochleistungs-Chips und UV-Laserlicht:
Physiker der Universität Bonn haben erstmals mittels Hohlspiegeln ein Ensemble aus Photonen (Lichtteilchen) hergestellt, das im Gleichtakt schwingt – ein Bose-Einstein-Kondensat (BEC). 1995 war dies erstmals nahe dem absoluten Temperatur-Nullpunkt erreicht und 2001 mit dem Nobelpreis geehrt worden. Den Bonner Wissenschaftlern gelang dies nun bei Zimmertemperatur. Sie legen damit die Basis für eine Alternative zum Laserlicht: Das Problem bei Lasern, dessen Licht ebenfalls im Gleichtakt schwingt, ist der stark steigende Energieaufwand, je kürzer und energiereicher das Licht schwingen soll. So ist es bis heute extrem schwierig, kurzwelliges UV-Laserlicht herzustellen. Der neuen und effizienten Technik eröffnen sich damit viele Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise in der Herstellung von extrem feinen Nanostrukturen auf Elektronik-Chips (je kurzwelliger das Licht, desto feiner die Struktur), oder auch zur Konstruktion neuartiger laserähnlicher Lichtquellen, die im Röntgenbereich leuchten.

 

Fraunhofer-Plattform für Elektromobilität online:
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat alle Arbeiten und Studien rund um die Elektromobilität thematisch zusammengefasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben aktuellen Forschungsthemen und Zwischenergebnissen noch laufender Studien bietet die Homepage auch bereits veröffentlichte Zusammenfassungen zu unterschiedlichsten Themen, die übersichtlich in einzelne Forschungsbereiche unterteilt sind, wie beispielsweise Wirtschaftlichkeit und Umweltvorteilen der Elektromobilität. Zudem wird ein Überblick über aktuelle Forschungsprojekte gegeben.

 

Muscheln weisen weg zu Erzvorkommen am Meeresboden:
Tiefseemuscheln aus der unmittelbaren Umgebung von Tiefseequellen können den Weg zu reichhaltigen Rohstofflagerstätten am Meeresboden weisen. Damit können sie die aufwändige Erkundung in der Tiefsee enorm vereinfachen. Die Bathymodiolus-Muscheln versorgen sich mit Nährstoffe aus den heißen Fluiden der schwarzen Raucher. Dabei nehmen sie auch Seltene Erden auf und bilden so im Kalk ihrer Schalen ein Art Archiv über deren Gehalt und Zusammensetzung. Das Seltene-Erden-Element Europium liegt beispielsweise in den hydrothermalen Quellen in ungewöhnlich hohen Konzentrationen vor und tritt bei diesen Temperaturen zusammen mit Metallen wie Blei, Kupfer und Zink auf. Die Stoffe sind in den heißen Fluiden gelöst und fällen rund um die Quellen aus. Um die Schlote herum bilden sich damit große Erzvorkommen. Fossile Muschelschalen zeigen diese Lagerstätten auf, selbst wenn die heißen Schlote bereits seit mehreren Millionen Jahren erkaltet sind und die Erzvorkommen mittlerweile hunderte Meter tief unter dem Meeresboden liegen und schwer auffindbar sind.

 

Australien investiert 26,2 Mrd. Euro in Breitbandversorgung:
Der australische Senat hat 26,2 Milliarden Euro für den Aufbau eines schnellen Glasfaser-Breitbandnetzes bewilligt. Die Ausgestaltung des Netzes war eines der großen Themen während des Wahlkampfs im August. Die oppositionelle konservative Liberale Partei hatte für ein kleineres und weniger schnelles Netz zum Preis von rund 4,35 Mrd. Euro votiert. Australien befindet sich derzeit vor allem aufgrund seines enormen Rohstoffreichtums in einer guten ökonomischen Situation. Seit 1992 erlebt der mit nur knapp 22 Mio. Einwohnern spärlich besiedelte Kontinent ein kontinuierliches Wachstum, überwiegend zwischen 3-4% und positioniert sich damit meist in der Spitze der OECD.

 

Kühlmittelpumpe mit Innovationspreis ausgezeichnet:
Die IGEL Ingenieurgemeinschaft Erich Leitner AG mit dem Sitz in Ebersberg (Bayern) erhält für ihre Entwicklung einer energieeffizienten Kühlmittelpumpe für Automotoren den Innovationspreis des „Network of Automotive Excellence“ (NoAE). Die neue Kühlmittelpumpe kombiniert dabei, je nach Anforderung und Motordrehzahl, einen mechanischen und einen elektrischen Antrieb. Dabei ist sie effizienter als ein mechanisches und kostengünstiger als ein elektrisches System. Das Einsparpotential liegt bei rund 3% Treibstoff und dementsprechend CO2. Einsetzbar ist das System sowohl in Personenkraftwagen als auch in Nutzfahrzeugen.

 

O2 auf Saturnmond nachgewiesen:
Auswertungen der Raumsonde Cassini haben kürzlich ergeben, dass der Saturnmond Rhea eine dünne Atmosphäre aus Sauerstoff und Kohlendioxid aufweist. Die dünne Atmosphäre wird dabei durch die stetige chemische Zersetzung von Wassereis auf der Oberfläche des Mondes in Zusammenwirkung mit dem Magnetfeld und der Atmosphäre des Saturns gespeist. In dem Eis ist ebenfalls eine große Menge Sauerstoff gebunden. Erst kürzlich hatten Astronomen herausgefunden, dass auch die eisigen Jupitermonde Europa und Ganymed Sauerstoff in ihrer Atmosphäre besitzen.

 

Urteil zu Musikdownload-Seite in zweiter Instanz bestätigt:
Die Betreiber der schwedischen Musik-Download und Filesharing-Website „The Pirate Bay“ müssen auch nach dem Berufungsverfahren ins Gefängnis, wenn auch nicht so lange wie nach dem ersten Urteil. Die drei Betreiber waren schuldig gesprochen worden, anderen Internetnutzern dabei geholfen zu haben, gegen schwedische Gesetze zu verstoßen. Die Gefängnisstrafe wurden jedoch von jeweils einem Jahr auf vier bis zehn Monate verkürzt, die Schadenersatzzahlungen jedoch auf 4,9 Millionen Euro heraufgesetzt. Ein Verteidiger zeigte sich über das Urteil enttäuscht und kündigte an, möglicherweise bis vor den obersten schwedischen Gerichtshof zu gehen.

ElSchnuppero

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