Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 09.06.2011

Wirtschaftspolitik, Internationales:
1. Rumänien und Bulgarien sollen in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum
2. Serbien plant Beitrittsverhandlungen mit der EU für 2012
3. Bayerische Exporte übertreffen Vorkrisenniveau – China nun auf Platz zwei
4. Gründerboom bei bayerischen Existenzgründungen 2010
5. EU-Parlament gibt grünes Licht für EU-Maut bei Lkws
6. Deutschland baut 2012-2014 Atommüll-Entsorgungszentrums in Nordrussland
7. China baut seinen ersten Flugzeugträger

Branchen und Unternehmen:
8. Kranke Angestellte in der Arbeit verursachen höhere Kosten als jene zuhause
9. Samsung steigt in Solarmarkt ein – und will kräftig zukaufen
10. Geschasster Chef von BP vor Comeback in die Ölindustrie

 

Wirtschaftspolitik, Internationales:

 

Rumänien und Bulgarien sollen in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum
Das EU-Parlament hat mit großer Mehrheit (487 zu 77) für die Aufnahme der EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum gestimmt. Die Regierungen von Frankreich, Deutschland und den Niederlanden hatten bislang dagegen votiert, vor allem wegen der angeblich laxen Korruptionsbekämpfung. Rumänien hat eine gemeinsame Grenze mit dem EU-Beitrittsaspiranten Ukraine und der Republik Moldau (vormals Moldawien). Durch den Schengen-Beitritt Bulgariens würde die Grenze zur Türkei länger. Kritiker befürchten, dass beide Länder mit der Kontrolle ihrer Grenzen und mit möglichen Flüchtlingsströmen überfordert sein könnten. Die Aufnahme in den Schengen-Raum soll nun im September von den EU-Innenministern verhandelt werden.

 

Serbien plant Beitrittsverhandlungen mit der EU für 2012
Serbien – seit 2000 mit dem Status eines potentiellen EU-Beitrittskandidaten – hatte sich im Dezember 2009 offiziell um eine EU-Mitgliedschaft beworben. Die EU hatte daraufhin zwei Hauptbedingungen für den Beitritt des Landes zur Europäischen Union gestellt: Die Herstellung eines Dialogs zwischen Belgrad und Prishtina sowie die vollständige Zusammenarbeit Serbiens mit dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) bei der Verfolgung von Kriegsverbrechern. Mit der Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Mladic hat Serbien einen weiteren Schritt in Richtung Beitrittsverhandlungen mit der EU getätigt. Nun soll eine Normalisierung der Beziehungen zu der einstigen Provinz und inzwischen unabhängigen Republik Kosovo folgen – ebenfalls eine Voraussetzung für die Beitrittsverhandlungen, die nach dem Willen Belgrads Anfang 2012 beginnen sollen. Laut Präsident Tadic sollen innerhalb der nächsten 30 bis 40 Tagen „Vereinbarungen“ zu bestimmten Themen mit dem Nachbarland getroffen werden, vor allem zum Grenz- und Güterverkehr. Serbien hat die Unabhängigkeit des Kosovo vom Februar 2008 bislang noch nicht anerkannt. Die Wirtschaft Serbiens ist 2008 um 5,1 Prozent gewachsen, im Krisenjahr 2009 um 3,5 Prozent geschrumpft und 2010 wieder moderat um 1,5 Prozent gewachsen. Für 2011 und 2012 prognostiziert der IWF ein Wachstum von 3-4 Prozent, für 2013 sogar 4,5 Prozent. Die Staatsverschuldung lag Ende 2010 bei 41,8 Prozent des BIP.
Neben einem bedeutenden landwirtschaftlichen Potential weist Serbien als Exportgüter vor allem Eisen und Stahl sowie Textilien und Gummiprodukte aus. Problematisch ist eine zuletzt hohe Arbeitslosenquote von 19,2 Prozent (2010).

 

Bayerische Exporte übertreffen Vorkrisenniveau – China nun auf Platz zwei
Die bayerischen Exporte sind im 1. Quartal 2011 um 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen – die Einfuhren stiegen dabei sogar noch etwas stärker um 22,4 Prozent. Mit einem Monatsvolumen von 15 Milliarden Euro bei den Exporten im März wurde nun erstmals wieder das Vorkrisenniveau von 2008 übertroffen. Auch die drei wichtigsten Exportbranchen Bayerns, die zusammen rund zwei Drittel der Exporte tragen, legten kräftig zu: die Automobilindustrie (+26,2 Prozent), die Produzenten elektrotechnischer Erzeugnisse (+26,1 Prozent) sowie der Maschinenbau (+20,1 Prozent). Die bayerischen Unternehmen sind dabei sowohl in ihren angestammten Märkten in Europa und Nordamerika sowie auch in den Schwellenländern sehr erfolgreich. Mit einem Anstieg von 41,0 Prozent im 1. Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum katapultierte sich China auf Rang zwei der wichtigsten Absatzmärkte bayerischer Produkte und liegt damit nur noch knapp hinter den USA, wohin die Exporte ebenfalls stark zulegten (+32,2 Prozent). Die Exporte innerhalb der EU legten gleichfalls deutlich um 14,4 Prozent zu – wichtigster europäischer Handelspartner bleibt weiterhin Österreich (+15,1 Prozent). Am stärksten legten jedoch die Exporte nach Russland zu: gegenüber dem Vorjahresquartal stiegen die Exporte um 63,6 Prozent.

 

Gründerboom bei bayerischen Existenzgründungen 2010
Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn hat die aktuellen Zahlen zum Gründergeschehen im Jahr 2010 herausgegeben. Demnach konnte Bayern sein mittelständisches Fundament weiter stark ausbauen und damit auch die Führungsrolle in Deutschland bekräftigen. Nach Zahlen kamen 2010 im Freistaat 13.645 neue Unternehmen hinzu. Die anderen Flächenländer wie Hessen (+2.996), Niedersachsen (+1.046), Nordrhein-Westfalen (+683) und Baden-Württemberg (-1.524) folgen mit großem Abstand. Die Zahl der Existenzgründer im Gesamten nahm in Bayern um 3.443 auf 74.281 Menschen zu – der höchste absolute Anstieg bei den Gründerzahlen im Vorjahresvergleich unter allen Bundesländern. Der bayerische Wirtschaftsminister Zeil: „Die Politik ist dafür verantwortlich, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine dynamische Gründerkultur zu schaffen. Gemeinsam mit unseren Partnern im Existenzgründerpakt Bayern bieten wir Gründern eine umfassende Palette an Unterstützungen. Das Spektrum reicht von kostenloser Erstberatung bei unseren Gründer-Agenturen, zinsgünstigen Darlehen im Rahmen des Bayerischen Mittelstandskreditprogramms bis hin zur Förderung einer Expertenberatung durch unser Coaching-Programm und speziellen Leistungen für technologieorientierte Gründer.“ (Weitere Informationen unter www.startup-in-bayern.de und in der Broschüre „Existenzgründung in Bayern“.)

 

EU-Parlament gibt grünes Licht für EU-Maut bei Lkws
Nach dem Willen des EU-Parlaments soll der Schwerlastverkehr in Europa künftig für Lärmbelastung und Umweltverschmutzung zahlen. Nach jahrelangen Verhandlungen stimmte die Volksvertretung am Dienstag für die die sogenannte „Eurovignette“ für den Güterschwerverkehr. Die EU-Maut soll nur Lkw über 12 Tonnen betreffen, auf höchstens 4 Cent pro Kilometer beschränkt sein und ist für die EU-Mitglieder keine Pflicht – jedes Land darf hier selbst entscheiden. Die Abgabe soll zudem je nach dem Verkehrsaufkommen gestaffelt sein: Bei Stosszeiten und viel Verkehr kann die Maut daher um bis zu 175 Prozent teurer werden. Als Bedingung legte das EU-Parlament fest, dass 15 Prozent der Mauteinnahmen in transeuropäische Verkehrsnetze investiert werden müssen. Elf der 27 EU-Mitglieder erheben bereits eine Lkw-Maut, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien und Italien. Finanzminister Schäuble brachte die Autobahnmaut 2010 rund 4,5 Milliarden Euro ein.

 

Deutschland baut 2012-2014 Atommüll-Entsorgungszentrums in Nordrussland
Für rund 174 Millionen Euro baut Deutschland von 2012 an bis 2014 in der Saida-Bucht unweit des russischen Marinehafens Murmansk ein gemeinsames Atommüll-Entsorgungszentrums mit Russland. In der Anlage sollen nukleare Abfälle wiederverwertet und zwischengelagert werden. Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt 300 Millionen Euro. Bereits seit 2003 helfen Spezialisten der Energiewerke Nord (EWN) aus Lubmin bei Greifswald bei der Demontage und Einlagerung von 150 ausgemusterten Atom-U-Booten und 28 weiteren atomgetriebenen Schiffen der russischen Marine, die in der Saida-Bucht abgewrackt werden. Die Ausstattung des russischen nuklearen Entsorgungszentrums für schwach- und mittelradioaktiven Abfall soll mit dem Zwischenlager Nord (ZLN) in Lubmin vergleichbar sein. Das Zwischenlager werde neben fünf Lagerhallen eine Zerlegehalle für Großteile sowie einen Bereich mit modernen Anlagen zur Dekontamination umfassen. Stellvertretende Projektleiter der EWN, Detlef Mietann: „Das nach den höchsten internationalen Standards geplante Lager bedeutet für Russland einen Quantensprung für die Entsorgung atomarer Altlasten.“ Bislang hatten drei Frachter im Murmansker Hafen als provisorisches Zwischenlager gedient – etliche ausgemusterte und vor sich hin rostende Atom-U-Boote haben auch noch ihre vollständigen Reaktoren im Rumpf. Die radioaktiven Bestandteile sollen 70 Jahre in dem Zwischenlager abklingen, bis die Strahlenbelastung soweit zurückgegangen ist, dass eine Demontage möglich wird – ein Endlager existiert weltweit noch kein einziges. 2005 hatte „Der Spiegel“ berichtet, dass in dem Gebiet Murmansk rund 20.000 Brennelemente und 12.000 Kubikmeter atomarer Abfall lagern. 11.000 Container seien damals bereits von der Marine in die Barents-See und die Kara-See im Nördlichen Eismeer gekippt worden. Zwischen den Inseln Nowaja und Sewernaja Semlja wurden zudem 13 Atom-U-Boote absichtlich auf Grund gesetzt, sechs davon komplett mit Reaktoren und Brennstäben. Präsident Wladimir Putin hatte damals eingeräumt, dass die Entsorgungstechnik „unzureichend entwickelt“ sei. Die USA gaben sich bislang damit zufrieden, dass bei den ausgemusterten russischen Atom-U-Booten die Nuklearraketen aus dem Torpedoraum entfernt und vernichtet werden. Für Europa stellen die verrottenden Reaktoren jedoch ein unkalkulierbares Risiko dar. Deswegen beteiligen sich Norwegen, Italien, Großbritannien und Deutschland finanziell an der Entsorgung.

 

China baut seinen ersten Flugzeugträger
Der chinesische Generalstabschef Chen Bingde hat die Gerüchte bestätigt, an einem ersten Flugzeugträger zu bauen. Dieser sei aber noch nicht fertig. Demnach werde der 1998 aus ukrainischen Beständen für den Spotpreis von nur 25 Millionen Dollar erworbene, seit Sowjetzeiten unvollendet gebliebene russisch-ukrainische Flugzeugträger „Warjag“ (Baukosten 1,9 Milliarden Euro) im chinesischen Hafen Dalian fertiggestellt. Das Schiff war vor zehn Jahren vom Schwarzen Meer nach China geschleppt worden und soll nun den Namen „Shilang“ tragen. Ursprünglich hatte es geheißen, China wolle daraus ein schwimmendes Hotel mit Casino bauen. Im Dezember 2010 wurden jedoch Gerüchte laut, China wolle den Flugzeugträger nun doch modernisieren, umrüsten und fertigstellen, um ihn der chinesischen Kriegsmarine zulaufen zu lassen. Experten bezweifeln indes die Schlagkraft eines solchen Flugzeugträgers ohne entsprechende begleitende Kreuzer. Er werde daher voraussichtlich vor allem Übungs- und Ausbildungszwecke haben, bis China in einigen Jahren Flugzeugträger aus rein eigener Produktion samt Begleitschiffe in Dienst stellen werde. China selbst beteuert rein defensive Aufgaben.

 

Branchen und Unternehmen:

 

Kranke Angestellte in der Arbeit verursachen höhere Kosten als jene zuhause
Ein Hauptthema der 2001 gegründeten Felix-Burda-Stiftung ist die Gesundheitsvorsorge. Die Beratungsfirma Booz & Company hat nun im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung eine Studie zu den Kosten herausgegeben, die Unternehmen durch kranke Angestellte entstehen. Demnach verursachen kranke Mitarbeiter, die dennoch in die Arbeit gehen, rund doppelt so hohe Kosten wie diejenigen, die daheim das Bett hüten und sich auskurieren. Das Verhalten wird auch als „Präsentismus“ bezeichnet – also Präsenz am Arbeitsplatz, obwohl man noch nicht auskuriert ist. Die höheren Kosten kommen dadurch zustande, dass Kranke am Arbeitsplatz weniger leisten, deutlich mehr Fehler machen und auch häufiger Opfer eines Unfalls werden. Außerdem werden chronische Krankheiten begünstigt und die Mitarbeiter angesteckt. Im Ergebnis kommen so weitaus größere Kosten auf die Arbeitgeber und die Wirtschaft zu. Die Kosten für die reinen Fehlzeiten von Erkrankten summieren sich im Durchschnitt pro Jahr auf 1.197 Euro pro Mitarbeiter. Die versteckten Kosten des Präsentismus hingegen belaufen sich auf 2.394 Euro pro Kopf und Jahr. Alles in allem schmälern die krankheitsbedingten Kosten das BIP um neun Prozent pro Jahr (225 Milliarden Euro).

 

Samsung steigt in Solarmarkt ein – und will kräftig zukaufen
Der südkoreanische Elektronikriese Samsung will mit ehrgeizigen Wachstumsplänen den Solarmarkt erobern. Zunächst soll kräftig investiert und zugekauft werden. Changsik Choi, verantwortlich für Samsungs Solargeschäft: „Wir haben großes Interesse vor allem an Unternehmen mit guter Technik, die uns im Rennen um höhere Effizienz hilft.“ Es komme auch der Zukauf von Fabriken in Frage. Die Entscheidungen sollen binnen sechs Monaten fallen. Samsung ist einer der Marktführer im Halbleiter- und LCD-Geschäft – dieses Know-how ließe sich auch auf verschiedene Solarprodukte übertragen. Experten gehen daher davon aus, dass dies zu einem weiteren Konsolidierungsprozess der Branche beitragen wird – entweder indem mittelständische Hersteller aufgekauft oder vom Markt verdrängt werden. Der Samsung-Manager Choi hierzu: „Es gab mal mehr als 50 Halbleiterhersteller, jetzt sind es noch nicht mal mehr zehn. Eine solche Evolution wird es in der Solarbranche auch geben.“ Die Neuordnung des Marktes beginne jetzt. Mit Investitionen von 3,8 Milliarden Dollar bis 2020 will Samsung, das erst vor eineinhalb Jahren in das Solargeschäft eingestiegen ist, zum größten Solarkonzern der Welt aufsteigen. Laut Samsung soll der Markt von derzeit weltweit 30 Milliarden Dollar auf 70 Milliarden Dollar in 2020 anwachsen.

 

Geschasster Chef von BP vor Comeback in die Ölindustrie
Tony Hayward (53) hatte im Zuge der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Mitte 2010 den Chefsessel von dem britischen Ölmulti BP räumen müssen. Sein Katastrophenmanagement war als zu schlecht bewertet worden. Nun ist das „Gesicht der Ölpest“ nach acht Monaten Abstinenz wieder vor der Rückkehr in die Ölbranche. Zusammen mit seinem Bekannten, dem britisch-schweizerische Bankier Nathaniel Rothschild aus der gleichnamigen Bankiersfamilie, soll ihr gemeinsames Investment-Unternehmen Vallares für rund 1,2 Milliarden Euro an die Börse gebracht werden. Mit den Einnahmen sollen dann Firmen und Anlagen der Ölbranche im Wert von 3 bis 8 Milliarden Pfund eingekauft werden. Der IPO ist noch für diesen Juni geplant.

 

 

 

 

ElSchnuppero

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