Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 18.10.2010

Wirtschaftspolitik:
1. US-Haushaltsdefizit 2010 auf 8,9% des BIP (1,3 Bio. Dollar) leicht gesunken:
2. Fed hält wieder mehr US-Staatsanleihen als Japan:
3. US-Hypothekenkrise kommt mit Macht zurück:
4. Deutschland – Alle Beteiligten sollen bei Bankeninsolvenzen einen Beitrag leisten:
5. Privatisierung russischer Großunternehmen für 22,5 Mrd. Euro:
International:
6. Bergbaukonzerne BHP und Rio Tinto blasen Joint Venture ab:
7. Allianz will bei der Eisenbahnverbindung im Euro-Tunnel einsteigen:
8. Milliardengewinn von General Electric beruhigt Analysten nicht:
9. Elektronikkonzern Philips mir deutlichem Gewinnsprung:
10. Dolce&Gabbana 420 Mio. Euro Steuerhinterziehung vorgeworfen:
11. US-Bankenchef für Anlegertäuschung zu 67,5 Mio. Dollar verurteilt:
National:
12. EuGH spricht Deutsche Post von Milliardenrückzahlung frei:
13. Hochtief drängt auf Änderungen im deutschen Übernahmegesetz:
14. Teilerfolg für Kranhersteller Demag im Abwehrkampf:
15. Hermes greift Marktführer Deutsche Post an:
16. Porsche will Hybridversion in jeder Baureihe anbieten:
17. Volkswagen mit neuem Absatzrekord:
18. Toyota will Vormachtsstellung bei Hybrids verteidigen:

 

US-Haushaltsdefizit 2010 auf 8,9% des BIP (1,3 Bio. Dollar) leicht gesunken:
Das Haushaltsdefizit in dem am 30. September abgeschlossenen Budgetjahr 2010 sank um knapp 9% gegenüber dem Rekorddefizitjahr 2008/09 auf 8,9% des BIP, was einem Fehlbetrag von rund 1,3 Bio. Dollar entspricht. In dem Budgetjahr 2008/09 war ein Defizit von fast zehn Prozent (1,42 Billionen Dollar) verzeichnet worden.

 

Fed hält wieder mehr US-Staatsanleihen als Japan:
Im Zuge der gelockerten US-Geldpolitik ("Quantitative Easing") hat die US-Notenbank ihre Bestände an US-Staatsanleihen massiv erhöht. Mit nunmehr 821,128 Mrd. Dollar wurden laut Medienberichten die Bestände Japans um 128 Mio. Dollar übertroffen. Lediglich China hält noch mit 846 Mrd. Dollar mehr US-Staatsanleihen. Notenbankchef Ben Bernanke zufolge soll das "Quantitative Easing" weiter ausgebaut werden, Beobachter gehen von wenigstens einer weiteren Billion Dollar an direkten Käufen aus, die rund 100 Mrd. Dollar im Monat erreichen könnten. Damit wäre auch China demnächst überholt. Sollte die US-Regierung aufgrund der enormen Schuldenlast einmal ein Schuldenmoratorium anstreben, wäre nunmehr – zum Missfallen der anderen Gläubiger – die Fed der wichtigste Verhandlungspartner für einen etwaigen Schuldenerlass. Fed-Chef Bernanke hat die Ankündigung für den weiteren Zukauf von US-Staatsanleihen zudem mit der Bekämpfung einer möglichen Deflation begründet. Die Inflationsrate mit derzeit 1,1% in 2010 (ohne Energie und Lebensmittel) sei zu niedrig. Eine Rate von rund 2% führe zu höheren nominalen Zinsen. Dieser Puffer gebe der Notenbank in einer Rezession dann mehr Spielraum, den Leitzins zu senken. Den USA wird allerdings auch vorgeworfen, ihre Währung durch die lockere Geldpolitik künstlich nach unten zu manipulieren, um den eigenen Export zu stärken. Dasselbe wird auch China vorgeworfen (Stichwort: Währungskrieg).

 

US-Hypothekenkrise kommt mit Macht zurück:
Die US-Finanzmarktaufsicht SEC hat Medienberichten zufolge am Wochenende mit Ermittlungen über den jüngsten Skandal um unrechtmäßige Zwangsversteigerungen von Häusern durch US-Banken begonnen. Es droht ihnen eine riesige Klagewelle. Die Finanzinstitute hätten bei Hypothekenanleihepapieren und Zwangsversteigerungen geschlampt und könnten nun gezwungen werden, Papiere im Wert von mehr als einer Billion Dollar unter Verlusten zurückzunehmen. Dabei handelt es sich um jene Finanzinstrumente, deren Wertverfall die Finanzkrise 2007 bis 2009 ausgelöst hat. Die SEC wollte sich zu den Berichten zunächst nicht äußern. Die Wall Street Banken haben sich von der Krise bedeutend schneller erholt als die rettenden Staatsfinanzen: In diesem Jahr werden die Erträge der Wall Street Banken voraussichtlich um 3% auf total 448 Milliarden Dollar anwachsen. 32% dieser Einkünfte sollen als Rekordboni an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden, insgesamt 144 Milliarden Dollar für 2010.

 

Deutschland – Alle Beteiligten sollen bei Bankeninsolvenzen einen Beitrag leisten:
Mit dem "Gesetz zur Restrukturierung und geordneten Abwicklung von Kreditinstituten" will die Bundesregierung die Verluste bei künftigen Krisen gleichmäßiger auf alle Beteiligten verteilen. Bislang kamen Anleihengläubiger bei Bankenschieflagen meist glimpflich davon, während Aktienbesitzer die Verluste verbuchten. Die Versicherungsbranche wäre von der Neuregelung am härtesten betroffen. Bankenanleihen stellen derzeit mit rund 350 Mrd. Euro ein Viertel der gesamten Kapitalanlagen deutscher Versicherer. HUK-Coburg Chef Wolfgang Weiler hierzu: "Wir sind nicht der Ansicht, dass Gläubiger immer ungeschoren aus der Sanierung einer Bank herauskommen müssen, das gilt auch für uns (…) Aber Positionen aus laufenden Verträgen dürfen nicht im Nachhinein zu Lasten der Gläubiger verändert werden." Mehrer Möglichkeiten liegen auf dem Tisch: Die Anleihen werden im Ernstfall zwangsweise in Aktien der Bank umgewandelt, sie werden um einen Prozentsatz gekürzt, oder ihre Laufzeit wird deutlich verlängert.

 

Privatisierung russischer Großunternehmen für 22,5 Mrd. Euro:
Der Kreml plant insgesamt Teilverkäufe bei elf Großunternehmen und will damit in den kommenden Jahren mindestens 22,5 Mrd. Euro einnehmen. Wie nun bekannt wurde, stehen auch Anteile der größten russischen Fluglinie Aeroflot zum Verkauf. Moskau will aber weiterhin die Mehrheit an den Unternehmen behalten. Weitere Privatisierungen soll es bei dem Ölgiganten Rosneft geben, der Sberbank sowie der Staatsbahn RZD. Die undurchsichtigen Privatisierungen der 1990er Jahre hatten zu der Herausbildung der russischen Oligarchenstrukturen geführt: Nach einem Bericht der Weltbank, hat durch den staatlichen Ausverkauf ein knappes Dutzend von Oligarchen die Kontrolle über rund 60% der russischen Publikumsgesellschaften erhalten.

 

Bergbaukonzerne BHP und Rio Tinto blasen Joint Venture ab:
Die australischen Bergbaukonzerne Rio Tinto und BHP Billiton (Nummer zwei und Nummer drei der Welt) haben sich dem internationalen Protest von Wettbewerbshütern gebeugt und ihr geplantes Joint Venture ihrer Eisenerzproduktion in Westaustralien (Volumen 116 Mrd. Dollar) abgesagt. Unter anderem hatten die Wettbewerbshüter der EU, Australiens, Japans, Südkoreas und Deutschlands bedenken angemeldet. Die beiden Konzerne hatten sich von der Zusammenarbeit Einsparungen von mehr als zehn Mrd. Dollar versprochen. Nun soll alternativ eine Zusammenarbeit bei der Infrastruktur erfolgen, um Kosten zu sparen. BHP will nun den weltgrößten Düngerhersteller Potash (Kanada) für 39 Mrd. Dollar übernehmen.

 

Allianz will bei der Eisenbahnverbindung im Euro-Tunnel einsteigen:
Der Münchner Versicherungskonzern Allianz will offenbar 2,3 Mrd. Euro für die Zugstrecke zwischen London und dem Euro-Tunnel bieten, die von der britischen Regierung zum Verkauf gestellt wurde. Die Allianz bietet allein und habe als Berater die Bank of America Merrill Lynch. Weitere Bieter sind: Ein Konsortium aus der Eurotunnel-Gesellschaft, der US-Bank Goldman Sachs und dem Fondsmanager M&G, ein Konsortium aus der Abu Dhabi Investment Gesellschaft, dem Finanzinvestor 3i und der US-Bank Morgan Stanley, sowie auch die Investmentgruppe CKI des reichsten Manns Hongkongs, Li Ka-Shing.

 

Milliardengewinn von General Electric beruhigt Analysten nicht:
Der US Misch- und Elektronikkonzern General Electric hat seine aktuellen Zahlen für das Geschäftsjahr 2009/10 veröffentlicht: Der Umsatz fiel mit 36 Mrd. Dollar um beinahe 5% niedriger aus, als von den Analysten erwartet. Der Auftragsbestand blieb jedoch mit 172 Mrd. Dollar konstant. Der Überschuss im dritten Quartal legte hingegen um fast 30% auf 3,16 Mrd. Dollar zu. Dennoch verlor die GE-Aktie aufgrund von Gewinnmitnahmen 4,7%. Ausschlaggebend war der 5% niedrigere Umsatz als prognostiziert – aufgrund seiner herausragenden Marktmacht wird GE als ein wichtiger Indikator für die US-Konjunktur gewertet.

 

Elektronikkonzern Philips mir deutlichem Gewinnsprung:
Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im dritten Quartal seinen Gewinn deutlich steigern können: Bei einem Umsatz von 6,16 Mrd. Euro (+ 1%) verdoppelte sich der operative Gewinn von 344 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 648 Mio. Euro in 2010. Der Gewinn wurde mit 524 Mio. Euro ausgewiesen (3. Q. 2009: 176 Mio. Euro).

 

Dolce&Gabbana 420 Mio. Euro Steuerhinterziehung vorgeworfen:
Das Modelabel des Designerduos Dolce&Gabbana wird Steuerhinterziehung in Höhe von 420 Mio. Euro vorgeworfen. Die Mailänder Firma habe in den Jahren 2004-2007 mittels fiktiven ausländischen Tochtergesellschaften in Luxemburg den italienischen Fiskus bewusst umgangen. Demnächst werde das Strafverfahren eröffnet.

 

US-Bankenchef für Anlegertäuschung zu 67,5 Mio. Dollar verurteilt:
Der ehemalige Chef des US-Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo 71), muss in einem Vergleich im Zusammenhang mit der Finanzkrise 67,5 Mio. Dollar Strafe zahlen. Er habe laut der amerikanischen Börsenaufsicht SEC die Anleger bewusst über Risiken auf dem US-Hypothekenmarkt im Unklaren gelassen. Das Unternehmen habe wegen einer immer laxeren Kreditvergabe die Immobilienkrise wesentlich mitverantwortet. Während viele Aktionäre Geld verloren, hatte Mozilo laut SEC bereits 2006 auf Basis vertraulicher Informationen illegale Gewinne von rund 140 Mio. Dollar realisiert. Zusammen mit Mozilo wurden auch zwei weitere Topmanager belangt, alle drei weisen weiterhin jede Schuld zurück. Unabhängig von dem SEC-Vergleich wartet noch ein Strafverfahren auf sie. Das Geld soll den geschädigten Anlegern zukommen.

 

EuGH spricht Deutsche Post von Milliardenrückzahlung frei:
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Klage der EU-Kommission wegen unerlaubter Beihilfen im Paketgeschäft zurückgewiesen. 2002 hatte die EU-K die Deutsche Post zur Rückzahlung angeblicher Beihilfen von 572 Millionen Euro plus Zinsen verpflichtet, was heute einen Betrag von über eine Milliarden Euro entspricht. Angeblich habe die Post von 1994 bis 1998 ihr geschütztes Monopol im Briefgeschäft ausgenutzt und nicht gedeckte Kosten beim Versand von Paketen von Geschäftskunden unzulässig mit staatlichen Beihilfen zur Finanzierung des Post-Universaldienstes ausgeglichen und damit den Wettbewerb der privaten Paketdienste behindert. Die EU-Kommission hat jedoch angekündigt, die 2007 begonnene Prüfung sämtlicher Ausgleichszahlungen des Staates an die Post mit dem EU-Wettbewerbsrecht aufrechtzuerhalten.

 

Hochtief drängt auf Änderungen im deutschen Übernahmegesetz:
Der kurz vor der Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS stehende Essener Baukonzern Hochtief drängt auf eine Änderung des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes. Andere Länder hätten vergleichbare Schutzlücken in ihren Gesetzen bereits geschlossen. So muss in Großbritannien oder Frankreich beispielsweise auch dann ein Pflichtangebot an Aktionäre abgegeben werden, wenn ein Unternehmen bereits mehr als 30% an einem anderen besitzt und seinen Anteil weiter ausbauen will. Nur so seien feindliche Übernahmen deutscher Unternehmen zu verhindern. Die nordrhein- westfälische Landesregierung unter Führung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) prüft derzeit eine entsprechende Bundesratsinitiative. Auch die Schweiz schützt Unternehmen mit satzungsmäßigen Erwerbsbegrenzungen vor Übernahmen. Derweil überprüft offenbar auch der Baukonzern Bilfinger Berger einen Einstieg bei Hochtief, um über die Sperrminorität eine Übernahme abzuwehren. Um auf die Abwehrmaßnahmen von Hochtief entsprechendreagieren zu können, plant ACS nun offenbar eine Kapitalerhöhung um bis zu sechs Milliarden Euro.

 

Teilerfolg für Kranhersteller Demag im Abwehrkampf:
Der US-Baumaschinenkonzern Terex und der finnische Konkurrent Konecranes planen den Kranspezialisten Demag zu übernehmen. Der Demag-Vorstand leht eine Übernahme des Unternehmens mit gut 1 Mrd. Euro Umsatz und 6.000 Beschäftigten jedoch ab. Nun scheint die geplante Übernahme zu platzen. Die Demag-Aktie wird derzeit im Vergleich zu Anfang September mit einem Aufschlag von über 50% gehandelt. Dadurch hat sich die Übernahme deutlich verteuert.

 

Hermes greift Marktführer Deutsche Post an:
Der zum weltgrößten Versandhaus Otto gehörende Paketdienstleister Hermes will innert zwei Jahren den Ex-Monopolisten Deutsche Post als Marktführer ablösen. Hermes hat derzeit vor allem aufgrund des Internetgeschäfts Wachstumsraten im deutlich zweistelligen Bereich. Der Bereich E-Commerce werde dabei noch mindestens noch zehn Jahre stark wachsen.

 

Porsche will Hybridversion in jeder Baureihe anbieten:
Porsche will eine Hybrid-Version in jeder Baureihe anbieten und damit die von der EU vorgegebene Höchstgrenze für CO2-Emissionen unterschreiten. Aber auch der US-Bundesstaat Kalifornien, einer der ausländischen Hauptabsatzmärkte des Sportwagenherstellers, hat seine Vorgaben deutlich verschärft. Dieses Jahr kam mit dem Cayenne S Hybrid der erste Porsche-Hybrid auf den Markt. In wenigen Jahren soll der vollelektronische Sportwagen 918 Spyder erhältlich sein. Auch sollen Hybridversionen des 911, Boxster und Cayman entwickelt werden.

 

Volkswagen mit neuem Absatzrekord:
Der Autobauer VW peilt ein Rekordjahr an. In den ersten neun Monaten wurden bereits über fünf Millionen VW-Autos verkauft. Für das gesamte Jahr 2010 wird von 6,3 Mio. ausgegangen. Der chinesische Markt wuchs bislang in 2010 mit 39%, der US-Markt mit 21%. Bis spätestens 2018 will VW den japanischen Konkurrenten Toyota mit zehn Millionen Autos pro Jahr als weltgrößten Autobauer ablösen. Derzeit liegt VW hinter den Japanern und General Motors auf Platz drei.

 

Toyota will Vormachtsstellung bei Hybrids verteidigen:
Toyota will bis 2012 sechs neue Hybridmodelle auf den Marktbringen und dadurch seine Vormachtstellung in diesem Segment verteidigen. Zudem ist eine reine Elektroversion des Modells Prius geplant, das mit einem angepeilten Preis von unter 28.000 Dollar das billigste Elektroauto seiner Klasse wäre. Bislang hat Toyota bereits 2,7 Millionen Hybridautos weltweit verkauft.

ElSchnuppero

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